Ein Krieg - gleichgültig, in welchem Jahrhundert er ausgetragen wird - setzt neben den politischen, wirtschaftlichen oder ideologischen Interessen der Kriegsgegner voraus, daß Waffen

Waffen besitzen unter anderem die Eigenschaft, sich zu verbrauchen oder sich in der Wirkung im Vergleich zu den gegnerischen Waffen in Frage zu stellen.

Waffen sind deshalb selten ausreichend und nicht immer in der benötigten Qualität vorhanden.

Waffen sind bei ihrer Anwendung und in ihrer Wirkung insofern innovativ, weil ihr Einsatz bei der im Kampf unterlegenen Kriegspartei stets den Wunsch nach einer noch effektiveren Waffe entstehen läßt.

Der Wunsch nach noch besseren (Wunder-)Waffen schließt den Kreislauf durch das Auslösen eines Auftrages nach neuen Waffen.

Wer Waffen braucht, der zahlt auch, denn für den Käufer haben Waffen strategische Bedeutung.

Aus dieser Bedeutung läßt sich ableiten: Wer Waffen produziert oder wer mit Waffen handelt, kann - je nach Lage im Spannungsgebiet - ihren Preis bestimmen.

Waffenproduktion und Waffenhandel bieten somit einen idealen Ansatzpunkt für eine Gewinnoptimierung der Produzenten und Händler.

Bezogen auf den 30jährigen Krieg kommt man zwangsläufig zu einigen bisher noch zu wenig publizierten Aspekten dieses Krieges, nämlich zu den Fragen:

Wenden wir uns hier der Frage zu:

Wer hat mit Waffen gehandelt


Beim Waffenhandel kamen bei Waffenproduzenten und Waffenhändlern weder Glaubensnöte noch Gewissensbisse, geschweige denn Skrupel auf - daran hat sich bis zum heutigen Tage nichts geändert...

Der Profit allein macht selig und der Feind von morgen war (und ist) der gerngesehene Kunde von heute.

Das traf in der Zeit des 30jährigen Krieges nicht nur auf die Händler im Reich zu, sondern galt ganz allgemein:

Deutsche Händler lieferten Waffen an Schweden, schwedische Händler an Spanien und die Niederlande an den deutschen Kaiser.

Der Aufschwung des Rüstungshandels begann mit dem spanisch-niederländischen Konflikt ab dem Jahre 1568.

Die außerordentlichen Rüstungsanstrengungen beider Kriegsgegner, die allein Spanien bis zum Ende des Krieges im Jahre 1648 die ungeheure Summe von über 220.000.000 Dukaten kosteten, war ein Segen für das Geschäft mit Gütern des militärischen Bedarfs.

Als der 30jährige Krieg im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation ausbrach, war der Waffenhandel bereits in ganz Europa etabliert und hatte Hochkonjunktur.

Zentrale Bedeutung bekamen im internationalen Waffengeschäft die Hafenstädte Amsterdam und Hamburg.

Beide Handelsmetropolen konkurrierten miteinander, aber Amsterdam machte in der Regel die besseren Geschäfte.

Wenn es allerdings die politischen Umstände erforderten (zum Beispiel bei der Elb-Blockade durch englische Schiffe ab 1621 oder bei Waffenlieferungen, die von Amsterdam an Spanien gingen) sprach man die Geschäfte untereinander ab, denn Hamburg war formell neutral, aber Hauptlieferant der spanischen Armee.

Amsterdam hingegen war (formell) Lieferant der antihabsburgisch-protestantischen Koalitionen, verzichtete aber auf keinen Auftrag an Spanien oder an die Kaiserlichen.

Wenn es allerdings um die Bestimmung der Monopolpreise von Salpeter ging, war man sich bei aller Konkurrenz sofort einig...

Dabei sollte nicht vergessen werden: letztlich gründete sich das "goldene holländische Zeitalter" der Kunst im Allgemeinen und der Malerei im Besonderen auch auf dem Reichtum niederländischer Waffenhändler.

Deren Handel mit Rüstungsgütern florierte schon vor dem 30jährigen Krieg, aber mit seinem Ausbruch stieg der Bedarf an militärischen Ausrüstungsgegenständen derart, daß die steigende Nachfrage kaum befriedigt werden konnte.

Hinzu kam, daß sich mit dem massiven Einsatz von Feuerwaffen eine weitere profitable Profitquelle eröffnete: der Handel mit Schießpulver und Salpeter.

Um die steigende Nachfrage halbwegs befriedigen zu können, mußte ein Netzwerk internationaler Handelspartner geschaffen werden.

So wurde (um nur einige Beispiele zu nennen) Danzig zeitweise Hauptumschlagplatz für Salpeter, der aus dem osteuropäischen Raum kam; Schweden lieferte Kupfer auch an Spanien und so weiter.

Naturgemäß waren es vor allem Hafenstädte, die mit ihren logistischen Vorteilen vom Waffenhandel profitierten.

Natürlich rollten auch scharf bewachte Wagenzüge mit den in halb Europa begehrten Gewehren auf unsicherer werdenden Wegen in die fürstlichen Waffenarsenale, aber 5.000 bis 11.000 Zentner Salpeter, wie sie zum Beispiel jährlich von Danzig zu den Handelszentren Hamburg und Amsterdam geliefert wurden, ließen sich doch sehr viel kostengünstiger mit dem Schiff transportieren.

So ist es nur folgerichtig, daß auch Städte wie Antwerpen, Dünkirchen, Lübeck, Venedig und Genua am Waffenhandel verdienten.

Im Deutschen Reich scheint Nürnberg das größte Handelszentrum und Waffenmagazin für Feuerwaffen, Munition und Kriegsgerät aller Art gewesen zu sein.

Schon Ende des 16. Jahrhundert gab es dort zwei Zeughöfe, sechs Zeughäuser und zahlreiche andere Magazine (gelagert wurden die Waffen im Zwinger, in Türmen und Wehren, Kirchtürmen, dem Rathaus und in Landschlössern).

Die Ratsherren der Stadt Nürnberg sahen die Organisation des Handels mit Waffen und Munition als ihre wichtigste, weil profitabelste Aufgabe an.

Der Rat entschied, was und zu welchem Preis aus dem stadteigenen Vorrat verkauft wurde.

Der Vorrat wurde immer wieder aufgefüllt von einem leistungsstarken Metallgewerbe.

Vor allem die Plattner arbeiteten für einen wachsenden Markt in ganz Europa und für Kunden aller Glaubensbekenntnisse und jeden Standes.

Als Käufer traten in Nürnberg unter anderem auf:

Neben den Ratsherren gab es eine Reihe Privathändler, und beide Parteien spielten nicht selten zusammen.

Oft trat der Rat auch als kommerziell-offizieller Vermittler zwischen Plattnermeister und Kunden auf.

Die Privatpersonen als Waffenhändler lassen sich noch heute namentlich benennen.

Zum Beispiel:

Diese Händler waren es auch, die Handelsverbindungen zu den wichtigsten Waffen-Schmieden des Thüringer Waldes unterhielten, zum Beispiel zu den

Von dort kamen (wiederum über dort ansässige Auf- und Verkäufer vermittelt) laufend Wagenladungen mit Musketen, die nicht nur, aber auch nach Hamburg geliefert wurden.

Der Fuhrbetrieb zwischen den Waffen-Schmieden des Thüringer Waldes und Nürnberg war so intensiv, daß im November 1632 der Rat von Suhl an den Weimarer Herzog schrieb, man sei außerstande, Zugpferde zu stellen, weil ein großer Gewehrtransport (1500 Musketen) nach Erfurt abgegangen sei.

Suhl hatte sich in seiner Waffenproduktion auf billige Massenware für den einfachen Soldaten spezialisiert.

Eine aus demselben (!) Jahr erhaltene "Spezification", zusammengestellt vom Amtsschulzen, Bürgermeister und Rat von Suhl, nannte die Summe von 34.583 Reichstalern "für gelieferte Büchsenrohre" (Läufe).

Auf den Einzelpreis von drei bis vier Reichstalern pro "Büchsenrohr" bezogen, macht das etwa 10.000 Stück, die allein für diesen Kundenkreis bestimmt waren.

In den dreißiger Jahren stockte das Geschäft mit den Thüringer Produzenten.

Der Nürnberger Rat mußte sich - um die steigende Nachfrage befriedigen zu können - mit Aufträgen bis nach Venedig, Mailand und Brescia wenden, wo solche berühmten Meisterfamilien wie die Cominazzo und Contoni arbeiteten.

Zu den größten Auftragebern an die Waffenproduzenten des mittleren Thüringer Waldes zählten auch Wallenstein und sein Bankier Hans de Witte .

Im Frühjahr 1625 hatte de Witte nach Nürnberg Verbindungen geknüpft und daraus den wohl größten Auftrag an die thüringische Waffenschmiede abgeleitet - die komplette Ausrüstung von sieben Regimentern.

Innerhalb von fünf Wochen, gegen Sofortzahlung einer Rate von 10.000 Gulden, waren die Harnische, Musketen, Piken, Kurzwehren aufgebracht und waren in Eger eingetroffen!

Die Suhler Kontrahenten hatten sogar vorfristig geliefert.

Die Suhler Meister favorisierten sofortige Zahlung.

Zwischenhändler konnten oft nur ratenweise zahlen; direkte Verbindungen, wie zum Beispiel zu de Witte oder andere Bevollmächtigte Wallensteins, waren also hochwillkommen.

Hans de Witte schloß große Geschäfte mit den Nürnbergern, vor allem über seinen Faktor Abraham Blommaert ab.

Dieser gehörte zu den größten Depositeuren der 1621 gegründeten "Banco Publico", durch die alle Zahlungen über 200 Gulden laufen mußten.

Nicht zuletzt die Wallensteinschen Großaufträge waren es, die der Bank jährlich Umsätze zwischen 100.000 und 350.000 Gulden sicherten.

Als sich de Witte das Leben genommen hatte und Wallenstein ermordet war, stürzten die Summen auf etwa 67.000 und später (1631) auf 15.000 ab.

Die Beziehungen zu Hans de Witte nutzten auch Kölner Kaufleute und Unternehmer aus.

Um 1610 ist von einem Großlieferanten Vichet die Rede.

Ende der zwanziger Jahre unterbreitete Anton Frey-Aldenhoven dem kaiserlichen Feldherrn Wallenstein ein vertraglich schon paraphiertes Angebot, datiert auf den 29. Oktober 1628.

Er bot für 110.000 Reichstaler Ware, die er bis zur Frankfurter Ostermesse 1629 (!) liefern wollte, wobei er zwei Drittel der Bezahlung erwartete.

Obwohl das Geschäft nur zum Teil verwirklicht wurde, demonstriert es, wie produktiv die Waffenproduktion in dieser Zeit war und welche Dimensionen der Waffenhandel bereits angenommen hatten:

Es handelte sich dabei um nicht weniger als

Das Angebot war gut unterbaut, denn der Anbieter unterhielt augenscheinlich erprobte Beziehungen zu Plattnern und Büchsenmeistern in den spanischen Niederlanden, in Trier, Mainz und Köln sowie in Hessen-Darmstadt, er versorgte die Truppen des Kaisers und der Liga ebenso wie ihre Gegner, darunter auch den sächsischen Kurfürsten.

Übertroffen wurden die italienischen und mitteleuropäischen Unternehmen, Geschäfte und Profitraten von Schweden, einem Land, in dem nur etwa 1,5 Millionen Menschen wohnten und in dem es nur wenige größere Städte gab.

Es verdankte seine wachsende Geltung vor allem dem Kupfer.

Als selbst ein Staatsmann von Format wie Kardinal Richelieu nur undeutliche Vorstellungen von diesem Lande hatte, zog die schwedische Krone schon hohe Gewinne aus dem Kupferexport nach ganz Europa, auch nach Spanien.

Dort prägte man aus dem Kupfer Münzen, goß daraus Kanonen, um gegen protestantische Mächte zu Felde zu ziehen.

Eine Handelskompanie, in der Aktionäre aus dem Hochadel, hohe Staatsbeamte, Kaufleute, geistliche Institutionen ihre Anteile arbeiten ließen, erzielte bis Mitte der zwanziger Jahre hohe Gewinne, denn Schweden besaß praktisch das Kupfermonopol in Europa.

In den Jahren 1626-1631 hörten Spanien und andere Länder auf, schwedische Kupferbarren zu beziehen, der Preis fiel in Amsterdam um 37,5 Prozent, in Hamburg um über 40 Prozent.

Die ergiebigste Kupfergrube Schwedens in Falun nannte noch hundert Jahre später der bekannte Naturforscher Carl von Linne "Schwedens größtes Wunder".

Für den "königlich schwedischen, in Deutschland geführten Krieg" benötigte Gustav Adolf kaum Waffen und Kriegsgerät deutscher Herkunft, denn zum Naturreichtum Schwedens gesellte sich fortan niederländisches Unternehmerkapital.

Das nötige Betriebskapital, um immer neue Werke in der Nähe von ergiebigen Erzadern einzurichten, stellten reiche Kaufleute und Bankiers, wie Louis de Geer und Willem de Besehe, beide Niederländer - fromme Protestanten, harte Führungspersönlichkeiten und kühle Rechner zugleich.

In ihre Hände hatte der König im Jahre 1627 das Monopol für die gesamte Waffenproduktion (und den Waffenhandel) Schwedens gelegt.

Der Kontrakt verpflichtete de Geer (de Besehe starb 1629),

Doch es wurden mehr: Allein vom November 1629 bis Ende 1630 empfing die vorzüglich ausgebildete, für den "deutschen Krieg" trainierte Armee

Schwere Eisenkanonen aus Finspäng und Nyköping konnte Schweden sogar zu Hunderten exportieren.









Viele weitere interessante Aspekte des Waffenhandels im Dreißigjährigen Krieg, wie zum Beispiel das Konkurrenzverhalten der Städte Amsterdam und Hamburg in den folgenden Jahren oder Fragen des internationalen Finanztransfers, die Entwicklungen der Preise für militärische Güter oder die Auswirkungen militärischer Blockaden (Hamburgs Elb-Blockade durch England und durch den Dänenkönig Christian ) auf die Entwicklung von bis dahin am Waffenhandel sehr gut verdienender Handelsmetropolen, sind hier nicht erwähnt.

Sie würden den Rahmen dieser Internet-Präsentation sprengen.

...Und nebenbei sollte mit diesen ausgewählten Zahlen u.a. auch auf Forschungsdefizite zu diesem Thema aufmerksam gemacht werden, die durchaus reizvolle Forschungsansätze beinhalten.



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