Sprache und Gewalt
                           
                                               
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„Sprachliche Strategien verbaler Ablehnung in öffentlichen Diskussionsforen im Internet“

Anders als physische Gewalt trägt sprachliche Gewalt und Gesichtsverletzung des Adressaten häufig weniger offensichtliche, subtile Züge. Dies gilt insbesondere auch für Gesprächs¬schritte der Ablehnung, in denen Sprecher ihr Nichteinverstandensein mit vorher Gesagtem bzw. mit Handlungsweisen eines Adressaten zum Ausdruck bringen.
Vor dem Hintergrund der Erkenntnisse sprachlicher Höflichkeitsforschung (Brown and Levinson), der Sprechakttheorie (Austin, Searle) und Grundpositionen der linguistischen Konversationsanalyse (insbesondere zur Präferenz- und Gesprächsschrittorganisation) soll der Frage nachgegangen werden, welche zum Teil deutlich verletzenden kommunikativen Techniken Teilnehmer an öffentlichen Diskussionsforen im Internet zum Ausdruck der Ablehnung eines Diskussionsbeitrages einsetzen. Wenngleich feste sprachliche und moralische Verhaltensregeln (so genannten „Netiketten“) besonders in moderierten Internetforen den verbalen Umgang der Diskussionsteilnehmer regeln, kommt es immer wieder zu gesichtsverletzenden verbalen Angriffen, deren Wirkung an metasprachlichen Kommentaren der Betroffenen bzw. anderer Diskussionsteilnehmer deutlich ablesbar ist.
In Anbetracht der besonderen Sender- und Adressatenkonstellation der Internetkommunikation (weitgehende Anonymität der Gesprächsteilnehmer, teilweise lediglich virtuelle Identitäten) soll ferner beleuchtet werden ob, und wenn ja inwiefern, sich kommunikative Ablehnungsstrategien im Internet von verbalen Strategien der Ablehnung in anderen kommunikativen Kontexten (akademischer Diskurs, persönliches Gespräch etc.) unterscheiden. Dazu sind thematisch geschlossene Diskussionsrunden zweier öffentlicher Internetforen mit unterschiedlichem Diskussionsformat, "Spiegel Online (SPON)" und "Sabine Christiansen", einer detaillierten sprachlichen Analyse unterzogen worden, deren Ergebnisse in diesem Beitrag vorgestellt werden sollen.

Sonja Kleinke