Gebrauchsgegenstände aus Walknochen, -bein und Zähnen aus der Walfängerzeit
Gebrauchsgegenstände aus Knochen anderer Tierarten
vom 18. bis 20. Jahrhundert (im Aufbau)


Die hier aufgeführten Gegenstände aus der Walfängerzeit sind zumeist Beispiele der Kunstfertigkeit von Seeleuten auf Großseglern des 18./19. Jahrhunderts, die auf weltweiten Fahrten während der Flauten bzw. in ihrer Freizeit Schnitzarbeiten aus Knochen anfertigten. Vor allem auf Walfängern boten sich Knochen und Zähne von Walen sowie Walbarten an, aber auch Zähne von Walrossen, die ebenfalls Jagdbeute waren. Im Gegensatz dazu wurden die Knochenschiffe, Arbeiten kriegsgefangener Seeleute, vornehmlich an Land hergestellt, und das Material bestand entsprechend der Ernährung aus Rinder-, Schaf- oder Schweineknochen; selten wurden besondere Teile oder sogar ganze Schiffe aus Elfenbein gefertigt.
Die aus Knochen bzw. Zahn von Wal oder Walross hergestellten Gegenstände waren vielfältig, sie reichten von reinen Gebrauchsgegenständen (nützlich vor allem auf  den holzarmen Halligen und Nordseeinseln) bis zu künstlerischen Darstellungen.

Aus Walknochen wurden angefertigt: Kirchenstühle, Zäune, Tore (aus Unterkiefern großer Wale), Ziehbrunnen (Pfosten und Schwengel), Scheuerpfähle für Vieh, Türklinken, Türwirbel, Wirtshausschilder ("Zum Schulterblatt"), Marlspieker und Belegnägel (seemännische Werkzeuge), Spazierstöcke, Pfeifenköpfe, Tischler-Streichmaße, Paneele, Korsettstangen,  Zigarettenspitzen, Dosen, Grillenkäfige, Flohfallen, chirurgische Spritzen, sog. Archangelsk-Kästen, Garnwickler, Tundelstöcke (eine Art Klöppelwerkzeug), Wäscheklammern, Rändelrädchen, Dornenstecher für Lochstickerei, Zentimetermaße, Nadelbehälter, Häkelnadeln, Maniküresets, Spielwürfel, Spielsteine, Schreibgeräte, Petschäfte, Löffel, Besen, Kämme.

Aus Walbarten (auch genannt Fischbein) entstanden: Korsettstangen, Sonnen- und Regenschirme, Peitschenstiele, Angelruten, Sprungfedern für Kutschen, Lineale, große und kleine beschnitzte Dosen (Klobbs, Hutschachteln, Haubenschachteln, Schnupftabaksdosen)

Aus Pottwalzähnen machten die Seeleute: Scrimshaw-Arbeiten, Kleinplastiken, Petschäfte

Aus Walrosszähnen: Messergriffe, andere Besteckgriffe, Saumstreicher (Werkzeug des Segelmachers), Stopfpfrieme, Kleinskulpturen. Diese Gegenstände wurden auch mit Scrimshaw-Ritzungen verziert. Zählbretter für Spiele wurden hingegen von den Inuit angefertigt.
Solche Gegenstände können in den meisten Schiffahrtsmuseen sowie in den Heimatmuseen  der Nordsee-Inseln und Halligen besichtigt werden.

Schwer von den Mitbringseln der Seefahrer zu trennen sind mitunter Gegenstände aus dem traditionellen Knochenhandwerk, das seit dem Mittelalter von gewerblichen Knochenschnitzern und Würflern betrieben wurde; auch Laien beteiligten sich an der Herstellung einfacher Gebrauchsgegenstände sowie Spielzeug. Sie alle benutzten hauptsächlich die besonders geeigneten Mittelhand- und -fußknochen vom Rind, seltener Schulterblatt, Rippe, Schienbein, Oberschenkel- und Oberarmknochen, Speiche und Elle. Verwendet wurden aber auch Knochen von Pferd, Ziege, Schaf, Schwein und Geflügel.
Die Produkte waren: Marienfigürchen, Paternosterperlen (Rosenkranz), Spielwürfel, Griffel, Flöten, Petschäfte, Lockpfeifen und Kerbhölzer.
Beispiele hierzu können z.B. im Archäologischen Landesmuseum Konstanz besichtigt werden.

Zu den als Bein bezeichneten Materialien gehören ferner der Zahn des Narwals (im Mittelalter bis zu 100.000 Taler wert), die "Grandeln" des Rothirsches - als "deutsche Perlen" bezeichnete verkümmerte Eckzähne -, die Eckzähne des Hirschebers (ca. 45 cm lang) sowie die Eckzähne des Warzenschweins (ca. 15 cm).

In der Neuzeit arbeiteten die Kunstschnitzer, zu denen Feinschnitzer und Kunstdrechsler gehörten, mit Bein (Knochen) und Elfenbein. Sie galten als Künstler und unterlagen deshalb keinem Zunftzwang.
Sie arbeiteten z.B. im Berchtesgadener Land und verkauften ihre Produkte als "Berchtesgadener Ware", eine andere Gegend, in der Knochen bearbeitet wurde, war das Erzgebirge - allerdings stand im Süden und Osten Deutschlands hauptsächlich die Schnitzerei/Drechslerei aus Holz im Vordergrund.
Die Handwerker stellten her: kunsthandwerkliche Objekte, Nadelbüchsen, Garnspulen, Fingerhüte, Riechbüchsen, Pomadetiegel, Stock- und Schirmgriffe, Falzbeine, Papiermesser, Zahnstocher, Tabakstopfer, Lockpfeifen, Spielwürfel, Sanduhren, Grillenkäfige, Flohfallen, Buckelkratzer, Schreibtäfelchen, Puppenmöbel, Bürsten und Kämme.

Im Gegensatz zur "Knochenarbeit" der Handwerker war das Kunstdrechseln in Elfenbein im 16. bis 18. Jahrhundert vor allem ein Hobby des Adels. Handwerkliche Verarbeitung von Elfenbein gab es in Nürnberg, Geislingen und Dieppe (Frankreich), die sich im Wettbewerb mit Porzellan auch noch im 18. Jahrhundert hielten. 1783 wurde das Elfenbeinhandwerk durch den Grafen Franz I. zu Erbach-Erbach im Odenwald eingeführt. Der handwerklichen Ausbildung war auch ein Unterricht in der Sonntagszeichenschule zugeordnet.
Die Erzeugnisse waren: Dosen, Tafelaufsätze, Prunkschüsseln, Skulpturen,  Schreibgarnituren, Billardkugeln, Schachspiele.

In das 20. Jahrhundert gehören die gezeigten Gegenstände aus Rentierknochen. In den skandinavischen Ländern wurde seitens der Regierungen bereits um 1950 dafür gesorgt, daß die Künstler unter den Samen (Lappen) ihr Können nicht als Massenware für Touristen verschwendeten. Jedes einzelne Stück wurde signiert und in lizensierten Läden (hemslöjd = Sameslöjd) verkauft. Selbstverständlich gibt es auch einfachere Werkstücke, die nicht von den angeschlossenen Künstlern stammen.
Produkte: Messergriffe, Nadelbüchsen 

(Meine Fotosammlung ist im Zusammenhang mit der Recherche für ein Buch entstanden. Für jedes einzelne Stück habe ich die Erlaubnis zur Veröffentlichung eingeholt. Alle Bilder und Texte unterliegen dem copyright.)


Hier eine kleine Liste von Gegenständen aus Bein/Zahn/Walbarten:

Behältnisse:  Zahnstocherbehälter, Archangelsk-Kästen, Dosen, Schachteln für Spielsteine
Schreibgeräte: Schreibfedern, Petschäfte, Visitenkartenbehälter, Brieföffner
Andenken, Scrimshaw: Ritzzeichnungen auf Pottwalzähnen, Walrippen, Reliefporträts
Nähutensilien: Häkelnadeln, Stricknadeln, Garnspulen, Stricknadelschützer, Dornstecher, Nadelbüchsen, Zwingen
Mode: Haarkämme, Fächer, Broschen
Spiel: Zählbretter, Knochenwürfel, Grillenkäfige, Spielsteine, Schachbrettfiguren, Dominosteine, Billardkugeln, Puppenmöbel
Kinder: Schnuller, Beißringe, Rasseln
Mitbringsel: Maniküresets und -teile, Kleinplastiken
Haushaltsgegenstände: Messer, Flohfallen, Tischbesen, Toddy ladles, Spiegel, Sonnenschirme
Instrumente: seemännische, chirurgische
Knochenschiffe
Kunst:
Skulpturen, Pokale, Prunkschüsseln, Contrefaitkugeln

Begriffsbestimmungen zu den Materialien: Walbarten, Zähne, Knochen, Horn und Geweih

Knochenhandwerk an Land

    Handarbeitszubehör und Mode
    Medizinische Instrumente
    Körperpflege und Hygiene
    Spiele
    Anderes


Seemannsarbeiten
   Werkstücke für Schiff und Heim
    Scrimshaw

Arbeiten von Inuit (Eskimo) und Samen (Lappen)

Ostasiatika für den europäischen Markt

Elfenbein