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DRIVING IN INDIA by Peter Weis, Austria
DRIVING
IN INDIA ist ein Crashkurs in Harakiri, ein klares Bekenntnis zur
Reinkarnation, die Streichung des Begriffs „StVO“ aus
deinem
Wortschatz, die Unterwerfung unter das Recht des Stärkeren. Im
folgenden will ich Dir zehn wichtige Grundlagen zum Überleben im
indischen Verkehr näher bringen für den Fall, dass Du
beabsichtigst, in dieses Land zu reisen:
1.
Indische Verkehrsregeln basieren hauptsächlich auf der Grundlage
des KARMA , also des Glaubens, dass das Schicksal des Menschen nach dem
Tode von seinen Taten in seinem vorangegangenen Leben abhänge, was
der indische Fahrer als Aufruf zu einem mutigen und leidenschaftlichen
Fahrstil versteht. Er gibt sein Bestes und vertraut den Leistungen
seiner Versicherungsgesellschaft.
Die
erste Frage, die Du dir stellen solltest, lautet: „FAHRE ICH
LINKS ODER
RECHTS?“ Die Antwort heißt: „Sowohl als auch.“
Grundsätzlich
beginnt man am linken Straßenrand, so lange dieser nicht belegt
ist. In diesem Fall wendet man sich nach rechts, bis diese Seite
ebenfalls dicht ist. Danach nützt man jede freie Lücke aus,
nach dem Muster des Rösselsprungs im Schachspiel. Vertraue einfach
Deinem Instinkt, definiere Dein Fahrziel und gib Gas. Lass Dich niemals
durch Verkehrszeichen ablenken, dies schadet der Konzentration und
verursacht unvorhersehbare Probleme. Die meisten Fahrer
„fahren“ nicht,
sondern peilen mit ihrem Fahrzeug das Fahrziel an. Sei daher nie mutlos
oder unschlüssig, denn den übrigen Verkehrsteilnehmern ergeht
es nicht besser als Dir – es sei denn, sie glauben an die
Wiedergeburt.
2.
Halte niemals vor FUSSGÄNGERÜBERGÄNGEN an, nur weil
einige Erleuchtete meinen, sie könnten die Straße
überqueren. Tust Du es dennoch, dann nur, wenn Du gerne von hinten
gestoßen wirst. Fußgänger haben gelernt, nur dann
überzusetzen, wenn der Verkehr zum Erliegen gekommen ist, weil ein
Minister in der Stadt ist. Wenn dennoch ein Erleuchteter die
Straße überquert, wird den Toten niemand beweinen.
3.
Die Betätigung der HUPE ist in Indien kein Zeichen des Protests
wie in anderen Ländern. Inder hupen aus Freude, Trauer,
Verliebtheit, Frustration, schierer Lust am Klang oder auch, um einer
in der Fahrbahnmitte meditierenden heiligen Kuh zu huldigen.
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| Auszug aus dem
indischen Lehrbuch zur Verkehrserziehung „ Kama Sutra“ |
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We should not
drive in the drinking mood and with the worries of the mind. At the
time of driving, we should not accompany by ladies. If we do it so, it
will create accident.
Sleeping is the cruel Goddess (Yama). It (has taken)
swallowed, the lives of many drivers. When a driver feels that he is
having sleeping, immediately he should stop the vehicle and take rest
before starting from the place.
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| 4.
NACHTFAHRTEN sind in Indien ein atemberaubendes Erlebnis, ähnlich
dem Russischen Roulette, da Du nie weißt, wie viele der
übrigen Verkehrsteilnehmer „geladen“ haben. Was wie
der erste
Schimmer des Sonnenaufgangs am Horizont erscheint, stellt sich zumeist
als Truck heraus, der gerade versucht, seinen Geschwindigkeitsrekord zu
brechen. Kurz vor der Begegnung solltest Du in den neben der
Straße liegenden Acker ausweichen, bis die Erscheinung
vorüber ist. Verzichte auf Warnungen mit der Lichthupe, denn das
einzige Erleuchtete im Truck ist der Fahrer, dessen zerebrale
Funktionen sich nach dem Genuss einer Flasche Arrak beim letzten Halt
gegen Null bewegen. Lastwagenfahrer sind die James Bonds von Indien,
sie haben die Lizenz zum Töten. Oft bemerkst Du einen
mächtigen Lichtkegel einen Meter über dem Boden - das ist
sicher kein modernes Superbike, sondern ein einäugiger Truck.
Meistens ist das rechte Licht kaputt. Es könnte zwar auch das
linke sein, aber vermeide es lieber, Dich zwecks Überprüfung
zu weit zu nähern - Du könntest Deinen Standpunkt vermutlich
nur mehr posthum erklären.
5.
Gelegentlich kommt Dir ein hell erleuchtetes Etwas entgegen, das wie
ein UFO wirkt mit seinen vielfarbigen Blinklichtern und den
fremdartigen Klängen, die aus seinem Inneren an Dein Ohr dringen.
In Wahrheit ist dies ein erleuchteter Bus, voll mit seligen Pilgern,
die ihre Psalme singen. Diese Pilger reisen im Höllentempo, denn
sie suchen den Kontakt zum Allmächtigen. Oftmals gelingt ihnen
dies auch.
6.
AUTORIKSCHA (TUK-TUK): Einstmals aus einer Kollision zwischen Fahrrad
und Kleinwagen hervorgegangenes, vorwiegend als Taxi eingesetztes
dreirädriges Vehikel. Tuk-Tuks transportieren zugleich
Eisenstangen, Gasflaschen und Passagiere im dreifachen Gewicht und
Volumen des Fahrzeugs, auf unberechenbarem Kurs. Nach sorgfältiger
geometrischer und statischer Berechnung werden zusätzlich Kinder
in diese Fahrzeuge geschlichtet und gefaltet, so lange, bis die
äußersten Kinder nicht mehr mit der Karosserie in Verbindung
sind. Danach werden deren Schultaschen zur Erhöhung der
Stabilität der Fuhre in die mikroskopisch kleinen freibleibenden
Lücken gestopft, wodurch Kollisionen mit anderen Fahrzeugen keine
gröberen Schäden am Tuk-Tuk bewirken. Selbstverständlich
zahlen die äußeren Kinder nur den halben Fahrpreis.
Autorikschafahrer benötigen keinen Führerschein, müssen
aber vor Ausfolgung ihrer Lizenz glaubhaft machen, dass sie das
Wagenrennen aus „Ben Hur“ gesehen haben.
7.
Indische MOPEDS sehen aus wie Öldosen auf Rädern und klingen
wie elektrische Rasierapparate. Sie kommen mit einem Esslöffel
Benzin fünfzig Kilometer weit und fahren mit einer Geschwindigkeit
an der Kippgrenze. Da die indischen Straßen meist nur im
mittleren Drittel ihrer Gesamtbreite geteert sind und die
Mopedfahrgestelle das Befahren der holprigen Schotterbankette nicht
erlauben, haben sie die Tendenz, in der Fahrbahnmitte zu reisen.
Aufgrund ihrer niedrigen Geschwindigkeit fahren sie um ein
entgegenkommendes Fahrzeug meist nicht herum, sondern unter diesem
durch, wodurch sie quasi vom Asphalt „gemoppt“ werden.
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8. EINBAHNSTRASSE: diese
Sonderform eines Verkehrsweges wurde von Ministerialräten des
indischen Verkehrsministeriums erfunden, um Leben in ihre wenig
abwechslungsreiche Arbeit zu bringen. Löse Dich von Enge der rein
buchstäblichen Definition und fahre einfach konsequent in einer
Richtung durch. Die metaphysische Definition der Einbahnstraße
stellt nämlich klar, dass Du niemals gleichzeitig in zwei
Richtungen fahren kannst! So fahre einfach wie Du willst, im Retourgang
jedoch nur, wenn es wirklich nicht anders geht.
9. LINIENBUSSE: Da Busfahrer nach der so genannten
Überlast-Formel bezahlt werden ( X Rupien per KG Passagier ),
hängen die Mitfahrer zur Rushhour wie Trauben aus dem Bus. Wenn
Dir ein Bus in einer Kurve entgegenkommt, dessen periphere Passagiere
sich mit ihren Armen an jene Passagiere klammern, deren Hände
wiederum die Trittbretter des Fahrzeuges festhalten, vertraue darauf,
dass aufgrund der durch die Überbeladung immensen Bodenhaftung des
Busses seine Bodenreibungskraft höher ist als die
Zentrifugalkraft. Dennoch ist es ratsam, immer einen Seitenabstand im
Ausmaß von drei Passagierlängen einzuhalten.
10. Wenn Du nach all diesen Erläuterungen immer noch in
Indien Motorradfahren willst, so tu' dies zwischen acht Uhr abends und
elf Uhr vormittags - also wenn die Polizisten nach Hause gegangen sind.
In dieser Zeit kann der indische Bürger den ihm laut Verfassung
garantierten „FREEDOM OF SPEED“ ohne Einschränkungen
genießen. Wenn Du dich an die o.a. zehn Gebote hältst, wirst
Du dein Scherflein dazu beitragen, dass die Verkehrstotenrate in Indien
weiterhin unter jener der USA oder vergleichbar großer
Länder liegt.
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