25.07. S. Kitty Herrmann

Ein Körper werden
Praktiken des Geschlechts, Mechanismen der Macht und "das gute Leben".

Körper sind wir immer schon – und als Körper sind wir immer schon gemacht: Ob es sich um die Art zu gehen handelt: mit großen oder kleinen Schritten, weich in den Hüften oder steif und mit strammen Schritten; ob es sich um die Art zu sitzen handelt: verkreuzt und schmächtig oder breit und wichtig oder ob es sich um die Art zu lachen handelt: kichernd und kreischend oder aus vollen Halse lachend uns prustend. All diese Praktiken sind Resultate eines geschlechtlichen Einschreibungsprozesses in der Körper – genauso wie sie auch an seiner Hervorbringung beteiligt sind.
Mit Hilfe welcher Praktiken (physiotechnisch, terriorialisierend, sozial, kulturell, institutionell) Geschlecht in den Körper eingeschrieben wird und mit welchen Machtmechanismen hier o¬periert wird (Gesetz, Norm, Normalität) soll hier plastisch beschrieben werden um anschließend die Frage zu stellen, wie eine Aneignung aussehen kann: Welche Körper können wir werden? Und: Als welche Körper wollen wir leben?


1.08. Pete Skutta

Die Culture Wars um "Political Correctness" und die Frage nach der Möglichkeit einer
prä-revolutionären Ethik.

Die frühen 90er Jahre in den USA waren gekennzeichnet von einer Debatte um Political Correctness, in der es um Deutungshoheiten im akademischen Feld, der Sprache und den Medien ging. Welche Gruppen und politischen Positionen sollten sich repräsentieren dürfen? Obwohl eine tatsächliche „PC-Bewegung“ nie existiert hat, gelang es konservativen Kräften, eine Anti-PC- Rhetorik erfolgreich gegen Minderhei¬ten, Feministinnen und Linke zu richten. Dabei konnten sich vornehmlich weiße Vertreter der Dominanzgesellschaft als Opfer einer vorgeblich fanatisch handelnden „feministischen Gedankenpolizei“ imaginieren, die im politisch-kulturellen Feld einen „McCarthyism of the Left“ ausübe. Die deutsche Rezeption der Debatte war stark antiamerikanisch geprägt, operierte aber unter ähnlichen Vorzeichen.
Im Vortrag soll die Geschichte der Anti-PC-Bewegung nachgezeichnet und die Funktionsweise des ideologischen Codes PC analysiert werden. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob es jenseits einer liberalen Forderung nach zivilen Mindeststandards einen ethischen Rahmen für eine linksradikale Praxis geben könnte, die über Identitäspolitiken und eine reine Kritik des Bestehenden hinausgeht.


8.08. Black Box A.L.T.

Über Ageism, Gerontophobie und das Altern ab 20.

Ageism - die Diskriminierung aufgrund des Alters - ist im angloamerikanischen Raum seit etwa zwanzig Jahren ein Thema. In Deutschland bestimmt Schirrmachers Methusalem-Komplott die öffentliche Diskussion überdas Alter. Diese reproduziert demographische Horrorszenarien und alarmistische Thesen zur Zukunft des Generationenvertrags. Ressentiments gegenüber alten Menschen nehmen zu. Gleichzeitig ändern sich die Rolemodels: Auch jenseits des Rentenalters muss aktiv konsumiert, attraktiver Sex praktiziert und kulturelles Kapital akkumuliert werden. Die Linke hat zu dem Thema bisher wenig zu sagen. Die Alten, das sind immer die anderen. Hope I die before I get old. Krankheit, Tod, etc. werden in eine entfernte Zukunft verschoben. Zugleich erfasst uns mit zwanzig die Alterspanik und wir schieben schnell noch ein Praktikum ein. Wie können wir ageistischen Zumutungen im Alltag begegnen? Welchen gerontophoben Mustern sitzen wir selbst auf? Wem soll man in der U-Bahn einen Sitzplatz anbieten? Versuch, eine Debatte zu lancieren.


15.08. “Hanna und Bernd”

Subtile Klatschkultur
SM + die Frage der Macht in der Sexualität

Was umfasst SM jenseits einer öffentlichen Wahrnehmung? Wie kann man das begreifen? Wie sind darin Begrifflichkeiten von Gewalt und Macht verwendet? Und kann man ein subversives Potential ausmachen?
Meist zirkulieren nur zwei Charaktere in den Journalen und Talkshows, welche das Bild des heterosexuellen Sadomasochismus prägen: Die Domina, gern auch die professionelle, und der Sklave, der sich schlagen und unterdrücken lässt. Es scheint, dass gerade die Verdrehung der gesellschaftlichen Verhältnisse das Exotisch-Interessante ist; „Guck mal, da haut die Frau den Mann.“ Das Gegenbild, der schlagende, männliche 'Dom' und seine unterwürfige Frau, der in der hetero-SM-Szene mindestens genauso häufig ist, scheint dieser Gesellschaft zu normal. Es erinnert sie vielleicht zu sehr an eigene alltägliche häusliche Gewalt, an Patriarchat, Sexismus und Chauvinismus?
Dieses Diskursmuster findet sich in anderer Form auch in der Linken wieder. Hier wird heterosexuellen männlichen 'Doms' und weiblichen 'Subs' vorgeworfen, gesellschaftliche Muster zu verstärken. Auch hier herrscht eine Haltung vor, welche SM-Spielkombinationen nur duldet, wenn sie scheinbar progressiv die (Geschlechter- & Macht-)Verhältnisse als Heteros umdrehen oder als Homos umgehen. Wir wollen hingegen auch fragen, ob es Momente von Aneignung und Parodie innerhalb dieses Szenarios geben kann.


22.08. Katharina Voss

Postfeminismus.
Zwei oder drei Dinge, die etc.

In the era of post-patriarchy, I will be a post-feminist, sagt Nancy Fraser trotzig (sagt die Legende). So schön kann PF sein: Sängerin SKIN von Skunk Anansie singt jetzt romantische Liebeslieder, schreibt die Brigitte begeistert. PF hat gerade Diskurskonjunktur und kann und vom angeblichen Ende des Feminismus (und dessen Bedauern oder Abfeiern) bis hin zu radikalen pro-Sex-Positionen, wie sie z.B. Beatriz Preciado im Kontrasexuellen Manifest bezieht, scheinbar alles mögliche bedeuten.
Was die verschiedenen PFs (die brauchbaren und die weniger brauchbaren) gemeinsam haben, ist ein deutlicher Abgren¬zungswillen zu älteren Feminismen, aber auch der Versuch, sich dessen Konzepte, Forderungen und Themen anzueignen und für die verschiedensten Zwecke umzudeuten. Ein Versuch, PF einzuordnen, zu bewerten und zu fragen, ob mensch sich sinnvoll auf ihn beziehen kann (jenseits von: Was für ein Müll).


29.08. Sebastian Scheele

Männer entdecken sein Geschlecht
"Die Männer" stecken in der Differenzphase und oft sogar knietief im Sumpf der Opferrhetorik. Welcher Königsweg führt raus? Und wohin nochmal?

Was macht eigentlich die Männerbewegung? Was soll das überhaupt sein, Männerbewegung? Können "die Männer" einfach die Fragestellungen "der Frauen" wiederholen? Benachteiligungen aufzeigen, jetzt auch auf Seiten der privilegierten im Geschlechterverhältnis – macht das Sinn? Führt eine nachholende Differenzphase irgendwohin, außer zu hilflosen Personalisierungen? Es wird nötig, sich über Ziele zu unterhalten: Wer will "balancierte Männlichkeit", wer will Geschlechter abschaffen?
Und was heisst das bis dahin für "uns" praktisch und persönlich? Gender-mäßig informiert wissen wir, dass sich politisch nicht auf Geschlecht stützen lässt. Könnte es sein, dass die dekonstruktivistische Bescheidwisserei auch den Effekt hat, die persönliche Ebene zu dethematisieren? Kurz: Ein Abend voller Fragen von "Was gibt's?" bis zu "Was tun?". Vielleicht auch ein paar Antworten.


Alle Veranstaltungen ab 21h im A6-Laden, Adalbertstr.6, Kreuzberg, Berlin.