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Dipl.- Ing. Architektin |
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4.-4.2 Anforderungen an die Architektur 4.3- 4.3.2 Hinweise zu besonderen Räumen 4.3.3-
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Innenarchitektur,
Farbe, Licht, Materialität, Geräusche
+ Zusammenfassung
4.3.3
Innenarchitektur
Autistische
Menschen haben eine besondere
Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitung. Darauf ist bei der
Innengestaltung zu achten. Die Meinungen bezüglich der Art der
Innenarchitektur gehen auch unter den Wohneinrichtungen für autistische
Menschen stark auseinander. Je nach Therapiekonzept muss die Frage
gestellt werden, inwieweit dem Bewohner in seinem Krankheitsbild entgegen
gekommen wird oder er stattdessen auf Alltagssituationen vorbereitet
werden soll. Rücksichtsnahme und Normalisierungsprinzip müssen genau
abgewägt werden. Farbe
Die räumliche Umgebung soll zur
Stabilisierung beitragen. Nach Mahlke besitzen empfindsame Menschen wie
beispielsweise Autisten eine Vorliebe gegenüber Farben. Sie erleben die
Umwelt nicht vom Gegenständlichen sondern frei vom Allgemeinverständnis
des Nutzens. Farben spielen ebenso wie Schatten daher eine besondere
Rolle. Oft werden Farben jedoch als aggressiver empfunden. Der Farbklang
eines Raumes sollte zwar ausgewogen und reizarm sein, muss aber auf
Akzente nicht verzichten. Besonders die Materialfarbigkeit lässt sich gut
ausnutzen. Wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirkung von Farben auf das
Befinden autistischer Menschen gibt es derzeit nicht. Farbige Elemente unterstützen die
Orientierung im Gebäude. So ist es sinnvoll, den Fußbodenbelag der
Gemeinschaftsräume anders zu gestalten als den der Zimmer. Auch kann man
Ein- und Ausgänge farbig markieren. Farbe spielt im Zusammenhang mit der
Sicherheit eine Rolle. Nicht eindeutige Raumelemente können durch Farbe
betont und damit sicherer gemacht werden. Beispielsweise sind
Treppenstufen zu markieren oder wie schon beschrieben Teile der Sanitärbereiche.
Materialien
Die Materialien aller Oberflächen müssen
in erster Linie robust oder leicht austauschbar sein. Obwohl die befragten
Einrichtungen zumeist auf altbewährte Materialien wie Raufasertapete und
PVC- Fußboden zurückgegriffen haben, bestehen kaum Einschränkungen in
Bezug auf die Materialwahl. Holzverkleidungen sind ebenso möglich wie
Korkfliesen. Vor allem in der überlegten Materialwahl sehe ich eine
Chance, die oft entstehende sterile Atmosphäre der Wohnbereiche zu
entkrampfen. Beim „Würzburger Modell“ nach Mahlke
wird versucht, mit Massivholzeinbauten erkennbare Strukturen zu schaffen,
die „vom äußeren Halt zum inneren Halt“[12][1]
führen. Sie helfen, Räume auf ein menschliches Maß zurückzuführen und
sie zu gliedern. Dies wiederum bringt Stabilität und Klarheit. Unterschiedliche Materialien regen den
Tast- und Fühlsinn an und somit die Wahrnehmung im Allgemeinen. Die
basale Körpererfahrung wie zum Beispiel beim Barfußlaufen kann gefördert
werden. Auf Glasflächen sollte im Innenbereich
verzichtet werden. Sie irritieren häufig, da sie unter bestimmten
Blickwinkeln unsichtbar sind beziehungsweise flackern und reflektieren.
Glasflächen führen zu nicht klar definierten Räumen. Innere und äußere
Bereiche vermischen sich. Wenn Glas eingesetzt wird, so sollte es sich um
Sicherheitsglas handeln. Je nach Bewohner führt auch der Einsatz von
Plexiglas zu Problemen. In Schloss Langenstein wurden in einer Wohngruppe
die Plexiglas- Verkleidungen der Feuerlöscher so oft beschädigt, dass
sie schließlich durch eine Metallverkleidung ausgetauscht werden mussten.
In der zweiten Wohngruppe jedoch gab es keine Schwierigkeiten. Dieses
Beispiel zeigt, dass sich nur schwer allgemeingültige Aussagen zu günstigen
und ungünstigen Materialien machen lassen. Je nach Bewohner und Schwere
des Krankheitsbildes sind unterschiedliche Entscheidungen zu treffen. Licht
Licht und Lichtführung sind für die
Wahrnehmung von Räumen ganz besonders wichtig. Hierbei ist zwischen
Tageslicht und künstlichem Licht zu unterscheiden. Während Tageslicht durch seinen Verlauf
eine Dynamik im Raum bewirkt führt künstliche Beleuchtung zu statischen
Erscheinungen. Licht verändert die Farbe von Materialien, bewirkt
Schatten und Plastizität und äußert sich in der Stimmung eines Raumes.
Dies wirkt sich anregend auf die Wahrnehmung der Umgebung aus. Je nach Funktion sollte ein Raum
unterschiedlich ausgeleuchtet werden. Rückzugsbereiche benötigen Intimität,
die durch dunkle Lichtverhältnisse erreicht wird. Im Gegensatz dazu fördern
helle Bereiche die Kommunikation. Eine flexible Beleuchtung an mehreren
Stellen im Raum ist daher empfehlenswert und dient außerdem der
funktionalen Gliederung der Räume. Direkte Beleuchtung führt oft dazu,
dass autistische Menschen permanent in die Lichtquelle starren, um so
einen besonderen Reiz auf die Augen zu bewirken. Soweit möglich ist
deshalb eine indirekte Beleuchtung einzuplanen. Autistische Menschen arbeiten häufig zurückgezogen
am Tisch. Beispielsweise führen sie Faltarbeiten aus oder stellen Bilder
aus Papierschnipseln her. Dringend erforderlich ist deshalb eine
ausreichende Arbeitsplatzbeleuchtung in den Zimmern. Auch der Sonnenschutz sollte genau
durchdacht sein. Innenjalousien bewirken in besonderem Maße eine Verstärkung
der Umweltreize. Zum einen treten zahlreiche Lichtreflexe auf und zum
anderen entstehen zusätzliche Geräusche. Außenjalousien sind zwar günstiger
in Bezug auf die Geräuschentwicklung, aber aufgrund des unsteten
Lichtdurchlasses ebenfalls nicht zu empfehlen. Eine gute Lösung stellen
transparente oder blickdichte Rollos dar. Nicht zu vergessen ist die Beleuchtung als
Mittel der Gefahrenwarnung und Sicherheit. Nähere Angaben sind in der
Bauverordnung zu finden. Geräusche
Autistische Menschen reagieren oft überempfindlich
gegenüber Geräuschen. Obwohl dieser Effekt im Alter nachlässt, ist er
nie völlig verschwunden. Schallschutz wird fast immer zu wenig in der
Planung bedacht. Selbst alltägliche Geräusche wie Straßenlärm oder das
Ticken eines lauten Weckers können bei autistischen Menschen zu einer
Reizüberflutung führen. Auch mehrere Geräuschkulissen nebeneinander überfordern
die Reizaufnahme. Vor allem im Wohnbereich ist daher auf
ausreichend Schallschutz zu achten. Dies ist besonders beim Einsatz von
Trockenbauwänden zu bedenken. Ohne zusätzliche Schallschutzmaßnahmen
sind sie für autistische Einrichtungen ungeeignet. Neben einer baulichen Trennung
verschiedener Funktionsbereiche ist auch eine akustische Trennung
notwendig. Küche, Essen und Wohnen sollten in unterschiedlichen Räumen
stattfinden, um eine Unruhe in der Gruppe zu vermeiden. Es ist günstig,
den Fernseher in einen separaten Raum zu stellen, damit er nicht bei allen
Tätigkeiten im Hintergrund stört. Nicht zuletzt der Therapiebereich muss
besonders schallgeschützt ausgebildet werden. Obwohl in Arbeits- und
Werkstattbereichen häufig an Sichtschutz gedacht wird, ist der
Schallschutz ein vernachlässigter Faktor. Die verwendeten Wände führen
zu einer optischen Trennung, nicht aber einer akustischen! 5.
Zusammenfassung
Der Bedarf an Wohnstätten für autistisch
behinderte Menschen steht in keinem Verhältnis zum derzeitigen Angebot.
Viele müssen aufgrund mangelnder Möglichkeiten im Elternhaus bleiben
bzw. in Einrichtungen leben, die nicht speziell autistische Menschen
betreuen. Dies führt zu einer verminderten Lebensqualität der
Betroffenen. Es ist anzunehmen und zu hoffen, dass in
Zukunft zahlreiche Wohnstätten eigens für autistisch behinderte Menschen
geschaffen werden- sowohl durch Umnutzung bestehender Gebäude als auch
durch Neubauten. Allein in den neuen Bundesländern werden im kommenden
Jahr drei solcher Wohnstätten neu eröffnet. Wie schon mehrfach erwähnt ist es kaum möglich,
generelle Aussagen zu baulichen Anforderungen an Wohneinrichtungen für
autistische Menschen zu treffen. Je nach Ausprägung des Krankheitsbildes
der Bewohner muss jede Wohnstätte individuell geplant werden. Allgemeingültige
Faktoren sind jedoch der Anspruch auf funktionale und logische Gliederung
aller Bereiche, der Reizarmut sowie eines ausreichenden Schallschutzes. Besonderes sorgfältig muss die Ausführungs-
und Detailplanung durchgeführt werden. Eine Reizreduktion sowie der
Einsatz robuster Materialien stehen im Vordergrund. In verschiedenen
Wohnstätten für autistisch behinderte Menschen hat sich gezeigt, dass
die gedankenlose Anwendung der Standardausstattung zum Beispiel für Bäder
zu Problemen führt, die sich später nur unter hohem Kostenaufwand
beheben lassen. Je früher solche Faktoren in die Planung einfließen,
desto günstiger wirkt sich dies sowohl auf die gestalterische Wirkung als
auch auf die Finanzierbarkeit aus. Ein hohes Maß an Flexibilität der
Ausstattung ermöglicht es zudem, auf neue Verhaltensmuster der Bewohner
schnell zu reagieren. Eine ganz besonderen Stellenwert in der
Planung nehmen Erfahrungswerte ein. Im Vorfeld lässt es sich nur schwer
voraussagen, wie die Bewohner auf bestimmte bauliche Gegebenheiten
reagieren werden. Bestehende Wohnstätten werden daher ständig umgebaut
bzw. neu eingerichtet um beispielsweise Gefahrenquellen zu beseitigen oder
die Bewohner besser zu fördern. Der Erfahrungsaustausch zwischen den
verschiedenen Wohnstätten ist derzeit jedoch unzureichend. Vielmehr
versucht jede Einrichtung ein eigenes Konzept zu finden. Wünschenswert wäre
es daher, ein Forum zum Erfahrungsaustausch einzurichten, das jeder
Bauaufgabe vorausgeht. Dadurch ließen sich häufig auftretende Probleme
vermeiden und günstige Lösungen gemeinsam finden. Dies würde neben
einer Erhöhung der Lebensqualität der Betroffenen auf lange Sicht auch
zu einer Kostenreduktion führen. Literaturverzeichnis
[1]
KEHRER, Hans E: „Autismus- Diagnostische,
therapeutische und soziale Aspekte“, Heidelberg, 1995 [SLUB- Standort: 3200
80212 001]
[1][1]
[5] Leitfaden für Wohneinrichtungen, Seite 14[1] [9][1]
[8] SAT 1 Spiegel- TV- special- Reportage [12][1] [7] Broschüre Wohnheim Cassa Rossa, Seite 4 |
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