Nanu, - ein SVX zu verkaufen, und dann in meiner Nähe, nur 25 Km Weg, den muß ich mir einfach anschauen. Der Verkäufer schien etwas überrascht als ich nach dem inserierten SVX fragte, überlegte einen Moment und sagte dann, gehn`se mal ums Haus, ganz hinten links, da steht er.
Ich fand ihn, - hinter 20 anderen Autos in der letzten Ecke, völlig dreckig, mit kaputter Batterie, gerissenen Achsmanschetten, verschlissenen Bremsen, platten Reifen ohne Profil. Der Motorraum völlig verölt, ein vorderes Federbein undicht - schlicht ein technischer Jammer. Nun begann ich mit einem intensiven Check der Karosserie, puhlte die Gummistöpsel heraus und kontrollierte die Hohlräume. Der Vorbesitzer muß aber wohl in vergangener Zeit sein Auto doch geliebt haben, alles top, nachkonserviert und keine Spur von Rost oder anderer Korrosion. Auch der Kilometerstand von 134.582 scheint nicht getürkt. Nach 30 Min. schaute der Verkäufer nach was ich da so treibe.
 Mein Versuch mit dem Hinweis auf den maroden Zustand noch etwas herauszuschlagen prallte allerdings ab. ”An dem haben wir schon zugezahlt, -dann zerlegen wir ihn und verkaufen die Teile.” Und so nagelte ich dann das gute Stück mit einer Anzahlung an, nach dem der Verkäufer noch hoch und heilig (in Polen sind ja wohl alle katholisch) geschworen hat daß das Automatikgetriebe makellos schaltet und in Ordnung ist. Er selbst hat den Wagen in Italien über 100 Km zum Sammeltransport gefahren, - an Stelle eines bestellten Mitsubishi Eclipse angeboten und war nun - oh böser unberechenbarer Kunde - drauf sitzengeblieben.  

Damit war klar womit ich mich den Winter über in meiner Garage beschäftige !

Viel habe ich über die Geschichte des Wagens nicht herausgefunden. die Ausführung entspricht dem Modelljahr 1992, im italienischen Fahrzeugschein steht als Tag der ersten Inbetriebnahme der 18.01.1995 drin. Aus dem Fahrzeugcode ergibt sich aber als Herstellungsdatum der 01.09.1992.
Hat er wirklich im Land der Ferrari - Maserati - Alfaromeos zwei Jahre unverkäuflich im Laden gestanden ? 
Erste Besitzerin war eine Frau Jahrgang 1931, - für einen Monat. Dann folgt ein Mann Jahrgang 1928 , war es ein Geschenk ?  Ende 2007  dann der letzte italienische Vorbesitzer Jahrgang 1956 , der hat dann wohl vor den technischen Problemen und drohenden Werkstattkosten kapituliert und das gute Stück in Zahlung gegeben.                   - So ist er nun bei mir gelandet (Jahrgang 1946) und wird , sofern mir keiner reinfährt, ein echter Oldtimer werden.

Als erstes , die Drecksarbeit. Räder ab, aufbocken, Heckteil abnehmen (da soll eine Hängerkupplung ran) Auspuffanlage ab, Radschalen raus und trotz vorheriger HD-Wäsche noch tagelang Dreck kratzen, bürsten und in den vielen Hohlräumen millimeterdicke Staubablagerungen mittels  Waschpistole und Druckluft  entfernen.  Gebrauchsspuren und einige kleine Beulen sind dem Alter entsprechend. Ein paar Kampfspuren wurden “italienisch” also nicht ganz spurlos beseitigt. Insgesamt ist die Optik noch gut, eine Neulackierung könnte man vielleicht in fünf Jahren einplanen und bei der Gelegenheit auch noch den kompletten Unterbodenschutz erneuern.
Leider hat der Autohändler aus Pavia nicht auf meine Mails geantwortet und so bin ich erstmal davon ausgegangen das am Auto noch nichts gemacht wurde. Übrigens ein Irrtum wie sich später herausstellte, Das Getriebe war offensichtlich vor kurzer Zeit ausgebaut worden und auch der Zahnriemen war schon der zweite.
Übrigens stammte die ganze Ölsauerei von der undichten Lenkhilfe (Druckschlauch) und undichten Schlauchschellen der Ölleitungen zum Getriebeölkühler.
 

Das waren die einzigen “Roststellen” die ich gefunden habe.  Der Wagen hat im Süden Italiens offensichtlich noch keinen Winter mit Salzlake Schnee und Eis erlebt.

Trotz der gerissenen Achsmanschetten und teilweisem Fettverlust sind die Gelenkwellen in Ordnung,  keine sichtbaren Verschleißspuren kein unnormales Spiel. Die Manschette des rechten Traggelenks war ebenfalls gerissen, es wurde komplett erneuert. Das rechte Federbein war ölig, beide wurden vorsorglich ersetzt. Bremsscheiben vorn erneuert und auch die Bremszangen wurden zerlegt, gereinigt und mit Bremsenfett neu montiert . 

Der hintere Stoßfänger besteht aus einem kastenähnlichem Profil in 2mm !! Blech. die Verzurrösen für den Seetransport sind ebenfalls am Stoßfänger angebracht. eine Nachrechnung der Profilquerschnitte und der Befestigungspunkte in der Karosse ergab eine ausreichende Festigkeit für den Anbau einer Hängerkupplung.
Zur Vermeidung elastischer Schwingungen sind zwei zusätzliche Stützen mit dem Wagenboden verbunden worden.

Es ist vollbracht,   hier die Aufzählung der  verbauten Ersatzteile:

- 2 x Federbeine vorne
- 1 x Traglager vorn (vom Verwerter)
- 2 x Bremsscheibe vorn
- 8 x Achsmanschetten (vorn und hinten)
- 2 x Radlager mit Dichtungen hinten
- 1 x Druckschlauch für Lenkhydraulik
- Edelstahlauspuffanlage Fa.Hey (vomVerwerter)
- 4 (fast) neue Reifen (vom Verwerter)

Motor:
- Zahnriemensatz kpl. (fehlen immer zwei Rollen,
  mußten daher einzeln nachbestellt werden)
- Kugellager für Spannrolle, Klimakompressor
- Satz neue Rippenriemen
- Alle frontseitigen Wellendichtringe
- div. marode Gummischläuche
- neue Deckeldichtungen
- Ölfilter Luftfilter
- neue Batterie
 

Was sonst noch so dazukam:

- ein neues Autoradio mit Rückfahrvideokamera
- Die Anhängerkupplung mit Anbauflanschen und der Einbau
- Umbau der 3. Bremsleuchte auf LEDs
- neue Blinkleuchte vorn rechts
- tagelange Fehlersuche in der Elektrik, (Beseitigung zahlreicher Basteleien meines Vorgängers)
- Ölwechsel in allen Gehäusen, neue Wannendichtung am Automatikgetriebe
- Metallkatnachrüstung auf Schadstoffklasse d3 bei Fa. Hey in Waltershausen
 

Stromlaufplan SVX
Stromlaufplan 2

Buchwert meiner roten Spardose per Juli 2009
(ohne eigene Arbeit, das war Hobby)

8135,45 Euro

Hier zeigt er was er kann,
SVX im Geländeeinsatz