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Verletzende Worte
Die
Politik der Worte hat es schwer – niemand,
der sich an einem Zeichen verletzt, den Kopf einrennt
oder das Bein blutig stößt. Wörter
lassen den Körper nicht bluten, sie reißen
ihm keine Glieder aus und fügen ihm keine
Wunden zu. Können Wörter also überhaupt
Gewalt zufügen? Können Worte wie Schläge
oder Tritte sein? Können Worte uns treffen?
Oder sind Worte eben doch nur "bloße
Worte"?
Wir möchten zunächst das Feld derjenigen
Ansätze, die sich mit diesen Fragen auseinandergesetzt
haben, ein wenig genauer sondieren. Wie wurde
das Verhältnis von Sprechen und Gewalt bisher
gedacht? Was wurde dabei unter "Sprechen",
was unter "Gewalt" verstanden? Und wie
wurde die Verletzungsmächtigkeit von Worten
dabei begriffen?
Nach einer solchen einleitenden Gliederung des
Terrains, möchten wir uns einigen für
uns zentralen Themen genauer zuwenden: (1) Um
die Möglichkeit sprachlicher Gewalt zu verdeutlichen,
wollen wir zunächst fragen, ob es so etwas
wie "symbolische Gewalt" gibt und was
diese Form der Gewalt von "physischer Gewalt"
unterscheidet. Erst die symbolische Dimension
wird uns ein Verständnis der Wirkmächtigkeit
sprachlicher Gewalt liefern. (2) Die Verletzungskraft
sprachlicher Missachtungen sichtbar zu machen,
heißt zu zeigen, inwiefern Sprache überhaupt
daran beteiligt ist, uns zu dem zu machen was
wir sind: menschliche Wesen. Insofern das Sprechen
immer von anderen her kommt, sind es die anderen,
die uns allererst zu Menschen machen. Erst auf
Grund dieser Abhängigkeit von der Anrede
durch andere wird sich die Verletzungskraft der
Worte in ihrem ganzen Umfang zeigen lassen. (3)
Natürlich kommt nicht jedem Sprechen, nicht
jeden Schimpfwort oder jeder Anspielung die Macht
zu, uns zu verletzen. Daher wird es von fundamentaler
Bedeutung sein, die Koordinaten abzustecken, innerhalb
derer Worte die Kraft entfalten können, andere
zu missachten. Wir werden sehen, dass diese Kraft
nicht innerhalb der Sprache liegt, sondern ihr
von außen, aus gesellschaftlichen Machtverhältnissen
zukommt. (4) Schließlich wird zu zeigen
sein, dass Missachtungen sich verschiedener Mechanismen
bedienen. Demütigung, Beleidigung oder Degradierung
sind verschiedene Machtvektoren, die auf ein Subjekt
wirken können. Abschließend wird darauf
hinzuweisen sein, wie solche Mechanismen mit Hilfe
verschiedener Rhetoriken auf subtile Weise ins
Spiel gebracht werden können .
Hannes
Kuch / Steffen Kitty Herrmann
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