Neun mal Neun
Neun Konzerte am Neunten des Monats
von Februar bis Oktober 2004
Johann Friedrich Fasch (1688 – 1758)
Das Leiden Jesu Christi (Passio Jesu Christi)
Passionsoratorium für Soli, Chor und Orchester (1723)


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Diane Severson (Sopran)
Guido Degen (Tenor)
Stefan Grunwald (Baß)

Tobias Kranz, Vera-Isabel Volz – Oboe
Vassiliki Patrona, Bente Stephan – Violine
Christiane Bergmann – Viola
Kathrin Ziegler – Violoncello
Stefanie Lange – Kontrabaß

Ev. Kantorei Bergen-Enkheim

Leitung und Truhenorgel: Kantor Bastian Baumann

aus dem Programmheft:

In diesem Jahr fällt der Karfreitag auf einen Neunten. Deshalb ist bei diesem Konzert der Reihe Neun mal Neun ein Passionsoratorium des Zerbster Kapellmeisters Johann Friedrich Fasch (1688-1758) zu hören.

Das 1723, ein Jahr vor Bachs Johannespassion, entstandene Werk "Das Leiden Jesu Christi" stellt die Passionsgeschichte in freier Nachdichtung der Evangelientexte dar.

Johann Friedrich Faschs Passionsoratorium von 1723

Johann Friedrich Fasch wurde am 15. April 1688 in Buttelstedt nahe Weimar als Sohn des dortigen Kantors Friedrich Georg Fasch geboren. In seiner Biographie finden sich Berührungspunkte mit bekannten Musikern seiner Zeit. Johann Philipp Krieger, Hofkapellmeister der Weißenfelser Hofkapelle , sorgte dafür, daß Johann Friedrich Fasch dort nach dem Tod seines Vaters als Diskantist (Sopran) aufgenommen wurde. Der Thomaskantor Johann Kuhnau war ab 1702 sein Förderer, als er Fasch als Schüler an die Thomasschule in Leipzig holte. Dort lernte er auch Telemanns Werke kennen, die ihn so beeindruckten, daß er sich gleich in seinem Stil in der Komposition versuchte. Nach der Schulzeit studierte er in Leipzig Jura. Danach unternahm er 1712 eine ausgedehnte Studienreise, die ihn von Zeitz über mehrere Fürstenhöfe und Kunststädte wie Gera, Gotha, Eisenach, Mühlhausen, Kassel, Marburg, Gießen und Frankfurt nach Darmstadt führte. Dort erhielt er einige Zeit beim Kapellmeister Graupner unentgeltlich Kompositionsunterricht. Graupner war an der Thomasschule seinerzeit der Präfekt Faschs gewesen.

Es dauerte bis 1721, bevor Fasch von seinem Broterwerb als Jurist und Schreiber in eine Stelle als Musiker wechseln konnte. Über eine Anstellung in Prag kam er ab 1722 an den Hof des Fürsten Johann August von Anhalt-Zerbst. Dort blieb er bis zu seinem Tode am 5. Dezember 1758.

Als Hofkapellmeister in Zerbst gehörte es zu seinen Aufgaben, die Gottesdienste mit Musik zu versorgen, wobei mindestens zwei vollständige Kantatenjahrgänge entstanden. Wie man dem Text seines Passions-Oratoriums anmerkt war Fasch pietistisch geprägt. Ihn verband eine Freundschaft mit Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf, dem Gründer der Herrnhuter Brüdergemeine, mit dem er regen Briefkontakt hielt. Dagegen war die Zerbster Geistlichkeit streng lutherisch-orthodox ausgerichtet, sodaß Spannungen – bis hin zu zensierenden Eingriffen in seine Textvorlagen – nicht ausblieben. Das führte dazu, daß er sich nach dem Tod von Johann Kuhnau auch um dessen Nachfolge als Thomaskantor bewarb. Obwohl ihn der Leipziger Bürgermeister protegiert hatte erhielt bekanntlich nicht er die Stelle, sondern (in den Augen der Leipziger auch nur als „zweite Wahl“) Johann Sebastian Bach.

Neben seinem noch größtenteils unerschlossenem geistlichen Werk sind von Fasch eine Vielzahl an Sinfonien, Konzerten und Kammermusik bekannt.

In seiner „Passio Jesu Christi“, die trotz des lateinischen Titels ganz in deutsch verfaßt ist, lehnt sich der unbekannte Ersteller der Textvorlage – mutmaßlich Fasch selbst – in Teilen an die Brockessche Nachdichtung der Passionsgeschichte an. Der Eingangschor findet sich etwa als Arie in Bachs Johannespassion. Wie Bach erreicht Fasch bei seinem Werk von 1723 eine klare Gliederung des Geschehens durch die Abfolge von Erzählung, persönlicher Betrachtung oder Interpretation der Handlung (in den Arien) und einer Art Antwort der „andächtigen Gemeinde“, die der Chor stellvertretend in den Chorälen singt. Anfangs sind die Worte Jesu (wie bei Bachs Matthäuspassion) durch Streicherbegleitung in besonderer Weise hervorgehoben.

So haben wir in diesem Werk auf knappen Raum eine klanglich reizvoll vertonte und bei aller Zurückhaltung dramatische Darstellung des Leidens Christi in seinen letzten Lebensstunden von Gründonnerstag bis Karfreitag.

Bastian Baumann

Solisten:

Diane Severson – Sopran
studierte Gesang in Madison, Wisconsin (USA) und an der Akademie für Alte Musik in Bremen. Zahlreiche Meisterkurse mit Emma Kirkby, Christoph Prégardien, Barbara Thornton, Cornelius Reid u.a. ergänzten ihr Studium.
Sie tritt regelmäßig mit ihrem Ensemble „Elysium“ sowie als Solistin in Deutschland auf und war 1998/99 mit dem Ensemble „Sequentia“ und in letzten Jahren mit „Ordo Virtutum“ von Hildegard von Bingen in Europa und den USA auf Tournee. Über ihre rege Konzerttätigkeit hinaus sang sie auch bei diversen Produktionen barocker Opern, u.a. in Purcells „Dido und Aeneas“, Monteverdis „L'Incoronazione di Poppea“ und Rossis „L'Orfeo“. Daneben ist sie als Gesangslehrerin in Frankfurt am Main tätig.
Zuletzt war sie in Bergen-Enkheim im Rahmen der
KLANGKIRCHE '03 bei Telemanns Oratorium "Der Tag des Gerichts" zu hören.
Guido Degen – Tenor
studierte in Heidelberg Kirchenmusik. Danach war er als Organist an verschiedenen Kirchen tätig. Er ist Mitglied im "ensemble chroma" und freischaffender Sänger.

In Bergen-Enkheim war er schon mehrfach zu Gast, zuletzt bei der Karfreitagsvesper 2002 und im Rahmen der KLANGKIRCHE '03 beim Psalmen-Konzert des ensemble chroma.

Stefan Grundwald Bariton

studierte Gesang und Liedgestaltung in Frankfurt am Main, Augsburg und Zürich. Er war Stipendiat des Richard-Wagner-Verbandes und der Deutschen Rundfunkanstalten. Er wirkte bei zahlreichen Konzerten und Festivals mit, u. a. den „Frankfurt Festen", den Darmstädter Tagen für neue Musik und beim Musikfestival in Riga. Stefan Grundwald ist Mitglied des Opernchores des Staatstheathers Darmstadt.

Besprechung

Kontakte:
Evang. Gemeindebüro, Am Königshof 5, 60388 Frankfurt am Main
Tel.: 06109 - 2 19 10
Fax: 06109 - 2 10 22
per e-mail

Eintritt FREI(WILLIG) - Wir erbitten von allen, denen es möglich ist, eine Spende am Ausgang, die sich am Betrag von ca. 8,- orientieren sollte.
© 2004 by Bastian Baumann - Stand: Sonntag, 11. April 2004