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„jemanden seelisch kaputt zu machen“
– kollektive Deutungsmuster sprachlicher
Gewalt und ihre subjektive Bedeutung
Beleidigungen und Erniedrigungen, wie Axel Honneth
sie als Formen der Missachtung oder verweigerten
Anerkennung beschreibt, spielen in den Interaktionen
zwischen inhaftierten jungen Männern eine
bedeutende Rolle. Das Gefängnis als geschlossene
Institution ist ein Ort, an dem Gewalt im Alltag
eine wichtige Rolle spielt. In Jugendhaftanstalten
bilden physische Gewalt, psychologische Einschüchterung
sowie verbale Angriffe – also sprachliche
Gewalt – zwischen Gefangenen den Rahmen,
in dem die Positionen in der Insassenhierarchie
ausgehandelt werden. Unser Vortrag basiert auf
30 qualitativen Interviews aus der Längsschnittstudie
„Gefängnis und die Folgen“, die
von 1997 bis 2003 am Kriminologischen Forschungsinstitut
Niedersachsen e.V. durchgeführt und von der
VolksWagenStiftung finanziert wurde.
Die sprachliche Gewalt in Form von Beleidigungen
(meist der Mutter; „Hurensohn“) und
Erniedrigungen („Fotze“, „Muschi“)
– die häufig mit Weiblichkeitsklischees
verbunden und somit vergeschlechtlicht ist –
stellt Respekt, Ansehen und Ehre der Inhaftierten
in Frage. An der Oberfläche werden in den
kollektiven Deutungsmustern genau diese „bedrohten
Persönlichkeitskomponenten“ (Honneth)
zwischen den jungen Männern verhandelt. Bei
einer tiefergehenden Betrachtung zeigt sich jedoch,
dass die Verletzungsmächtigkeit von Worten
stark verwoben ist mit biographischen Konflikterfahrungen,
und zwar häufig mit Erfahrungen mangelnder
Anerkennung oder Missachtung in Primärbeziehungen.
Somit bekommt der teilweise wortwörtliche
„Kampf um Anerkennung“ mehrfach benachteiligter
und marginalisierter Jugendlicher im Gefängnis
aus einer lebensgeschichtlich und konfliktorientierten
Perspektive einen anderen Sinn. Dies soll an einem
ausgewählten Fallbeispiel veranschaulicht
werden.
Almut Koesling & Anke Neuber
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