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Es
gibt ein besseres Leben im falschen. Mit unserer Veranstaltungreihe
wollen wir den Blick auf diese Möglichkeit zum Besseren
richten. Wir wollen fragen, wie wir unseren eigenen Alltag
emanzipativ gestalten können: Wie umgehen mit unseren
Körpern? Wie umgehen mit unserer Sexualität? Wie
umgehen mit dem Älter werden? Das sind nur einige der
Fragen, die wir uns stellen wollen. Fragen, die uns alltäglich
bedrängen und uns angehen; Fragen, denen niemand von
uns aus dem Weg gehen kann und auf die eine "Linke"
um so dringender eine akzeptable Antwort braucht.
Gemeinhin geraten die Fragen nach dem eigenen Leben im "linken"
politischen Alltag immer unter die Räder zugunsten
"wichtigerer", "drängenderer",
und "größerer" Ziele: Naziaufmärsche,
rassistische Hetze oder sexistische Übergriffe etc.
lassen oft keine Zeit um über den eigenen Alltag genauer
nachzudenken. Oder es gilt als selbstverständlich,
dass der Streit für emanzipative Ziele auch automatisch
auf das eigene Leben rückwirkt und in einen besseres
Leben katapultiert. Doch so verhält es sich nicht:
wenn für viele von uns eine "linkes" Dasein
mit der Infragestellung der gesellschaftlichen Verhältnisse
begonnen hat, so gilt es dieses Fragezeichen auch hinter
das eigene Leben zu setzen. So falsch wie die herrschenden
Verhältnisse ist gemeinhin zunächst auch unser
Leben: Eingebunden in sexistische, rassistische, antisemitische
und kapitalistische Strukturen sind wir tiefer und engmaschiger
in ihre Reproduktion verwoben, als uns lieb sein kann.
Wir wollen daher fragen, wie ein emazipativerer Alltag aussehen
kann, was aber weder heißen soll in romantisch revolutionäre
Autonomievorstellungen zurückzufallen und sich z.B.
von Konsumverzicht eine Überwindung der herrschenden
Verhältnisse zu erhoffen. Was aber in der Schlussfolgerung
auch nicht heißen soll, sich auf einen prinzipiellen
Negativismus zurückzuziehen, der alleine noch strukturelle
Herrschaftsverhältnisse kennt, vor denen die Ansprüche
an ein eigenes, emanzipatives Leben von vornherein guten
Gewissens kapitulieren können. Vielmehr soll es uns
mit dieser Veranstaltungsreihe um eine Position gehen, die
um die Verstricktheit in das "falsche Leben" weiß,
dennoch aber am Anspruch eines politischen "Privatlebens"
festhält. Nicht eines Größeren und Besseren
wegen, sondern um ein Stückchen individuelles Glück
in die eigene Existenz hinüberzuretten. Wir fragen
nach einem besseren Leben im falschen, weil wir Heute und
Hier ein Stück vom Glück des guten Lebens wollen.
Die Re-Individualisierungen, die in nahezu allen linken
Szenen wieder einsetzt, führt unserer Meinung nach
aber gerade dazu, dass sich die einzelnen wieder mit dem
bürgerlichen „falschen“ Lebensglück
abfinden. Ohne den Halt gemeinsamer Strukturen und Entwürfe,
auf individuelles Durchwursteln angewiesen halten wir diese
Entwicklung nicht für zufällig. Gegen den Frieden
mit dem bürgerlichen Leben wollen wir das Konzept eines
„linken Lebens“ wieder stark machen. Die Debatten
um Aneignug im letzen Jahr haben versucht, den Begriff des
„guten Lebens“ wieder ins Spiel zu bringen.
Wir wollen an diese Bewegung anknüpfen. Das heißt
für uns z.B. wieder unangenehme Werte- und Diskussionen
über Spülen und Mülleimer runterbringen zuzulassen,
und auch Debatten über Emotionen und Bedürfnisbefriedigung,
über gegenseitigen respektvollen Umgang, über
Nähe, Männlichkeit, Weiblichkeit und alltäglichen
Sexismus zu führen, um so ein besseres persönliches
Leben auszuhandeln.
Eine kollektive Überlieferung oder Tradierung in Bezug
darauf, wie sich ein gutes „linkes Leben“ gestalten
kann – vor allem auch über die 30 hinaus –
ist weitgehend gescheitert. Es ist daher kein Wunder, dass
die Zahl der sich als „links“ verstehenden Leute
mit zunehmendem Alter immer kleiner wird und jüngere
immer wieder ratlos vor den gleichen Fragen stehen: Wie
wollen wir sein? Was sollen wir werden? Wie können
wir leben? Wir wissen: Vom "guten Leben" kann
hierbei nur rhetorisch gesprochen werden, denn das "gute
Leben" wäre die vollständige Emanzipation
aus der Summe struktureller Herrschaftsverhältnisse
– dagegen: zum besseren Leben besteht eine Möglichkeit.
Diese Möglichkeit zu eröffnen, zu diskutieren
und zugänglich zu machen ist das Anliegen der Reihe
"Das gute Leben – Linke Perspektiven auf einen
besseren Alltag"
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