|
|
b)
auf Pad nach Swakopmund:
Ein Phänomen, was ich zwar aus dem TV bereits kannte, aber selbst noch
nie gesehen hatte, sind die Fata Morganas. Wenn die Strasse leicht
ansteigt, vermeint man, dass die Strasse nass ist und die Scheinwerfer
der Autos spiegeln sich im Asphalt wie auf einer regennassen Strasse. Auch Berge und Hügel
in der Ferne spiegeln sich und man hat den Eindruck, dass ein See am Fuß des
Berges liegt. Aber in Wirklichkeit ist weder die Strasse nass noch gibt es einen
See. Das sind alles nur Luftspiegelungen. Es ist fantastisch.
Trotz der schnurgeraden Strassen und des weiten Blickes
nach vorn, sollte man beim Überholen eines Autos genau abschätzen, ob man
das Überholmanöver noch schafft, bevor der Gegenverkehr heran ist. Durch die
flirrende, klare Luft kann man sich als Ungeübter schnell verschätzen - und dann wirds richtig gefährlich. Es gilt zwar Tempo 120, aber man kann wirklich nicht
genau abschätzen, wie schnell der Gegenverkehr heran ist.
Über Okahandja und Karibib gings weiter nach Usakos, wo wir am "Farmstall" einen kurzen Zwischenstopp eingelegt haben, um etwas zu trinken. Ab Usakos beginnt bereits die Namib-Wüste und die Landschaft wird zunehmend karger und öder. Über schnurgerade Strassen fuhren wir weiter, über den kleinen Ort Arandis und kamen gegen 18:00 in Swakopmund an. Wie groß war meine Überraschung, als ich aus dem Auto ausstieg und mich frische, kühle Luft umgab. Unglaublich, nachdem es den ganzen Tag und auf der gesamten Strecke brütend heiß war. Aber genau das ist das Typische an Swakopmund. Zum Glück war aber der Swakop-typische Hochnebel im Laufe des Tages verschwunden und der Himmel leuchtete azurblau.
b) Swakopmund: Barbaras Eltern haben ein nettes Häuschen in einer hübschen, gepflegten Anlage in Swakopmund und das war für die nächsten 2 Nächte unser Zuhause. Los gings aber erst einmal mit dem Auto-Auspacken. Die Auto Aus- und wieder Einpackerei wurde in den nächsten Tagen zu unserer "Lieblingsbeschäftigung" und wir wurden in kürzester Zeit richtige Profis.
Auspacken, Gästezimmer beziehen, warm anziehen und los gings zu
Barbaras "re-union" = Klassentreffen bei einem ehemaligen Klassenkamerad. Obwohl
ich mich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten konnte, war es trotzdem
schön. Dort erlebte ich zum ersten Mal, wie ich von mir völlig fremden Menschen
unkompliziert und sehr herzlich aufgenommen wurde. Natürlich gab es wieder einen
Braai (Grillen) mit Lammsteaks, Boerewors (auf gut Deutsch Burenwurst = so etwas
ähnliches wie eine Bratwurst, zumeist gedreht in Schneckenform) und
leckerem Salat. Sogar Austern gab es und ich habe das Zeug zum ersten Mal in
meinem Leben probiert. Allerdings frage ich mich ernsthaft, was an den Dingern
so teuer ist und warum die als Delikatesse gelten. Ich mag das glibberige Zeugs
nicht, aber das ist ja bekanntlich Geschmacksache.
17.12.2005 - Swakopmund - Henties Bay - Swakopmund: a) Swakopmund: Nach dem Ausschlafen bis 09:00 und einem ordentlichen Frühstück mit frischen Brötchen sind wir in das Stadtzentrum rein gefahren. Wegen der Morgenkühle und dem noch über der Stadt hängenden Nebelresten wusste ich natürlich wieder nicht, was ich anziehen sollte und habe mir von Barbara ein kurzärmeliges Shirt geborgt (ich hatte nur langärmlige Shirts oder Spaghettiträger-Tops im Gepäck, etwas zwischen Beidem lag alles im Koffer in Windhoek), eine gute Entscheidung, denn es wurde schnell wärmer und der Nebel verzog sich ganz. An dem Tag habe ich mir sogar einen leichten Sonnenbrand geholt, denn wer benutzt denn schon Sonnenschutz, wenn es kühl und neblig ist. Swakopmund im Sonnenschein ist ein unglaublich schönes Städtchen mit breiten Salzstrassen (ja, Salz! keine Asphaltstrassen) wunderschön restaurierten Gebäuden aus der wilhelminischen Zeit und hübschen gepflegten Wohnanlagen. Dazu ein kleines und überschaubares Stadtzentrum mit vielen Geschäften aller Art, wo man herrlich shoppen kann. Zum Teil haben mich einige Straßenzüge mit den kleinen Läden, Kneipen und Restaurants an das Ostseebad Warnemünde erinnert, zumal auch das Klima dem an der Ostsee (und auch Nordsee) recht ähnlich ist. Ich hab mir natürlich gleich ein T-Shirt gekauft, damit ich mir nicht jeden Tag etwas Anziehbares borgen muß. Danach sind wir sightseeing-mäßig kreuz und quer durch die Stadt gezogen, bis zur Mole und an den Strand. Die ganze Stadt ist sehr gepflegt und sauber und traumhaft schön. Trotz der relativen Kühle tummelten sich am Strand zahlreiche Badegäste und ein paar ganz Wagemutige badeten sogar im eiskalten Wasser des Atlantiks.
Nach einem relaxten Stündchen in der Sonne auf der windgeschützten Terrasse zu Hause und einem Kaffee haben wir uns gegen 16:00 schon wieder auf die Piste begeben - nach Henties Bay, ca. 65 km nördlich von Swakopmund, wo Freunde von Barbara ihren Urlaub verbrachten.
b) Henties Bay:
Auf einer Salzstrasse, immer an der Küste entlang, ging es über
verschiedene "Miles" (Mile 14, Mile 18 etc. - Bezeichnung für die
einzelnen Strandabschnitte, wo sich zum Teil Ferien-Bungalowsiedlungen, oder
auch nur Campingplätze befinden), Wlotzkas Baken (ein von einem
Polen angelegter kleiner Ferienort mitten im sandigen Nichts mit urigen, recht
einfachen Ferienhäuschen, die alle einen Wassertank auf dem Dach haben),
Jakkalsputz und noch ein paar Miles nach
Henties Bay.
Die Familie mit ihren 3 Kids hat mich wieder unglaublich herzlich
aufgenommen. Für die Mädels im Alter von 7, 11 und 13 war ich neu und
damit offensichtlich mega interessant und sie wichen mir nicht mehr von der Seite.
Wieder gabs einen leckeren Braai im Freien, dazu immer das gute "Tafel" oder "Windhoek-Lager"
Bier.
18.12.2005 - Swakopmund - Walvis Bay - Swakopmund:
Wieder einmal vor dem Aufstehen aufstehen, denn heute stand die
"Seal Cruise" (Bootsfahrt in der Bucht von Walvis Bay) - mein
Geburtstagsgeschenk von Barbara - auf dem Programm. Um 09:00 begrüßte uns Skipper Mike und wir bestiegen unser Boot "Orlin". Kaum dass das Boot losgefahren war, wurden wir bereits umringt von einer Schar prächtiger Pelikane und umflattert von Scharen von Seemöwen. Kurz darauf hatten wir auch schon die erste Robbe "zu Gast" an Bord, die Mike zum allgemeinen Entzücken mit Fischen fütterte. Jeder will natürlich das Tierchen streicheln und versucht, das ultimative Portraitfoto zu machen. Es ist erstaunlich, obwohl die Robbe direkt aus dem Wasser kam, ist das Fell unglaublich sandig und gerochen hat das Tierchen stark fischig. Beim streicheln sollte man ein bisschen aufpassen. Die sind ja so niedlich, aber man darf nicht vergessen, dass sie trotzdem wilde Tiere sind und darum auch mal zubeißen können.
Mike gab Erklärungen (auf Englisch) zu buchstäblich allem, was wir unterwegs sahen. Als wir auf einer Sandbank zahlreiche leuchtend rosafarbene Flamingos sahen, erklärte er uns zum Beispiel, dass ihre Feder nicht von Natur aus rosa sind, sondern dass diese Rosafärbung von einer ganz bestimmten Bakterienart im Wasser herrührt. Wer hätte das schon gewusst! Trotz der Kälte und des starken Windes standen wir fast die ganze Zeit draußen an der Rehling und mit ein paar Bier und zwei Sherrys und einer dicken Jacke war das auch auszuhalten.
Und wir sahen eine Menge: schwimmende Robben, Pelikane, Riesenquallen und Delphine, der Leuchtturm von Walvis Bay, eine Menge Schiffswracks, Austernbänke, die Guanoplattformen von Bird Island, eine große Robbenkolonie, noch einmal eine Robbe als Besucher auf dem Boot, unzählige (vor allem russische) Fischtrawler, Containerschiffe und Diamond Ships.
Kurz vor der Einfahrt in den Hafen gab es noch einen super Brunch
mit Sandwiches, Austern und Sekt - und gegen 12:00 waren wir wieder zurück. Das sollte sich aber noch ändern ... Barbara sagte, paß auf, ich zeige Dir jetzt etwas ganz Tolles. Und es war nicht untertrieben. Sie fuhr mit mir zu den Salzpfannen bei Walvis Bay. Whow, ein unglaublich fantastischer Anblick. Weiße endlose Flächen, wie ein zugefrorener See, zum Teil grau und rosa marmoriert, was an eine riesige Marmorplatte erinnerte und dahinter ragen die schneeweißen Salzkegel in den mittlerweile leuchtend blauen Himmel. Einfach traumhaft. Schaut mal! ... und richtig warm war es auch mittlerweile geworden.
Danach fuhren wir noch kreuz und quer durch Walvis Bay und verabschiedeten uns mit einem Radler im "The Raft" (das Floß) einem tollen, im Wasser auf Pfählen stehenden Restaurant.
Am frühen Nachmittag fuhren wir zurück nach Swakopmund. Und weil dort auch die Sonne schien, beschlossen wir, nun endlich auch mal an den Strand zu gehen. Klamotten gepackt und los gings, allerdings nicht an den überfüllten Sandstrand, sondern wir suchten uns ein lauschiges Plätzchen zwischen den Klippen. So richtig viel Freude hatte ich aber nicht daran. Obwohl die Sonne heiß vom Himmel brannte und ich schon durch die Autofahrt einen sonnenverbrannten "Auto-Arm" hatte, wehte am Strand ein unangenehm kühler Wind, der mich frösteln ließ. Dazu spritzte die Brandung des Atlantiks in feinem, eiskalten Sprühregen immer wieder bis zu uns hoch. Bis halb 06:00 haben wir es ausgehalten und als dann auch auf einmal die Sonne nicht mehr so heiß brannte, sind wir nach Hause gefahren.
Dusche, Haare waschen, warm anziehen - und wieder losgezogen, rein nach Swakopmund zum "Lighthouse" - einem schönen Restaurant direkt am Leuchtturm - wie der Name schon sagt - und am Strand. Natürlich wollten wir draußen sitzen, den herrlichen Blick aufs Meer und den Sonnenuntergang genießen. Während des Essens haben wir es auch noch ausgehalten. Und dort hatten wir mal wieder ein ultimatives Erlebnis: Barbara bestellte sich einen "Lighthouse-Burger". Wenn sie geahnt hätte, dass sie mit ihrer Bestellung die Aufmerksamkeit sämtlicher Restaurantgäste auf sich zieht, hätte sie sicher, wie ich, eine Pizza bestellt. Die Kellnerin kam, den Teller mit beiden Händen balancierend, darauf aufgespießt an einem langen Holzspieß ein wahrer Leuchtturm von Burger, ein Riesen Teil. Sämtliche Gäste drehten sich zu uns um, Kinder kamen staunend an unseren Tisch und fragten, Tante, willst Du das alles essen? Zum Glück bestanden etliche "Etagen" des Teils aus Gemüse und Salat. Also, wer ein bisschen Spaß haben will und mit den anderen Gästen in Kontakt kommen möchte, dem ist wärmstens angeraten, einen "Lighthouse-Burger" zu bestellen.
Wie zu erwarten war, wurde es uns sehr schnell wieder zu kalt und wir verzogen uns nach drinnen an die Bar. Aber auch dort habe ich trotz Jeans, Pullover und Lederjacke, allerdings blöderweise mit nackten Füßen in Sandalen, gezittert vor Kälte. Da halfen auch 2 Bier nichts mehr und kurz nach 21:00 sind wir nach Hause gegangen. Vor dem Schlafengehen hieß es mal wieder den Koffer zusammenpacken, denn am nächsten Tag sollten wir Swakopmund in Richtung Norden verlassen.
19.12.2005 - Swakopmund - Omaruru: Nach einer erstaunlicherweise nicht durchfrorenen Nacht und ausnahmsweise einmal ein bisschen Ausschlafen, haben wir uns am Vormittag noch einmal in die Stadt aufgemacht, um noch etwas Proviant für unsere Reise nach Norden in die Etosha Pfanne einzukaufen und zu tanken. Zurück nach Hause waren inzwischen Barbaras Eltern angekommen, mit denen wir dann noch im "Brauhaus" lecker zu Mittag gegessen haben. Dann gings wieder los: Wieder einmal das Auto einladen, aber wir waren ja schon Vollprofis. Und halb 03:00 befanden wir uns auf Pad gen Norden, nach Omaruru, wo wir bei Freunden von Barbara übernachten würden. Kaum hatten wir die Küste verlassen, war vom Swakop-typischen Nebel und der Kühle nichts mehr zu spüren. Es war heiß und die Sonne brannte von einem herrlich blauen, wolkenlosen Himmel.
Fazit: Swakopmund ist ein herrliches Städtchen und für die Windhoeker und viele "Binnenländer" gehört es einfach zum guten Ton, dass man die großen Sommerferien über Weihnachten und Silvester dort verbringt, schon um der Hitze im Inneren des Landes für eine Weile zu entkommen. Mir persönlich war es in Swakopmund einfach zu kalt. Dezember und damit Hochsommer hatte ich mir zumindest so wie in Camps Bay (Kapstadt) vorgestellt, aber das war nicht so. Und dieser ewige Nebel und der Wind würde mich auf die Dauer verrückt machen. Leben könnte ich dort niemals, denn im Winter muß es dort noch viel schlimmer sein und ich würde mit Sicherheit Depressionen kriegen.
Über Usakos, vorbei an der Spitzkoppe (dem Matterhorn Namibias) und Karibib näherten wir uns dem heutigen Ziel Omaruru. Die Landschaft verändert sich zusehends, je mehr man nach Norden kommt. Die öde trockene Wüstenlandschaft wird ab Usakos zunehmend abgelöst von grünem, baumbestandenem Hügelland, was ich als wohltuend empfand, obwohl natürlich die Wüstenlandschaft faszinierend ist.
Gegen 17:00 kamen wir in Omaruru an, ein nettes, kleines, sehr grünes Städtchen. Wieder nahmen mich unsere Gastgeber Hans und Karin, gemeinsam mit Hündchen Coco, herzlich in Empfang.
Das Ehepaar lebt auf einem traumhaften weitläufigen Anwesen mit zahllosen üppigen Büschen und Bäumen. Sie haben sich dort wirklich ein kleines Paradies geschaffen.
Hans' + Karins Paradies
Natürlich mussten wir wieder das halbe Auto ausladen, zumindest die verderblichen Lebensmittel mussten in den Eisschrank. Und dann haben wir einfach abgehangen und relaxt. Erst eine kurze Abkühlung im Wasserbassin im Garten, dann ein paar Bier auf der Terrasse und noch ein Schwätzchen mit unseren netten Gastgebern, an einem herrlich warmen, windstillen Abend. Es war traumhaft schön und mit dem afrikanischen Sternenhimmel, umgeben von den grünen Pflanzen und den Geräuschen der Nacht war es irgendwie unwirklich. Früh gegen 05:00 wurden wir einmal unsanft aus dem Schlaf gerissen, als der Kater des Hauses draußen wie verrückt fauchte und sich mit einem Artgenossen einen wilden Kampf lieferte und dabei schepperte irgend etwas ohrenbetäubend.
20.12.2005 - Omaruru - Otjiwarongo - Etosha Pfanne: Namutoni: Wieder um 06:00 aufgestanden und nach einem ausführlichen Rundgang über das wunderschöne Grundstück, dem üblichen Auto Beladen und einem kurzen Besuch in Karins kleinem Friseurladen, wo man sogar Tchibo-Artikel kaufen kann!, haben wir uns gegen 10:30 wieder auf Pad in Richtung Norden begeben, über Kalkveld nach Otjiwarongo, wo wir die Crocodile Farm besucht haben. Schaut mal, was das für ein Gewimmel im "Croc-Kindergarten" (3-5 Jahre alt) ist, aber auch die über 150 Jahre alten, riesengroßen Crocs sind beeindruckend, nicht wahr.
In einem Spar-Laden in Otjiwarongo haben wir noch einen Sack Holz für den Braai in der Etosha Pfanne erstanden und dann gings weiter, über Otavi und Tsumeb zum Restcamp Namutoni, unserer ersten Station in Etosha. Die Teerstrasse zieht sich von Omaruru fast schnurgerade durch grüne Hügellandschaft, entlang an vielen Wildfarmen mit ihren typischen Wildzäunen und zahlreichen Gästelodges, Pferden und Rinderherden neben der Strasse, riesigen, roten zum Teil abenteuerlich geformten Termitenhügeln (schaut mal!) bis Tsumeb. Kurz vor Tsumeb gibt es einige untypische enge Kurven mit fantastischen Ausblicken auf einen fast tropisch grünen Canyon. Die Fahrt war herrlich, wir waren gut drauf, die Landschaft ist traumhaft und das Wetter war es auch.
Gegen 18:30 waren wir am Ziel: Namutoni, im Osten der Etosha Pfanne.
Namutoni - die Feste ist eine ehemalige Fortanlage der deutschen Schutztruppe
Um 19:00 konnten wir dann endlich unseren Bungalow beziehen. Obwohl die ganze Anlage und auch die Häuschen in Namutoni ein bisschen heruntergekommen sind, hat es mir trotzdem gleich gefallen. Wir haben ein 4-Bett-Bungalow gemietet und jede bezog erst einmal ihr Zimmerchen. Dann - wie sollte es auch anders sein - erst mal wieder das Auto ausgeladen, Eisschrank bestücken, und dann hat Barbara auch gleich das Holz auf den Grill gepackt, denn das braucht seine Zeit, bis aus dem Holz Holzkohle wird. Gemeinsam, d.h. Barbara als Chefköchin und ich als Assistent oder eher Lehrling, haben wir dann das erste 4 Sterne Menü gezaubert. Barbara hat wirklich an ALLES gedacht, von den Küchenutensilien, Tischdecke, Kerzen, Windlicht, Gläser bis zur kleinsten Zutat hatten wir alles dabei. In so einer traumhaften Umgebung macht sogar mir das Kochen Spaß und mit Schwätzchen, ein paar Bierchen und Rauchpausen dazwischen war die allabendliche Kocherei ein richtiges kleines Ritual.
die Sorge fürs leibliche Wohl
Trotz des ein bisschen desolaten Zustandes des Bungalows hat es
mir sofort irre gut gefallen dort und ich musste nicht lange nachdenken: Swakopmund
war schön, aber in der Pfanne gefiel es mir tausendmal besser. Es ist
ein einfaches, pures, romantisches Pfadfinderleben, in einer wildromantischen Landschaft, warme
windstille Nächte unter dem unglaublichen afrikanischen Sternenhimmel, mit den
nur in Afrika zu hörenden typischen Nachtgeräuschen, überall zirpt, fiept,
raschelt und zwitschert es, die Zikaden sägen, weit entfernt das Schnauben der
Wildtiere, zwei Schakale strichen ständig mit in der Nacht aufglühenden Augen in
einigem Abstand um unseren Grill. In diesem Moment hab ich mich eins gefühlt mit
dieser fantastischen Natur, das ist LEBEN und ich (als Atheist!) fühlte mich als
ein Teil von Gottes Schöpfung. Wirklich! Nach dem Abendessen gegen 22:00 sind wir noch einmal rüber zum Wasserloch gelaufen, aber außer ein paar Vögel war weit und breit nichts zu sehen. Also zurück zu unserem Häuschen, wo wir uns noch 2 Glas Wein gegönnt haben. Ich bin danach noch alleine bis kurz vor 01:00 draußen sitzen geblieben, habe mein Reisetagebuch geschrieben und die Stille der wunderbaren Nacht genossen. Ganz deutlich wurde mir dort noch einmal bewusst, dass ich LEBE! Einfach, romantisch, eins mit der Natur und dem Sternenhimmel - und ringsherum nur Wildnis und Weite pur und sonst nichts. Nicht einmal mein Handy ging mehr. LEBEN und FREIHEIT !!! Unbeschreiblich und einfach traumhaft.
21.12.2005 - Etosha Pfanne: Namutoni - Halali: Das frühe Aufstehen um 06:00 ist mir überhaupt nicht schwer gefallen. Nachts hat es mal irre gescheppert vor der Tür und früh sahen wir die Bescherung: ein Schakal hatte die Mülltonne umgeworfen. Muss wohl gedacht haben, wir hätten ihm von unseren Steaks noch etwas übrig gelassen - hatten wir aber nicht! Die Sonne war gerade herrlich rot aufgegangen und es war schon warm und überall zwitscherten die Vögel. Schöner kann der Tag nicht beginnen. Nach einen spartanischen Frühstück, bestehend aus einem Becher Kaffee und einer Zigarette, gings wieder an Auto Packen. Aber das kannten wir ja schon zur Genüge.
Kurz vor 08:00 haben wir uns dann von Namutoni verabschiedet und uns aufgemacht zum ersten Game Drive (Pirschfahrt). Und wieder ein Abenteuer der besonderen Art für mich, denn ICH bin gefahren - das erste Mal in meinem Leben, dass ich auf der "falschen" Seite am Steuer gesessen habe und LINKS gefahren bin. Am Anfang hatte ich etwas Schwierigkeiten und habe immer mal im Getriebe gerührt. Es ist schon gewöhnungsbedürftig, mit der linken Hand zu schalten und mir wurde erst mal richtig bewusst, wie sehr ich doch auf Rechts "gepolt" bin. Und auch beim Fahren kriegte ich immer mal wieder den Dreh nach Rechts und fuhr eher mitten auf der Strasse, anstatt links. Aber nach einer Weile ging es es ganz gut.
In der Pfanne gibt es zum Glück keine Polizeikontrollen und Verkehr ist da auch nicht viel. An den Kreuzungen habe ich eben immer erst alle anderen fahren lassen (falls überhaupt ein anderer da war), wenn ich nicht recht wusste, wer darf denn nun zuerst bei links vor rechts. Das war schon lustig. Es blieb natürlich nicht aus, dass ich einmal zu weit nach links abkam und in den Sand fuhr. Nicht ungefährlich, aber es ist zum Glück nichts passiert. Die Strassen im Park sind allesamt Naturstrassen, zumeist in sehr gutem Zustand. Wellblechpisten gibt es nur wenige.
Wir haben alle Wasserlöcher um Namutoni und in Richtung Halali, unserem zweiten Restcamp, abgefahren und dabei schon eine ganze Menge Tiere gesehen: 15 Giraffen (!), 2 Strausse, Flamingos, Gemsböcke, sogar einen Leoparden, wenn auch etwas entfernt, einen Elefanten, Dik Diks, Gnus, unzählige Springböcke, Zebras, Riesentrappen, Kuhantilopen, Kudus, Impalas, Wildschweine und die Wiesel-artigen Stocksterte.
Meine schönsten Tierfotos gibts nach einem
click auf das Hippo zu sehen:
Obwohl ich in Kenia schon sehr oft eine Safari gemacht habe, ist es immer wieder beeindruckend, die Tiere in freier Natur zu beobachten. Außerdem ist die Etosha Pfanne mit den Naturreservaten in Kenia nicht zu vergleichen. Die Natur ist ganz anders, es gibt hier auch nicht diese Riesenherden wie z.B. in der Massai Mara in Kenia. Dafür haben wir in Etosha unglaublich viele Tiere und Tierarten gesehen. Den Büffel, und damit den Fünften im Bunde der BIG FIVE, gibt es in Etosha nicht (oder zumindest nicht da, wo wir gewesen sind! Ich habe in der Literatur widersprüchliche Angaben zur Existenz des Büffels in Etosha gelesen), aber die BIG "FOUR" (Löwe, Elefant, Leopard und Rhino) haben wir alle zahlreich gesehen.
Übrigens ging es uns bei unseren Game Drives wahrlich nicht schlecht. Gegen 09:00 haben wir immer an irgend einem Wasserloch "Frühstückspause" gemacht, mit Sandwiches oder Weihnachtsstollen und anschließend einem kühlen Bier, alles frisch aus der Cooling-Box. Im Laufe des Tages gab es noch ein paar mehr "Tafel"-Bierchen. Man sollte dann nur nicht versäumen, rechtzeitig die Busch-Clos anzufahren, auch wenn diese nicht gerade 5 Sterne Luxustoiletten sind.
Busch-Plumpsclo
Gegen 12:30 kamen wir in Halali am südlichen Rand der Etosha Pfanne an. Und wieder hatten wir ein nettes kleines Häuschen mit zwei "slaapkamers". Alles in allem ist Halali im Vergleich zu Namutoni etwas gepflegter. Mir war das aber völlig egal, denn romantisch ist es allemal. Los gings natürlich mit dem üblichen Auto Auspacken, aber wie wohltuend das Bewusstsein, dass wir zwei Nächte in Halali bleiben würden und einmal NICHT in der Früh das Auto wieder packen mussten.
Nachdem wir uns im Bungalow installiert hatten, sind wir erst mal zum Wasserloch gegangen. Dort war schon etwas mehr los als in Namutoni. Immerhin tummelten sich dort ein paar Zebras, Kuhantilopen (Hartebeest) eines der lustigen Erdmännchen und sogar ein Marabu. Den Nachmittag haben wir dann am Pool verbracht. Es war irre heiß und obwohl ich sonst eher ein Sonnenanbeter und weniger eine Wasserratte bin, war ich unzählige Male im Pool, weil man es unter der brennend heißen Sonne kaum aushalten konnte.
Viertel vor 6 sind wir noch einmal raus zum Abend Game Drive (über Mittag und am frühen Nachmittag lohnt es sich eh nicht, weil sich alle Tiere vor der heißen Sonne unter den Büschen und Bäumen verkriechen). Und das war der Hammer: am Wasserloch "Goas" haben wir 7 Löwinnen mit 5 Jungen gesehen. Leider waren sie für meine kleine Kamera mit Mini-Zoom zu weit weg, aber mit dem Fernglas konnten wir sie fantastisch sehen. Allerdings sind alle Tiere unglaublich gut getarnt und ich hätte wahrscheinlich ohne Barbara mit ihrem geübten Blick knapp die Hälfte gesehen, wenn überhaupt. Den Weg zurück ins Camp legten wir trotz Höchstgeschwindigkeit 60 km/h im Formel 1-Tempo zurück, das Ganze erschwert durch die sehr tief stehende, irre gleißende Sonne, da wir zurück sein mussten, bevor das Camp um 19:30 schließt (die Camps öffnen immer mit Sonnenaufgang und schließen bei Sonnenuntergang und bis dahin sollte man unbedingt zurück sein, wenn man nicht zwischen den Löwen übernachten will). Wir haben es geschafft und wir haben es auch gerade noch kurz vor Ladenschluss gepackt, noch einen Sack Holz im Shop zu kaufen. Da wir immer noch nicht genug hatten von den Tieren, sind wir sofort noch mal ans Wasserloch gefahren, welches in Halali wunderschön angelegt ist. Man sitzt erhöht auf einer Plattform aus Felsen und Natursteinen und hat von oben einen herrlichen Blick auf das Wasserloch. Und wieder bot sich uns eine fantastische Szenerie: eine einzige Giraffe, ihr Spiegelbild im Wasser, am Horizont ein orange-rot glühender Sonnenuntergang, der die Federwölkchen am Himmel malvenfarbig leuchten ließ. Einfach großartig!
Als es dunkel war und sich auch die Giraffe wieder verzogen hatte, gingen wir zurück. Ausnahmsweise gab es einmal keinen Braai, sondern Wiener Schnitzel, in der Pfanne gebraten. Ein Feuerchen haben wir aber trotzdem gemacht, weils so gemütlich ist.
Gegen 22:00 sind wir noch einmal zum Wasserloch gelaufen - und
dort habe ich das erste Mal ein Rhino (Nashorn) richtig in freier Natur gesehen
(in Kenia habe ich auch schon welche gesehen, aber die standen dort unter dem
Schutz eines Hegers in einem besonders geschützten Gebiet). Da die Wasserlöcher in allen 3 Camps
nachts beleuchtet sind, kann man die Tiere in dem warmen, romantischen Licht
fantastisch beobachten.
Gegen 23:15 sind wir unter der Kuppel eines grandiosen
Sternenhimmels zurück ins Bungalow spaziert. Das ständige frühe Aufstehen machte
sich dann doch bemerkbar und ich war ganz schön fertig. Im Bewusstsein, dass es
in der Früh wieder sehr zeitig losgeht, sind wir gegen 24:00 schlafen gegangen.
22.12.2005 - Etosha Pfanne: Halali: Nach einer extrem warmen Nacht (herrlich!) sind wir heute mal eine halbe Stunde später, um 06:30, aufgestanden. Wir mussten ja auch kein Auto packen. Nach dem wie immer spartanischen Frühstück mit einer Tasse Kaffe und einer Zigarette gings kurz vor 08:00 wieder raus zum Morgen Game Drive. Wieder habe ich mich im Links Fahren geübt und wir haben eine Menge Tiere gesehen: Hyänen, Schakale, einen riesigen Elefanten direkt neben der Strasse, an dem ich fast vorbeigefahren wäre, weil ich ihn zwischen den Bäumen nicht gesehen habe, Löwen, einen Marabu und jede Menge Kudus, Zebras und Springböckchen. In Rietfontain haben wir uns die Gräber einer deutschen Siedlerfamilie angeschaut.
Gegen 12:30 waren wir wieder zurück. Der Nachmittag war wieder zum relaxen am Pool reserviert. Barbara hat immer noch eine Runde im Bungalow geschlafen, während ich mich immer schon zum Pool begeben habe. Der Nachmittag war wieder irre heiß und von Wolken war weit und breit nichts mehr zu sehen. Ich konnte es fast nur im Wasser aushalten. Und meine Afrika-Bräune entwickelte sich auch langsam ganz ordentlich. Barbara meinte, ich hätte schon "einen ganz lekker tan" bekommen.
17:30 sind wir wieder los zum üblichen Abend Game Drive. Sehr viele Tiere haben wir an diesem Nachmittag nicht gesehen. Dafür war die Landschaft grandios. Kalkige Geröllfelder mit zumeist abgestorbenen Bäumen gehen unvermittelt in grünes Baumland über und die Bäume sehen aus wie große, üppige Ficus Benjaminus (ich glaube, irgendwo gelesen zu haben, die heißen Mopane). Um Halali fährt man dicht an der weiten, weiß leuchtenden Salzpfanne von Etosha entlang. Die Natur ist einfach atemberaubend.
In der blendenden tief stehenden Sonne fuhren wir wieder zurück und im Camp sahen wir wieder einen fantastischen feuerroten Sonnenuntergang mit lila und rosa Wolkenfetzen am Himmel. Ich habe so etwas schon so oft in Afrika gesehen, aber ich kann wohl niemals genug davon kriegen. Noch einmal zum Wasserloch - aber da war erst mal nichts los. Heute haben wir mal kein Feuer gemacht und die Steaks in der Pfanne gebraten. Aber das Dinner war natürlich trotzdem wieder stilvoll mit Salat und einem guten Glas Wein dazu. Gegen 22:00 sind wir noch einmal zum Wasserloch gelaufen - und was für ein grandioses Schauspiel ... Dort tummelten sich 18 Elefanten mit ihren Kleinen. Was für ein unglaublich überwältigender Anblick. Nach 20 Minuten verzogen sie sich ganz langsam wieder in den Busch und wir dachten schon, jetzt ist wieder tote Hose. Irrtum! Kaum waren die Elefanten weg, kamen 2 Rhinos aus dem Wald, dazu noch 2 Hyänen, ein Hase hüpfte dort herum, ein kleines Steinböckchen und eine Menge Vögel. Mir fehlen die Worte, um richtig zu beschreiben, wie unglaublich faszinierend das ist. Man muss das einfach selbst erleben.
Gegen 23:15 sind wir zurück in unser Häuschen und auch bald schlafen gegangen, weil wir am nächsten Morgen wieder sehr früh raus mussten. Der Abend war etwas kühler als die vorherigen, dafür war es am Tag extrem heiß gewesen. Das Wetter hat super durchgehalten, aber die Ankündigung des Regens war bereits zu ahnen.
23.12.2005 - Etosha Pfanne: Okaukuejo: Wieder mal um 06:00 aufgestanden und schon wieder Mal das Auto zusammengepackt. Allerdings war schon spürbar, dass die Kisten leichter wurden. Aber wir waren ja eh die absoluten Packprofis. Gegen 07:30 haben wir uns von Halali verabschiedet und uns auf den Weg in Richtung westliche Etosha Pfanne nach Okaukuejo gemacht. Ich bin wieder gefahren, weil mir das Links Fahren eigentlich doch Spaß gemacht hat.
Wie üblich haben wir wieder sämtliche Wasserlöcher auf dem Weg angefahren und wie schon gewohnt, haben wir auch wieder etwas Tolles gesehen: noch einmal ein riesiger Elefant - wahrscheinlich derselbe Einzelgänger vom Vortag, eine Menge Strauße mit ganz vielen Babys, unzählige Zebras, Gemsböcke und Springböcke. Aber der Hammer war eine Boomslang - eine grüne Baumschlange. Sie lag auf der Strasse und ich habe gedacht, es wäre ein abgebrochener Ast von so einen giftgrünen Ficus-Baum. Als ich fast daran vorbei bretterte, bewegte sich der ca. 1,20 m lange "Ast" auf einmal und schlängelte mit den typischen segelnden Bewegungen blitzschnell davon. Fantastisch! Wann kriegt man schon mal so etwas zu sehen. Zum Fotografieren war es allerdings zu spät.
Halb 12:00 kamen wir in Okaukuejo an - und ich war sofort total hin und weg. Okaukuejo ist eine herrliche Campanlage mit gepflegten Bungalows und urigen Rundhütten im typisch afrikanischen Stil. Dieses Camp ist größer als die beiden anderen und auch die Parkverwaltung befindet sich hier. Die nächste Freude kam auf, als wir entdeckten, dass es von unserem Bungalow nur ein Katzensprung bis zum Wasserloch ist. Und da das Zimmermädchen unser Häuschen noch in Arbeit hatte und wir eh noch nicht einziehen konnten, sind wir gleich mal rüber zum Wasserloch gegangen. Fantastisch!!! Es ist das schönste und größte Wasserloch der 3 Camps und zu dieser Mittagsstunde war es dicht bevölkert von unzähligen Springböcken und Zebras, ein paar der hübschen Gemsböcke standen bis zum Bauch im Wasser. Schon in diesem Moment wollte ich am liebsten länger bleiben als nur die 2 gebuchten Tage.
Die Reinigung des Bungalows zog sich nun doch - ganz typisch afrikanisch - ein wenig in die Länge und so haben wir eben unseren ersten Rundgang durch das Camp gemacht. Mein erster Eindruck bestätigte sich hundertprozentig: die Anlage ist einfach wunderschön. In der Bar haben wir erst mal einen Drink genommen, den ich noch nie vorher getrunken hatte: Rock Shandy (Shandy = Radler, oder Alster, und wenn man ein solches haben möchte, sollte man in Namibia ein "Beer Shandy" bestellen). Ein Rock Shandy ist 1/2 Soda + 1/2 Sprite + ganz viel Eis und der Clou: ein paar Spritzer Angostura. Das kannte ich noch nicht. Eigentlich schade, dass dies hier unpopulär ist, denn es schmeckt und löscht perfekt den Durst und dazu hat es keinen Alkohol.
12:30 konnten wir unser Häuschen beziehen und auch hier bestätigte sich wieder der erste Eindruck: ein super Häuschen, gut erhalten und gepflegt. Die gesamte Anlage ist einfach tipp topp. Natürlich ging erst mal die Aktion mit dem Auto auspacken wieder los. Ein herrliches Gefühl, zu wissen, dass wir 2 Tage hier bleiben würden. Ich nahm mir vor, die Zeit in vollen Zügen zu genießen.
Trotz einiger weißer Wölkchen am Himmel, war es sehr heiß und da ich blöderweise meinen Sonnenschutz vergessen hatte, war ich zumeist im Wasser oder verzog mich unter die Bäume. Um 17:45 machten wir uns wie üblich wieder zum Abend Game Drive auf Pad. Weit sind wir nicht gefahren. Normalerweise macht man locker an die 100 km in 4-5 Stunden Morgen Game Drive und an die 50 km am Abend, je nachdem, ob man viele Tiere sieht und verweilt, oder nicht. Diesmal mussten wir nicht weit fahren. Erst sahen wir zwei einzelne Löwen und kurz darauf noch einmal 8, darunter ein prächtiges Männchen. Sie saßen alle im Gras, direkt neben der Strasse und nicht einmal Bäume oder Büsche verdeckten uns die Sicht. Einfach fantastisch. Und die Krönung des ganzen kam noch ... Ich ahne es schon, weil ich das schon einmal in Kenia gesehen habe, aber für Barbara war es das erste Mal: wir waren Zuschauer des zweimaligen Liebesaktes des Löwenpärchens. Grandios! Als wir die Löwen beobachteten, sahen wir bereits am Horizont die Hälse von 8 Giraffen wie Masten in den blauen Himmel ragen. Nachdem sich die Löwen ganz langsam, einer nach dem anderen in Richtung Horizont verzogen hatten, fuhren wir in Richtung der Giraffen - und wir hatten wieder Glück und konnten die ganze Gruppe aus nächster Nähe sehen.
Ca. 19:15 waren wir wieder im Camp zurück und Barbara schmiss mich am Turm ab, weil ich den Sonnenuntergang von oben fotografieren wollte. Sie fuhr inzwischen ins Häuschen zurück, um Feuer zu machen. Nachdem ich die unzähligen Stufen hochgeklettert war, erwartete mich - neben anderen "Fotografen" - ein grandioser Sonnenuntergang und ein fantastischer Rundblick über das weite Land.
Die Sonne ging gegen 19:20 unter, aber auch nachdem sie hinter dem Horizont verschwunden ist, ist es noch eine ganze Weile hell - ganz anders als in Kenia, in der Nähe des Äquators, wo fast unmittelbar danach dunkle Nacht hereinbricht.
Gerade als ich gemütlich zum Häuschen zurück spazieren wollte,
kommt Barbara mit ihrem Auto angebraust und schreit, komm schnell, am Wasserloch
sind eine ganze Menge Elefanten. Und wieder hatte ich gerade noch Glück. Sie
schickten sich zwar gerade an, sich wieder in den Busch zu verziehen, aber noch
waren sie da, in ihrer Gesellschaft noch ein paar Giraffen.
Ca. halb 09:00 waren wir wieder am Häuschen. Das Holz hatte sich inzwischen gänzlich in glühende Holzkohle verwandelt und Barbara schmiss Boerewors auf den Grill. Nach dem wie immer fantastischen Dinner machten wir uns gegen halb 10:00 noch mal auf den kurzen Weg zum Wasserloch, ausgerüstet mit je einem Glas Rotwein, Zigaretten, Fotoapparat und Mini-Stativ. Und unser unglaubliches Safariglück an diesem Abend hielt weiter an: es besuchten uns 1 Elefant, 11 (!!!) Rhinos, ein ganz winziges Zebra und ein paar Schakale. Leider hat mir mein Mini-Stativ nicht sehr viel genützt, um paar spektakuläre Fotos zu schießen. Das Zoom ist einfach zu klein und zu lichtschwach. Und die Tiere bewegen sich natürlich die ganze Zeit und scheren sich den Teufel um meine Fotografenwünsche. An diesem Abend kam ein starker Wind auf und machte das Ganze zu einer sehr staubigen Angelegenheit. Aber es war trotz allem sehr warm, der Wind blies die Wolken weg, so dass wir wieder einen grandiosen Sternenhimmel hatten. Nirgendwo habe ich die Milchstrasse so deutlich gesehen, wie in Etosha. Unbeschreiblich !!!
Kurz vor Mitternacht gingen wir zurück ins Häuschen. Ich konnte noch lange nicht schlafen, wollte es auch nicht - nach so einem traumhaften Tag. Bis 01:00 saß ich noch vor dem Häuschen, genoss die laue Nacht und den Wahnsinns-Sternenhimmel, ein Schakal schlich mit glühenden Augen um unsere Feuerstelle, die Zikaden sägten ihr Nachtlied, ich schrieb in mein Tagebuch und konnte doch nicht die richtigen Worte finden, um das unglaubliche Gefühl von Leben, Freiheit, Glück und Faszination auszudrücken. Meine 512 MB-Speicherkarte in der Kamera war voll und ich musste schon meine 128er card einsetzen, wobei ich meine Zweifel hatte - zu Recht, wie sich später herausstellte, ob die ausreichen würde. Ganz plötzlich kam mir der Gedanke, dass ja morgen Heiligabend ist - ein komisches Gefühl, mir war überhaupt nicht wie Weihnachten. Leider wurde mir auch bewusst, dass dies der letzte Tag in Etosha sein würde und es schlich sich ein bisschen Wehmut ein. Trotzdem, ich war gespannt, wie der Heiligabend sein würde und ich hoffte weiter auf unser Glück, denn wir wollten doch unbedingt noch einen Geparden sehen und einen Leoparden am Wasserloch. Langsam wurde ich schon richtig schön braun, ganz langsam und ohne Sonnenbrand. Mir ging es super gut, ich war immer gut drauf und ich fühlte mich so wohl, wie zu Hause nur relativ selten. Und ich musste an meine Zwillingsschwester denken und wünschte, sie wäre auch hier, um diese traumhaften Tage mitzuerleben.
24.12.2005 - Etosha Pfanne: Okaukuejo: Wieder halb 07:00 aufgestanden und der Tag begrüßte uns mit ein paar Federwölkchen am strahlend blauen Himmel. Als wir gerade unseren Kaffee im Stehen vor dem Häuschen tranken, rauchte auf einmal die Mülltonne neben dem Grill wie verrückt. Während ich noch überlegt habe, wie ich das Feuer lösche, und gerade einen Topf voll Wasser machen wollte, schritt unser Nachbar zur Tat und hielt die Tonne kurzerhand unter den Wasserhahn an der kleinen Mauer zwischen unseren beiden Haushälften, den ich noch gar nicht entdeckt hatte. Und das war natürlich der perfekte Anlass, um mit dem Nachbarn in Kontakt zu kommen. Er kam zu uns rüber und erzählte, er sei aus Finnland, habe aber 2 Jahre in Südafrika gelebt. Er sprach Afrikaans und Englisch. Leider machte er sich nach dem Frühstück auf in Richtung Halali - er hatte also die umgekehrte Route zu uns - wünschte uns schöne Weihnachten und verabschiedete sich. Schade, das war eine nette, nur viel zu kurze Bekanntschaft. Gegen 07:30 fuhren wir los zum üblichen Morgen Game Drive. Leider hatten wir heute nicht so viel Glück und haben relativ wenige Tiere gesehen, obwohl wir sicher 120 km gefahren sind. Aber die Landschaft war wieder spektakulär. Wir fuhren durch den "Sprokieswoud" - den "Märchenwald", ein Gebiet mit Kalkgeröll und "märchenhaften" abgestorbenen, verkrüppelten Bäumen. Unterwegs sahen wir die Kadaver einer verendeten (nicht gerissenen!) Giraffe und eines Elefanten.
Gegen 13:00 waren wir wieder zurück im Camp und wie üblich war das Wasserloch wieder bevölkert von zahlreichen Springbokkies, Gemsböcken, Zebras und einem einzelnen Elefanten. Den Nachmittag habe ich wieder am Pool verbracht. Es war heiß, obwohl der Himmel heute mit einigen Federwolken durchzogen war. Der Regen kündigte sich an, in dem die Wolken jeden Tag ein bisschen mehr und dichter wurden, aber solange wir in Etosha waren, hielt das traumhafte Wetter zum Glück an. Im Shop noch geschwind Nachschub an Bier und Zigaretten geholt und um 17:30 waren wir wieder zurück im Bungalow und dann gings erst mal in die Dusche. Zur Feier des Tages - immerhin war ja Weihnachten - haben wir einmal so richtig ausgiebig Verschönerungskur gemacht. Sauber und frisch gestylt begaben wir uns gegen halb 08:00 noch einmal zum Wasserloch, aber offensichtlich waren die Tiere auch mit Weihnachtsvorbereitungen beschäftig, denn es war nichts los dort. Dann haben wir gemeinsam angefangen, das Weihnachtsmenü vorzubereiten. Die Filetsteaks hat Barbara in der Pfanne gebraten und der Versuch, ein romantisches Feuerchen auf der Feuerstelle zu machen, scheiterte. Das verflixte Holz wollte trotz Feueranzünder und Packen von Zeitungen nicht brennen. Den Tisch haben wir richtig festlich gedeckt, mit Tischdecke, unseren Weihnachtsgeschenken, Servietten, Kerzen, Gläsern und Sekt. Nach unzähligen Weihnachts-Anrufen und sms'en (Barbaras Handy ging nämlich auch in Etosha im Gegensatz zu meinem) hat Barbara das Festessen serviert und wie immer war es super lecker. Ich habe mich irre gefreut über Barbara's Weihnachtsgeschenk: ein Buch mit Kurzgeschichten von 6 namibischen, deutschstämmigen Autoren, dazu noch ein wunderschönes, herrlich afrikanisches Lesezeichen aus Elefantendung (ja, wirklich!).
Mit unseren Sektgläsern gingen wir ca. halb 10:00 noch einmal rüber zum Wasserloch und haben wieder 5 große Rhinos mit 2 Babys gesehen. Den Rest des Heiligabend verbrachten wir vor unserem Häuschen mit Sekt, Rotwein, als alles alle war noch ein Bier und haben geschwätzt. Unser neuer Nachbar, ein Südafrikaner, kam auch noch rüber, um uns ein schönes Weihnachtsfest zu wünschen. Nachdem Barbara um Mitternacht schlafen gegangen ist, bin ich wieder noch bis 01:00 draußen sitzen geblieben und habe die traumhafte stille Nacht genossen. Es war warm und ein bisschen windig, totale Stille, nur die Zikaden sangen und ein paar leise, entfernte Geräusche aus anderen Bungalows waren zu hören. Mein Freund, der Schakal war auch wieder da. Sagenhaft idyllisch und einfach traumhaft. Und wieder kam mein Katzenjammer, weil wir am kommenden Tag abfahren würden. Im Gedanken verabschiedete ich mich von Etosha, erfüllt von einem unglaublichen Glück und von den traumhaft schönen Tagen mit irre vielen Tieren, herrlichem Wetter, warmen afrikanischen Nächten, fantastischen Sonnenuntergängen und einer atemberaubenden, grandiosen Natur. Bye bye Etosha, aber ich komme wieder, ganz sicher !!!
... und dazu passt ein wunderschönes Tantra, welches Euch hoffentlich genauso nachdenklich stimmt wie mich. Unbedingt lesen !!! ... und dann geht in Euch und fragt Euch ... was ist wirklich wichtig im Leben???
25.12.2005 - Etosha Pfanne: Okaukuejo - Windhoek: Wieder sind wir in aller Herrgottsfrüh um 06:00 aufgestanden und ein letztes Mal mussten wir unser Auto packen. Aber das war kein großer Akt mehr, die Kisten und Cooling Boxes waren halb leer und damit viel leichter geworden. Gegen 08:00 haben wir Okaukuejo durch das Südtor verlassen. Natürlich haben wir auf dem Weg zum Andersen Gate, dem südlichen Ausgang aus der Etosha Pfanne, noch sämtliche Wasserlöcher und "Detours" (kleine Nebenstrassen oder Schleifen) angefahren, immer in der Hoffnung, vielleicht doch noch den heiß ersehnten Geparden zu sehen. Leider war uns das Glück aber nicht hold, zumal ein Teil der Wasserlöcher durch die lange Trockenheit auch komplett ausgetrocknet waren. Außer ein paar Bokkies haben wir nichts Spektakuläres mehr gesehen.
Kurz nach 09:00 haben wir die Etosha Pfanne durch das Andersen Gate verlassen und machten uns auf Pad in Richtung Süden, nach Windhoek, vor uns ein Trip von ca. 300 km. Am ersten Rastplatz haben wir erst einmal gemütlich Frühstückspause gemacht. Schaut mal, so sehen die Rastplätze aus. Das mit den Rastplätzen ist auch ein bisschen anders als bei uns. Von weitem sieht man ja schon, ob bereits ein Auto dort ist oder nicht. Wenn das nämlich der Fall ist, fährt man tunlichst weiter, in der Hoffnung, dass der nächste frei ist. Ich habe gelesen, dass es an solchen Rastplätzen auf freier Strecke vereinzelt zu Überfällen auf Touristen gekommen ist. Wir haben uns auch nie weit vom Auto entfernt, um zur Not schnell rein springen und abfahren zu können. Sicher, man sollte nicht in Panik verfallen und die Pads sind auch nicht voller Gauner und Gangster, aber ein bisschen Umsicht kann nichts schaden. Furchtbar wütend sind wir immer dann geworden, wenn die Rastplätze voller Müll und weggeworfener Bierflaschen waren. Es gibt immer eine große Mülltonne dort, aber leider gibt es Menschen, denen das völlig egal ist und die gedankenlos mit ihrem Müll die herrliche Natur verschandeln. Das ist traurig.
Über Outjo, Otjiwarongo, Okahandja fuhren
wir nach Windhoek, wo wir ca. 14:00 ankamen.
In Windhoek angekommen, habe ich erst einmal gesehen, wie schön die Stadt eigentlich ist. Das habe ich am ersten Tag überhaupt nicht wahrgenommen, so furchtbar müde war ich vom Flug. Die Stadt liegt in einem Talkessel, von Hügeln umgeben, aber auch das Stadtgebiet selbst ist hügelig. Es gibt sehr viel Grün, hübsche kleine Häuschen und Wohnanlagen, breite Asphaltstrassen und alles ist sauber und gepflegt. Alles in allem erinnert Windhoek an eine gepflegte deutsche Kleinstadt.
Nun hatte ich eigentlich gedacht, wir würden erst mal nach Hause fahren, alles auspacken, duschen und was man eben alles so macht, wenn man 1,5 Wochen unterwegs war. Aber Barbaras Sehnsucht nach ihrem Freund Chris war verständlicherweise so groß, dass wir erst einmal bei ihm zu Hause vorbeigefahren sind. Bei ein paar Bier und unseren Erzählungen von der Reise verging die Zeit wie im Flug. Dabei hatte ich meine erste große "Afrikaans-Lektion", denn Chris spricht kein Deutsch, aber Barbara dafür perfekt Afrikaans. Und da die Beiden logischerweise nicht ständig für mich dolmetschen können, habe ich mich eben ein bisschen angestrengt und stellte erfreut (und manchmal auch belustigt - Afrikaans ist nämlich manchmal irre lustig) fest, dass ich doch eine ganze Menge verstehen kann. Dem sollten noch viele "Lektionen" folgen. Mega beeindruckt war ich von Chris' Hifi-Anlage mit 7 Speakern und einem Dolby Surround-Sound vom Feinsten. Und ganz aus dem Häuschen war ich, als er nach ein paar DVD's Live in Concert von Moody Blues, Scorpiens, Dana Winner aus Belgien (kennt hier keiner, aber sie ist toll) das Abschiedskonzert von Cat Stevens "MajikCat" (Earth Tour 1976) rein schmiss. Oh, wie habe ich Cat Stevens und seine Musik geliebt, als ich so um die 18 - 25 Jahre alt war. Und nun dieses concert, der tolle Mann und diese schöne Musik. Das war ein super Erlebnis. Und da Chris auch noch eine "Best of" CD von Cat Stevens hatte, habe ich mir die sofort ausgeliehen und später auch noch gebrannt, damit ich mir diese "Jugenderinnerung" mit nach Hause nehmen kann.
Gegen 17:30 konnten wir uns dann endlich von Cat Stevens und Co. losreißen und sind erst mal nach Hause gefahren. Duschen, Koffer auspacken, Kisten wegräumen etc. etc. - alles ging schnell und so saßen wir bald schon wieder ganz relaxed in Barbaras kleinem Garten. Chris war auch schon wieder da.
Gegen 20:00 sind wir alle zusammen ins Zentrum zum "Kentucky's" gefahren. Das ist ein Fast Food Restaurant, so ähnlich wie McDonalds oder Burger King (ich habe gerade gesehen, dass in München an der Ausfahrt zur Stuttgarter Autobahn jetzt auch eins eröffnet wird). Wirklich mein Ding ist das nicht und das Dinner war auch nicht berauschend. Aber ok.
Anschließend sind wir noch eine Stunde lang durch die nächtliche,
weihnachtlich beleuchtete Independence Avenue, ein paar Shopping Center und
einen kleinen Park gebummelt. Schön wars und Windhoek sah richtig toll aus im
weihnachtlichen Lichterglanz.
Ca. 21:30 war ich wieder zu Hause und habe noch lange draußen im Garten gesessen und die herrlich warme Nacht genossen. Ich gebe ehrlich zu, dass ich in diesem Moment null Bock auf die kommenden Familienfeiern (Silberhochzeit, Silvester) hatte und einfach nur ein bisschen Urlaub machen wollte, ohne Zeitplan und einfach so, wie es sich ergibt. Auf der Pad war es sehr heiß und auch am Abend waren in Windhoek noch 25 Grad, aber in der Nacht kamen dichtere Wolken und ein frischer Wind auf. Auch in Windhoek zeigten sich die Vorboten des von den Namibiern (von mir nicht!) heiß ersehnten Regens.
26.12.2005 - Windhoek: Endlich mal bis 08:00 so richtig ausgeschlafen und gemütlich im Garten meinen Morgenkaffee getrunken. Die Sonne brannte schon wieder irre heiß und es war sogar für mich kaum auszuhalten. Mit Barbara + Chris gings dann erst mal zum Frühstück zu Woermann & Brock. Das ist ein Supermarkt, wo es buchstäblich ALLES gibt und eben auch ein kleines Bistro. Zunächst habe ich mich mal gewundert, warum man nicht - so wie ich das hier zu Hause tun würde - zum Bäcker geht, frische Brötchen holt und ganz normal zu Hause frühstückt. Ich weiß es auch bis heute nicht so ganz genau, aber wahrscheinlich weil man in Namibia eher opulent frühstückt, mit Rühr- oder Spiegeleiern und sogar Fleisch oder Wurst. Trotzdem würde ich auch solch ein reichhaltigeres Frühstück zu Hause machen und mir das Geld sparen. Aber egal, ich bin einfach immer mitgegangen, auch wenn ich das zu Hause etwas anders machen würde.
Der Rest des Tages verging mit Besorgungen, Wäsche waschen, Kuchen backen für die Silberhochzeit von Barbaras Tante + Onkel, Abwaschen etc. etc. ins Land, wobei ich assistiert habe, so gut ich konnte. Zwischendurch saß ich immer wieder im Garten in der Sonne, solange sie noch schien, denn am Nachmittag zogen sich ziemlich dunkle Wolken zusammen und windig wurde es auch wieder. Aber es regnete nicht und blieb auch sehr warm.
Am Abend dann das erste Familien-Event, ein kleines Get Together (also ein Empfang) für das Silberhochzeits-Paar im Haus von Hannelie + Arno, einer befreundeten Familie von Barbara. Und wieder war ich unwahrscheinlich beeindruckt von der Herzlichkeit und Unkompliziertheit, mit der diese mir noch fremden Menschen mich einfach so in ihre Mitte aufgenommen haben. Und was für ein wunderschönes Haus das wieder war, groß, mit einer riesigen Küche, Terrasse und einem Pool. Der Gemsbock (Oryx) lag bereits auf dem Grill und alle warteten nur noch auf die Hauptpersonen. Der "große Treck": Ursula und Peter leben in Pretoria und waren mit ihren beiden Jungs und deren Freundinnen + Ursulas Bruder Wolfgang mit Frau + 3 Kids seit dem frühsten Morgen auf der Piste, quer durch Botswana, nach Windhoek. Der Trans Kalahari Highway von Gaborone, der Hauptstadt von Botswana, bis Gobabis in Ost-Namibia direkt an der Grenze zu Botswana, macht es möglich, dass man die Strecke in ca. 11 Stunden schaffen kann. Erstaunlich frisch aussehend (obwohl sie natürlich müde waren) nach der langen Reise kamen sie dann auch an, Wolfgang im Schlepptau einen Anhänger mit seinen zwei Quadbikes, die uns später noch sehr viel Vergnügen machen sollten. Es wurde eine wunderbare kleine Party, der Gemsbock "medium" war ein bisschen zäh, aber "well done" war er super lecker. Nachdem sich die Pretorianer zum Schlafen zurückgezogen hatten, blieb noch ein kleiner Rest übrig und wieder saß ich inmitten einer Afrikaans sprechenden Runde. Trotzdem habe ich mich nicht als Fremdkörper oder irgendwie komisch gefühlt. Geliebt haben mich auch die beiden niedlichen Zwergschnauzer und wichen mir nicht mehr von der Seite. Schaut mal, wie süß die sind.
Gegen 01:00 war ich wieder zu Hause. Am späten Abend hatte es einmal ganz kurz ein bisschen geregnet, aber das war noch gar nichts und es blieb auch weiterhin warm. Trotzdem war unverkennbar, dass der Regen kommen würde.
27.12.2005 - Windhoek - Farm "Finkenstein" - Windhoek: Noch ziemlich müde, habe ich mich um 08:00 aus dem Bett gequält. Leises Rumoren in der Küche, wo Barbara noch einen Kuchen gebacken hat, hat mich geweckt und irgendwie konnte ich dann auch nicht mehr länger schlafen. Heute wollte ich nun endlich einmal in die Stadt auf Shoppingtour, denn durch die ganzen Feiertage zum Jahreswechsel, an denen alle Geschäfte geschlossen sind, hatte ich nicht mehr all zu viele Gelegenheiten dazu. Erschwerend kam hinzu, dass ich immer auf Barbara oder Chris angewiesen war, dass sie mich in die Stadt rein fahren, denn es gibt keinerlei öffentlichen Transport für Weiße (die Schwarzen fahren mit Minibussen, ähnlich den Matatus in Kenia, aber es wäre sehr komisch, wenn da auf einmal eine blonde Weiße einsteigen würde). In 4 Stunden bin ich - einmal die Independence Avenue runter und wieder rauf - wohl in jeden Laden rein gegangen, dazu noch sämtliche Geschäfte und Shopping Malls in den Seitenstrassen mitgenommen. Und gekauft habe ich NICHTS. In den Klamottenläden hat mich nichts wirklich begeistern können und wegen der Mitbringsel für Freunde und Familie zu Hause konnte ich mich nicht entscheiden. Und so war das eben zunächst einmal eine erste Orientierung, was es alles gibt und was alles kostet. An diesem Vormittag hat es zweimal kurz und recht heftig geregnet, aber es klarte jedes Mal sofort wieder auf und wurde auch wieder warm.
Gegen 13:00 hat mich Chris wieder nach Hause gefahren und den Nachmittag habe ich im Garten verbracht, obwohl es sich immer mehr bewölkte und es recht stark nach Regen ausschaute. Aber warm war es trotz allem noch. Barbara tippte inzwischen ihre speech (Silberhochzeits-Rede) in den Computer. Und um 16:00 gings schon wieder los, zu Hannelie und Arno, die sich für den Auftakt der Silberhochzeitsfeier etwas ganz Lustiges einfallen lassen haben: eine Schnitzeljagd mit 5 verschiedenen Stationen in Windhoek, die alle eine besondere Bedeutung für das Paar hatten (ehemalige Schule, Sportclub, Kirche, wo sie geheiratet haben etc.). Barbara, Chris und ich waren für die letzte Station, dem Hotel "Safari", eingeteilt, wo dann auch alle wieder zusammen kamen. Nach einem Drink im "Safari" machte sich die ganze Bagage mit etlichen Autos auf zur ca. 20 km entfernten Farm "Finkenstein", wo die große Party stattfand. Alles war perfekt und generalstabsmäßig organisiert: ein Schaf briet über dem Feuer, ein super Büffet, alle möglichen Getränke, Laudatios und kleine Sketche - es klappte alles wie am Schnürchen. Zumindest habe ich als Gast nichts gemerkt, falls etwas nicht klappte oder improvisiert werden musste. Leider hat es während der Party zweimal kurz, aber heftig zu regnen angefangen und es wurde auch sofort recht kühl. Natürlich war auch für den Fall vorgesorgt, denn die Tische standen unter einem Gazebo (Zeltplanen). Nur die Musik fiel dem Regen zum Opfer. Die Anlage hat man beim ersten Regenschauer doch vorsichtshalber ins Trockene gebracht und auch dort gelassen.
Kurz nach Mitternacht waren wir wieder zu Hause. Mir taten dann die Füße ganz schön weh von den 4 Stunden Laufen in der Stadt. Aber die Party war klasse, das Essen wieder viel zu viel (und gut!) und die vielen Leute waren schon richtig gute Bekannte für mich geworden.
Es war nun nicht mehr zu übersehen, dass sich das Wetter verschlechterte (eine relative Betrachtungsweise, denn was für mich Touristin "schlecht" ist, ist für die Dürre-geplagten Namibier ein Segen) - morgens immer noch wolkenloser blauer Himmel, aber ab Mittag zogen sich täglich mehr und dunklere Wolken zusammen und ich rechnete nun täglich mit richtigem Regen, bangend und hoffend, dass er doch noch bis zum 03.01. - meinem Abreisetag - warten möge. Ich freute mich nun auf ein paar noch vor mir liegende, relaxte Tage.
28.12.2005 - Windhoek: Ausgeschlafen bis 08:15 und im Garten gefrühstückt. Barbara war schon wieder unterwegs und blieb es auch den ganzen Tag. Und ich hatte alle Zeit der Welt, um mich einmal ganz gemütlich mit meinem Buch in die Sonne zu legen. Wie üblich war es bis zum frühen Nachmittag sonnig und sehr heiß, so dass ich mich sogar manchmal in den Schatten des Sonnenschirms verziehen musste. Ein super relaxter Tag zum Sonnen, Faulenzen und Lesen. Am späten Nachmittag sind Barbara und ich zu Andrea, einer Freundin von Barbara, gefahren, um auf ihrem Computer meine Fotos down zu loaden, damit ich es mir ersparen kann, diese mit unzähligen mails von zu Hause aus an Barbara zu schicken (CD-Rom schicken ist nicht ratsam, weil die höchstwahrscheinlich irgendwo auf dem Postweg verschwindet). Auch Andrea hat wieder ein beneidenswert schönes großes Häuschen und mit Rundgang durchs Haus, Fotos downloaden und Schwätzchen verging 1,5 Stunden ganz schnell. Danach noch schnell in den Supermarkt, Kotelett kaufen, nach Hause, Kotelett braten, zu Abend essen und gegen 21:00 sind wir zu Dritt noch einmal rein nach Windhoek gefahren, zum Wasserturm. Der Wasserturm steht auf einem Hügel und von dort hat man eine fantastische Aussicht auf Windhoek. Die ganze Stadt im nächtlichen Lichterglanz lag uns zu Füßen - einfach traumhaft. Am nächsten Tag habe ich in der Zeitung gelesen, dass um 09:00 in der Früh genau an dieser Stelle ein Touristenbus ausgeraubt worden ist. Der dreiste Dieb hat einfach den Moment ausgenutzt, als die Touris, begeistert von der tollen Aussicht, mit ihren Kameras das beste Foto erhaschen wollten und sich dabei ein kleines Stückchen vom Bus entfernten. Mir wäre nicht im Traum eingefallen, dass so etwas passieren kann und wir waren in der Nacht auch relativ sorglos, auch wenn wir nicht weit vom Auto weggegangen sind. Trotzdem hätte leicht ein Dieb aus dem Gebüsch kommen können (die sieht man ja auch nicht im Dunkeln) und uns dort überfallen können. Wieder mal Glück gehabt, aber das nächste Mal werde ich nicht mehr so vertrauensselig sein. Nach einem kleinen Spaziergang durch das Stadtzentrum in der herrlich warmen Nacht, war ich gegen 22:30 wieder zu Hause, wo mich allerdings erst mal ein Power-Abwasch erwartete. Aber mit Cat Stevens' Musik habe ich das alles recht schnell geschafft.
Danach habe ich noch bis weit nach Mitternacht, nur bekleidet mit dem Bikini, im Garten gesessen, 2 Kerzen auf dem Tisch und Musik von Cat Stevens. Irgendwie war die Nacht überirdisch schön, die Wolken waren verschwunden und über mir der endlose Himmel mit Millionen von Sternen und der Milchstrasse. In solchen Momenten zieht man ganz automatisch ein Fazit und ich kam zu dem Schluss, dass der Urlaub traumhaft war. Er war natürlich auch voll gestopft mit Aktivitäten und deshalb verging die Zeit rasend schnell. Und wieder habe ich mir vorgenommen, die verbleibenden Tage zu genießen, so gut und so intensiv wie es geht.
29.12.2005 - Windhoek: 08:00 aufgestanden und eine Stunde später sind Barbara, Chris und ich in die Stadt gefahren - erst einmal zu Mug & Bean zum Frühstück. Mug & Bean ist ein sehr beliebtes Frühstücksbistro, mit einer reichlichen Speisekarte und dem nach meinem Geschmack besten Café Latte (natürlich kenne ich nicht alle Restaurants und Bistros). Wenn man dort einen guten Tisch erwischt hat, kann man sehr gut und lange sitzen (Barbara mag es trotzdem nicht besonders). Dann habe ich mich von den Beiden getrennt und bin nun endlich einmal ganz ernsthaft auf Shoppingtour gegangen, denn viel Gelegenheit würde ich nicht mehr dazu haben. Durch den ersten Stadtgang bereits gut orientiert und mit mehr oder weniger festen Plänen, bin ich das Ganze dann auch gezielt angegangen. In nur 3 Stunden hatte ich fast alles zusammen.
Halb 02:00 haben mich die Beiden wieder abgeholt und auf dem Heimweg habe ich auch noch mein letztes Mitbringsel für zu Hause erstanden. Bis ca. 16:00 haben wir im Garten gehockt und dann wurde es mal wieder schwarz, es donnerte und die ersten Regentropfen fielen auch bald. Trotz allem versicherte mir Barbara, dass das noch GAR NICHTS ist.
Kurz nach 17:00 haben wir uns schon wieder auf die Piste gemacht - zur Okapuka Lodge. Vorher aber sind wir einmal quer durch Katutura, dem Township von Windhoek, gefahren, damit ich wenigstens einmal kurz sehe, wie die schwarzen Einwohner Windhoeks leben. Chris sagte mir bereits vorher "you will be pleasantly surprised" (also, ich werde angenehm überrascht sein) und so war es dann auch. Ich hatte es mir wie die Einheimischen-Städtchen Shanzu oder Bomboululu in Kenia, oder aber wie Khayelitsha in Kapstadt vorgestellt, doch die Realität hat meine Vorstellungen positiv übertroffen. Es gibt dort Asphaltstrassen, Krankenhäuser, alle großen Ladenketten sind dort vorhanden und es gibt - zum Teil recht farbenfrohe - Steinhäuser, natürlich mit Anbauten aus dem unschönen Wellblech, und sogar Elektrizität und fließendes Wasser gibt es. Auch haben viele Häuser einen kleinen Garten, bzw. es gibt grüne Flächen zwischen den Häusern. Natürlich sieht es dort bei weitem nicht so gepflegt und sauber aus wie in Windhoek, aber solche winzigen, vergammelten Bretter- und Pappkarton-Buden, wie ich sie in Kenia und zum Teil in Khayelitsha (vor allem aus der Flugzeugperspektive) gesehen habe, haben nur die Squatter - Schwarze, die aus dem Landesinneren kommen, mit der Hoffnung auf Arbeit in Windhoek, und die sich dann mehr oder weniger illegal am Rande von Katutura wild ansiedeln. Aber selbst bei den Squattern gibt es zum Teil schon Steinhäuser, Strom haben sie nicht, aber Straßenbeleuchtung gibt es bereits in Ansätzen und das Wasser beziehen sie aus Gemeinschafts-Wassertonnen. Perspektivisch wird Katutura aus allen Nähten platzen und man kann nur hoffen, dass die Regierung etwas tut, um die Lebensverhältnisse der Schwarzen dort mehr und mehr zu verbessern (anstatt Millionen für Prunkbauten zu verschwenden - meine Meinung!).
Danach fuhren wir weiter zur ca. 30 km entfernten, auf halbem Weg zwischen Windhoek und Okahandja gelegenen Wildfarm "Okapuka". Und das war ein weiteres Highlight für mich. Traumhaft schön gelegen zwischen Hügeln, mit urigen, auf dem weitläufigen Gelände verstreuten Gästebungalows und einer fantastischen Lapa-Bar ("Lapa" bezeichnet ein offenes, stroh- oder reetgedecktes Gebäude), wo man hervorragend essen, oder auch nur einen Sun Downer nehmen kann. Die Farm hat natürlich auch Tiere, sowohl frei laufende Bokkies, Wildschweine etc., als auch Löwen und Krokodile in Gehegen. Für Letztere muss man allerdings bezahlen und deshalb haben wir darauf verzichtet.
Die Lapa-Bar ist wirklich fantastisch, alles ist aus dem massiven Holz des Kameldorns, die Bar, Barhocker, Tische und Stühle. Man kann herrlich sitzen und bei einem Drink den Blick auf die traumhafte Natur genießen. Wenn man Glück hat, wie wir, sieht man Antilopen, auch wenn sie ziemlich weit entfernt waren. Leider taten sie uns nicht den Gefallen und kamen bis zum Wasserloch. Da wir am Nachmittag Kaffee und Kuchen hatten, haben wir zunächst nur ein paar Gin Tonic getrunken. Aber Barbara und Chris haben dann doch noch Hunger bekommen und am Ende haben wir zwei leckere Starter - Oryx Liver Paté (Gemsbock-Leberpaste) - zu Dritt geteilt. Für mich als Fotograf war die Natur im schnell wechselnden Licht des Sonnenuntergang natürlich wieder ein lohnendes Motiv.
Schaut mal, wie traumhaft Okapuka ist. Ich kann nur jedem
Namibia-Besucher raten, dort mal vorbei zu schauen.
Nach Sonnenuntergang wurde es allerdings empfindlich kühl, da der Wind von allen Seiten durch die offene Lapa-Bar weht (also, es ist ratsam, vorsichtshalber immer eine Jacke mitzunehmen) und so machten wir uns gegen 22:00 wieder auf den Heimweg. Auf der Pad habe ich den Schreck meines Lebens bekommen, als uns zwei total Verrückte mit irrem Tempo überholten. Offensichtlich haben die sich ein Rennen geliefert, oder es waren zwei Gangster, die sich mit dem Auto verfolgten. Zum Glück ist Chris ein besonnener Fahrer und ist nicht vor lauter Schreck in den Sandstreifen gefahren. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ICH gefahren wäre (aber ich fahre nachts ja so und so nur, wenns unbedingt sein muss). Aber der Schreck saß uns allen Dreien in den Gliedern. Etliche Tiere am Straßenrand warnten uns rechtzeitig mit ihren in der Nacht glühenden Augen.
Und weils so schön war in Okapuka und auch weil wir den Schreck erst mal richtig verdauen mussten, gabs zu Hause im Garten noch zwei "Jägermeister" (einen Grund zum Trinken muss man ja finden). An diesem Abend habe ich noch Tränen gelacht und konnte mich lange überhaupt nicht mehr beruhigen. Tage später haben wir noch drüber gelacht: Chris hat sich (in seinem herrlichen Afrikaans) über die allnächtlichen Störungen durch das Gekläff der Nachbarshunde ausgelassen (die honde blaf – die Hunde bellen) und steigerte sich immer mehr hinein. Je mehr stories er zum Besten gab und je anschaulicher er die Hunde nachmachte und was er am liebsten mit ihnen machen würde (wirklich machen würde er das natürlich nie), desto mehr lachten Barbara und ich. Ich amüsierte mich zusätzlich zu den stories auch noch über die Sprache.
Zu guter Letzt prophezeite er mir, dass er mich am Neujahrsmorgen
auf der Farm, falls ich nicht von alleine aufstehe, auf wirksame Weise wecken
würde: "Ons blaf voor jou slaapkamer" (wir bellen vor Deinem Zimmer)
und machte natürlich auch gleich vor, wie: ahuuuuuuuuu!
30.12.2005 - Windhoek: Nach dem Aufstehen gegen 08:00 gings erst mal wieder zum Frühstücken, diesmal zu Wecke & Voigts, einem Supermarkt in der Independence Avenue. Aber der Silvester auf der Farm warf bereits seine Schatten voraus und Barbara hatte mal wieder noch tausend Dinge zu besorgen und zu erledigen, zwischendurch noch schnell nach Hause, um die Wäsche abzunehmen, weil es sehr nach Regen aussah. Erstaunlicherweise haben wir aber bei all dem Zickzack und Hin und Her auch noch Zeit zu einer Windhoek Sightseeing Tour gefunden und so wurde dieser Tag für mich ganz unerwartet doch noch zu einem touristischen Highlight.
Zunächst fuhren wir zum Heroes Acre, einer monumentalen Denkmalsanlage auf einem Hügel südlich von Windhoek. Obwohl ich diese Art pompöse Heldenverehrung und verschwenderische afrikanische Großmannssucht (die ver(sch)wendeten Millionen Rand hätte man hundertmal besser zur Lösung von wirklich dringenden Problemen nutzen können) nicht mag und das Machwerk noch nicht einmal schön ist, denn es wurde von Koreanern entworfen und gebaut - das Resultat ist ein Baustil, der so "unafrikanisch" ist, wie es schlimmer kaum sein kann - hat man einen fantastischen Blick auf das von Hügeln umgebene Windhoek.
Nach dem Heroes Acre fuhren wir wieder zurück ins Stadtzentrum und weiter gings zum nächsten touristischen MUSS - der Christuskirche, dem Reiterdenkmal, der "Alten Feste" und dem "Tintenpalast".
Auf dem Heimweg schauten wir uns noch zwei weitere Monumentalbauten der neuen namibischen Regierung an. Ich erspare mir hier weitere Kommentare, wie ich diese vollkommen unnütze Geldverschwendung finde und auch, wie total daneben ich diesen für Afrika so völlig unpassenden koreanischen Baustil finde: Der im Volksmund wegen der runden Kuppel "Eierpalast" genannte neue Präsidentenpalast entsteht hoch oben auf einem Hügel und da er direkt auf unserem Weg nach Hause lag, konnten wir täglich das rasante Bautempo beobachten. Ganz schlechte Karten haben die Bewohner der Häuser auf dem unmittelbar dahinter liegenden Hügel, denn sie sollen ihre Häuser räumen. Warum wohl!!!??? Vielleicht weil sie den ultimativen Blick auf den Eierpalast haben und dort vielleicht mal etwas beobachten könnten, was sie lieber nicht sehen sollten... Die "Korean Wall", spöttische Bezeichnung der Einheimischen in Anlehnung an die "Chinese Wall" (Chinesische Mauer), ist der hohe Zaun rund um den Fuß des Hügels, auf dem der Eierpalast steht. Tag und Nacht und in atemberaubenden Tempo arbeiteten die koreanischen Bauarbeiter an der Errichtung dieser neuen Scheußlichkeit.
Gegen 15:00 waren wir wieder zu Hause. Da es sich im Laufe des Tages immer mehr bewölkte, war nichts mit Sonnenbaden im Garten und so machte ich mich daran, meine Tasche für die 2 Tage auf der Farm zu packen. Die verbleibende Zeit bis zum Abend habe ich mehr oder weniger abgehangen, weil ich von dem Hin und Her und Kreuz und Quer durch die Stadt doch ein bisschen pap (fertig, müde) war. Allerdings freute ich mich irre auf den Abend, denn wir wollten alle zusammen zu Joe's Beerhouse gehen.
Kurz vor 19:00 waren wir dort und ich war sofort total begeistert von Joe's Beerhouse. Das MUSS man einfach gesehen haben - und wohl alle Touristen tun das auch. Joe, ein Deutscher und Gründer des wohl urigsten Restaurants von ganz Windhoek ist ein absoluter Jäger und Sammler. Es ist einfach unvorstellbar, was er alles gesammelt hat und damit Wände, Boden, Decke und jedes freie Plätzchen dekoriert hat. Aber nicht nur diese kuriosen Sammlerstücke machen das besondere Flair aus, auch die Anlage an sich, mit zahlreichen Tischen und Bänken unter freiem Himmel, aber auch geschlossenen Räumen, der offenen Boma mit romantischer Feuerstelle - perfekt einem afrikanischen Kraal nachempfunden, und nicht zuletzt einer Kunstgalerie mit angeschlossenem Laden mit sehr hochwertigen Kunstartikeln und Souvenirs. Und natürlich sind die Speisen vom Feinsten. Vom Kudu, Springbock, Krokodil und Co. über Rindfleisch und Fisch bis hin zu vegetarischen Gerichten bekommt man ALLES und das in super Qualität (Vegetarier tun mir im übrigen furchtbar leid, denn es ist hart und einfach jammerschade, in Namibia kein Fleisch zu essen). Die Portionen sind riesig und man hat die Qual der Wahl. Weil ich möglichst von allem etwas probieren wollte, habe ich den Bushman Sosatie (Spieß) bestellt, denn dieser enthielt "Ostrich, Crocodile, Zebra, Kudu, Chicken with Salad & Fritters", zwischen den verschiedenen Fleischstücken Auberginen, Zwiebeln, Mais und Tomaten. Mega lecker, wobei das Hühnchen von allem das Unspektakulärste war.
Das üppige Menü beendeten noch je 2 Jägermeister und damit war unser Weihnachtsgeschenk von Barbaras Eltern - ein ordentlicher Geldschein mit dem Hinweis "Gönnt Euch etwas Besonderes davon" alle. Drei Mal waren wir zu Dritt davon richtig gut essen. Danke, Ingrid + Wolfgang! Der Abend reihte sich für mich als ein weiteres Highlight in eine bereits lange Reihe ein. Gegen 22:30 war ich wieder zu Hause. Am Nachmittag hatte es immer mal wieder kurz geregnet und in der Nacht war es kühl und windig. Trotz allem ließ der "richtige" Regen noch immer auf sich warten. Im Bett schrieb ich einige Neujahrs-sms'e, da ich bereits ahnte, dass ich auf der Farm wieder kein Netz haben würde.
31.12.2005 - Windhoek - Farm "Otjiruze": Wieder ausgeschlafen bis 08:00 und dann ging mal wieder, wenn auch nicht ganz so heftig wie zuvor, das Auto Packen los. Immerhin waren wir zu Dritt, hatten alle unsere Taschen und auch noch eine große Kiste voller Hähnchen (tote!). Es erstaunt mich immer wieder, was in ein kleines Auto alles reingehen kann, wenn man es geschickt verstaut. Kurz nach 09:00 waren wir auf Pad in Richtung Farm. Die Wild- und Gästefarm "Otjiruze" liegt ca. 120 km von Windhoek entfernt. Die ersten 60 km sind Teerstrasse. Diese haben wir kurz vor Okahandja verlassen und bogen nach rechts ab auf die Sandpad. Die zum großen Teil sehr gute, aber streckenweise auch etwas holprige Pad (für mich abenteuerlich, mir hats gefallen) führte wieder einmal durch grandiose Landschaft: ein trockenes Rivier*, Berge, Hügel und Felsformationen, die aussahen, als hätte ein Mensch angefangen, eine Häuserwand zu errichten. Und wieder diese unglaubliche Weite des Landes, darüber der seit einigen Tagen nicht mehr ganz wolkenlose, aber endlose Himmel. Schon auf dem Weg zur Farm packte mich wieder dieses Gefühl von Freiheit und Abenteuer, was ich schon in Etosha so sehr genossen habe.
Viertel vor 11:00 kamen wir an der Farm an und wurden von einem kleinen Empfangskomitee begrüßt - die erste schöne Überraschung. Chris musste sein Auto vor dem trockenen Rivier stehen lassen, weil er im losen Sand unweigerlich stecken geblieben wäre. Also nahmen wir nur das Nötigste aus dem Auto und gingen durch das Rivier zu Fuß zum Farmhaus.
* "Rivier" kommt von "river" (engl. Fluss) und bezeichnet die Trockenflüsse in Namibia, die nur nach starken Regenfällen Wasser führen. Wenn sie sich unvermittelt mit Wasser füllen und von einem Moment zum anderen zu reißenden Flüssen werden, sagen die Namibier: "das Rivier ist abgekommen" oder "das Rivier kommt ab". Und wenn der Trockenfluss dann eine zeitlang ein wasserführender Fluss bleibt, sagen die Namibier "das Rivier läuft seit xy Tagen oder Wochen".
Herrlich !!! Schon der Weg zum Haus hat mich fasziniert, weite Flächen links und rechts des Weges, ein paar leuchtend orange gestrichene hochmoderne Landwirtschaftsgeräte, gigantische Termitenhügel unter den Bäumen, der auf Farmen typische Windmotor, zwei liebevoll angelegte Kakteen- und Sukkulentenanpflanzungen - und dann das Haus ... inmitten üppig grüner Bäume und Büsche das Haupthaus und ringsherum verschiedene kleinere Gästehäuser, dazwischen der Swimmingpool und die offene Lapa-Bar, umgeben von verschiedenen Feuerstellen für den Braai.
Ich bezog ein Zimmer mit eigenem Bad im Farmhaus, Barbara + Chris hatten Ihres in einem der Gästehäuser. Ich habe nur meine Klamotten abgeschmissen und bin gleich wieder raus, wo bereits Arno mit dem Jeep stand, um uns zu unserem Auto zurück zu fahren, damit wir die restlichen Sachen holen und Chris das Auto ordentlich unter einem Baum parken konnte. Arno drückte mir eine Flasche "Tafel" in die Hand und los gings im röhrenden offenen Jeep durch das Rivier. Einfach herrlich. Das Abenteuer hatte begonnen.
Wieder zurück erfuhren wir, dass "Wolfgang jetzt zum Quadbiken zum Rivier runter fährt", ob wir auch mit wollten. Natürlich wollten wir. Mit dem offenen Jeep fuhren wir - ca. 15 - 20 Leute, darunter eine Menge Kids, ausgerüstet mit Campingstühlen und Cooling Boxes voller Bier, Wasser, Cola und Apfelschorle - zum Rivier, wo zwei Kids bereits mit den beiden Quadbikes von Wolfgang durch den Sand kurvten. Ich bin noch nie in meinem Leben auf so einem Ding gesessen, aber ich dachte mir, wenn die Kids das können, kann ich das wohl auch. Der Andrang ist natürlich riesig und JEDER will fahren. Irgendwann kam ich dann auch mal dran und nach einer kurzen Einweisung von Wolfgang - zum Glück haben die beiden Quads Automatic-Schaltung - saß ich auch schon auf "meinem" gelben Quadbike und fuhr los. Zuerst noch etwas langsamer und vorsichtig, aber dann hats mich gepackt. Es macht einen wahnsinnigen Spaß und der Suchtfaktor ist enorm groß. Barbara sagte, dass meine Augen richtig begeistert geleuchtet hätten, als ich von meinem Quadbike wieder absteigen musste.
Nach 1,5 Stunden Quadbiken fuhren wir wieder zurück zum Haus und haben erst einmal lecker zu Mittag gegessen. Noch heute empfinde ich Hochachtung und Bewunderung für alle, die dort auf der Farm gekocht, gebacken, gebraten und gegrillt haben, weil mir das ja völlig abgeht. Manchmal hatte ich einen ganz leisen Anflug von schlechtem Gewissen, weil ich so gar keinen wirklichen Beitrag leisten konnte. Nicht einmal abwaschen, denn das haben zwei schwarze Farmangestellte gemacht. Natürlich versicherten mir alle, ich sei Gast und sollte es genießen und mir keinen Kopf machen. Ach, sie waren alle so lieb zu mir. Den Nachmittag habe ich in einer der Schaukeln am Pool verbracht, um meine Bräune noch ein bisschen zu vertiefen, was trotz bewölktem Himmel gelang.
Den Tag hatte jeder der ca. 35 Gäste auf der Farm (übrigens alle Familie oder Freunde von Barbara und viele davon kannte ich bereits, denn wir hatten uns schon zur Silberhochzeit kennen gelernt) irgendwie nach Lust und Laune verbracht. Massenandrang gabs nur beim Quadbiken, aber sonst tat jeder, was er gerade wollte. Die Kids tobten im Pool, viele schliefen am Nachmittag, ein paar haben gelesen, ich bin am späten Nachmittag eine große Runde über die Farm spaziert und habe eine Menge Fotos gemacht. Genau aus diesem Grund ist es so erholsam, ein paar Tage auf einer Farm zu verbringen. Man kann eine ganze Menge an Aktivitäten mitmachen, aber man MUSS nicht. Gegen 17:00 erwachten alle so langsam wieder und kamen wieder aus ihren Häuschen raus. Ein bisschen herumstehen, schwatzen, lachen, ein Bier trinken - und dann das nächste Highlight: mit dem Jeep zum Sun Downer.
Gegen 18:30 fuhren wir mit 2 Jeeps, wieder voll beladen mit Erwachsenen und Kids auf der offenen Ladefläche - die Kids stritten sich um die paar Plätze auf dem Dach über der Fahrerkabine und um das Privileg, die Farmtore öffnen und wieder schließen zu dürfen -, Campingstühle und Kühlboxen voller Bier, Wein und Softdrinks., Chips, Früchten und Biltong (getrocknetes Fleisch in Streifen - Delikatesse in Südafrika und Namibia). Ziel war das "Red Bassin", ein Wasserbassin, wo wir hofften, vielleicht ein paar Tiere zu sehen. Unterwegs sahen wir ein paar Perlhühner, Wildschweine, einen Kudu und ein Hartebeest. Am Red Bassin angekommen, stellten wir die Stühle auf und wie weiland die alten Afrikapioniere auf Safari genossen wir unseren Sun Downer (auch wenn das zu alten Zeiten immer Gin Tonic war wegen des Chinins, was gegen die Malaria hilft). Tiere sahen wir außer einen kleinen Hasen keine, aber trotzdem war es einfach traumhaft: Der Wind in den Haaren während der Jeepfahrt, die fröhliche Runde beim Sun Downer, ein herrlicher Sonnenuntergang mit glühenden Farben, die letzten Strahlen des Tages bohrten sich durch fast surreale Wolkenformationen (der kleine Sohn von Hanneli meinte "der liebe Gott macht ein Experiment"), dann brannte der Himmel feuerrot, die Wolken färbten sich lila und kurz darauf senkte sich die Dämmerung über das weite Land. Ich kann das nicht beschreiben, weder das Bild noch das unbeschreibliche Gefühl, was mich dabei ergriff. Und auf meinen Fotos kommt das leider auch nicht so deutlich heraus. Man MUSS es einfach selbst erleben. Wieder fühlte ich mich ganz klein, aber überwältigt und wie berauscht angesichts einer solchen großartigen Schöpfung. Und ganz sicher ging es mir nicht alleine so.
Gegen 20:00 Uhr waren wir zurück und der letzte Tag des Jahres 2005 hatte nun nur noch 4 Stunden. Staub abduschen und dann war ich auch schon fertig. Ich fand es toll, dass ich mal nicht große Robe und Kriegsbemalung für einen Silvesterball anlegen brauchte. Um 21:00 gab es Dinner, auch nichts besonderes und schon gar kein 5-Gänge Menü, nur Hähnchen in Mushroom Sauce, Nudeln und Salat, später kam noch der Nachtisch: "Trifle", eine Art Pudding mit Kuchen, oder umgekehrt, sündhaft gut und kalorienreich. In kleinen Gruppen standen oder saßen wir zusammen in der warmen Nacht und mit Schwätzchen, Späßchen und Lachen verging die Zeit bis Mitternacht irre schnell. Eh ich mich versah, begannen die Vorbereitungen für das Anstoßen um 0:00, Gläser und etliche Sektflaschen wurden gebracht und Knaller und Raketen zurecht gelegt. Und dann war es soweit, das Jahr 2005 verabschiedete sich, mit den Sektgläsern stieß so ungefähr Jeder mit Jedem an und die Kids feuerten ihre Raketen ab. Etwas entfernt hörten wir das Lachen, Singen und Trommeln der schwarzen Farmarbeiter und ich ertappte mich bei dem Gedanken, dass ich gern einfach mal rüber gelaufen wäre, um auch ihnen ein gutes neues Jahr zu wünschen. Leider "tut man sowas nicht" und es wäre sicher den Schwarzen auch sehr eigenartig vorgekommen. Aber schade fand ich es doch. Die Kids ließen dann noch einen Haufen Wundertüten knallen und dekorierten mit ihrem Konfetti und den Luftschlangen die gesamte Lapa bis unters Dach. Zusammen mit ein paar von Barbaras netten Verwandten saß ich bis gegen 02:00 an der Bar und war damit unter den Letzten, die schlafen gegangen sind. Das Wetter hat zum Glück auch durchgehalten. Es hatte sich am späteren Nachmittag ziemlich bewölkt hin und wieder fiel auch mal ein Tropfen, aber die Silvesternacht war herrlich warm und windstill.
Wie man es eben so tut in der Silvesternacht, ließ ich im Bett den Tag und gleich noch dazu das ganze Jahr 2005 Revue passieren und kam zu dem Schluss, dass das Jahr keineswegs immer nur schön war, aber der letzte Tag des Jahres war großartig. Die Farm ist traumhaft schön, die Leute alle furchtbar nett und unkompliziert, Quadbike fahren und der Sun Downer am Bassin war einfach geil. Freiheit, Natur und Weite - und einfach leben!!! - das alles war so schön, dass es mir in dem Moment wie ein Traum vorkam. In der Neujahrsnacht habe ich einmal wieder meinen afrikanischen Traum geträumt.
01.01.2006 - Farm "Otjiruze" - Windhoek: Mit ausschlafen war wieder nichts, denn bereits ab 08:00 erwachte die Farm so langsam, ein paar Kids rannten schon wieder um den Pool und unter meinem Fenster entlang und mir wurde schnell klar, dass es nun nicht mehr leiser werden würde, eher lauter und so bin ich 08:30 aufgestanden. Obwohl ich erst 02:30 schlafen gegangen bin, war ich gar nicht mehr müde. Wäre auch schade um den schönen Tag gewesen. In der Lapa gabs erst einmal ein opulentes Frühstück mit Spiegeleiern, gebratenem Speck und Brötchen. Zu Hause würde ich das niemals machen, aber dort auf der Farm war das richtig gut - und reichlich sowieso. Nach dem Frühstück habe ich mich mit Barbara zu einem schönen Spaziergang über das Farmgelände aufgemacht. Barbaras Tante + Onkel, Ursula + Peter, in Begleitung zweier Farmhunde kamen uns nach und wir spazierten alle zusammen. Ein Spaziergang ist ja eigentlich nichts besonderes, aber ich habe in dem Moment wieder diese Freiheit und unglaubliche Leichtigkeit gefühlt, die ich zu Hause in Deutschland viel zu selten spüre. Wieder zurück am Farmhaus ging gerade die action wieder los, denn wir wollten nochmal runter ans Rivier zum Quadbike fahren. Also wieder den Jeep mit Campingstühlen und Coolingboxes mit Getränken beladen, alle Mann rauf auf die Ladefläche und ab gings. Zwei Kids waren mit den beiden Quadbikes bereits auf dem Weg zum Rivier. Es war genauso toll wie am Vortag, nur dass ich noch viel öfter gefahren bin. Ich war richtig gerührt, denn Wolfgang - der Besitzer der Quads - schärfte den fahr-besessenen Kids ein, dass ich heute mal ein bisschen öfters fahren darf, weil ich doch 2 Tage später wieder in das kalte Deutschland zurück muss und dort ganz ganz lange gar nicht mehr Quadbike fahren kann. Das sahen alle ein und zu guter Letzt hatte ich noch das absolute Privileg, ein Quadbike zurück zum Farmhaus zu fahren. Und ich durfte mir sogar unter zahlreichen Anwärtern noch aussuchen, wer mit mir zusammen das zweite Quad zurück fährt. Ich hätte noch ewig weiter Quadbike fahren mögen. Das ist so irre, ein Wahnsinns-Vergnügen.
Den Nachmittag habe ich mit meinem Buch am Pool verbracht, immer in der Hoffnung, dass die Sonne noch ein wenig durchhält und meiner Urlaubsbräune noch den letzten Kick gibt. Ein bisschen hat sie noch durchgehalten, aber ab ca. 16:00 wurden die Wolken immer schwerer und schwärzer und ein kräftiger Wind kam auf. Die Kenner des namibischen Wetters meinten alle, dass es heute noch richtig regnen würde - und ich war gespannt, was denn ein "richtiger" Regen ist. Angesichts einer riesigen, bedrohlich schwarzen Wolkenwand glaubte ich den Wetterpropheten aufs Wort. Nach dem Kaffee trinken am Nachmittag ging dann für mich die große Verabschiedungsrunde los. Irgendwie war mir ganz wehmütig ums Herz, weil ich mich nun für lange Zeit von all den netten Leuten verabschieden musste, und natürlich auch von der Farm. Große Umarmungen, von allen gute Wünsche - und halb 06:00 waren wir wieder auf Pad zurück nach Windhoek. Ein super toller Urlaub neigte sich unweigerlich dem Ende zu und die "letzten Male" häuften sich nun. Auf dem Farmgelände hatte ich meinen letzten Game Drive. Immerhin sahen wir noch Perlhühner, Kudus, Wildschweine, ein paar Antilopen und einen Pfefferfresser. Das letzte Mal machte ich ein Farmtor auf und wieder zu.
Ein paar km nachdem wir die Farm verlassen hatten, fing es an zu regnen. Es musste schon eine Weile geregnet haben, denn die Strasse war bereits richtig nass. Links und rechts der Sandpad liefen richtige kleine Bäche entlang. Und eigentlich war es nicht verwunderlich, dass das auf dem Hinweg noch trockene Rivier bereits abgekommen war. Wir hatten gerade noch Glück, bevor das wirklich große Wasser kam und das Rivier für uns unpassierbar gemacht hätte. Chris hat es gerade noch geschafft, sein Auto unbeschadet durch zu bekommen. Links und rechts des Autos spritzten gewaltige Wasserfontainen hoch und gesehen haben wir außer Wasser nichts mehr. Egal, wir sind heil durchs Rivier gekommen und außer dass das Auto nicht mehr weiß, sondern über und über mit braunem Schlamm bespritzt war, ist nichts passiert.
Der Himmel lag wie eine dunkelgraue Bleidecke über dem Land und es regnete und regnete. Das Thermometer im Auto zeigte nur noch 23 Grad Celsius an. Gegen viertel vor 08:00 kamen wir in Windhoek an, der Regen hörte auf und es gab wieder einen fantastischen feuerroten Sonnenuntergang mit dunkellila schimmernden Wolkengebirgen. Nach Sonnenuntergang wurde es ziemlich kühl.
Zu Hause machte sich Barbara sofort wieder in der Küche zu schaffen und zauberte blitzschnell Spaghetti für uns Drei. Ich habe natürlich erst mal meine Klamotten ausgepackt. Dafür hatte ich nach dem Essen den ganzen Abwasch, ausgleichende Gerechtigkeit und mein Anteil an der Arbeitsteilung, da ich ja nicht kochen kann.
Erstaunlich war, dass Barbara keinen Tropfen Regen in ihrem rain meter hatte, was nicht heißt, dass es in Windhoek nicht geregnet hat. Aber zumindest in ihrem Stadtviertel hatte es an diesem Tag nicht geregnet. Ich war happy, dass ich so kurz vor meiner Rückreise nach Deutschland noch mal "richtigen" Regen gesehen habe, wenn auch erst in den Anfängen und vor allem, dass ich ein Rivier habe abkommen sehen, auch wenn es nur ein kleines Rivier war.
02.01.2006 - Windhoek: Nach dem Ausschlafen bis ca. 08:30 gings erst mal wieder zum Frühstücken zu Mugg & Bean. Nun, ich hatte mich bereits damit abgefunden, dass ich erst bei mir zu Hause wieder die gewohnten Brötchen mit Honig und/oder Nutella bekommen würde. Außerdem hat Chris uns eingeladen, da er heute Geburtstag hatte. Wieder zu Hause habe ich meinen Koffer gepackt und den Rest des Tages haben Barbara und ich draußen im Garten verbracht mit Schwätzchen, Fotos anschauen und bisschen Sonnenbaden. Am späten Nachmittag fuhren wir noch einmal bei Barbaras Freundin Andrea vorbei, um meine restlichen Fotos down zu loaden und meine Cat Stevens-CD zu brennen. Auch von Andrea musste ich mich nun leider verabschieden. Beide fanden wir es jammerschade, dass wir diesmal nicht mehr Zeit miteinander hatten ... aber nächstes Mal !!!
Die Sonne hatte sich mittlerweile auch verabschiedet und ab 16:00 wurde es wieder bedrohlich schwarz. Der Regen war nun wirklich für mich zum täglichen Thema geworden. Für die Namibier auch, aber sie freuten sich ja auf den Regen. Ich aber habe immer nur gehofft und gebangt, dass ich wenigstens noch ein paar warme, sonnige Stunden am Tage habe. Und der namibische Wettergott war auf meiner Seite. Der wirklich heftige Regen begann erst nach meiner Abreise.
Meine letzten Namibia Dollar wollte ich noch richtig gut anlegen und so habe ich Barbara und Chris zum Abschieds-Dinner in die Heja Lodge eingeladen. Die Lodge liegt ca. 30 km östlich von Windhoek in Richtung Flughafen. Ganz unerwartet hatte ich noch einmal einen Game Drive, denn auf dem Weg zur Lodge sahen wir eine Menge Perlhühner, Springbokkies und Wildschweine. Die Lodge ist ganz anders als Okapuka mit seiner tollen Lapa-Bar, vielleicht nicht ganz so urig, aber trotzdem sehr schön mit den Reet gedeckten Dächern und dem Pool.
Noch schöner wäre es ganz sicher gewesen, wenn wir hätten "open air" sitzen können, aber der Himmel war so schwarz und es wehte ein kühler Wind, so dass wir uns vorsichtshalber gleich nach drinnen verzogen. Das Dinner - "Springbock Tornado" war wie üblich super lecker und der Nachtisch - "Dom Pedro" (Eiscreme, geschlagen mit Milch + Kahlua (=ein Kaffeelikör)) - war wieder mal etwas, was ich noch nicht kannte.
Ganz in der Nähe der Lodge tummelte sich eine Herde Springböcke mit ca. 50 Tieren und eine ganze Menge Perlhühner, die sich unter den Tischen und Stühlen vor dem Regen versteckten. Die Berge rings um die Heja Lodge waren vollständig hinter einer Regenwand verschwunden und mit dem heftigen Wind war es wieder richtig kühl geworden. Meine letzten Namibia Dollar reichten natürlich nicht ganz und Barbara legte den fehlenden Rest noch drauf - und so war Chris' Geburtstag und mein letzter Abend eine "runde Sache". Der Weg zurück nach Hause wäre für mich wieder eine challenge gewesen wegen des andauernden Regens und der wirklich schlechten Sicht, aber Barbara hat das natürlich gepackt. Den Rest des Abends haben wir uns bei Chris noch einmal ganz in Ruhe das Cat Stevens concert angeschaut. Draußen regnete es ununterbrochen und es war ganz ordentlich kühl.
Alles in allem war es ein schöner ruhiger letzter Tag und trotzdem war ich müde, vielleicht wegen des Regens und der Kühle, und irgendwie graute es mir schon vor dem langen Flug, der Kälte in Deutschland - und eigentlich wollte ich ja überhaupt nicht weg von Namibia !!!
03.01.2006 - Windhoek - München: Heute mal wieder in aller Herrgottsfrüh - um 05:45 - aufgestanden. Erstaunlicherweise war ich ziemlich gut drauf trotz der frühen Morgenstunde. Und dieser letzte Morgen machte mir den Abschied noch einmal so richtig schwer mit einem wunderbaren Abschiedsgeschenk: ein märchenhafter Sonnenaufgang, frische, kühle, aber sehr angenehme Luft, und es versprach, wieder ein herrlicher Tag zu werden, nachdem es die ganze Nacht noch geregnet hatte. Wirklich viel Regen war es allerdings nicht, Barbara hatte gerade mal 16 mm in ihrem rain meter.
Und dann ging alles ganz schnell: 07:15 waren wir am Airport, 07:30 öffnete der Check in und ich war die Zweite in der Reihe, großes Drukki und Verabschiedung von Barbara und Chris und dann war ich auch schon durch die Passkontrolle durch. Im Duty Free-Bereich bekam ich dann durch Zufall noch mit, dass es in Namibia , genau wie in Südafrika, auch einen VAT-refund gibt. Natürlich war es dafür nun zu spät (mittlerweile weiß ich, dass man das auch noch nachträglich bei einer erneuten Reise noch machen kann). Der Flieger flog mit ca. einer Stunde Verspätung ab, aber es war ein sehr angenehmer Flug, denn er war nicht voll und ich hatte meine 4-er Reihe ganz für mich alleine. Und noch einmal hatte ich Glück und saß auf der richtigen Seite, um die fantastische weiße Salzebene der Etosha Pfanne zu sehen.
Durch den verspäteten Abflug in Windhoek kamen wir natürlich auch zu spät in Düsseldorf an, ich verpasste meinen Anschlussflug nach München und musste den nächsten Flieger nehmen. Irgendwie habe ich das aber auch alles überstanden. Jedenfalls war ich 0:45 zu Hause. Gewöhnungsbedürftig waren natürlich die Temperaturen: ein paar Grad unter Null und überall Schnee.
Eins ist ganz sicher: ich fliege wieder nach Namibia. (und Viertens, last but not least!, muss ich mir noch meine VAT zurückholen :-))
*** ENDE ***
Startseite ° Impressum ° Das bin ich ° Mein business ° Meine Reisen ° Wordlist ° Fotogallery ° Musik ° Meine Freunde ° Gästebuch °Sitemap
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||