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Belgien
Belgien benötigte vor allem im Bergbau Arbeitskräfte für den Wiederaufbau der Wirtschaft. Man kam auf die Idee deutsche Kriegsgefangene dafür zu verwenden und da man keine "eigenen" hatte, wandte sich die belgische Regierung an die Briten. Diese stimmten zu und überstellten bis Oktober '45 16.000 meist professionelle deutsche Bergleute an Belgien. Die Gefangenen leisteten in der Provinz Limburg sehr gute Arbeit und die belgische Regierung wurde dadurch ermutigt noch mehr Gefangene anzufordern. Dazu wandte man sich nun an die Amerikaner mit der Bitte nach 30.000 Arbeitern. Diese stimmten ebenfalls zu und übergaben das CCPWE #26 bei Mons (Erbiseul). Nicht übergeben wurden Offiziere, Kriegsverbrecher, nicht Deutsche, Frauen, Männer über 50 Jahre und Arbeitsunfähige. In diesem Lager waren aber nur 3.000 Mann arbeitsfähig und so verlegten die Amerikaner Gefangene aus Italien, USA und anderen westeuropäischen Lagern in das CCPWE #26. Ende September '45 war die Übergabe von 30.000 Mann abgeschlossen aber ca. 11.000 davon konnten nicht im Bergbau arbeiten. Darum wandte man sich nochmals an die Briten mit der Bitte nach weiteren 15.000 Arbeitern. Der Bitte wurde wiederum zugestimmt und damit befanden sich im November '45 insgesamt 64.021 deutsche Kriegsgefangene in belgischem Gewahrsam. 52.150 arbeiteten im Bergbau, 1.617 bei Forstarbeiten 1.560 im Mienenräumdienst.

Lager:
Die Gefangenen wurden meistens in der Nähe der Bergwerke untergebracht. Die Kosten für die Errichtung von Gefangenenlagern wurde oftmals den interessierten Firmen in Rechnung gestellt. Die ersten Lager entstanden im Raum Limburg und später in den südlichen Kohlerevieren Belgiens. Es war der belgischen Regierung wichtig die deutschen Gefangenen so schnell wie möglich in den Bergwerken einzusetzen und da der Bau von Lagern Zeit braucht wurden Anfangs provisorische Zeltlager errichtet.  [Details]

Verpflegung:
Die britischen Armeerationen waren qualitativ gut aber nicht ausreichend angesichts der schweren Arbeit in den Kohlengruben. Ab August '45 ging die Verpflegung in ausschließlich belgische Regie über was neue Engpässe zur Folge hatte. Bis Mitte '46 wurden Kantinen in den Lagern eingerichtet. Ein besonderes Problem stellte das Lager Erbiseul dar. Die meisten Gefangenen in diesem Lager waren nicht arbeitsfähig oder es war keine passende Arbeit für sie vorhanden. Die Verpflegungssätze für nicht-arbeitende Gefangene war geringer und sie erhielten keinen Lohn mit dem sie sich in der Kantine etwas hinzukaufen konnten. Noch im Juni '46 stellte das IKRK in Erbiseul fest, dass bei 21,5% der Kriegsgefangenen die Gewichtsabnahme bedrohliche Formen angenommen hat und katastrophale Entwicklungen nicht auszuschließen seien.

Bekleidung:
Die Gefangenen besaßen nur meist das was sie auf dem Leibe trugen und diese war größtenteils auch noch in einem sehr schlechten Zustand. War jemand besser ausgestattet verlor er es meist bei den "Filzungen" an einen belgischen Wachmann. Ein großes Problem stellte die Versorgung mit Arbeitkleidung dar. Oft wurde an die Bergarbeiter statt Schutzhelme nur Kopfbedeckungen aus geflochtenem lackiertem Stroh ausgegeben. 

Post:
Kriegsgefangene durften pro Monat 2 Briefe (24 Zeilen) und 2 Karten (7 Zeilen) schreiben. Die Post wurde zensiert was auch zur Folge haben konnte das ein Gefangener unter Beobachtung gestellt wurde. Es wer den Gefangenen verboten über Aufenthaltsort und Art der Arbeit zu berichten, Codes zu verwenden oder Kritik an der Gewahrsamsmacht zu üben. Den PW's war völlig unklar welche militärischen Geheimnisse mit der Zensur nach Ende des Krieges geschützt werden sollten.

Gesundheit:
In Belgien war ein hoher Krankenstand zu verzeichnen. Das lag wahrscheinlich vor allem an die schlechte Bekleidung. Anfangs herrschte ein Mangel an Medikamenten, Verband, Spritzen, - es fehlt fast an allem aber 1946 besserte sich die Lage im allgemeinen. Im Lager FO VI Elsenborn war allerdings noch bis Juni '46 kein Krankenrevier vorhanden. Oftmals gingen Kranke ihrer Arbeit nach nur um ihren Lohn nicht zu verlieren. Ein Kranker bekam nämlich nur 30% seines Lohnes während Patienten mit Arbeitunfällen 80% bekamen. Schwer Kranke kamen in das Militärhospital Beverloo bei Leopoldsburg oder in das Militärhospital Charleroi. Kurze Zeit behandelte auch das Hospital in Leuven deutsche Kriegsgefangene. [Tabelle der Todesfälle]

Freizeit:
Auch für die Freizeitgestaltung waren Mittel knapp. Ausreichend Farbe, Sportgeräte, Musikinstrumente oder Papier war nicht vorhanden. Nicht alle konnten oder wollten sich in ihrer Freizeit sportlich, kulturell oder geistig betätigen um die einsamen Stunden zu überwinden und daher war in den Kantinen Bier der meistverkaufte Artikel.

Verhältnis zwischen Gefangenen und Belgiern:
Unmittelbar nach Kriegsende waren die Belgier verständlicherweise antideutsch eingestellt. Daraus resultierte oft Brutalität und Machtmissbrauch von einzelnen belgischen Offizieren und Wachsoldaten. Auch in den Minen gab es regelmäßig Prügeleien. Mit der zivilen Bevölkerung hatten die Gefangenen kaum Kontakt.

Flucht:
Da der Termin der Entlassung ungewiss und die Heimat recht nah war, versuchten 3913 Mann zu fliehen; 2008 erfolgreich. Wiederergriffene wurden hart bestraft und dabei kam es manchmal sogar zu körperlichen Misshandlungen. Als die belgische Regierung im Oktober 1946 bekannt gab das alle Gefangenen 1947 entlassen werden ging die Zahl der Fluchtversuche rapide zurück.

Repatriierung:
Zu Anfang wurden Kranke, Arbeitsunfähige, Kinderreiche, Theologiestudenten und Österreicher entlassen. Das waren im Dezember 2.226 Gefangene, die nicht im Bergwerk arbeiten konnten. Sie wurden an die Amerikaner übergeben und kamen in das CCPWE #18 Jambes (Namur). Im Februar 1946 wurden weitere 6.500 den Amerikanern übergeben und sie kamen in das CCPWE  #15 Croutoy (Attichy). Danach wurden Grubenuntaugliche nicht mehr entlassen sondern wurden für andere Arbeiten eingesetzt. Im Mai und Juni 1946 wurden 2008 Mann entlassen die wegen ihren Verletzungen völlig arbeitsunfähig waren. Danach wurden erst im Februar 1947 wieder Kranke entlassen. Das lag daran, dass die alliierten Behörden die notwendigen Entlassungen blockierten.
Erste Pläne zur Repatriierung aller Kriegsgefangener wurden am 18. März 1946 konkret. Danach sollten die Männer entlassen werden, die ein halbes Jahr lang 85 - 90% der Leistung eines belgischen Kollegen erbringen. Weiterhin sollte den Kriegsgefangenen die Möglichkeit gegeben werden sich als freie Mitarbeiter zu bewerben. Der Plan wurde am 31. Oktober 1946 im Ministerrat Belgiens gebilligt. Trotzdem sah sich die USA veranlasst eine offizielle Note zu verfassen in der Belgien, Frankreich, Luxemburg und die Niederlande aufgefordert wurden die Kriegsgefangenen bis spätestens zum 1. Oktober 1947 zu repatriieren. So wurden dann ein Plan entworfen wonach man in mehreren Phasen die Deutschen entlassen wolle:
1. Phase 15. Mai 1947: 10.000 Bergarbeiter
2. Phase 15. Juni 1947: 7.000 Bergarbeiter und 5.000 Kriegsgefangene mit sonstigen Tätigkeiten
3. Phase 15. Juli 1947: 7.000 Mienensucher und 4.000 sonstige
4. Phase August und September 1947: 4.000 Bergarbeiter und 3.000 sonstige
5. Phase Ende 1974: 3.500 sollten noch bei der Auflösung der Lager behilflich sein und zum Ende des Jahres entlassen werden.
Diese Termine wurden im großen und ganzen von der belgischen Seite eingehalten. Gleichzeitig wurde in großem Maße in Italien um Fremdarbeiter für die belgischen Bergwerke geworben. 

Die deutschen Kriegsgefangenen haben mit ihrer Hilfe zum Wiederaufbau Belgiens einen großen Teil zur Wiedergutmachung beigetragen. Leider ist dieser Aspekt heute unter der belgischen und - weitaus beschämender - deutschen Bevölkerung kaum bekannt.

Dokumente:

Zeichnungen aus verschiedenen Lagern

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