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Dipl.- Ing. Architektin |
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TECHNISCHE UNIVERSITÄT DRESDEN Fakultät Architektur Seminararbeit zum Vertiefungsseminar Sozial- und Gesundheitsbauten, WS 2002/2003 Bearbeiter: Anne Kerstin Kulus (heute Hirsch) 4.-4.2 Anforderungen an die Architektur 4.3- 4.3.2 Hinweise zu besonderen Räumen 4.3.3- 5 Innenarchitektur, Farbe, Licht, Materialität, Geräusche + Zusammenfassung 1
Einleitung
Beim
Autismus handelt es sich um eine Krankheit, die aufgrund der zahlreichen
Verhaltenssymptome einer besonderen Betreuung bedarf. Obwohl man derzeit
nicht von einer endgültigen Heilungschance ausgeht, können doch große
Erfolge in Therapien erzielt werden. Etwa 4 bis 5 von 10.000 Menschen sind
vom Autismus betroffen. Allein in Deutschland leben circa 40.000
autistisch behinderte Menschen, von denen sich etwa ¾ im Erwachsenenalter
befinden. Vor allem für diese autistisch behinderten Erwachsenen besteht
ein Mangel an entsprechenden Wohnstätten. Die
verminderte Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitung autistischer
Menschen führt zu ganz speziellen Ansprüchen an die Architektur ihres
Umfeldes. Diese Arbeit versucht herauszufinden, worauf bei der Planung von
Neu- oder Umbauten von Wohneinrichtungen für autistisch behinderte
Menschen besonders zu achten ist. Ausgehend von einer Analyse des
Krankheitsbildes werden anhand von Beispielen typische Probleme
bestehender Einrichtungen aufgezeigt. Dabei sollen sowohl konzeptionelle
und funktionale Aspekte untersucht werden als auch konkrete Vorschläge
zur Ausführungsplanung erarbeitet werden.
2. Das Krankheitsbild Autismus2.1
Autismus - Historischer Überblick zu Definition, Diagnose und Therapie
Autismus
ist nach derzeitiger Auffassung die schwere Form einer früh beginnenden
tiefgreifenden Entwicklungsstörung, die Defizite in kognitiven,
emotionalen, interaktionalen, sprachlichen und motorischen Funktionen
umfasst.[1][1]
Zum einen handelt es sich um ein klar umrissenes Syndrom, zum anderen
stellt die autistische Behinderung auch den Sammelbegriff für die
individuelle Kombination von Symptomen aus einem Symptomkatalog dar. Der
Begriff Autismus wurde vom Schweizer Psychiater Eugen Bleuler 1914
erstmals begründet. Er beschrieb damit ein auf sich selbst bezogenes
Denken, dass er vor allem bei Schizophrenen beobachtet hatte. Zur
Zeit des zweiten Weltkrieges wurde die Krankheit Autismus, wie man sie
heute definiert, erstmals beschrieben. Parallel zueinander führten Leo
Kanner und Hans Asperger Untersuchungen von Kindern durch, die durch
Kontaktstörungen und starke Bezogenheit auf sich selbst auffielen. Kanner
nannte dieses Erscheinungsbild „frühkindlicher Autismus“ und Asperger
„autistische Psychophatie“. Es ist nicht anzunehmen, dass sie von
ihren jeweiligen Veröffentlichungen wussten, da aufgrund des Krieges eine
Kommunikation äußerst schwierig war. Erst
Ende der vierziger Jahre wurden die Untersuchungsergebnisse in Europa
bekannt. Das Interesse stieg vor allem seit den 60iger Jahren rapide. Zunächst
erfolgte jedoch lediglich der Versuch der Diagnose sowie einer
Ursachenforschung. Therapeutische Maßnahmen bezogen sich nur auf
Konditionierungsversuche. Im Laufe der Zeit entwickelte sich ein breit gefächertes
Behandlungsangebot. Neben psychotherapeutischen und heilpädagogischen Maßnahmen
werden auch sogenannte Außenseitermethoden angewendet, deren Wirkung zum
Teil umstritten ist. Hat man noch in den 70iger Jahren angenommen, dass
vor allem das Umfeld und das Elternhaus für die Ausprägung des Autismus
verantwortlich sind, so geht man heute davon aus, dass eine Schädigung
der Nervenbahnen und damit der Informationsverarbeitung vorliegt. In
der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD- 10) wird
Autismus folgendermaßen beschrieben: „Eine
tiefgreifende Entwicklungsstörung, die durch eine abnorme oder beeinträchtigte
Entwicklung definiert ist und sich vor dem 3. Lebensjahr manifestiert. Außerdem
ist sie durch eine gestörte Funktionsfähigkeit in den drei folgenden
Bereichen charakterisiert: in der sozialen Interaktion, der Kommunikation
und in eingeschränktem repetitivem Verhalten. Die Störung tritt bei
Jungen drei- bis viermal häufiger auf als bei Mädchen.“
[1][2] 2.2
Symptomatik
Die
Symptomatik des autistischen Syndroms ist vielfältig. Zahlreiche
Verhaltenseigentümlichkeiten entwickeln sich auch bei normalen Kindern,
klingen jedoch nach einem gewissen Zeitraum wieder ab. Bei Autisten jedoch
passen sie häufig nicht zum sonstigen Entwicklungsstand. Auch wenn Kanner
und Asperger einander ähnliche Syndrome beschrieben haben, so
unterscheiden sich diese jedoch im Detail. Die zeitliche Reihenfolge der
Verhaltensauffälligkeiten ist für autistische Kinder sehr
charakteristisch. Die ersten Symptome werden meist vor dem 30. Lebensmonat
beobachtet. Kanner
unterscheidet
zwei Grund- und vier Sekundärmerkmale: „Grundsymptome: Sekundärsymptome: Asperger
diagnostiziert das Verhalten als „autistische Psychopathie“ die ab dem
dritten Lebensjahr auftritt. Er stellt die folgenden Merkmale fest: Heute
unterscheidet man die Krankheitsbilder zwischen den Asperger- Autisten und
jenen, die nach Kanner beschrieben werden. Dabei wird das Asperger-
Syndrom als eine Sonderform der autistischen Störung gesehen.[1][4] 2.3
Weitere typische
Erscheinungen
Besonderheiten
der Sprache
Nach
Kehrer sind 40% der autistischen Menschen mutistisch. Sie sprechen also
gar nicht. Aber auch die restlichen zeigen häufig Sprachabnormalitäten.
Besonders oft tritt die Echolalie auf, bei der Wörter oder Sätze in
gleicher Tonlage wiederholt werden. Eine weitere Spracheigentümlichkeit
ist die pronomiale Umkehr. Autisten benennen sich selbst mit „du“ oder
mit ihrem Eigennamen statt „ich“. Gelegentlich erfinden autistische
Menschen Ausdrücke oder entwickeln eine eigene, für andere nicht verständliche,
Sprache. Wörter, die mehrere Entsprechungen haben, werden falsch
angewendet oder in der übertragenen Bedeutung nicht verstanden. Gefühlswelt
Die
Gefühlswelt autistischer Menschen ist für Außenstehende wenig
nachvollziehbar. Ein Lachen bedeutet nicht unbedingt Fröhlichkeit und
Weinen ist nicht immer Ausdruck von Schmerz und Leid. Während
viele Autisten meist fröhlich und guter Stimmung sind, treten bei anderen
häufig Schwankungen auf, die auch von Umwelteinflüssen abhängig sein können.
So werden Phasen von besonderer Reizbarkeit, schlechtem Befinden und ungenügendem
Schlaf beobachtet. Intelligente
Autisten erkennen, dass sie anders als die Menschen ihrer Umgebung sind
und leiden zum Teil darunter. Sonderleistungen
Autisten,
deren Intelligenz im Bereich der Norm oder der Lernbehinderung liegt,
zeigen häufig auffällige Sonderleistungen auf Spezialgebieten, so zum
Beispiel musikalische Sonderbegabungen. Es erfolgt ein schnelles Lernen
von Melodien und deren Einordnung nach Komponisten beziehungsweise
Gruppen. Viele Autisten spielen Instrumente und haben sich dies auch
selbst beigebracht. Das lässt sich besonders bei der Musiktherapie
nutzen. Des
Weiteren sind Sonderleistungen auf dem Gebiet des Gedächtnisses zu
nennen. Es wird in der Literatur häufig auf das sogenannte Kalendergedächtnis
hingewiesen. Hierbei handelt es sich um ein Phänomen, bei dem Menschen in
der Lage sind, nach wenigen Sekunden zu jedem beliebigen Datum den
entsprechenden Wochentag zu nennen. Andere können einen Text nach kurzem
Lesen fehlerfrei wiedergeben- ohne jedoch den Inhalt zu verstehen. Häufig
zeichnen und malen autistische Kinder anders. Zum einen ist der Inhalt
merkwürdig, zum anderen erfolgt das Zeichnen sekundenschnell. Dabei
fixieren sie wie auch bei anderen Handlungen den Stift nicht. Scheinbar
ist das Sehen mit der Macula, dem Punkt des schärfsten Sehens, nicht so
wichtig. Essstörungen
Autistisch
behinderte Menschen haben oft Probleme mit der Nahrungsaufnahme und
Darmentleerung. Beispielsweise erfolgt ein mangelhaftes Kauen oder es
treten eigentümliche Essvorlieben auf, die selbst das Verschlingen von
nicht essbaren Dingen beinhalten. Aber
auch die Ausscheidung der Nahrungsmittel kann gestört sein. Der Stuhl
wird ohne ersichtlichen Grund zurückgehalten und viel zu selten entleert.
Eine verminderte Wahrnehmungsverarbeitung, sowohl von Reizen aus der
Umwelt als denen des eigenen Körpers, scheint hierfür der Grund zu sein.
Das Toilettentraining stellt häufig einen wesentlichen Therapieschritt
dar. Epileptische
Anfälle
Autistische
Menschen sind körperlich gesund. Jedoch sind epileptische Anfälle verhältnismäßig
häufig anzutreffen. Gelegentlich werden sie schon im Säuglings- oder
Kleinkindalter beobachtet. Oftmals treten sie aber erst nach der Pubertät
in Erscheinung. Alle Arten von epileptischen Anfällen sind vorzufinden.
Die Häufigkeit steigt mit zunehmenden Alter. Bei geistig schwerer
behinderten Autisten kommen sie häufiger vor als bei den übrigen. Autoaggression
und Aggression
Aggressives
Verhalten autistischer Kinder und Jugendlicher unterscheidet sich von dem
der normalen Kinder. Es gibt meist keine erklärbaren Gründe. Die
Aggression ist völlig unberechenbar. Des Weiteren richtet sie sich auch
gegen Personen, die dem Autisten besonders nahe stehen oder sogar gegen
die eigene Person. So schlagen sich autistisch behinderte Menschen zum
Beispiel gegen den Kopf oder gegen andere Körperteile. Auch das Sich- Beißen
oder Sich- Kratzen kann zu schweren Verletzungen führen und hinterlässt
Wunden, die nur schwer heilen. Häufig werden bestimmte Stereotypien
ausgeführt- gleichbleibende Bewegungen die dann zu erheblichen
Verletzungen führen können. Erklärt wird dies in der Fachliteratur als
besondere Art der Selbststimulation. Manche
Kinder zerstören plötzlich Spielsachen und Möbel oder wenden sich
aggressiv gegen andere. Es fehlt ein Gefühl für die Stärke und Kraft
der eigenen Handlung oder die Einsicht, dass man dem anderen Schmerzen zufügt.
Auch wohlgemeinte Zärtlichkeiten des Autisten können schnell schmerzhaft
werden. Besonders die Dauer der Handlungen ist auffallend. Manche schlagen
oder beißen sich stunden- und tagelang. Autisten
scheinen weniger schmerzempfindlich zu sein als andere Menschen. 3.
Therapie Autistische
Menschen entwickeln häufig keine eigene Identität im Laufe des
Erwachsenwerdens und sind damit den Einwirkungen anderer Menschen
schutzlos ausgeliefert. Obwohl sie gelenkt und therapiert werden, erfolgt
zum Teil keine Akzeptanz der eigenen Persönlichkeit als Individuum. Der
Alltag sowie Arbeitssituationen sollten eine spezifische Struktur
aufweisen, die aggressive, destruktive oder selbstverletzende Handlungen
abschwächt beziehungsweise verhindert. Ziele
der Therapie sind unter anderem[1][1]: Die
folgende Tabelle zeigt eine Aufstellung der verschiedenen
Verhaltensprobleme autistischer Menschen und deren Behandlungsmaßnahmen
entsprechend den Angaben Kehrers[2][2].
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