Wallenstein
Wallenstein im Kostuementwurf von Franz Gaul fuer eine Theaterauffuehrung WALLENSTEIN von Schiller 1837.

Mit Recht sagt Schiller im Prologe von seinem Helden:
"Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt, Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte."
Denn nie ist wohl ein großer Geist so verschiedenartig beurteilt worden wie gerade Wallenstein.
Der geschichtliche Wallenstein mit all seinen abstoßenden, schroffen Charakterzügen eignete sich auch wohl nicht recht zum Helden eines Dramas; unser Mitgefühl mit seinem Schicksal leidet unter seinem Charakter.
Deshalb mußte der Dichter vieles im Charakter seines Helden mildern, vieles wieder ergänzen, bis er die Gestalt geschaffen hatte, die uns im Drama entgegentritt.
So ist das überaus starke Selbstgefühl wesentlich gemildert, obwohl sich Wallenstein als eine gewaltige Erscheinung zeigt, die ihre Umgebung geistig überragt, als eine feste Säule, "an die man sich mit Lust darf schmiegen und voll Zuversicht".
Viel, unendlich viel hat Wallenstein für den Kaiser getan, hat ihm seine Länder gerettet, hat ihn zum Herrn in Deutschland gemacht und sich dabei nicht geweigert, in seinem Interesse den Fluch der Völker auf sich zu laden.
Wenn ihn nun ein Streben nach Anerkennung erfüllt, so ist dies nur zu berechtigt und leicht erklärlich, und wenn dieser Ehrgeiz nach Hohem trachtet, so ist dies nur der Ausfluß von dem Bewußtsein des eigenen Wertes.
Zu diesem Ehrgeize gesellt sich Wallensteins Glaube an eine höhere Bestimmung.
Nach seiner festen Überzeugung steht sein Schicksal in den Sternen geschrieben, und die himmlischen Mächte bestimmen die Zeit seines Handelns.
Vor allem aber ist es nicht bloß der Wunsch, eine möglichst große und führende Rolle zu spielen, die ihn zum Verräter werden läßt, sondern das tiefe Mitgefühl mit dem geknechteten und unter den Nöten langer Kriegsjahre leidenden Deutschland.
Er will ihm die innere Ruhe wiedergeben und zu einer geachteten Stellung gegenüber dem Auslande verhelfen.
Als er aber sehen muß, daß man Ihn, undankbar im höchsten Grade, wieder fallen lassen und zum zweiten Male stürzen will, zeigt er nicht Rachsucht, sondern nur tiefsten Widerwillen über die erlittene Kränkung.
Bei aller Herbheit seines Wesens zeigt er manchen Zug zarter Empfindung.
Schillers Wallenstein ist nicht der auch gegen die Glieder seiner Familie verschlossene, finstere, schweigsame Mann, der niemanden eines herzlichen Tones würdigt.
Er zeigt ein liebefähiges und liebebedürftiges Herz, er ist gesprächig und mitteilsam, er offenbart alle zärtlichen Regungen eines Gatten und Vaters.
Nur in bezug auf die Liebe seiner Tochter Thekla zu Max Piccolomini verhält er sich völlig ablehnend und bleibt allen Vorstellungen seiner Gattin und Schwägerin zum Trotz unerbittlich, weil er in seinem Ehrgeiz und Machtbewußtsein "den Eidam auf Europens Thronen suchen will ".
Er ist der Freund seiner Freunde und sorgt für sie. Auch gegenüber dem Kaiser tritt er für sie ein und schützt sie gegen Verleumdungen und Angriffe. Er verläßt sich fest auf sie, und das Vertrauen, das er zu seiner Umgebung, vor allem zu Oktavio hat, kann nur aus einer edlen, hochherzigen und von Mißtrauen freien Seele erwachsen.
Durch Freigebigkeit und durch edelmütiges Vergessen früherer Fehler weiß er auch die Widerstrebenden an sich zu ziehen, während er seinen Feinden gegenüber sich nicht leicht hinreißen läßt, sondern ruhig die Zeit zum Handeln abwartet.
Als Diplomat zeigt er sich überlegenen Geistes, selbst gegenüber dem gewandten Wrangel.
Wallensteins Schuld erscheint nicht bloß durch seinen übergroßen Ehrgeiz bedingt, sondern ganz besonders auch durch das Bewußtsein seiner außergewöhnlichen Macht.
Seine Tat ist nichts weiter als der Selbsterhaltungskampf gegenüber den Machenschaften des Wiener Hofes und dem neidischen Gebaren kleiner Seelen.
Endlich entspringt sie auch der festen Überzeugung, daß nur eine starke Hand und eine gewaltige Tat das zerrüttete Deutschland wieder in seiner alten Macht herstellen und die geschlagenen Wunden heilen können.
So steht Wallenstein groß und kühn vor uns, und auch unserm Herzen ist "der Schöpfer kühner Heere, des Lagers Abgott und der Länder Geisel" menschlich näher gebracht.
Neben Wallenstein sind es besonders die beiden Piccolomini, die unser Interesse erregen.



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Die Piccolomini
Octavio Piccolomini im Kostuementwurf von Franz Gaul fuer eine Theaterauffuehrung WALLENSTEIN von Schiller 1837.

Der Vater, Oktavio Piccolomini, ist eine echte Soldatennatur. Überall hat er sich durch Mut und Entschlossenheit hervorgetan und ist deshalb auch im Range der nächste nach Wallenstein.
Hervorragend ist vor allem seine Treue zu seinem Kaiser, die aber keinen edlen Beweggrund hat; denn sie erklärt sich nur daraus, daß er beim Kaiser mehr Vorteil, mehr Güter und mehr Ehren zu erlangen hofft als bei Wallenstein.
Oktavio ist klug und weiß jeden Umstand geschickt zu benutzen; er ist kalt und läßt sich nicht so leicht hinreißen; er berechnet überall im voraus die Wirkung seines Handelns.
Da er immer einen finsteren und verschlossenen Charakter zeigt, gelingt es ihm leicht, seine Gedanken zu verbergen.
Er spricht und redet anders, als er denkt, und ist ein Meister in der Verstellungskunst.
Nur einmal bricht ein tieferes Gefühl bei ihm durch, als er in rührenden Worten den Sohn bittet, nicht zu dem Friedländer zu halten, als er beredt die Treue preist, die er dem Kaiser gegenüber beweise.
Aber sonst ist er voll Argwohn und Mißtrauen gegen seine ganze Umgebung, überall wittert er Unrat, überall sieht er heuchlerische und tückische Menschen, die ihm gleichen. Selbst seinem Sohne gegenüber kann er von diesem Argwohn nicht lassen; auch bei ihm setzt er dasselbe niedere Denken und Trachten voraus, das ihn selbst beseelt.
Oktavio ist ein guter Menschenkenner und weiß recht wohl die Menschen zu beurteilen und die geeigneten Mittel anzuwenden, um sie seinen Zwecken dienstbar zu machen.
Am meisten täuscht und hintergeht er Wallenstein selbst, der ihm ein unbedingtes und durch nichts zu erschütterndes Vertrauen entgegenbringt.
Während dieser ihn arglos in alle seine Pläne einweiht, ist Oktavio sofort entschlossen, seinen Jugendfreund und langjährigen Kriegskameraden zu hintergehen und sein Vertrauen zum eigenen Vorteil auszubeuten.
Er warnt ihn deshalb nicht vor seinen verräterischen Plänen, im Gegenteil, er stellt sich vollständig damit einverstanden, und während er schon mit Wien alle Gegenmaßregeln vorbereitet hat, weiß er unter der Maske der treuesten Freundschaft Wallenstein zu bewegen, daß er ihm immer mehr vertraut, ja, daß er ihm geradezu alle Mittel zu seinem Sturze in die Hand gibt.
Sonderbar ist die Entschuldigung, mit der er sein Gewissen beruhigen will, daß ihm Wallenstein sein Vertrauen aufgedrängt habe, und daß er selbst deshalb kein Unrecht tue, wenn er ihn hintergehe, so daß Max mit Recht von ihm sagen kann, daß er falsche Bahnen schleichend wandle. Doch nichts kann ihn abhalten, seinen krummen Weg weiterzugehen. Er folgt dem Befehle aus Wien, er überwacht den Freund - und stürzt ihn, um sich dann als Lohn die Fürstenkrone zuteilen zu lassen.
Aber der hohe Preis, den er für die Erhebung in den Fürstenstand hat zahlen müssen, läßt ihn seines Glückes nicht froh werden. Durch seinen Verrat hat er den Sohn in den Tod getrieben und die Ermordung seines Freundes verschuldet, der ihm über alles vertraute.

Max Piccolomini im Kostuementwurf von Franz Gaul fuer eine Theaterauffuehrung WALLENSTEIN von Schiller 1837.

Den direkten Gegensatz zu seinem Vater bildet Max Piccolomini. Er ist gleichfalls seinem Herrn und Kaiser treu ergeben und ein tüchtiger Soldat; ist er doch im Lager unter den Wechselfällen des Krieges aufgewachsen und groß geworden.
Schon frühzeitig, noch als Knabe, offenbarte er kühnen und tapferen Sinn. Nicht wollte er die Fahne aus der erstarrten Hand lassen, mutig stürzte er sich in des Flusses Wogen, um dem Vater beizustehen und ihn aus den Händen der Feinde zu retten.
Stets hat er großes militärisches Talent gezeigt, und so ist es gekommen, daß ihn die Pappenheimer nach dem Tode ihres Führers in rechter Würdigung seiner Verdienste zum Obersten gewählt haben, eine Wahl, auf die sie stolz sind.
Während sein Vater der Soldat ist, der überall seinen Vorteil sucht, vertritt Max die ideale Seite des Soldatenstandes wie er überhaupt für alles Edle begeistert ist.
So ist es auch ganz erklärlich, daß ihm Wallenstein seine volle Zuneigung geschenkt und ihn wegen seiner hervorragenden Tüchtigkeit jederzeit ausgezeichnet und ihn in seine Nähe gezogen hat.
Auch die hohe Achtung, die ihm die anderen Generale erweisen, sowie die vornehme Haltung und Führung seiner Truppe beweisen, daß Max ein sittlich ausgezeichneter und nach dem Höchsten strebender Jüngling ist.
Auch ist ihm ein tiefes, phantasiereiches Gemüt eigen. Mit welcher Begeisterung spricht er z. B. von den Segnungen des Friedens, und welches farbenreiche Bild weiß er davon zu entwerfen!
Überall tritt er als Vorkämpfer der Treue, Offenheit und Wahrheit auf, ganz im Gegensatz zu den anderen Generalen, die sich zumeist von Egoismus und Materialismus leiten lassen.
So verweigert er auch seinem Vater den Gehorsam, als er dessen "krumme Bahnen" durchschaut.
Die herrlichen Ergüsse seiner reinen Seele, seine ideale Weltanschauung bleiben selbst auf die im wilden Kriegsleben roh gewordenen Gemüter seiner Kameraden nicht ohne Wirkung.
Wallenstein selbst sagt in seiner rührenden Trauer um ihn: "Die Blume ist hinweg aus meinem Leben, und kalt und farblos seh' ich's vor mir liegen."
An Wallenstein hängt Max mit einer schwärmerischen Begeisterung. Dieser große Feldherr ist sein Ideal, dem er nachstrebt, dessen Heldenruhm und Großtaten ihn fesseln. Deshalb verteidigt er ihn auch gegen die Angriffe Questenbergs und weist diesen scharf zurück, ohne daran zu denken, wie sehr er sich durch seine Äußerungen dem einflußreichen kaiserlichen Kriegsrate gegenüber schaden kann.
Eine glühende und zärtliche Liebe zu der Tochter seines Feldherrn erfüllt sein Herz, und diese schwärmerische Innigkeit verleiht dem Drama einen ganz besonderen Zauber.
Im Gegensatz zu seinem Vater, der immer mit argwöhnischen Blicken um sich schaut, kennt sein edler, hochherziger Sinn kein Mißtrauen, haßt seine reine Seele alles Niedere und Gemeine. Deshalb verurteilt er auch so scharf die Hinterlist und Heuchelei seines Vaters und wendet sich mit Abscheu von ihm, aber ebensowenig kann und will er an den Verrat Wallensteins glauben und verteidigt diesen bis zum letzten Augenblicke.
In seiner grenzenlosen Aufrichtigkeit eilt er zu ihm, um von ihm selbst die Wahrheit zu erfahren.
Aber als er sie aus seinem eigenen Munde hört, hält ihn nichts mehr bei ihm zurück. In dem furchtbaren Kampfe zwischen Ehre und Pflicht auf der einen und Liebe und Dankbarkeit auf der anderen Seite entscheidet er sich für seine Pflicht und Treue dem Kaiser gegenüber.
Dem Schönsten, was das Leben bietet, entsagt er, um nicht treulos zu werden.
An der Spitze seiner ihm treuergebenen Pappenheimer stürzt er sich auf den Feind, um ihn an der Vereinigung mit Wallenstein zu hindern und dessen Treubruch zu vereiteln. In tiefer Trauer ruft ihm Wallenstein die ergreifenden Worte in die Ewigkeit nach (V,3):
"Er ist der Glückliche.
Er hat vollendet.
Für ihn ist keine Zukunft mehr, ihm spinnt
Das Schicksal keine Tücke mehr - sein Leben
Liegt faltenlos und leuchtend ausgebreitet,
Kein dunkler Flecken blieb darin zurück,
Und unglückbringend pocht ihm keine Stunde.
Weg ist er über Wunsch und Furcht, gehört
Nicht mehr den trüglich wankenden Planeten.
O, ihm ist wohl!"



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Illo
Illo im Kostuementwurf von Franz Gaul fuer eine Theaterauffuehrung WALLENSTEIN von Schiller 1837.

Eng verbündet mit dem Herzog sind seine beiden Generale Illo und Terzky.
Illo ist eine offene Soldatennatur. Er spricht, was er denkt, und wägt und zählt seine Worte nicht, sondern sagt seine Meinung gerade heraus.
Dem Herzog mit Leib und Seele ergeben und nur auf dessen Erfolg bedacht, antwortet er ungestüm dem unbequemen Questenberg, ohne sich an dessen Stellung zu kehren; für ihn ist einzig und allein Wallenstein der Herr und zukünftige Herrscher.
Er weiß immer praktisch zu handeln; nüchtern und genau beurteilt er Dinge und Menschen. Deshalb hält er auch von der ganzen Astrologie nichts, sondern verachtet sie und erklärt dies auch Wallenstein frei heraus..... "Entschlossenheit Ist deine Venus! Der Malefikus, der einz'ge, der dir schadet ist der Zweifel" ruft er ihm zu.
Auch dem Traume Wallensteins vor der Schlacht bei Lützen mit der Warnung Oktavios legt er keine Bedeutung bei, wie er denn überhaupt das ganze Tun und Treiben des ihm in tiefster Seele verhaßten Oktavio klug durchschaut und immer und immer wieder Wallenstein vor diesem falschen Freunde warnt.
Wenn es gilt, das gesteckte Ziel zu erreichen, schreckt Illo vor nichts zurück, wie denn auch der Betrug mit dem Pilsener Reverse von ihm ausgeht.
Leider liebt er die Freuden der Tafel zu sehr und spricht dem Weine allzu stark zu, so daß er dann im Rausche geschwätzig, heftig und gereizt wird und den Betrug selbst aufdeckt. Auch Rachsucht, Wildheit und Schadenfreude sind seinem Charakter eigen, aber alle diese schlechten Eigenschaften werden aufgewogen durch die Treue, mit der er an Wallenstein hängt und die er mit seinem Leben bezahlen muß.



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Terzky
Terzky im Kostuementwurf von Franz Gaul fuer eine Theaterauffuehrung WALLENSTEIN von Schiller 1837.

Terzky gleicht in vielen Stücken Illo. Protestant und Schwager Wallensteins, führt er die Verhandlungen mit den Schweden und Sachsen, und alles geht durch seine Hand.
Auch er drängt zu energischem Handeln, auch er steht Wallensteins Glauben an die Sterne zweifelnd gegenüber und verläßt sich nicht auf sie, sondern nur auf sich selbst und das eigene Tun.
Sein ganzes Mißtrauen richtet sich gegen Oktavio, den er niemals geliebt, sondern
gegen den er stets Argwohn gehegt hat. Ebenso praktisch und nüchtern denkend wie Illo, ist er besonnener als dieser und gibt sich nicht so den Genüssen der Tafel hin.
Entschlossen und mutig hält er bei Wallenstein aus und findet vereint mit Illo den Tod.



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Buttler
Butler, im Kostuementwurf von Franz Gaul fuer eine Theaterauffuehrung WALLENSTEIN von Schiller 1837.

Der Dichter schildert Buttler als gerade und ehrlich, als einen Soldaten, der aus Dankbarkeit gegen seinen Feldherrn Glück und Unglück mit ihm teilen will.
Damit niemand an seiner Ehrlichkeit zweifle, ist er sogar bereit, alles, was er sich während seiner Kriegsjahre gespart hat, Wallenstein zu opfern.
Er hat sich vom gemeinen Dragoner emporgearbeitet, und sein Selbstgefühl hat sich bis zur Eitelkeit gesteigert.
Ihn beseelt ein glühender Haß gegen den Kaiser, der nach seiner Ansicht eine von Wallenstein für ihn beantragte Rangerhöhung nicht bestätigt hat.
Wallenstein traut ihm nicht ganz, weil er seinen ehr- und rachsüchtigen Charakter erkannt hat.
Ihn leitet sein Instinkt richtig; denn sobald Buttler von Oktavio erfährt, daß Wallenstein seine Erhebung heimlich hintertrieben habe, brechen sein gekränkter Ehrgeiz und seine Rachsucht durch und kennen keine Schranken mehr. Er drängt trotz aller Mahnungen, trotz eigener Gewissensvorwürfe Wallenstein nach Eger, um ihn dort ohne jedes Bedenken ermorden zu lassen.
Anmerkung dazu
Der Umschwung Buttlers in der Wallensteindichtung ist für den Verlauf der Handlung von der größten Bedeutung.
Buttler, der zu Anfang der Bankettszene (Piccolomini IV,4) zu Illo und Terzky, die Wallenstein treu ergeben sind, sagt:
"Der Fürst kann meine Treu'
Auf jede Probe setzen, sagt ihm das! . . .
Mit allem, was ich hab', bin ich der Eure.
Nicht Männer bloß, auch Geld bedarf der Fürst.
Ich hab' in seinem Dienst mir was erworben,
Ich leih' es ihm, und, überlebt er mich,
Ist's ihm vermacht schon längst, er ist mein Erbe",
wird später zu einem der grimmigsten Gegner Wallensteins, und man fragt sich deshalb, welche Ursachen dieser Umschwung hat.
Wenn wir diese Frage näher ins Auge fassen, erkennen wir bald, daß der sogenannte Buttlerbrief diesen Umschwung bewirkt hat.
Es fragt sich jetzt: Wer hat diesen Brief geschrieben?
Ist es Wallenstein gewesen, oder hat ihn Oktavio Piccolomini gefälscht?
Die nähere Untersuchung wird uns zeigen, daß es Oktavio gewesen ist, der mit Buttler ein unwürdiges Spiel getrieben hat.
Wallenstein wird vor allen Dingen schon aus dem Grunde den Brief nicht geschrieben haben, weil das seinem ganzen Charakter nicht entsprechen würde. Er ist zwar ein ehrgeiziger Mann und kann auch von Rachsucht nicht freigesprochen werden, aber anderseits dürfen wir ihm keine niedrige Handlungsweise zuschreiben.
Schiller hätte auch durchaus falsch gehandelt, wenn er Wallenstein den Brief hätte fälschen lassen; denn dann müßten wir ja den Helden verachten.
Der Dichter will aber durch sein Drama gerade das Gegenteil erreichen und uns den Helden menschlich näher bringen.
Sagt er doch in seinem "Prolog zu Wallensteins Lager":
"Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt,
Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte;
Doch euren Augen soll ihm jetzt die Kunst,
Auch eurem Herzen menschlich näher bringen."
Dazu kommt noch ein zweiter Grund. Der Feldherr sagt nämlich in bezug auf Buttler, daß er ihn nicht so liebe, wie er es verdiene.
Ja, Wallenstein empfindet sogar etwas wie Furcht gegenüber Buttler, wenn er gesteht (Wallensteins Tod 111,4):
"So hab' ich diesem würdig braven Mann,Dem Buttler, stilles Unrecht abzubitten;Denn ein Gefühl, des ich nicht Meister bin -Furcht möcht" ich's nicht gern nennen - überschleicht
In seiner Nähe schaudernd mir die Sinne
Und hemmt der Liebe freudige Bewegung.
Und dieser Redliche, vor dem der Geist
Mich warnt, reicht mir das erste Pfand des Glücks."
Ohne Zweifel würde der Herzog nicht so sprechen, wenn er Buttler im stillen etwas abzubitten hätte. Zwar könnte mancher versucht sein, die Worte Wallensteins dahin zu deuten, daß sein Ge-
wissen gegenüber Buttler nicht rein ist und daß er sich deshalb jetzt, angesichts der Handlungsweise des letzteren, Vorwürfe macht, aber diese Anschauung dürfte nicht stichhaltig sein; denn Wallenstein, der ziemlich mystisch veranlagt ist, spricht ja die Worte: "Und dieser Redliche, vor dem der Geist mich warnt." Es ist also eine mehr unbewußte Abneigung des Feldherrn gegen Buttler vorhanden: der Geist ist es, der den Herzog warnt, Buttler zu trauen. Man könnte dies auch eine Ahnung nennen, da ja Buttler in der Tat dem Herzog zum Verhängnis wird.
Wenn es also kaum glaubhaft erscheint, daß Wallenstein den Buttlerbrief gefälscht hat, so wird es uns anderseits fast zur Gewißheit, daß Oktavio, der heuchlerische Gegner des Feldherrn, der Fälscher des Briefes ist.
Denn erstens ist Oktavio der einzige, der vom Dasein des Briefes etwas weiß.
Er sagt nämlich selbst, daß er durch Zufall in seinen Besitz gekommen ist: "Durch Zufall bin ich im Besitz des Briefes, kann Euch durch eigenen Anblick überführen."
Außerdem widerstrebt eine derartige Handlungsweise dem sonstigen Charakter Oktavios durchaus nicht; denn er ist ganz anders geartet als Wallenstein.
Während nämlich dieser eine durchaus vornehme und edle Natur ist, erscheint Oktavio als Schleicher und Heuchler.
Außerdem verfolgte Schiller bei der Charakteristik Oktavios nicht dieselbe Absicht wie bei derjenigen Wallensteins.
Wollte er uns diesen menschlich näher bringen, so war das mit Oktavio nicht der Fall.
Ja, es scheint, als ob er dessen Charakter in möglichst düsterem Lichte habe erscheinen lassen, wozu dann die Fälschung des Briefes gut paßte.
So hat die Untersuchung der Verfasserschaft des Buttlerbriefes die Schuldlosigkeit Wallensteins ergeben, so daß wir mit seinem durch Buttlers Rachsucht heraufbeschworenen Ende tiefes Mitleid empfinden.



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Isolani,
Isolani im Kostuementwurf von Franz Gaul fuer eine Theaterauffuehrung WALLENSTEIN von Schiller 1837.

der Kroatengeneral, ist ein leichtfertiger, in den Tag hinein lebender Soldat, der immer zu Trunk und Spiel, aber nicht zum Zahlen bereit ist. Wo es lustig hergeht, da findet man ihn gewiß, doch zeigt er in der Stunde der Gefahr Mut und Verwegenheit.
Ohne jedes tiefere persönliche Interesse ist er Wallenstein nur deshalb ergeben, weil ihm dieser seine Schulden bezahlt hat, um ihn dann ebenso leichten und undankbaren Herzens wieder zu verlassen, sobald ihm der Gehorsam gegen den Kaiser mehr Gewinn verspricht.



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Tiefenbach
Tiefenbach im Kostuementwurf von Franz Gaul fuer eine Theaterauffuehrung WALLENSTEIN von Schiller 1837.

ist dem Essen und Trinken sehr ergeben, obgleich er sein Podagra nicht dieser Eigenschaft, sondern den Kriegsstrapazen zuschreibt.
Er besitzt wenig Bildung und kann nicht schreiben, so daß er unter den Revers statt seines Namens ein Kreuz setzen muß.
Im übrigen wird er als ehrlich und treu geschildert und bleibt auch mit Isolani zusammen auf der Seite des Kaisers.



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Gordon
Gordon im Kostuementwurf von Franz Gaul fuer eine Theaterauffuehrung WALLENSTEIN von Schiller 1837.

hängt mit Bewunderung und Verehrung an dem unvergleichlichen Helden, dessen Sturz ihn mit tiefer Teilnahme erfüllt. Zufrieden mit seinem Posten, trachtet er nicht nach weiteren Ehren. In seinem Mitleid mit seinem Jugendgenossen möchte er diesen gern retten, doch kann sich der schwache Mann nicht zu einer für ihn so folgenschweren Tat aufraffen.



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Deveroux und Macdonald
Deverroux im Kostuementwurf von Franz Gaul fuer eine Theaterauffuehrung WALLENSTEIN von Schiller 1837.  Mac-Donald im Kostuementwurf von Franz Gaul fuer eine Theaterauffuehrung WALLENSTEIN von Schiller 1837.

Von Hause aus roh und durch den Krieg noch mehr verwahrlost, lassen sie sich durch Aussicht auf guten Verdienst zum Meuchelmorde dingen. In ihrer Geldgier vergessen sie die Pflicht der Dankbarkeit; nur wegen ihres Soldateneides und der angeblichen Unverletzbarkeit Wallensteins haben sie gewisse Bedenken. Erst der Hinweis Buttlers, daß Wallenstein mit Schimpf und Schande hingerichtet werden wird, wenn er lebend in die Hand des Kaisers fällt, läßt die beiden sich bereit finden, ihn zu ermorden. Mit der Begründung Deveroux' (V,2):
"Komm, Macdonald! Er soll als Feldherr enden Und ehrlich fallen von Soldatenhänden"
glauben die beiden Mordgesellen ihre Tat entschuldigen zu können.
Drei Frauengestalten treten uns im Wallensteindrama entgegen: des Feldherrn Gattin, seine Tochter und seine Schwägerin.



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Die Herzogin von Friedland
Die Herzogin von Friedland im Kostuementwurf von Franz Gaul fuer eine Theaterauffuehrung WALLENSTEIN von Schiller 1837.

Die Herzogin ist eine tief innerliche Natur, die nur für die Ihren lebt. Mit ängstlicher Sorge verfolgt sie alles, was ihren Gemahl betrifft, auf den sie stolz ist und den sie innig liebt. In warmen Worten schildert sie ihrer Tochter das große Glück ihrer ersten Ehejahre:
"Der ersten Jahre denk' ich noch mit Lust. Da war er noch der fröhlich Strebende, Sein Ehrgeiz war ein mild erwärmend Feuer, Noch nicht die Flamme, die verzehrend rast."
Aber mit gleicher Liebe ist sie ihm auch nach dem Unglückstag von Regensburg treu geblieben, seitdem "ein unsteter, ungesell'ger Geist über ihn gekommen ist" und er sich "den dunklen Künsten zugewandt hat, der eignen Kraft nicht fröhlich mehr vertrauend."
Seit dieser Zeit war ihr Leben nur ein Leiden, das sie ergreifend mit den Worten schildert:
"Was hab' ich nicht getragen und gelitten In dieser Ehe unglücksvollem Bund! Denn gleich wie an ein feurig Rad gefesselt, Das rastlos eilend, ewig, heftig treibt, Bracht' ich ein angstvoll Leben mit ihm zu, Und stets an eines Abgrunds jähem Rande Sturzdrohend, schwindelnd riß er mich dahin."
Von Herzen gern würde sie auf allen Glanz und alle Pracht, die sie umgeben, verzichten, wenn sie damit das Glück ihrer Familie erkaufen könnte.
Deshalb möchte sie auch, daß sich ihr Gatte dem Kaiser unterwürfe.
Mit gleicher Liebe ist sie um das Geschick ihrer Tochter besorgt, deren Herzenswunsch sie gern erfüllt sähe und für dessen Erfüllung sie sich bei ihrem in seinem Stolze und Ehrgeize völlig unerbittlichen Manne vergebens einsetzt. Voll banger Ahnung ruft sie ihm zu:
"O lieber Herzog! Streben wir nicht allzu hoch Hinauf, daß wir zu tief nicht fallen mögen."
Als dann das furchtbare Geschick über sie hereinbricht und sie die Ermordung ihres so innig geliebten Mannes erfährt, hat sie nicht mehr die Kraft, das Unglück zu ertragen, und ihr Leben erlischt.



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Thekla

Sie steht den Plänen und Anschlägen ihres ehrgeizigen Vaters vollständig fern und hat auf seine Absichten und Handlungen nicht den geringsten Einfluß.
Inmitten der Welt des eitlen, ehrgeizigen Verlangens und der Sucht nach Genuß, von der sie umgeben ist, erscheint sie als ein guter Engel, als das verkörperte Gewissen, und in ihrer reinen, jeder Heuchelei unfähigen Natur spiegelt sich deshalb gerade erst recht die ganze Verwerflichkeit jener düster-verworrenen Pläne.
Ihr Charakter ist ohne jeden Flecken und Makel, sie liebt nur das Edle und Gute.
Seit sie Max gesehen hat, ist in ihrem Herzen die Liebe zu ihm erblüht; aber auch dieses zarte Gefühl macht sie nicht zur Schwärmerin, sondern sie bleibt stets besonnen.
Sie bemerkt bald scharfen Auges den Fallstrick, in den sie beide verwickelt werden sollen, und rät in kluger Vorsicht Max zur größten Besonnenheit.
Ihre Furcht vor der Gefahr, die ihrer jungen Liebe droht, klingt aus in dem elegischen Liede: "Der Eichwald brauset."
Immer mehr bemächtigen sich böse Ahnungen ihrer reinen Seele, und klagend bricht sie in die Worte aus: "Es zieht ein finstrer Geist durch unser Haus!"
Als sie den verräterischen Plan ihres Vaters erkennt, bleibt sie sich selbst treu.
Die Aussicht auf eine Krone blendet sie nicht, der Ehrgeiz vermag sie nicht zu locken, sie ist anspruchslos und bescheiden.
Entrüstet weist sie die Gräfin zurück, als diese ihr die Zumutung macht, Max zum Abfall und zur Untreue gegen den Kaiser zu verleiten, denn Ehre und Pflicht sind ihr das Heiligste.
Deshalb erinnert sie auch den Geliebten, als er mit den schrecklichsten Zweifeln ringt und sein Geschick in ihre Hände legt, an seine Pflicht und seinen Eid. So bringt sie das größte Opfer ihrer Liebe mit verständiger, auf reinster Sittlichkeit beruhender Resignation.
Je mehr sie die Pläne ihres Vaters erkennt, desto mehr verwirft sie dieselben und schließt sich in liebend-ängstlicher Sorge an die gleichgesinnte Mutter an, die gleich ihr das gewagte Spiel ihres Mannes, seine ans Verwegene grenzenden Absichten mißbilligt. In zarter Fürsorge sucht sie jede Unglücksbotschaft vor ihr zu verbergen.
So sieht sie auch das kühne Gebäude ihres Vaters zusammenbrechen, ohne ihre Ruhe und Stärke zu verlieren. Als sie aber schließlich die Nachricht vom Tode des Geliebten erhält, bricht .auch sie unter diesem wuchtigen Schlage zusammen. Nun hält sie nichts mehr im Leben zurück, selbst die Mutter nicht; sie eilt zu seinem Sarge, um dort ihr der Treue geweihtes Leben auszuhauchen.



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Gräfin Terzky
Graefin Terzky im Kostuementwurf von Franz Gaul fuer eine Theaterauffuehrung WALLENSTEIN von Schiller 1837.

Den schroffsten Gegensatz zu Thekla bildet die Gräfin Terzky. Sie gehört zu den energischen Naturen, die so leicht vor nichts zurückschrecken.
Ihr ganzes Streben geht darauf aus, den Glanz ihres Hauses zu erhöhen und Wallenstein in seinem Trachten nach der Königskrone zu unterstützen.
Aufmerksam hat sie jede Gewohnheit Wallensteins studiert, und es entgeht ihr nichts; jede Bewegung der Freude oder des Schmerzes, die den anderen verborgen bleibt, wird ihr offenbar.
Überall sucht sie die im Wege stehenden Schwierigkeiten zu entfernen; deshalb fördert sie zunächst auch die zwischen Max und Thekla aufkeimende Liebe, aber nur aus Eigennutz, um dadurch den einflußreichen und vielversprechenden Jüngling fester an Wallenstein zu ketten.
Sie ist nicht damit einverstanden, daß Thekla auch nach der Abweisung ihres Geliebten noch an ihm festhält, sondern meint, es sei Pflicht der Tochter, diese Neigung aufzugeben und sich dem Wohle ihres Hauses zu opfern.
Auch Wallenstein weiß sie durch geschickte Behandlung zu bestimmen, das zu tun, was sie will. Klarblickend und nüchtern macht sie ihm über sein ewiges Zaudern die bittersten Vorwürfe; ja, als die Männer nicht vermögen, ihn zu einem Entschlüsse zu bringen, gelingt es der redegewandten Frau, durch klare Gründe und schlaue Berechnung der Umstände, ja selbst durch die Vorspiegelung, daß sie den Glauben an die Sterne teile, Wallenstein endlich zur Tat zu bewegen.
Als sie aber dann sieht, wie alles gegen ihn ausschlägt, erfüllt sie bange Besorgnis; nirgends findet sie Ruhe, und überall erblickt sie Unheil.
Als jedoch das letzte Unglück über sie hereinbricht, als sie Gatten und Schwager getötet und ihre stolzen Hoffnungen vernichtet sieht, erhebt sie sich zu wahrer Größe. Voll Adel weist sie Oktavio auf die Früchte seines verräterischen Handelns hin, um ihm zuletzt zu sagen, daß sie den Untergang ihres Hauses nicht überleben kann und daß sie Gift genommen hat:
"Wir fühlten uns nicht zu gering, die Hand Nach einer Königskrone zu erheben — Es sollte nicht sein — doch wir denken königlich Und achten einen freien, mut'gen Tod Anständiger als ein entehrtes Leben."



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Diese Homepage wurde von Dr. Klaus Koniarek bereitgestellt ©.
Die Charakteristik der Hauptpersonen des Wallensteindramas sind einem zerlesenen Heftchen entnommen,
das der Autor der Homepage für 50 Cents antiquarisch erwerben konnte.
Das Werk hat folgenden Titel:

Dr. Wilhelm Königs
Erläuterungen zu den Klassikern
Band 4

Erläuterungen zu Schillers Wallenstein
Teil II
Wallensteins Tod
24. Auflage
Neu bearbeitet von Prof. Dr. Oswald Woyte C. Bange Verlag - Hollfeld /Obfr.