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Missverständigung.
Sprache als Gewalt – Sprache als Verständigung
In
der sprachtheoretischen Debatte des 20. Jahrhunderts
lassen sich zwei konkurrierende Auffassungen zum
Verhältnis von Sprache und Gewalt ausmachen.
Für die sich an Apel und Habermas orientierende
Diskursethik sind in der Sprache grundlegende
normative Ansprüche implementiert; der Sprache
als der Basis eines gesamten moralphilosophischen
Entwurfs kommt hier die Funktion zu, Ressource
gerade gewaltfreier Interaktionsmöglichkeiten
zu sein. Die von Foucault und Derrida inspirierten,
weniger normativ als analytisch ausgerichteten
poststrukturalistischen und dekonstruktiven Ansätze
lenken den Blick hingegen auf die gewaltförmigen
und verletzenden Implikationen sprachlichen Handelns.
Beide Ansätze, so die These dieses Vortrags,
sind verkürzt, weil sie beide Verständigung
und Gewalt als theoretisch klar voneinander unterscheidbare
Dimensionen des Sprechaktes isolieren. In Anlehnung
an die post-phänomenologische politische
Philosophie Jacques Rancières soll hier
dagegen ein Vorschlag unterbreitet werden, wie
Gewalt und Verständigung nicht als zwei voneinander
getrennte sprachliche Phänomene, sondern
als gegenseitige Möglichkeitsbedingungen
theoretisch konzeptualisiert werden können.
Die Gewalt wohnt der Verständigung als Verständigung
inne, nicht als ihr Mangel; und gleichzeitig bietet
die Gewalt, wo sie als sprachliche Gewalt auftritt,
auch immer Ansatzpunkte für ein basal verstandenes
verständigungsorientiertes Handeln. Wenn
jedoch beide, Gewalt und Verständigung, jeden
Sprachakt affizieren, dann können Sprache
und Gewalt nicht länger als gegensätzliche
Pole die (sprach-) philosophische Taxinomie figurieren,
dann muss vielmehr der Skandal ihrer Nicht-Opposition
noch das Sprechen über die Sprache verunsichern.
Daniel Loick
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