Neun mal Neun

Neun Konzerte am Neunten des Monats
von Februar bis Oktober 2000
Johann Sebastian Bach (???)
Lukas-Passion BWV 246, Anh, II, 30

Evang. Kantorei Bergen-Enkheim

Ralf Emge (Tenor) - Evangelist
 
Tomasz Hajok – Baß (Jesus)
Alexandra Steinhauer, Sopran Alexandra Steinhauer - Sopran
wuchs im hessischen Butzbach auf. Ihr Studium führte sie an die Karlsruher Musikhochschule, wo sie ihr Diplom zur staatl. geprüften Dipl.-Musiklehrerin absolvierte. Sie wechselte an die Opernschule der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart und später nach Frankfurt, wo sie nun bei Prof. Reginaldo Pinheiro ihre Studien vertieft.
Zuletzt was sie in Frankfurt in der Hauptrolle von Benjamin Brittens Oper „Turn of the screw" in einer Produktion der Opernschule zu hören.
1999 wurde sie in die Yehudi-Menuhin-Förderung „live music now" aufgenommen.
In Bergen-Enkheim sang sie am 26.12.1999 im Rahmen der CHRISTUS 2000 - KlangReise bei der Aufführung von Mendelsohns Lobgesang - Sinfonie-Kantate

Guido Degen – Tenor (Petrus, verstockter Mörder, Hauptmann)
Lars Christoph Grenzemann – Baß (Pilatus, reuiger Mörder)
Martina Keller – Alt (Johannes)

Matthias Greß, Merethe Wolf – Flöten
Berit Backhaus, Michaela Coers – Oboen
Tobias Kranz – Englischhorn
Franz Kaern – Fagott
Michael Strecker, Almuth Luick – Violine
Valentin Eichler – Viola
Sabine Galande – Violoncello
Regina Cunz – Kontrabaß
Michael Dierks – Truhenorgel

Leitung: Kantor Bastian Baumann

aus dem Programmheft:
Eine Lukas-Passion von Joh. Seb. Bach?

Im Werkeverzeichnis von Joh. Seb. Bach erhielt die heute aufgeführte Lukas-Passion die Nummer 246, obwohl schon sehr früh Zweifel daran bestanden, das Bach tatsächlich der Autor gewesen sei.
Fest steht, daß er das Werk zusammen mit seinem zweitältesten Sohn Carl Philipp Emanuel abgeschrieben und aufgeführt hat. Auffällig sind die Buchstaben J.J. (Jesu Juva = Jesus, hilf), die Bach eigentlich nur über eigene Werke setzte und die sich auf der von seiner Hand geschriebenen Titelseite der Lukas-Passion finden. Außerdem hat er zum Choral des Petrus Nr. 48 eine eigene Streicherbegleitung ge-schrieben, die lange Zeit unbekannt war und erst 1971 im Bach-Jahrbuch veröffentlicht wurde.
In jedem Fall hat Bach das Werk ganz offensichtlich so geschätzt, das er es in seiner Zeit als Kantor der Thomaskirche zu Leipzig mehrfach aufführte.

Die Textgrundlage der Lukas-Passion besteht wie bei der Johannes- und Matthäus-Passion Bachs aus drei Schichten; aus dem mit verteilten Rollen “dramatisch” vorgetragenen biblischen Bericht (Lukas, Kapitel 22-23, Vers 53), aus Choralstrophen (darunter Zitate aus liturgischen Stücken wie Te Deum, Litanei und Vaterunser), deren Anzahl auffällt (insgesamt 32 Nummern ), und schließlich aus freier Dichtung in Form von acht Dacapo-Arien-Texten, von denen je vier im ersten und je vier im zweiten Teil stehen. Vertont sind sie als Chor, Terzett und sechs Solo-Arien (zwei für Sopran, eine für Alt, heute vom Baß gesungen, sowie drei für Tenor). Wie aus Bachs Passionen geläufig, unterbrechen die Arien und Choräle den Evangelienbericht in betrachtender Weise.

Die Choralstrophen sind im Vergleich zu den sonst bekannten Vertonungen Bachs sehr schlicht gesetzt und wirken etwas archaisch. Hingegen sind die Arien und der Eingangschor eher “moderner” in der Tonsprache und lehnen sich an den “galanten” Stil an, wie er in bereits Dresden und Berlin gepflegt wurde, wo man Bach schon despektierlich für einen alten Zopf hielt. Besondes reizvoll ist die Verwen-dung des Fagotts als Soloinstruments in den Arien Nr. 47 und 68 oder die Klänge der Soloflöten über einer Streicher-pizzcato-Begleitung in Nr. 17.

Durchaus “Bachisch” sind aber die kontrapunktischen Miniaturen in einigen der Volkschören oder die mehrfache Verwendung des mit besonderer Dissonanz geschärften Chorals Nr. 98 “Derselbe mein Herr Jesus Christ” und seinem außerordentlichem Klang im Holzbläsersatz.

Um die Klärung der Frage nach dem Komponisten der Lukas-Passion hat sich der Karlsruhe Musikwis-senschaftler Klaus Häfner ausführlich bemüht. Er schreibt dazu: “Es muß ein in Mitteldeutschland um 1735 wirkender, wohl kurz vor 1700 geborener Musiker gewesen sein. Nach meinen Forschungen gibt es mehrere Anhaltspunkte dafür, daß der noch immer nur wenig bekannte Eisenacher Hofkapellmeister JohannMelchior Molter (1696-1765) als Autor des Werkes in Frage kommen könnte. Der in Tiefenort bei Eisenach geborene Kantorensohn trat nachdem Besuch des Eisenacher Gymnasiums 1717als Geiger in die Dienste des Markgrafen Carl Wilhelm von Baden-Durlach in Karlsruhe. Ein Studienaufenthalt 1719–21 in Venedig und Rom brachte ihn in direkten Kontakt mit italienischen Musikern wie A. Vivaldi und A. Scarlatti. 1722 wurde er in Karlsruhe zum Hofkapellmeister ernannt. Nach der Auflösung der dortigen Hofkapelle Ende 1733 infolge des Ausbruchs des Polnischen Thronfolgekriegs erhielt er die damals vakante Eisenacher Kapellmeisterstelle, die er zu Ostern 1734 antrat und bis zur Auflösung der Eisenacher Hofhaltung im Sommer 1741 innehatte.”

Insgesamt ist die Passion eine eindringliche Darstellung des Passionsgeschehens mit tiefer Anteilnahme am Leiden des sterbenden Christus, die zwar nicht mit den Sonderfällen der Johannes- oder Matthäus-Passion von Joh. Seb. Bach, wohl aber mit seiner (in Rekonstruktionen vorliegenden) Markus-Passion und erst recht mit den meisten Vertonungen der Zeitgenossen Bachs verglichen werden kann.

Bastian Baumann

Zur Lukas-Passion BWV 246:

In der kirchenmusikalischen Praxis seines Leipziger Amtes führte Johann Sebastian Bach neben eigenen Kompositionen auch Werke anderer Meister auf, z.B. Kantaten von G. Ph. Telemann und J. L. Bach, Messen von J. Baal und J. H. v. Wilderer, die Markus-Passion von R. Keiser und – mindestens zweimal – die Lukas-Passion eines unbekannten Verfassers.    Die einzige Quelle der Lukas—Passion is teine von Johann Sebastian Bach begonnene und von seinem Sohn Carl Philipp Emanuel fertiggestellte Partiturabschrift, die sich heute in der Staatsbibliothek zu Berlin befindet. Das Titelblatt und der Kopftitel weisen keine Autorenangabe auf, und so lag es nahe, die von Bach» Hand stammende Partitur (die Mitwirkung des Bach-Sohnes wurde erst viel später entdeckt) ihm zuzuschreiben, zumal er die Niederschrift mit der in »einen Manuskripten üblichen Anrufung Christi J. J. (= Jesu Juva: Jesus, hilf) begann.

Die Handschrift kam vermutlich aus Wilhelm Friedemann Bachs Nachlaß an den Verlag Breitkopf. Im 19. Jahrhundert erwarb sie der Bach-Sammler Franz Hauser, der mit Felix Mendessohn Bart-holdy befreundet war. Dieser äußerte sich, von Hauser darum gebeten, folgendermaßen über das Werk: »Es thut mir leid, daß du für die ‚Passion St. Lucas‘ so viel Geld gegeben hast; zwar als unbezweifeltes Manuscript ist es nicht zu theuer bezahlt, aber ebenso gewiß ist diese Musik auch nicht von ihm … Du fragst, aus welchem Grunde der Lucas nicht von Sebastian Bach sein soll? Aus inneren …; wenn das von Sebastian ist, so lass‘ ich mich hängen, und doch ist‘s unleugbar seine Handschrift. Aber es ist zu reinlich, er hat es abgeschrieben.» Dieses, bereits 1838 abgegebe-ne Urteil hat sich letztlich bestätigt. Später befand sich die Hauser-Sammlung im Besitz seines Sohnes, des Kammersängers Joseph Hauser in Karlsruhe, wo Johannes Brahms Gelegenheit fand, das Manuskript einzusehen. Wie vor ihm Mendelssohn ließ auch er sich nicht durch die Tatsache, daß es zweifellos Bachs Handschrift war, beirren und lehnte Bachs Autorschaft aus künstlerischen Gründen ebenfalls strikt ab. Der ungeheure Abstand der bescheiden angelegten Komposition zur Johannes- und Matthäus-Passion war einfach unübersehbar. Trotzdem war der Bach-Biograph und -Forscher Philipp Spitta anderer Meinung. Er hielt die Lukas–Passion für ein Jugendwerk des Thomaskantors, und durch sein Eintreten für die Echtheit der Komposition gelangte sie schließlich doch noch in die alte Bach-Gesamtausgabe.

Als Max Schneider 1911 die Mitwirkung des Bach-Sohnes, der mehr alsdie Hälfte der Partitur ge-schrieben hat, nachweisen konnte, wurden die Zweifel an der Echtheit zur Gewißheit, und obwohl die Lukas-Passion noch 1950 in Wolfgang Schmieders Bach-Werke-Verzeichnis die Nummer BWV 246 erhielt, besteht heute allgemeine Übereinstimmung darin, daß es sich bei der Lukas-Passion nicht um eine Komposition Bachs, sondern um ein von ihm kopiertes und zur Aufführung gebrachtes Werk eines Zeitgenossen handelt, der im mitteldeutschen Raum gewirkt haben dürfte. Der immer wieder erhobene Vorwurf, die Passion sei eine extrem schwache Komposition, geht vom Niveau der Bachschen Passionen aus und ist ungerecht. Immerhin war sie dem Thomaskantor die Mühe zweier Aufführengen wert. Das sollte man bei der musikalischen Beurteilung nicht aus den Augen verlieren.

1971 wurde ein in Japan befindliches, offenbar aus der Partitur herausgefallenes oder herausge-nommenes Blättchen bekannt, das den für Baß und B.c. gesetzten Choral am Schluß des ersten Teils in Bachs Handschrift mit einer von ihm hinzugefügten, meisterhaften Instrumentalbegleitung enthält. Das der Schrift nach um 1745entstandene Blättchen belegt, daß Bach die Lukas-Passion nach ihrer ersten in den 30erJahren erfolgten Leipziger Aufführung in seiner letzen Amtszeit zu Gehör brachte, oder es zumindest plante; auf jeden Fall bezeugt es Bachs Wertschätzung der Parti-tur.

Als zweiter Eingriff Bach» in die Vorlage werden die paar Instrumentaltakte angesehen, die den zweiten Teil einleiten; man hat daraus geschlossen, daß das Werk ursprünglich nicht die in Leipzig übliche Aufteilung in »Vor der Predigt« – »Nach der Predigt« aufwies. Ob diese Vermutung be-rechtigt ist, bleibe zunächst einmal dahingestellt.

Die Textgrundlage der Lukas-Passion besteht wie bei der Johannes- und Matthäus-Passion Bachs aus drei Schichten; aus dem mit verteilten Rollen „dramatisch“ vorgetragenen biblischen Bericht (Lukas, Kapitel 22-23, Vers 53),aus Choralstrophen (darunter Zitate aus liturgischen Stücken wie Te Deum, Litanei und Vaterunser), deren Anzahl auffällt (insgesamt 32 Nummern ) , und schließ-lich aus freier Dichtung in Form von acht Dacapo-Arien-Texten, von denen je vier im ersten und je vier im zweiten Teil stehen. Vertont sind sie als Chor, Terzett und sechs Solo-Arien (zwei für So-pran, eine für Alt sowie drei für Tenor). Wie aus Bachs Passionen geläufig, unterbrechen die Arien und Choräle den Evangelienbericht in betrachtender Weise.

Sowohl die Evangelienvertonung einschließlieb der Turba-Chöre als auch die Choräle weisen eine gewisse Altertümlichkeit auf, während die acht „madrigalischen“ Sätze eindeutig die Hand eines Komponisten zeigen, der eine Generation jünger als Bach und Telemann, alsoAltersgenosse von Quantz, Hasse und den Brüdern Graun gewesen sein muß. Es wurde deshalb gemutmaßt, daß die Lukas-Passion eine Art Pasticcio darstellen könnte, d.h. daß der Eingangschor, das Terzett und die Arien in ein älteres Werk eingefügt wurden, allerdings bereits vor Bachs Abschrift. Läßt man das Werk aber in seiner Gesamtheit auf sich wirken, dann wird die Einheitlichkeit des Ganzen offenbar. Der Verfasser knüpfte in den traditionellen Teilen (Evangelienbericht und Chorälen) an ältere, ihm geläufige Vorbilder an, während er die „freien“ Stücke „modern“ gestaltete. Seine Zugehörigkeit zur jüngeren Generation verrät sich etwa in der Besetzung.

Der Arie „Du gibst mir Blute“ mit zwei Flöten undStreicher-pizzicato, in den konzertierenden Par-tien von Oboe und Fagott bzw. von Fagott solo in den Arien »Den Fels hat Moses Stab geschlagen« und „Das Lamm verstummt vor seinem Scherer“, ferner im Pausieren des Continuo im Ter-zett„Weh und Schmerz in dem Gebären“ und nicht zuletzt in den Sextolen der fulminanten Sopran-Arie (in der Aufnahme vom Tenor gesungen) „Selbst der Bau der Welt erschüttert“.

Anrührend ist die ernste Schlichtheit und derTon warmherziger, fast pietistischer Frömmigkeit,der in den Chorälen aufklingt. Sie beherrschen in ihrer Fülle das Werk und spiegeln die intensive An-teilnahme der Gemeinde am Karfreitagsgeschehen wider. So wie in Bachs Matthäus-Passion die Melodie „Herzlich tut mich verlangen“ auf Strophen von Paul Gerhardt das ganze Werk durchzieht, so in der Lukas-Passion das Lied „Jesu, meines Herzens Freud‘“ von Johann Flittner (1660), aus dem nicht weniger als vier Strophen, je zwei im ersten und je zwei im zweiten Teil, erklingen. Die zahlreichen Choräle der Lukas-Passionstellen ein Problem besonderer Art dar. In derPartitur der beiden Bachs sind lediglich vier Strophen und vier liturgische Stücke komplett textiert, bei den üb-rigen begnügten sich Vater und Sohn mit Textmarken etwa der Art »Freu dich sehr o etc.«. Die meisten Strophen können anhand dieser kurzen Hinweise leicht identifiziert werden, aber nicht alle. Trotz intensiver Nachforschungen waren sie bisher in keinem Gesangbuch der Zeit,
etwa im Leipziger, Gothaischen oder Eisenachischen Gesangbuch, aufzufinden, und es ist nicht ganz undenkbar, daß sie aus der Feder des Dichters der »madrigalischen« Stücke der Lukas-Passion stammen, der hier anstelle von Arientexten betrachtende Quasi—Choralstrophen schrieb, die ganz bestimmten Melodien zuzuordnen waren. Bekanntlich gibt es in der Johannes- Passion einen ver-gleichbaren Fall: Bei dem von Bach als Choral (auf die Melodie »Machs mit mir, Gott, nach deiner Güte“) gesetzten Text »Durch dein Gefängnis, Gottes Sohn» handelt es sich in Wirklichkeit um einen Arientext. Vermutlich lag der von den beiden Bachs abgeschriebenen Vorlage ein Exemplar des Textdrucks der Originalaufführung bei, dem der Thomaskantor die fraglichen Texte bei der Herstellung des (nicht mehr vorhandenen) Aufführungsmaterials entnehmen konnte.

Das Choral—Problem der Lukas-Passion hat schon Franz Hauser gesehen, und er beauftragte eini-ge Pastoren in seinem Freundeskreis mit entsprechenden Nachforschungen, die in den meisten Fäl-len zur Lösung führten. Die nicht auffindbaren Strophen vervollständigten die Geistlichen mit eige-ner Dichtung, insgesamt gar nicht schlecht. In dieser Form gingen die betreffenden Chorälein die Druckausgabe ein und werden mangels besserer Lesarten auch in vorliegender Einspielung gesun-gen.

Die Frage nach dem Komponisten der Lukas-Passion wurde schon oft gestellt. Es muß ein in Mit-teldeutschland um 1735 wirkender, wohl kurz vor 1700 geborener Musiker gewesen sein. Nach meinen Forschungen gibt es mehrere Anhaltspunkte dafür, daß der noch immer nur wenig bekannte Eisenacher Hofkapellmeister JohannMelchior Molter (1696-1765) als Autor des Werkes in Frage kommen könnte. Der in Tiefenort bei Eisenach geborene Kantorensohn trat nachdem Besuch des Eisenacher Gymnasiums 1717als Geiger in die Dienste des Markgrafen Carl Wilhelm von Baden—Durlach in Karlsruhe. Ein Studienaufenthalt 1719—21 in Venedig und Rom brachte ihn in direkten Kontakt mit italienischen Musikern wie A. Vivaldi und A. Scarlatti. 1722 wurde er in Karlsruhe zum Hofkapellmeister ernannt. Nach der Auflösung der dortigen Hofkapelle Ende 1733 infolge des Ausbruchs des Polnischen Thronfolgekriegs erhielt er die damals vakante Eisenacher Kapellmei-sterstelle, die er zu Ostern 1734 antrat und bis zur Auflösung der Eisenacher Hofhaltung im Som-mer 1741 innehatte.

Zu elf vor einigen Jahren in Regensburg aufgefundenen Kirchenkantaten Molters und zu einem in Sondemshausen erhaltenen zweiteiligen Passions-Oratorium, die sämtlich in den Eisenacher Jahren entstanden sind, aber auch zu anderen Kompositionen Molters gibt es in der Lukas-Passion auffäl-lig viele Parallelen und Beziehungen, die seine Autorschaft zumindest als möglich erscheinen las-sen, und die man bisher nicht sehen konnte, weil die Molterschen Kirchenkompositionen der For-schung völlig unbekannt geblieben sind. Das fast unvermittelte Nebeneinander von Altertümlich—Traditionellem und Modernem findet sich in dem um 1735 entstandenen Passions—Oratorium ebenfalls, und aparten Besetzungen wie z.B. Soloinstrument mit Streicher-Pizzicatokann man in den Molterschen Arien immer wieder begegnen, ferner der im Eingangschor der Passion deutlich erkennbaren Technik verschiedener Klang- und Bewegungsschichten (Oboen, Streicher, Chor, Continuo). Gerade die inzwischen einem Eingriff Bachs zugeschriebenen Einleitungstakte des zweiten Teils passen auffallend gut zu Molters stark venezianisch geprägtem Orchesterstil. Auch zwischen den madrigalischen Texten der Lukas-Passion und solchen des für Molter tätigen Eisenacher Hofdichters Gottfried Loos(1686-1741) besteht sprachliche und formale Verwandtschaft.

Wenn J. M. Molter tatsächlich der Komponist der Lukas—Passion ist, dann war sie seine Eisenacher Antrittsmusik und wäre somit dort am Karfreitag, dem 23. April 1734 in der Stadt- und Hofkirche St. Georg uraufgeführt worden, unter den Mitwirkenden der begabte Tenor Johann Ebert (daher dann nicht weniger als drei Tenorarien) und an der Orgel Johann Bernhard Bach. Durch letzteren könnte Johann Sebastian Bach in Leipzig von dem Werk Kenntnis erhalten undden Wunsch, es kennen zu lernen, geäußert haben. Molter hätte daraufhin seine Partitur zusammen mit einem Exemplar des Textdrucks (der bei Eisenacher Vokalaufführungen obligatorisch war)nach Leipzig übersandt, und Vater und Sohn Bach hätten die erhaltene Partiturabschrift angefertigt, bevor C. Ph. E. Bach im Herbst 1734 das Vaterhaus verließ. Die erste Leipziger Aufführung der Lukas–Passion wäre dann vermutlich am Karfreitag, dem 8. April 1735 erfolgt, was auch der Bach–Forscher Alfred Dürr für möglich hält. Allerdings darf nicht verschwiegen werden, daß die Datierung der Abschrift auf Sommer 1734 in Widerspruch zu der inzwischen von der Bach–Philologie untersuchten Entwicklung der Schriftzüge des Bach-Sohnes steht, die eine Aufführung des Werkes schon am Karfreitag 1730 nahezulegen scheint. Dann aber käme Molter als Komponist der Lukas–Passion nicht in Frage.

Die Autorschaft Molters ist also trotz der geradezu überraschenden Parallelen zu seinem Schaffen nicht gesichert, zumal bei stilistisch–kompositorischen Berührungspunkten immer die Frage offen-bleibt, ob es sich nur um durch den Zeitstil bedingte Ähnlichkeiten handelt oder um Eigenheiten des Personalstils.

Wer auch immer der Komponist der Lukas–Passion gewesen sein mag, fest steht auf jeden Fall, daß das unprätentiös schlichte Werk, das der geniale Autor der Johannes- und Matthäus-Passion der wiederholten Aufführung würdigte, seinen festen Platz im Repertoire Alter Musik verdient .

© Dr. Klaus Häfner, Karlsruhe

Besprechungen:
„Das Lamm erduldet alle Plagen und leidet alles mit Geduld“ -
Ob Bach oder nicht Bach, war in Enkheim keine Frage

Vor Ostern haben sie wieder Hochkonjunktur: Die großen Passionen Johann Sebastian Bachs nach dem Matthäus- und dem Johannesevangelium. Besonders im Bachjahr 2000 ein bisschen zu inflationär, dachte sich der Bergen-Enkheimer Kantor Bastian Baumann und grub in den Archiven der Musikgeschichte. Dort wurde er fündig – eine Vertonung der Leidensgeschichte Jesu nach dem Evangelisten Lukas, mehrfach vom Thomaskantor Bach in Leipzig aufgeführt und mit einem Eintrag in das Bachwerkeverzeichnis geadelt. Trotzdem stammt das Stück wohl nicht von Bach. Baumanns Aufführung in der Enkheimer Laurentiuskirche zeigte nun eindrücklich, warum der vielleicht größte Komponist aller Zeiten das Werk eines Konkurrenten so sehr schätzte.

Die Evangelische Kantorei Bergen-Enkheim unter Leitung von Kantor Baumann hatte sich viel vorgenommen mit der Lukaspassion – immerhin 104 Nummern umfasst das großartige Werk. Und der Chor enttäuschte seine Zuhörer nicht: Sicher und leidenschaftlich meisterten die Sängerinnen und Sänger Choral um Choral und die teilweisen schwierigen Chorpassagen, die das aufgebrachte Volk darstellten. Das kleine Orchester malte die Szenerie stets präsent mit mal inniger, mal erregter Tongebung aus.

Einen besonderen Glücksgriff stellten die Solisten dar: Ralf Emge in der Rolle des Evangelisten führte die Zuhörer so inbrünstig und ergreifend mit wunderbarer Stimme durch die dramatischen Ereignisse der Passion, als sei er selbst Zeuge gewesen. Auch der eingesprungene Tomasz Hajok als Jesus machte eine gute Figur. Alexandra Steinhauer (Sopran) als Magd und Lars Christoph Grenzemann (Bass) als Pilatus hatten eher undankbare Rollen – vom Komponisten war ihnen nur wenig Raum zugedacht. Doch diesen füllten sie elegant und stimmsicher.

Ein Geheimnis rankt sich um die Komposition: Bach oder nicht Bach, das ist die Frage, die die Forschung schon seit über hundert Jahren beschäftigt. Zwar ist die Lukaspassion in einer Handschrift Johann Sebastian Bachs überliefert, doch Bach war ein Musiker, der sich durchaus für die Musik der Zeitgenossen interessierte und sie auch aufführte. Stilistische Gesichtspunkte sprechen eher gegen seine Urheberschaft, obwohl der Meister sein Manuskript mit den Buchstaben „J.J.“ („Jesus juva“ – „Jesus, hilf!“) quasi signiert hat. Wer war also der Komponist dieser originellen und von Bach mehrmals aufgeführten Passion?

Die Spur führt nach Eisenach: Dort war von 1734 bis 1741 der in der Nähe geborene Johann Melchior Molter Hofkapellmeister. Weit war er herumgekommen, am markgräflich-badischen Hof in Karlsruhe, in Rom und in Venedig, wo er Vivaldi und Scarlatti begegnete. Hoch geschätzt zu seiner Zeit, ist er heute vergessen – und ob die Lukaspassion wirklich sein Werk ist, wird wohl für immer offen bleiben. Es bleibt die Hoffnung, dass im Zuge des Bachjahres noch weitere so qualitätvolle und ergreifende Stücke aus dem Umkreis des Komponisten an Land gespült werden – mit der „Lukaspassion“ jedenfalls hat Kantor Bastian Baumann einen wahren Schatz gehoben.

© Andreas Hartmann

Die Kirchenglocken, die Erlösung, der Applaus
Von Annette Becker (© Frankfurter Rundschau, Stadtteil-Rundschau OST, Donnerstag, 20. April 2000)

BERGEN-ENKHEIM. „Unser Anliegen ist nicht l‘art pour l‘art, sondern Musik in der Kirche“, betont Bastian Baumann, Kantor der Evangelischen Kirchengemeinde und Initiator der Konzertreihe „Neun mal neun“, die seit Februar jeweils am Neunten eines Monats zu Aufführungen geistlicher Musik einlädt. Großen Wert legt Baumann auf die religiöse Bedeutung der aufgeführten Werke, die er den Zuhörer ebenso vermitteln möchte wie den Kunstgenuss.

Dies gelang ihm auch in seiner Aufführung der Lukaspassion, BWV 246, die zwar nicht von Johann Sebastian Bach stammt, aber von diesem sehr geschätzt, von ihm und seinem Sohn Carl Philipp Emanuel Bach abgeschrieben und mehrfach in der Leipziger Thomaskirche aufgeführt wurde. Als Autor käme für den Karlsruher Musikwissenschaftler Klaus Häfner der Eisenacher Hofkapellmeister Johann Melchior Molter (1696-1765) in Frage.

Erstaunlich sanft und versöhnlich trotz der teils dramatischen Texte gestaltete die Evangelische Kantorei Bergen-Enkheim die kommentierenden Chöre und Choräle des erzählenden Werks, aufmerksam und dynamisch beweglich. Evangelist Ralf Emge überzeugte durch hohe Präzision und Sicherheit, die er beinahe durchgängig auch in seinen Arien zeigte.

Aufhorchen ließ das Instrumentalvorspiel zu „Den Fels hat Moses‘ Stab geschlagen“, in dem Oboen und Fagott konzertant auftraten, erstere mit leicht instabiler Intonation, letzteres wunderbar melodisch und klangvoll, auch später bei „Das Lamm erduldet alle Plagen“ in einem melancholisch-intensiven Duett mit dem Tenor.

Sehr zurückhaltend interpretierte Tomasz Hajok seinen Part als Jesus, Guido Degen steuerte aus den Reihen des Chores heraus die Rollen des Petrus, des reuigen Mörders und des Hauptmanns bei. Wenig beschäftigt, aber um so ausdrucksvoller war Lars Christoph Grenzemann als Pilatus und reuiger Mörder, Alexandra Steinhauer übernahm mit sehr hellem Sopran die Rollen der Mägde. Leicht und beweglich gestaltete sie auch ihre Arien, operettenhaft fast, jedoch nie oberflächlich.

Studierende der Frankfurter Musikhochschule übernahmen in kammermusikalisch kleiner Besetzung den vorwiegend begleitenden Instrumentalpart, der den besinnlichen Charakter dieser Passion unterstrich, zuweilen bereits galante Akzente setzte, aber auch durch gezielte Dissonanzen dafür sorgte, dass man sich dem Kunstgenuss nicht allzu unbefangen hingab, sondern immer wieder an das Leiden Christi erinnert wurde.

Unmittelbar nach dem Schlusschor, in dem es um Vergänglichkeit und Vertrauen in die Auferstehung geht, setzten die Glocken der Laurentiuskirche ein und bannten die Spannung der Beifallswilligen, denen Baumann erst nach einer großzügigen Besinnungsminute den erlösenden Applaus gestattete.
 

Der Text:
Passio Domini nostri Jesu Christi secundum Lucam

Erster Teil

1 Chor
Furcht und Zittern Scham und Schmerzen,
Herr, zerknirschen unsre Herzen
beim Gedächtnis deiner Not.
Wir sind Sklaven, Knecht und Sünder,
Du bist Herrscher und Entbinder
Und erwählst für uns den Tod.
Da capo

2 Rezitativ Evangelist:
Es war aber nahe das Fest der süßen Brot’, das da Ostern heißet. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten trachteten, wie sie ihn töteten und furchten sich vor dem Volke. Es war aber der Satanas gefahren in den Judas, genannt Ischarioth, der war aus der Zahl der Zwölfen. Und er ging hin, und redet’ mit den Hohenpriestern und mit den Hauptleuten wie er ihn wollte ihnen überantworten.

3 Choral
Verruchter Knecht wo denkst du hin,
wie denkst du nur an Goldgewinn
und furchtest nicht die Hölle!
Willst du um schnödes Geld und Gut
verraten deines Meisters Blut
als Satanasgeselle?
Denk an die lange Ewigkeit
kehr um, kehr um,
noch ist es Zeit!

4 Rezitativ Evangelist:
Und sie wurden froh und gelobten ihm Geld zu geben.

5 Choral
Die Seel weiß hoch zu schätzen
was Hand und Kasten füllt,
was Augen kann ergötzen und Lust und Sinne stillt.
Sie ringt nach eitlen Dingen
und bleibt der ewgen bar:
wer reißt sie aus den Schlingen
der tödlichen Gefahr?

6 Rezitativ Evangelist:
Da er versprach es und suchte Gelegenheit, daß er ihn überantwortete ohne Aufruhr.

7 Choral
Stile, stille! ist die Losung der Gottlosen in der Welt,
traue ja nicht der Liebkosung,
wenn sie sich zu dir gesellt.
Spricht der Mund ein gutes Wort,
hegt das Herze Trug und Mord
und daß es die List erfülle, ist die Losung:
Stille, stille!

8 Rezitativ Evangelist:
Es kam nun der Tag der süßen Brot, auf welchem man mußte opfern das Osterlamm. Und er sandte Petrus und Johannes und sprach:
Jesus: Gehet hin bereitet uns das Osterlamm, auf daß wir es essen.
Evangelist: Sie aber sprachen zum ihm:

9 Chor Petrus und Johannes:
Wo willst du, daß wir’s bereiten?

10 Rezitativ Evangelist:
Er sprach zu ihnen:
Jesus: Siehe, wenn ihr hineinkommt in die Stadt, wird euch ein Mensch begegnen der trägt einen Wasserkrug. Folget ihm nach in das Haus, da er hineingehet und saget zu dem Hausherrn: Der Meister läßt dir sagen: Wo ist das Gemach, darinnen ich das Osterlamm essen möge mit meinen Jüngern?

11 Choral
Weide mich und mach mich satt, Himmelsspeise!
Tränke mich, mein Herz ist matt, Seelenweide!
Sei du meine Ruhestatt, Ruh der Seelen,
Jesu, Ruh der Seelen.

12 Rezitativ Jesus:
Und er wird euch einen großen Saal mit Polstern zeigen; daselbst bereitet es.
Evangelist: Sie gingen hinein und fanden’s wie er ihnen gesagt hatte und bereiteten das Osterlamm. Und da die Stunde kam, setzte er sich nieder und die zwölf Apostel mit ihm; und er sprach zu ihnen:
Jesus: Mich hat herzlich verlanget, das Osterlamm mit euch zu essen, ehe denn ich leide.

13 Choral
Nichts ist lieblicher als du, liebste Liebe,
nichts ist freundlicher als du, milde Liebe,
auch nichts süßer ist als du, süße Liebe.
Jesus, süße Liebe.

14 Rezitativ Jesus:
Denn ich sage euch, daß ich hinfort nicht mehr davon essen werde, bis erfüllet werde das Reich Gottes.
Evangelist: Und er nahm den Kelch, dankte und sprach:
Jesus: Nehmet ihn und teilet ihn unter euch; denn ich sage euch: ich werde nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bin das Reich Gottes komme.
Evangelist: Und er nahm das Brot, dankte und brach’s und gab’s ihnen und sprach
Jesus: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Das tut zu meinem Gedächtnis.

15 Aria Sopran
Dein Leib, das Manna meiner Seele,
erquickt und stärkt die matte Brust.
Es schmecket, wenn ich es genieße,
dem Geist so wunderbarlich süße
Und schafft ihm lauter Himmelslust.
da capo

16 Rezitativ Evangelist:
Desselbigen gleichen auch den Kelch nach dem Abendmahl und sprach:
Jesus: Das ist der Kelch, das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird.

17 Arie Baß
Du gibst mir Blut, ich schenk dir Tränen,
nur ist mein Tausch gar schlecht an Wert.
Du triefst, und ich wein’ ohnegleichen;
ach, daß ich sowas kostbar’s hätte
als mir dein Kraftkelch hier gewährt!
da Capo

18 Rezitativ Jesus:
Doch siehe, die Hand meines Verräters ist mit mir über Tische; und zwar, des Menschen Sohn gehet hin, wie es beschlossen ist, doch wehe dem selbigen Menschen, durch welchen er verraten wird.
Evangelist: Und sie fingen an zu fragen unter sich selbst welcher es doch wäre unter ihnen der das tun würde?

19 Choral
Ich, ich und meine Sünden die sich wie Körnlein finden des Sandes an dem Meer,
die haben dir erreget das Elend, das dich schläget
und das betrübte Marterheer.

20 Rezitativ Evangelist:
Es erhob sich auch ein Streit unter ihnen, welcher unter ihnen solle für den Größten gehalten werde. Er aber sprach zu ihnen:
Jesus: Die weltlichen Könige herrschen und die Gewaltigen heißet man gnädige Herren. Ihr aber nicht also, sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste und der Vornehmste wie ein Diener. Denn welcher ist der Größte? Der zu Tische sitzet, oder der da dienet? Ist’s nicht also, daß, der zu Tische sitzet? Ich aber bin unter euch wie ein Diener. Ihr aber seid’s, die ihr beharret habet bei mir in meinen Anfechtungen.

21 Choral
Ich werde dir zu Ehren alles wagen,
kein Kreuz nicht achten, keine Schmach noch Plagen,
nichts von Verfolgung, nichts von Todesschmerzen
nehmen zu Herzen.

22 Rezitativ Jesus:
Und ich will euch das Reich bescheiden, wie mir’s mein Vater beschieden hat, daß ihr essen und trinken sollt an meinem Tisch in meinem Reich und sitzen auf Thronen, und richten die zwölf Geschlechter Israel.

23 Choral
Der heiligen zwölf Boten Zahl
und die lieben Propheten all
die teuren Märtyrer zumal
loben dich, Herr mit großem Schall.

24 Rezitativ Evangelist:
Der Herr aber sprach:
Jesus: Simon, Simon siehe, der Satanas hat euer begehret, daß er euch möchte sichten wie den Weizen; aber ich habe für dich gebeten, daß dein Glaube nicht aufhöre, und wenn du dermal einst dich bekehrest, so stärke deine Brüder.
Evangelist: Er aber sprach zu ihm:
Petrus: Herr, ich bin bereit, mit dir es Gefängnis und in den Tod zu gehen.
Evangelist: Er aber sprach:
Jesus: Petrus, ich sage dir der Hahn wird heute nicht krähen, ehe denn du dreimal geleugnet hast, daß du mich kennest.
Evangelist: Und er sprach zu ihnen:
Jesus: So oft ich euch gesandt habe ohne Beutel, ohne Tasche und ohne Schuh‘ habet ihr auch je Mangel gehabt?
Evangelist: Sie sprachen:

25 Chor Die Jünger Jesu:
Nie, keinen.

26 Rezitativ Evangelist:
Da sprach er zu ihnen:
Jesus: Aber nun, wer einen Beutel hat, der nehme ihn,  desselbigen gleichen auch die Tasche; wer aber nichts hat, verkaufe sein Kleid, und kaufe ein Schwert. Dann ich sage euch: Es muß auch das noch vollendet werden an mir, das geschrieben stehet:
 “Er ist unter die Übeltäter gerechnet.” Denn was von mir geschrieben stehet, wird auch vollendet.
Sie sprachen aber:

27 Chor Die Jünger Jesu:
Herr, siehe, Herr, hier sind zwei Schwert.

28 Rezitativ Evangelist:
Er aber sprach zu ihnen:
Jesus: Es ist genug.
Evangelist: Und er ging hinaus, nach seiner Gewohnheit an den Ölberg. Es folgeten ihm aber seine Jünger nach an denselbigen Ort. Und als er dahin kam sprach er zu ihnen:
Jesus: Betet, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet.

29 Choral
Wir armen Sünder bitten,
du wollest uns erhören, lieber Herre Gott!

30 Rezitativ Evangelist:
Und er ging von ihnen bei einem Steinwurf, und knieete nieder, betete und sprach:
Jesus: Vater willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.

31 Choral
Mein Vater, wie du willst, so bin ich auch zufrieden:
was du mir auf der Welt zu meinem Teil beschieden,
ich nehm es auf dein Wort, dein Wille werd erfüllt,
und sage allezeit: Mein Vater, wie du willst.

32 Rezitativ Evangelist:
Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkete ihn. Und es kam, daß er mit dem Tode rang, und betete heftiger. Es ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde.

33 Choral
Durch deines Todes Kampf und blutigen Schweiß:
Hilf uns, lieber Herre Gott!

34 Rezitativ Evangelist:
Und er stund auf von dem Gebet, und kam zu seinen Jüngern, und fand sie schlafend vor Traurigkeit und sprach zu ihnen:
Jesus: Was schlafet ihr? Stehet auf und betet, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet.

35 Choral
Laß mich Gnade vor dir finden
der ich bin voll Traurigkeit,
hilf du mir selbst überwinden,
so oft ich muß in den Streit.
Meinen Glauben täglich mehr,
deines Geistes Schwert verehr,
damit ich den Feind kann schlagen,
alle Pfeile von mir jagen.

36 Rezitativ Evangelist:
Da er aber noch redet, kam die Schar und einer von den Zwölfen, genannt Judas, ging vor ihnen her und nahete sich zu Jesu, ihn zu küssen. Jesus aber sprach zu ihm:
Jesus: Judas, verrätest du des Menschen Sohn mit einem Kuß?

37 Choral
Von außen sich gut stellen, im Herzen böse sein,
zu Judas sich gesellen trägt mir Verdammnis ein,
wenn du mit Judas-Küssen
verrätst den Menschen Sohn,
du wirst es büßen müssen
einst vor der Richters Thron.

38 Rezitativ Evangelist:
Da aber sahen die um ihn waren, was es werden wollte, sprachen sie zu ihm:

39 Chor Die Jünger Jesu:
Herr sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen?

40 Rezitativ Evangelist:
Und einer unter ihnen schlug des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm ein Ohr ab Jesus aber antwortete und sprach:
Jesus: Haltet an und laßt von ihnen.
Evangelist: Und er rührte sein Ohr an und heilete ihn.

41 Choral
Ich will daraus studieren,
wie ich mein Herz soll zieren
mit stillem, sanftem Mut,
und wie ich dich soll lieben
die mich so sehr betrüben
mit Werken, so die Bosheit tut.

42 Rezitativ Evangelist:
Jesus aber sprach zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und den Ältesten die über ihn kommen waren:
Jesus: Ihr seid, als zu einem Mörder, mit Schwertern und mit Stangen ausgegangen. Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen und ihr habt keine Hand an mich gelegt, aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.
Evangelist: Sie griffen ihn aber und führeten ihn und brachten ihn in des Hohenpriesters Haus. Petrus aber folgete von ferne.
 43 Choral
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Übel.

44 Rezitativ Evangelist:
Da zündeten sie ein Feuer an mitten im Palast, und setzten sich zusammen. Und Petrus setzte sich unter sie. Da sahe ihn eine Magd sitzen bei dem Lichte und sah genau auf ihn, und sprach zu ihm:
Ancilla (Magd): Dieser war auch mit ihm.
Evangelist: Er aber verleugnete ihn und sprach:
Petrus: Weib, ich kenne ihn nicht.
Evangelist: Und über eine kleine Weile sah ihn eine andere, und sprach:
Ancilla (Magd): Du bist auch deren einer.
Evangelist: Petrus aber sprach:
Petrus: Mensch, ich bin’s nicht.
Evangelist: Und über eine Weile, bei einer Stunde, bekräftigt es ein andrer und sprach: Wahrlich, dieser war auch mit ihm, denn er ist ein Galiläer. Petrus aber sprach:
Petrus: Mensch, ich weiß nicht, was du sagest.
Evangelist: Und alsbald, da er noch redete, krähete der Hahn. Und der Herr wandte sich und sah Petrus an.

45 Choral
Kein Hirt kann so fleißig gehen,
nach dem Schaf, das sich verläuft,
Sollst du Gottes Herze sehen,
wie sich da der Jammer häuft,
wie es durstet, jächt und brennt
nach dem, was sich abgetrennt
von ihm und auch von den Seinen,
würdest du für Liebe weinen.

46 Rezitativ Evangelist:
Und Petrus gedachte an des Herren Wort, als er zu ihm gesaget hatte: “Ehe denn der Hohn krähet, wirst du mich dreimal verleugnen.” Und Petrus ging hinaus, und weinete bitterlich.

47 Arie Tenor
Den Fels hat Moses’ Stab geschlagen
Drum quillt aus mm ein starker Fluß.
Gesetz und Fluch schreckt den Verbrecher,
er fürchtet einen harten Rächer;
selbst sein Gewissen wird ihm sagen,
daß er des Todes sterben muß.
Da capo

48 Choral Petrus:
Aus der Tiefe rufe ich, Jesu Gnade tröstet mich.
Ich hab’ Unrecht zwar getan,
aber Jesus nimmt mich an

48a Choral Petrus: (Bach-Version)

Zweiter Teil

 49 Rezitativ Evangelist:
Die Männer aber, die Jesus hielten, verspotteten ihn und schlugen ihn, verdeckten ihn, und schlugen ihn ins Angesicht, und fragten ihn, und sprachen:

50 Chor
Weissage, wer ist’s, der dich schlug?

51 Choral
Daß du nicht ewig Schande mögest tragen
läßt er sich schimpflich ins Gesichte schlagen;
weil dich zum öftern eitler Ruhm erfreuet,
wird er verspeiet.

52 Rezitativ Evangelist:
Und viel andre Lästerungen sagten sie wider ihn. Und als es Tag ward, sammelten sich die Ältesten des Volks, die Hohenpriester und Schriftgelehrten und führeten ihn hinauf vor ihren Rat, und sprachen:

53 Chor Die Ältesten:
Bist du Christus? Sage es uns!

54 Rezitativ Evangelist:
Er aber sprach zu ihnen
Jesus: Sag ich’s euch, so glaubet ihr’s nicht; frage ich aber, so antwortet ihr nicht, und lasset mich doch nicht los. Darum, von nun an wird des Menschen Sohn sitzen zur rechten Hand der Kraft Gottes.
Evangelist: Sie sprachen aber:

55 Chor Die Ältesten:
Bist du denn Gottes Sohn?

56 Choral
Du König der Ehren, Jesu Christ,
Gott Vaters ew’ger Sohn du bist.

57 Rezitativ Evangelist:
Er sprach zu ihnen:
Jesus: Ihr sagt’s, denn ich bin’s.
Evangelist: Sie sprachen aber:

58 Chor Die Ältesten:
Was dürfen wir weiter Zeugnis? Wir haben’s selbst gehöret aus seinem Munde.
59 Rezitativ Evangelist:
Und der ganze Haufe stund auf, und führete ihn vor Pilatus, und fingen an ihn zu verklagen, und sprachen:

60 Chor
Diesen finden wir, daß er das Volk abwende, und verbiet’, den Zins dem Kaiser zu geben, und spricht, er sei Christus, ein König.

61 Rezitativ Evangelist:
Pilatus aber fragte ihn und sprach:
Pilatus: Bist du der Juden König?
Evangelist: Er antwortete ihm:
Jesus: Du sagest’s.

62 Choral
Dein göttlich Macht und Herrlichkeit
geht der Himmel und Erden weit.

63 Rezitativ
Pilatus sprach zu den Hohenpriestern und zu dem Volk:
Pilatus: Ich finde keine Schuld an diesem Menschen.

64 Choral
Ich bin’s, ich sollte büßen
an Händen und an Füßen
gebunden in der Höll,
Die Geißeln und die Banden,
und was du ausgestanden,
das hat verdienet meine Seel.

65 Rezitativ Evangelist:
Sie aber klagten an, und sprachen:

66 Chor Das Volk:
Er hat das Volk erreget, damit daß er gelehret hat überall im ganzen jüdischen Lande, und hat in Galiläa angefangen bis hierher.

67 Rezitativ
Evangelist: Da aber Pilatus Galiläa hörte, fragte er, ob er aus Galiläa wäre; und als er vernahm, daß er unter Herodes Obrigkeit gehörte, übersandte er ihn zu Herodes, welcher auch an dem selbigen Tage zu Jerusalem war. Da aber Herodes Jesum sahe, war er sehr froh, denn er hätte ihn längst gerne gesehen, und hoffete, er würde ein Zeichen von ihm sehen.

68 Aria Tenor
Das Lamm erduldet alle Plagen und leidet alles mit Geduld
Wenn man bei Rach’ und Bosheit schweiget,
gelassen ist und Großmut zeiget,
verwandelt sich oft Wut in Huld.
69 Rezitativ Evangelist:
Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten stunden und verklagten ihn hart. Aber Herodes mit seinem Hofgesinde verachtete und verspottete ihn, legte ihm ein weiß’ Kleid an und sandte ihn wieder zu Pilatus.

70 Choral
Was kann die Unschuld besser kleiden,
als des Herodes weißes Kleid,
ob auch die Juden wie die Heiden
entbrennen voller Haß und Neid.
Sie zeugen trotz der Spötterei,
daß Jesus Christ unschuldig sei.

71 Rezitativ Evangelist:
Auf den Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde miteinander, denn zuvor waren sie einander feind. Pilatus aber rief die Hohenpriester und die Obersten und das Volk zusammen, und sprach:
Pilatus: Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht, als der das Volk abwende und siehe! Ich habe ihn vor euch verhöret, und finde an dem Menschen der Sachen keine, die ihr ihn beschuldiget. Herodes auch nicht, denn ich habe auch zu ihm gesandt, und siehe, er hat nichts getan, was des Todes wert sei. Darum will ich ihn züchtigen und loslassen.

72 Choral
Ach, was hat er denn getan,
was sind seine Schulden,
daß er da vor jedermann
solche Schmach muß dulden?
Hat er etwa Gott betrübt bei gesunden Tagen,
daß er ihm anjetzo gibt seinen Lohn mit Plagen.

Nein, führwahr, wahrhaftig nein!
Er ist ohne Sünden;
sondern was der Mensch für Pein
billig sollt’ empfinden.
Was für Krankheit, Angst und Weh uns mit Recht gebühret,
das ist’s, so ihn in die Höll an das Kreuz geführet.

73 Rezitativ Evangelist:
Denn er mußte ihnen einen nach Gewohnheit des Festes losgeben. Da schrie der ganze Haufe, und sprach:

74 Chor Das Volk:
Hinweg, hinweg mit diesem und gib uns Barrabas los!

75 Rezitativ Evangelist:
Welcher war um eines Aufruhrs, so in der Stadt geschah, und um eines Mord’s willen ins Gefängnis geworfen. Da sprach Pilatus aber zu ihnen, und wollte Jesus loslassen. Sie aber riefen und sprachen:

76 Chor Das Volk:
Kreuzige ihn!

77 Rezitativ Evangelist:
E sprach zum dritten Mal zu ihnen:
Pilatus: Was hat er denn Übles getan? Ich finde keine Ursache des Todes an ihm, darum will ich ihn züchtigen und losgeben.
Evangelist: Aber sie lagen ihm an mit starken Geschrei, und forderten, daß er gekreuzigt würde. Und ihr und der Hohenpriester Geschrei nahm überhand. Pilatus aber urteilte, daß ihre Bitte geschähe, und ließ den los, der um Aufruhrs und Mords willen war ins Gefängnis geworfen, um welchen sie baten. Aber Jesum übergab er ihrem Willen.

78 Choral
Es wird in der Sünder Hände
überliefert Gottes Lamm,
daß sich dein Verderben wende;
Jud und Heiden sind ihm gram
und verwerfen diesen Stein,
den ihr Eckstein sollte sein.
Ach, das leidet der Gerechte
für die bösen Sündenknechte!

79 Rezitativ Evangelist:
Und als sie Jesus hineinführten, ergriffen sie einen, Simon von Cyrene, der kam vom Felde; und legten das Kreuz auf ihn, daß ers Jesus nachtrüge. Es folgte ihm aber ein großer Haufe Volks und Weiber, die klagten und beweineten ihn.

80 Terzett Sopran 1,2, Alt
Weh und Schmerzen auf der Erden
heißt nichts gegen deine Not.
Ach, wir armen Sünderinnen
Werden jetzt des Fluchs recht innen,
und wir tragen mit Geduld
Unserer ersten Mutter Schuld.
Retteten dich unsre Zähren
Nur nun deinem bittern Tod!

81 Rezitativ Evangelist:
Jesus aber wandte sich um zu ihnen, und sprach:
Jesus: Ihr Töchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinet über euch sselbst und über eure Kinder. Denn siehe! Es wird die Zeit kommen, in welcher man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht genähret haben. Dann werden sie anfangen zu sagen zu den Bergen: Fallet über uns! Und zu den Hügeln: Decket uns! Denn so man das tut am grünen Holz, was will am dürren werden?
Evangelist: Es wurden aber auch hingeführet zween andre Übeltäter, daß sie mit ihm gekreuziget würden. Und als sie kamen an die Stätte, die da heißet Schädelstätte, kreuzigten sie ihn daselbst und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken. Jesus aber sprach:
Jesus: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

82 Choral
Sein’ allererste Sorge war,
zu schützen, die ihn hassen,
bat, daß sein Gott der bösen Schar
wollt’ ihre Sünd erlassen.
“Vergib, vergib!” sprach er aus Lieb,
“o Vater, ihnen allen,
ihr’r keiner ist, der säh’ und wüßt’,
in was für Tat sie fallen.”

83 Rezitativ Evangelist:
Und sie teileten seine Kleider und warfen das Los drum, und das Volk stund und sahe zu. Auch die Obersten samt ihnen spotteten sein und sprachen:

84 Chor
Er hat anderen geholfen, er helfe sich selber, ist er Christ, der Auserwählte Gottes.

85 Rezitativ Evangelist:
Es verspotteten ihn auch die Kriegsknechte, traten zu ihm, und brachten ihm Essig, und sprachen:

86 Chor Die Kriegsknechte
Bist du der Juden König, so hilf dir selber!

87 Choral
Ich bin krank, komm, stärke mich, meine Stärke!
Ich bin matt, erquicke mich, süßer Jesu!
Wenn ich sterbe, tröste mich, du mein Tröster!
Jesus, du mein Tröster.

88 Rezitativ Evangelist:
Es war auch oben über ihm geschrieben die Überschrift in griechischer und lateinischer und hebräischer Sprache: “Dies ist der Juden König.”

89 Choral
Das Kreuz ist der Königsthron,
drauf man dich wird setzen,
dein Haupt mit der Dornenkron
bis in Tod verletzen;
Jesu, dein Reich auf der Welt ist in lauter Leiden:
So ist es von dir bestellt bis zum letzten Scheiden.
 90 Rezitativ Evangelist:
Aber der Übeltäter einer, die da gehenket waren, lästerte ihn und sprach:
Der verstockte Mörder: Bist du Christus, so hilf dir selbst und uns.
Evang.:Da antwortete der andre, strafte ihn und sprach:
Der reuige Mörder: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Und wir zwei sind mit Recht darin, denn wir empfangen, was unsre Taten wert sind. Dieser aber hat nicht Unrechtes gehandelt.
Evang.: Und sprach zu Jesu:
Der reuige Mörder: Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommest.

91 Choral
Tausendmal gedenk ich dein, mein Erlöser,
und begehre dich allein, mein Erlöser,
sehne mich, bei dir zu sein, mein Erlöser,
Jesu, mein Erlöser!

92 Rezitativ Evangelist:
Und Jesus sprach zu ihm:
Jesus: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.

93 Choral
Freu dich sehr, o meine Seele,
und vergiß all Not und Qual,
weil dich nun Christus, dein Herre,
ruft aus diesem Jammertal,
aus Trübsal und großem Leid
sollt du fahren in die Freud
die kein Ohre hat gehöret
und in Ewigkeit auch währet.

94 Rezitativ Evangelist:
Und es war um die sechste Stunde, und es ward eine Finsternis über das ganze Land bis an die neunte Stunde; und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels zerriß mitten entzwei.

95 Aria Sopran
Selbst der Bau der Welt erschüttert über frecher Menschen Wut
Er erkennt, was ihr gemacht: sie vergießen unbedacht ihres eignen Schöpfers Blut.

96 Rezitativ Evangelist:
Und Jesus rief laut und sprach:
Jesus: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände.
Und als er das gesagt, verschied er.

97/98 Sinfonia – Choral
Derselbe mein Herr Jesus Christ
für all’ mein Sünd gestorben ist
und auferstanden mir zugut,
der Höllen Glut
gelöscht mit seinem teuren Blut.
Sinfonia da capa

99 Rezitativ Evangelist:
Da aber der Hauptmann sahe, was da geschah, preisete er Gott, und sprach:
Hauptmann: Führwar, dieser ist ein frommer Mensch gewesen.
Evangelist: Und alles Volk, das dabei war und zusahe, und sahe, was da geschah, schlugen sie an ihre Brust, und kehrten wieder um.

100 Choral
Straf mich nicht mit deinem Zorn,
großer Gott, verschone,
ach, laß mich nicht sein verlorn,
nach Verdienst nicht lohne.
Hat die Sünd dich entzünd’t,
lösch ab in dem Lamme deines Grimmes Flamme.

101 Rezitativ Evangelist:
Es stunden aber alle seine Bekannten von ferne, und die Frauen, die ihm aus Galiläa waren nachgefolget, und sahen alles. Und siehe, ein Mann mit Namen Joseph, ein Ratsherr, der war ein guter, frommer Mann, der hatte nicht gewilliget in ihren Rat und Handel; er war von Arimathia, der Stadt der Juden, der auch auf das Reich Gottes wartete; der ging zu Pilatus, und bat um den Leib Jesu.

102 Aria Tenor
Laßt mich ihn nur noch einmal küssen
und legt denn meinen Freund ins Grab.
Geliebter, deine blassen Wangen
erwecken bei mir dies Verlangen,
denn meine Liebe stirbt nicht ab.

103 Rezitativ Evangelist:
Und nahm ihn ab, wickelte ihn in Leinwand, und legte ihn in ein gehauen Grab, darinnen niemand je gelegen war.

104 Choral
Nun ruh, Erlöser, in der Gruft,
bis dich des Vaters Stimme ruft;
dein heilger Leib wird auferstehn
und nimmer die Verwesung sehn.
Wir müssen die Verwesung sehn,
wenn wir dereinst zu Grabe gehn;
gottlob, daß unser treuer Hirt,
der für uns starb, uns wecken wird.
 

Evang. Gemeindebüro, Am Königshof 5, 60388 Frankfurt am Main
Tel.: 06109 - 2 19 10
Fax: 06109 - 2 10 22
per e-mail
Eintritt DM 20 (Schüler, Studenten DM 15)

© 2000 by Bastian Baumann - Stand: 10.04.2000