1. Allgemeines
Pflanzen der Gattung Hatiora gehören zu den epiphytischen Kakteen. Hybriden und Sorten davon (Hatiora x graeseri), landläufig als 'Osterkakteen' bezeichnet, sind neben 'Weihnachtskakteen' Schlumbergera-Hybriden), die einzigen Vertreter der Pflanzenfamilie der Kakteen, die im gewerblichen Gartenbau von Bedeutung sind. Sie werden vor allem im Frühjahr in verschiedenen Rottönen blühend in jedem Pflanzengeschäft und in Gartencenter angeboten. Somit sind die Zuchtformen fast in jeder Wohnung und in vielen Büros zu finden. 'Artreine' Hatiora gaertneri und Hatiora rosea wird man sicher nur in Gärtnereien bekommen, die sich der Vermehrung von Kakteen verschrieben haben.
Die Gattung Rhipsalidopsis bestand nur aus zwei Arten und einer Arthybride. Der Osterkaktus - Rhipsalidopsis graeseri - ist eine Hybride der Arten Rhipsalidopsis rosea und Rhipsalidopsis [Epiphyllopsis] gaertneri.  Die Zuchtformen unterscheiden sich im Wesentlichen durch die Farben der Blüten. Heute ist die Pflanzengattung Rhipsalidopsis der Gattung Hatiora zugeordnet.
Die meisten Pflanzen werden sicher von Pflanzenliebhabern auf dem Fensterbrett gepflegt, die einen Osterkaktus (Hatiora x graeseri) auf Grund seiner jährlich wiederkehrenden großen Blütenfülle schätzen. Die Pflege ist bei Beachtung einiger Grundsätze, vor allem in Hydrokultur, unkompliziert.


Welcher Gliederkaktus - Osterkaktus (Hatiora) oder Weihnachtskaktus (Schlumbergera) - auf dem Fensterbrett steht erkennt man leicht an den Blühzeiten und an den Blütenformen.
Der "Osterkaktus" blüht in den Monaten März bis Mai, während die Hauptblütezeit des "Weihnachtskaktus" in Monaten Oktober/November liegt. Die meiste Zeit des Jahres blühen die Pflanzen jedoch nicht. In dieser Zeit sind die Pflanzen auch anhand der Glieder leicht zu identifizieren.

Gliederformen der Gattungen Hatiora und Schlumbergera
Glieder von Hatiora epiphylloides Glieder Hatiora x graeseri
Hatiora
epiphylloides
Hatiora
rosea
Hatiora
x graeseri
Glieder Schlumbergera truncata
Schlumbergera
truncata
Schlumbergera
x buckleyi


2. Vorkommen
 
Die Gattung Hatiora [Rhipsalidopsis] hat nur ein nur ein kleines Verbreitungsgebiet. Als epiphytische Pflanzen wachsen sie, südlich des Äquators, in den Bergwäldern des ostbrasilianischen Küstengebirges in den Astgabeln oder auf der rauen Rinde der Bäume. Oft kommen epiphytische Pflanzen in "Lebensgemeinschaften" mit Bromelien, Tillansien und Flechten vor. Auch in Humusansammlungen auf felsigem Untergrund wachsen Pflanzen der Gattung Hatiora.
3. Beschreibung
 
Hatiora gaertneri
Hatiora rosea
Wuchs
  • aufrecht, später überhängend
  • kleinstrauchig
  • kleinstrauchig, überhängend
Glieder / Phyllokladien
  • grün
  • Größe: 70-80mm lang, 25-30mm breit
  • länglich, elliptisch
  • meist blattartig flach 
  • im Alter borkig werdend 
  • Ränder leicht gekerbt, abgerundet,
  • bei Hybride [Hatiora x graeseri] meist rötlich gefärbt
  • Kanten gelblichweiß borstig bedornt
  • breite, braun beborstete End-Areolen aus denen Neutriebe und Blüten erscheinen
  • grün bis rötlich
  • Größe: 30-35mm lang, am oberen Ende 8-10mm breit
  • drei- bis fünfkantig, flachkeulig, flachelliptisch
  • Rand schwach gekerbt
  • End-Areole schwach beborstet
Blüte
  • 60 - 80 mm Ø
  • trichterförmig, rundsymetrisch
  • scharlachrot
  • Blütenblätter: schmal-lanzettlich, spitz 
  • Griffel ragt über Staubblätter hinaus, 

  • 3-5 spreizende, weiße Narbenäste
  • mehrere Tage haltbar
  • tageszeitabhängige Öffnungs- und Schließbewegungen
  • max. 35 mm Ø
  • trichterförmig rundsymetrisch
  • blassrosafarben bis rosaviolett
  • Blütenblätter: lanzettlich, abgerundete Spitze
  • Griffel ragt über Staubblätter hinaus, 3-5 spreizende, weiße Narbenäste
  • mehrere Tage haltbar, duftend
  • tageszeitabhängige Öffnungs- und Schließbewegungen
  • bis zu 3 Blüten gleichzeitig aus der End-Areole
Bild Blüte
Blühtezeit
  • April - Mai 
  • Mai - Juni
Frucht
  • rötlich, kantig
  • gelbgrün, kantig
4. Pflege / Vermehrung
4.1 Allgemein
 
Standort
  • hell bis halbschattig auf der Fensterbank im Bad, Wohnzimmer, Schlafzimmer u.a. Räume der Wohnung.
  • direkte Sonneneinstrahlung - Mittagssonne - vermeiden, daher kein Standort am Südfenster
  • keine hohe relative Luftfeuchtigkeit erforderlich
Gießen 
und Düngen
  • Epiphyten verlangen auf Grund ihrer natürlichen Standort- und Wachstumsbedingungen eine gleichmäßige Feuchtigkeit im Wurzelbereich.
  • Im November bis Januar und etwa 4 Wochen nach der Blüte weniger gießen, sonst normal mit zimmerwarmen Wasser.
  • Bei Erdkultur kein Wasser im Übertopf oder im Untersetzer stehen lassen.
  • In der Natur entnehmen die Pflanzen dem Humus oder den Tierexkrementen die notwendigen Nährstoffe. Dies sollte beim Düngen beachtet werden. 
  • Der "Kunstdünger" sollte daher etwas nährstoff(stickstoff)reicher sein als der Dünger für andere Kakteen. Der handelsübliche Kakteendünger ist daher nur bedingt geeignet.
  • Besser ist den Dünger für andere Zimmerpflanzen mit der Hälfte der angegeben Dosierung verwenden.
Substrat
  • nährstoffreiche, aufgelockerte Erdmischungen, pH-Wert unter 7, darüber fällt die Verträglichkeit des Substrates für die Pflanze stark ab
  • Einheitsblumenerde, eventuell etwas Sand, Nadel-, Lauberde oder Torf (etwa 1/3) beimischen. 
  • Vorratsdünger, z.B. Hornspäne oder durchfrorener Kuhdung, kann der Erde zugesetzt werden.
  • für Hydrokultur gut geeignet.
Blütenbildung
  • Knospenbildung nach 6-8 Wochen Kultur bei 8 bis 10°C (Winter) und einer anschließenden langsamen Temperaturerhöhung bis 20°C
  • Bei Überwinterungstemperaturen über 15°C werden in der Regel keine Blüten gebildet.
  • Knospen- und Blütenbildung auch im Sommer möglich.
umtopfen
  • aller 3 - 4 Jahre
  • zwischenzeitlich kann auch die oberste Schicht des Substrates durch neue Erde ausgetauscht werden.

4.2 nach Jahreszeiten
 
 
Winter
  • kühl, bei Temperaturen von 8 bis 12°C (Fensterbrett eines weniger geheizten Zimmers). Bei Temperaturen unter 8°C werden häufig die  endständigen Glieder abgeworfen - Ergebnis: keine oder weniger Blüten im Frühjahr.
  • weniger gießen
  • Je kühler der Standort desto wenige Wasser benötigt die Pflanze.
  • Erde nicht austrocknen lassen. 
Frühjahr
  • Nach Beginn der Blütenknospenbildung wieder etwas mehr gießen.
  • Pflanzen nicht mehr drehen. Veränderter Lichteinfall kann zum Verlust der Blütenknospen führen. 
  • Topf daher mit einer Marke versehen. 
  • Im Mai der günstigste Zeitpunkt für eine Vermehrung durch das  Bewurzeln von Sprossglieder.
Sommer
  • ab Mai Kultur auch im Freien, an einem schattigen Standort möglich. 
  • Morgen- und Abendsonne schaden nichts.
  • Prallsonne auf jeden Fall vermeiden. Glieder "verbrennen" dadurch. Derartige Schäden wachsen nicht wieder aus. 
Herbst
  • ab Mitte Oktober, je nach geographische Lage oder Mikroklima früher oder etwas später, Pflanzen wieder auf das Fensterbrett räumen.
  • Pflanzen vorher gründlich mit handwarmen Wasser absprühen.

4.3 Vermehrung
Zur Vermehrung der Pflanzen sollte auf die Bewurzelung von Stecklingen (vegetaive Vermehrung) zurückgegriffen werden. Dazu sind die künftigen Stecklinge aus mehreren ausgereiften Glieder (2-3 Jahre alt) an der dünnsten Stelle von der Mutterpflanze abzuschneiden. Nach dem Abtrocknen der Schnittstelle, ca. 8 Tage, kann der so gewonnene Steckling in ein sandig-humoses Substrat bewurzelt werden. Es empfiehlt sich durch eine Kunstofffolie für gespannte Luft zu sorgen. Bei Temperaturen um 25°C bilden sich innerhalb von 14 Tagen erste Wurzelspitzen. Die Pflanze kann nach drei bis fünf Wochen oder bei Bedarf in einen größeren Topf umgepflanzt werden.
Die Jahreszeit für den Stecklingsschnitt spielt für die spätere Kultur keine wesentliche Rolle. Nur die Bewurzelung dauert bei einem Winterschnitt etwa doppelt so lang als bei einer Vermehrung in den Monaten Mai / Juni.
Es ist auch möglich den gewonnenen Steckling bei Zimmertemperatur (> 20 Grad celsius)direkt in Wasser zu bewurzeln. Auf ein ausreichendes Abtrocknen der Schnittfläche ist unbedingt zu achten. Der Wasserstand im Bewurzelungsbehältnis (nach Möglichkeit lichtundurchlässig) sollte ca. 3 cm betragen. Das Wasser ist regelmäßig, aller 2-3 Tage zu erneuern. Bei einer Weiterkultur in Erde sollten die Wurzeln nicht zu lang wachsen. Auf Grund von Wurzelverletzungen beim Einpflanzen können Bakterien oder Pilze den Vermehrungsversuch scheitern lassen. Bei einer Kultur in Hydro ist Fäulnisgefahr nicht so hoch.
Die neu gezogenen Pflanzen, Hatiora graeseri und Hatiora x gaertneri, blühen schon nach einem Jahr. Bei Hatiora rosea muss etwa zwei Jahre auf die ersten Blüten gewartet werden.
5. Züchtungen im Aufbau, im Aufbau

6. Literatur


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