Die Scheibenwelt hat Götter wie andere Welten Bakterien. Es gibt Milliarden
von Ihnen: winzige Bündel, die nicht mehr enthalten als reines Ego und ein
wenig Verlangen.
Die meisten von ihnen werden nie verehrt. Das sind die geringen Götter: die
Geister von einsamen Bäumen und Orten, wo sich zwei Ameisenstraßen kreuzen.
Fast alle von ihnen verharren für immer und ewig in einer solchen
Halbexistenz, denn ihnen fehlt der Glaube. Einigen wenigen jedoch steht mehr
bevor. Es kann zum Beispiel genügen, daß ein Schäfer nach einem verschwundenen
Lamm sucht und es zwischen den Büschen wiederfindet: Vielleicht errichtet er
dort eine kleine Steinpyramide, um eventuell anwesenden Geistern zu danken.
Zwar liegt den Göttern eine prächtige Welt zu Füssen, aber sie sind nur selten
zufrieden. Es kann recht beschämend sein zu wissen, daß man nur deshalb ein
Gott ist, weil jede Unwahrscheinlichkeitskurve ein Ende hat. Dazu kommt der
Neid, angesichts anderer Universen, deren Schöpfer mehr strukturelle Kompetenz
als Phantasie hatten.
Diese Götter spielen kein Schach - dazu fehlt ihnen die Imagination. Sie
lieben einfache und gemeine Spiele, nach dem Motto: "Halte dich nicht mit
Transzendenz auf und fahr gleich zur Hölle." Wer die Religion verstehen will,
sollte bedenken, daß Götter Schlangengruben und Leitern mit eingefetteten
Sprossen für Humor halten.
Das Problem mit den Göttern ist: Wenn genug Leute an sie glauben, existieren
sie tatsächlich. Viele sind überzeugt, zuerst käme das Objekt und dann der
Glaube, aber in Wirklichkeit ist es genau umgekehrt. Der Glaube schwappt am
Himmel herum wie Ton auf der Scheibe eines Töpfers. Auf diese Weise werden
Götter erschaffen. Eigentlich gibt es keine andere Erklärung als die, daß
Götter ihre Existenz den Gläubigen verdanken. In den meisten Fällen verhalten
sie sich dann genau so, wie sich Menschen mit entsprechender Macht verhalten
würden.
Götter und Menschen sind untrennbar. Götter brauchen Glauben, und Menschen
wünschen sich Götter.