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Sprache und Gewalt. Sprache als Gewalt. Drei Thesen
zur Einleitung
Die Thesen entfalten drei einführende Gedanken:
(1) Was bedeutet 'Sprache als Gewalt'? Sprache
und Gewalt schließen sich nicht aus, vielmehr
kann der Sprachegebrauch selbst eine Form von
Gewaltausübung sein. Dabei wird unter 'Gewalt'
die Verletzung von Menschen (also nicht Sachzerstörung)
verstanden. Der Adressat von Gewalt ist also immer
eine Person. Den Nukleus des gewalttätigen
Sprechens bildet das verletzende Wort. (2) Warum
haben Worte die Kraft zu verletzen? Wir sind Wesen
mit einer 'Doppelkörperlichkeit’: wir
sind individueller Leib, wie auch ein sozialen
'Körper’, sind unvertretbar Einzelne
und Teil einer Gemeinschaft. Daher gibt es physische
und soziale Verletzung. Unser sozialer Körper
ist nicht nur angewiesen auf die Anerkennung durch
andere, sondern auch sprachlich konstituiert.
Deshalb können Worte verletzen. (3) Zur Performanz
sprachlicher Verletzung: (i) Das Gewalttätige
liegt im Akt des Sprechens (und ist keine Folgewirkung).
(ii) Sprachliche Gewalt bedient sich spezifisch
linguistischer, also der symbolischen Ordnung
der Sprache zugehöriger Mittel. (iii) Ob
und inwieweit eine Äußerung verletzt,
hängt ab von dem Kontext der Äußerung.
(iv) Verbale Gewalt ist kein Automatismus, sondern
kann gebrochen und umgewendet werden.
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