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Die Geraubte Stimme
Gewalt
wird meistens aus der Perspektive des Ausübens
betrachtet. Doch die Gewaltsamkeit der Gewalt
kann nicht unabhängig von der Tatsache verstanden
werden, dass sie erlitten wird. In meiner Analyse
des Verhältnisses zwischen Sprache und Gewalt
möchte ich entsprechend die verschiedenen
Formen und Ebenen der durch sprachliche Gewalt
erlittenen Verletzungen untersuchen. Allen ist
gemeinsam, dass sie die sprachliche Kommunikation
unterbrechen: Sie bringen die Erleidenden zum
Schweigen. Das durch Gewalt erlittene Unrecht
wird als Passivität des Nicht-Antworten-Könnens
erlebt.
Dieser Passivität können sich die Erleidenden
nicht entziehen. Denn anders als eine Gewalthandlung,
die Alternativen zulässt und auch ihr intendiertes
Ziel verfehlen kann, hat die erlittene Gewalt
die Erleidenden schon getroffen und aus ihrer
Perspektive unverwechselbar geprägt. Darüber
hinaus werden die Erleidenden meistens durch die
sprachliche Gewalt auf Aspekte und Dimensionen
ihres Lebens zurückgeworfen, von denen sie
sich kaum distanzieren können: körperliche
Merkmale, soziale Identität oder Beziehungen
zu anderen Menschen, die für sie wichtig
und normativ markiert sind. Dadurch vermag die
von ihnen erlittene Gewalt, sie zu stigmatisieren.
Sie werden nicht nur in Bezug auf das unmittelbar
Erlittene zum Schweigen gebracht, sondern richten
sich leiblich, sozial und moralisch in die Position
der von der Sprache Ausgeschlossenen ein.
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