Im Sommer 2000 habe ich diesen kleinen Flitzer in einem völlig verwahrlosten Zustand bei der Bootswerft Keeser in Berlin erstanden. Im nachhinein stellte ich dann fest, daß nicht nur Farbe fehlte sondern auch das einlaminierte Spiegelholz völlig verrottet war. So gesehen wurde ich also erst einmal kräftig übers Ohr gehauen denn der nur mit großem Aufwand zu behebende Schaden war der Chefin garantiert bekannt. Der Neuaufbau hat trotzdem eine Menge Spaß gemacht, ich konnte Erfahrungen sammeln und wieder mal handwerklich tätig sein. Die seltene Formschönheit wurde als ein “Wax Sprint Junior” identifiziert der etwa 1973-75 in der DDR gebaut wurde. Aber das war ein Irrtum
dem selbst alte Profis aufgesessen sind, siehe Email am Seitenende.
Das massive schwere Handlaminat besitzt immer noch die volle Festigkeit, das Wort “Osmose” war bei den recht hochwertigen Materialien damals ohnehin ein unbekanntes Fremdwort.
Heute ist meine “Nußschale” verkauft und flitzt in Berlin als gerettetes “Kulturgut” über den Dämeritzsee.

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Der Heckspiegel wurde oben geöffnet und völlig ausge- fräst. Anschließend habe ich ein Gestell aus Nirokasten- profil eingeschoben und die Kunststoffschalen mit ca. 40 Senkschrauben verbunden. Nach dem Ausschäumen mit 2-Komponentenschaum wurde der Hohlraum oben wieder mit Laminat verschlossen. ( fast 2 Wochen Arbeit )
Das aufgesetzte Niroblech schont den Spiegel weil hier der Motor laufend ab- und anmontiert werden mußte. (Trailer war beim Straßentransport überlastet)
Gefahren bin ich mit einem 15 PS Yamaha Zweitakter der das Boot bei zwei normalgewichtigen Personen auf ca.
33 km/h bringt.
Der Bootskörper ist mit 270 kg ein rechtes Schwerge- wicht, üblich sind heute bei dieser Größe 150 bis max.
200 kg.    - Aber, der Winzling darf mit bis zu 40 PS bestückt werden und bringt dann locker 75 km/h.
Auch als Zugboot für Wasserski eignet er sich wenn man ihm wenigstens 25 PS spendiert.

diagramm

Deutlich zu sehen, die typische Form für einen schnellen Gleiter, Von den Rennbooten der Fa. Wax war der Sprint Junior mit 1,65 x 3,6 m der kleinste.
Als der restaurierte Winzling im Hafen zu Wasser gelassen wurde, fragte ein Sportfreund “wo hastn die Fernbe- dienung ?”, dann fiel die Bemerkung “süße Nußschale” und so war die Taufe vollzogen,   “Nußschale”.
Die Wendigkeit des Bootskörpers bei hohem Tempo ist einmalig, Nußschale fährt fast wie ein Jetski.
Über Benzinverbrauch reden wir hier lieber nicht.
(Die beladen rund 1,5 Tonnen schwere “Sealine” braucht mit dem 50 PS Yamaha Schubmotor (Viertakter) nur etwa 20%  mehr.)
Unter dem selbstgebauten Verdeck reichte der Platz gerade noch für Plasteklo und Luftmatratze. In die Bugspitze paßten 2 x 20 Liter Benzin, 20 Liter Wasser, Schlafsack etc. Die hintere Sitzbank war meist ausgebaut.
Einmal bin ich bei Sturm mit knapp 30 auf eine plötzlich auftauchende hohe Welle geknallt. Es gab einen lauten Rumms, eine Gischtfontaine, und dann lag ich irgendwie mit geprelltem Steiß quer über den Sitzen. Alles was nicht angeschraubt war flog quer durch das Boot, und wie durch ein Wunder, lag nichts im Wasser.
- Seitdem bin ich vorsichtiger.

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AMSTEG1

Nach einer Saison schon der plötzliche Entschluß “wir kaufen doch ein größeres Boot”. Na ja, für längere Touren mit Frau und Hund war die Nußschale wohl doch etwas zu klein und bei Wind und Wellen hatten meine beiden Mitfahrer ein recht flaues Gefühl im Magen und drohten mit Meuterei.
So kam der Tag der Trennung, - Adieu Nußschale, du warst Fahrspaß pur. Selbst bei stürmischen Wetter habe ich die elektrische Lenzpumpe (120 Liter/Min.) nicht eine Sekunde benötigt, und auch die größten Frachtschiffe samt Schraubenwirbel konnte man einfach in Gleitfahrt wie ein Sputnik ohne Gefahr umkreisen. (Das geht mit größeren Booten nicht mehr so einfach)     

Die Neue,  - Sealine Conti 18 mit Yamaha FT 50

SEAL01

Und das hat sie mich gekostet:

Boot :         6950,-Eu
Motor :        6400,-Eu
Ausrüstung:  1100,-Eu
Trailer:         1250,-Eu
UW-Farbe   270,-Eu
  gesamt : 15.970,-Eu

(zum Vergleich, die Nußschale lag kpl.
bei ca. : 3900,-Eu )

SEAL02

Ich möchte doch ab und zu mal schnell zum nächsten Ziel, also fiel die Wahl wieder auf einen Gleiter. Der Motor wurde genau passend ausgesucht, eine große Auswahl gabs da nicht gerade denn Yamaha ist der einzige Anbieter welcher Schubmotore liefert (größerer Propeller, stärkeres Getriebe).
Die Vorausberechnungen stimmten exakt, das Boot erreicht mit 2 Personen 33 km/h und beginnt ab 20 km/h zu gleiten. Leider sparen auch Weltfirmen am falschen Ende, der Anlasser des Yamaha Motors ist eine (abgehungerte) unzuverlässige Fehlkonstruktion und auch der Rest läßt einige Wünsche offen. Außerdem ist der Motor mit 126 kg zu schwer.
Obwohl das Boot deutlich größer als die Nußschale ist, liegt die Rumpfgeschwindigkeit im gleichen Bereich und der Geradeauslauf ist in Verdrängerfahrt sogar noch eine Spur schlechter. Schuld daran ist die hohe Hecklastigkeit (Motor, Tank, Batterien). Erst als 100 Liter Trinkwasser,
2 Gasflaschen, Werkzeugkasten und die 2 vollen Reservekanister
in der Bugspitze waren wurde es erträglich.

GLEITEN

Gleitfahrt mit 27 km/h, die flache Wellenfront ist kaum breiter als die Fahrspur und erreicht nicht das Ufer.

PROPEL2

Der fernöstliche Krumm- und Schiefpropeller am FT50 steht einer Marke wie Yamaha auch nicht gerade gut zu Gesicht, Der Blattneigungswinkel stimmte nicht
weil offensichtlich die Gießform des Hinterhof-Produzenten defekt war.
Bei 2500 U/Min. brummte das ganze Boot und die Kajütentür klapperte.

Nachdem ich dann für 215,- Euro einen absolut “gleichen” Michigan-Propeller
bei Groever gekauft habe, war das Gebrumme weg und wie die Messungen zeigen habe ich auch noch ein bischen Sprit gespart.
Inzwischen ist die Gurke nachgearbeitet, ausgewuchtet und zum Ersatz degradiert.

DIAGRAM

Der Yamaha FT50 CETL ist ansonsten solide hausbackene Technik und kann seine Abstammung vom Motorrad nicht ganz verleugnen. Keine hightech Einspritzanlage (kann also nicht kaputtgehen) sondern vier Vergaser mit allerdings etwas fuzzigem Koppelgestänge. Einen Zündverteiler gibts nicht, sondern zwei Doppelzündspulen mit Elektronikbox. Zum Anlassen muß man die Vergaser erstmal mit dem Gummiball füllen was zuweilen ganz schön lästig ist besonders wenn der Tank wie bei mir recht tief liegt. Einen Shoke gibt es nicht, man muß ein paar mal Gas geben (nicht zu wenig, und um Gottes willen bei Wärme nicht zu viel) denn das gute Stück hat eine “Beschleunigerpumpe” die bei jeder Gasbetätigung eine Ladung Sprit in die Saugrohre spritzt.
In der Regel springt er dann auch an, aber so manches mal packte mich die schiere Verzweiflung bis zu dreißig !! mal am Schlüssel gedreht und immer wieder puff- aus, manchmal auch ohne das hoffnungsvolle  - “puff” .

Und hier verzweifelte Startversuche (ca. 500 kByte)

Da der Motor ja ansonsten sehr gut, sparsam und fehlerfrei läuft habe ich das “Phänomen” gründlich über eine Saison beobachtet und untersucht und muß nun leider im Ergebnis den Kollegen Ingenieuren von Yamaha leichtfertigen Entwicklungspfusch bescheinigen.
Der eingesetzte Anlasser ist nicht wie bei Autos üblich mit einem Zugmagneten versehen welcher das Ritzel in die Verzahnung der Schwungscheibe schiebt, sondern ein sogenannter Schraubtriebanlasser wie er früher in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts üblich war. Das Ritzel läuft lediglich durch seine Trägheit beim Anlauf hoch. Aber ein bischen “higtech” ist doch drin, der Anlasser hat anstelle der früher üblichen Feldwicklung (Reihenschlußmotor) einen kräftigen Dauermagneten und somit hinsichtlich Kennlinie die Eigenschaft eines Parallelschlußmotors. Und hier haben die Kumpels von Yamaha wohl im Physikunterricht 10. Klasse geschlafen, denn sonst hätten sie gewußt, daß solch Motor drehzahlstabil ist, das heißt, er läuft mit sehr hohem Drehmoment  bis zu der Drehzahl hoch, bei welcher seine EMK (die im Anker induzierte Gegenspannung) genau so hoch wie die angelegte Batteriespannung ist. Er kann dann nicht mehr schneller drehen, auch nicht wenn man die Last völlig wegnimmt. Im Gegensatz dazu drehen die klassischen Reihenschlußmotore bei Entlastung schnell hoch (manche sogar bis zur Selbstzerstörung).
Eine unvermeidliche Eigenschaft eines Vergasermotors ist doch gelegentliche Startunwilligkeit, sei es daß in der Sonne der Sprit eingedampft ist oder man hat beim warmen Motor ein wenig zu viel gepumpt und er ist “abgesoffen”. Normalerweise kein großes Problem, ein bischen mehr Gas geben und den Anlasser ein paar Sekunden länger nuddeln lassen - - - ja wenn es denn der Anlasser könnte.
Nun hat jeder Verbrennungsmotor beim Durchdrehen auch eine Kompressionsphase und wenn der Kolben wieder runtergeht beschleunigt die Kurbelwelle wieder durch die expandierte Luft. Sie läuft also ein wenig ruckelig und zwar umso mehr,
- je leichter die Schwungscheibe ist, - je größer die Verdichtung ist, - je mehr die Drosselklappe geöffnet ist, - je leichter die Lager drehen.
Der FT- Motor besitzt eine etwas höhere Verdichtung als die Standardausführung, Als er nach ca. 40 Stunden eingefahren war drehte er sehr leicht, meine Batterien waren neu, die Anschlußkabel ideal kurz und so ergibt sich folgender Effekt:
- Der Anlasser dreht innerhalb 0,15 Sek. bis zur vollen Enddrehzahl hoch. Der “kleine” 50 PS Bolide kann ihn da kaum bremsen, die Power würde auch glatt noch für zwölf Zylinder reichen. Kommt der Motor nun über einen Totpunkt, dreht die Schwungscheibe schneller als der Anlasser folgen kann. Das Ritzel fliegt raus, der Anlasser läuft leer weiter und der Motor steht wieder. Der Witz ist, mit halb leerer Batterie oder bei kaltem Wetter passiert das nicht, weil der Anlasser dann bei Belastung nicht so schnell dreht und bei Entlastung gerade noch der Schwungscheibe folgen kann. Das Ritzel bleibt dann gerade noch drin.
Und der Kommentar vom Yamaha Kundendienst : - Konstruktionsfehler  unmöglich aber nicht doch bei Yamaha, -wir haben doch schon tausende Motoren verkauft,  - gehn se mal zu ihrer Werkstatt und lassen se den Motor mal ein bischen nachjustieren. Kurz, sie haben mich nicht für voll genommen. Da kann man wohl wenig ändern, der Ruf von Yamaha ist ja letzendlich ihre eigene Angelegenheit.
 
 Für Konstruktionsfehler gibts eine weitreichende Produkthaftung !!
   - Ein Anlasser am Boot ist kein Komfortpippifax, vor einigen Jahren gab es in der Schweiz einen Unfall mit mehreren Toten, weil der Skipper
     den Motor zu früh abstellte und dann nicht mehr gestartet bekam. Das Boot stürzte über ein Wehr. (war wohl doch hoffentlich kein Yamaha ?)

Da der Anlasser am Ritzel einen (zur Zeit funktionslosen) Freilauf hat, nutze ich das Winterhalbjahr für die Konstruktion eines Halte - bzw. Sperrmagneten der das Ritzel so lange im Eingriff festhält bis man den Schlüssel losläßt. 

Sonstige Verbesserungen:
Für die Saison 2003 sind einige Umbauten geplant:
- Der mittlere Luftkasten ist auf Binnengewässern nicht notwendig, er wird aufgeschnitten und nimmt dann Werkzeug und Haupttank auf,
   auch die beiden 55 Ah Batterien kommen ganz nach vorn in den linken Backskasten. So wird die Masse des Motors besser kompensiert.
- Es gibt ein neues abnehmbares Hardtop Verdeck und eine bis hinten durchgehende neue Fahrpersenning. (Das originale PVC-Verdeck
   ist eine schlampige Fehlkonstruktion, der Schöpfer dieses “Kunstwerkes” hat wohl nur Sonnenschein erlebt.)
- Zusätzliche Benzinpumpe mit elektronischem Verbrauchszähler, der Gummiball kommt dann weg.
- Einbau eines zweiflammigen Propankochers (natürlich mit Zulassung und Abnahme), die Gasflaschen kommen in die Ankerkammer.  

Alle Umbauten wurden bis auf den immer noch nicht funktionierenden Benzinzähler wurden noch vor dem Urlaub realisiert, “Dusti” fährt seitdem auch als Verdränger geradeaus. Nachdem durch die Batterieverlagerung die Kabel 5m länger wurden funktioniert auch der Anlasser etwas besser. 

Das neue Hardtop- Verdeck aus Alu mit den aufgesetzten Scheiben aus Plexiglas und die neue Plane (Kunstoff) bringen ein neues Fahrgefühl vor allem bei Schlechtwetter.
In der Plicht können am Campingtisch vier Erwachsene bequem Frühstücken.
Selbstkostenpreis für Hardtop 320,- Euro,
Persenning mit Gestell 1250,- Euro.

Beachten: die Buglastigkeit wenn kein Skipper an Bord ist nach dem Umbau.

Die beiden 50 Liter Tanks wurden einzeln in den Bilgenraum geschoben und dann miteinander verbunden und durch 2K PUR- Schaum gesichert . vorn rechts kamen noch die beiden 55 Ah Batterien unter so daß der Schwerpunkt des Bootes deutlich Richtung Bug verschoben wurde. Ergebnis, kein lästiges Gieren mehr und in Verdrängerfahrt 1,5 km/h schneller.

am 27.02.2008 bekam ich von einem Sportfreund die nachfolgende Mail, mit der Aufklärung, daß ich einem Irrtum aufgesessen bin und daß es sich bei dem Bootstyp um eine Kopie der ersten Modelle einer “Hellwig Triton” handeln müsse.
Die Ausführung war jedenfalls sehr professionell und die Materialien eindeutig DDR.

Zitat:

Von den kleinen Hellwig Triton haben wohl einige Exemplare noch vor der Wende den Weg in die DDR gefunden.
Hier im Umkreis von Dessau war es recht verbreitet, von allen möglichen Rümpfen Formen zu ziehen.
Das lag wohl daran, dass im Waggonbau Dessau Unmengen an Kunstharzen verarbeitet wurden, von denen
beträchtliche Mengen den Weg in private Garagen fanden. Nebst dem Zubehör wie Glasgewebe und Werkzeuge.

Es gibt da ja auch die sog. "Dessauer Form", deren Fertigung als Konsumgüterproduktion in der Elbewerft Rosslau lief.
Dabei handelte es sich um ein beschlagnahmtes Boot (vermutlich eine Hille), bei welchem man das Oberdeck etwas änderte
und dieses dann abformte. Davon laufen heute noch etwa 10 Stück hier im Revier. Werden beim jährlichen Motorbootrennen als
Streckensicherung und Rückholer eingesetzt.
Selbst diese "offiziell" gefertigten Boote wurden dann wieder abgeformt. Meisst als Zusammenschluss mehrerer Wassersportler,

Dann rechnete sich das auf jeden Fall. Und da wir hier in Dessau die beiden ersten Kunststoffanwendungs-Ingenieure der DDR hatten,
stimmte sozusagen die Infrastruktur. Die beiden Herren haben sich mit ihrem Wissen einen schönen Batzen nebenher verdient.
Leider wanderten zur Wendezeit etliche dieser meisst sehr fachmännisch gefertigten Formen auf's Lagerfeuer. Ein trauriges Ende.