Insgesamt befanden sich 1.065.000 Mann
in französischem Gewahrsam, davon 907.000 Deutsche. Diese Zahl ergibt
sich wie folgt:
- von der französischen Armee gefangengenommen 237.000 Mann
- in
Nordafrika
63.000 Mann
- von Großbritannien
übernommen
25.000 Mann
- von den Vereinigten Staaten
übernommen
740.000 Mann
Wie man sieht stammte der größte Teil der Kriegsgefangenen aus
amerikanischem Gewahrsam. Zur Überstellung einer Ausreichenden Anzahl
Kriegsgefangener als Arbeitskräfte trafen die Franzosen schon am
23.12.1944 eine Übereinkunft mit den Alliierten. Frankreich forderte
1.750.000 Mann und verpflichtete sich gegenüber den Alliierten die
Genfer Konvention einzuhalten. Allerdings wussten die Franzosen so wie
die Amerikaner sehr genau, dass Frankreich gar nicht in der Lage war diese
Masse zu versorgen. Die Amerikaner waren nur erst einmal froh das sie
"ihre" Gefangenen los waren. Im September 1945 setzte wohl ein
Sinneswandel bei den Amerikanern ein denn sie stoppten weitere
Übergaben und forderten angesichts der katastrophalen Ernährungslage
die Rückgabe der Arbeitsunfähigen. Im Oktober 1945 antworteten die
Franzosen das auch die Amerikaner sich nicht ganz an das Abkommen
gehalten haben denn Frankreich erhielt anstelle gesunder Arbeitskräfte
eine nicht geringe Zahl Verwundete, Kranke, Kinder und Greise. Außerdem
hätten sich die Unterernährten und schlecht bekleideten Gefangenen
schon vor der Übergabe in diesem schlechten Zustand befunden [Dokument]
Es wäre falsch zu Behaupten, die schlechte Versorgung der
Kriegsgefangenen in Frankreich wäre durch Rache, Hass oder Vorurteile
entstanden sondern man muss in Betracht ziehen, dass große Teile
Frankreichs zerstört waren und es den Franzosen selbst an allen
möglichen Dingen mangelte. Die französische Regierung war primär mit der
Lösung der Nöte ihrer eigenen Leute, der französischen
Bevölkerung, beschäftigt. Dieses Verhalten liegt leider in der menschlichen
Natur und sorgte nicht selten für unmenschliche Verhältnisse.
Unterbringung:
Die Kriegsgefangenen fand man in Kasernen, in Holz- Stein- oder
Wellblechbaracken, in Weinkellern und Hütten, in unterirdischen Stollen
und Kasematten, in Schulhäusern und ehemaligen Klöstern, Flugzeug- und
Fabrikhallen, Bunkern und Zelten, auf Getreidespeichern, in Reithallen
und Pferdeställen.
Bekleidung:
Auf Jacken, Hosen und Mäntel musste PG (Prisonnier de Guerre)
aufgemalt werden. Verschlissene Kleidung wurde kaum ersetzt und oft
trugen die Gefangenen Monatelang die gleiche Unterwäsche. Zu Anfang
hatten einige nicht einmal Schuhe und mussten Barfuss zur Arbeit gehen.
Sehr gebräuchlich waren Holzschuhe.
Ernährung:
Erst 1947 erachtete das IKRK die Ernährungslage in Frankreich als
normal. In den zwei vorangegangenen Jahren hatten die Gefangenen oft mit
dem Hunger zu kämpfen. Im Oktober 1945 stellten die Amerikaner dem IKRK
kostenlos Lastwagen und Lebensmittel zur Verfügung. Das IKRK musste
dafür 1 französischen Franc pro kg gelieferte Ware verlangen was die
arbeitenden Gefangenen durch Sammlungen bestritten. Ab Weihnachten 1945
durften aus Deutschland Pakete in die Lager geschickt werden. Die
Deutschen hatten aber nichts zu verschicken - sie hungerten
selber.
Gesundheitswesen:
Der Mangel an Verbandsmaterial und Medikamenten sorgte für große
Probleme. Die Ärzte klassifizierten oftmals aus den Augenwinkeln heraus
ob ein Kriegsgefangener Arbeitsfähig war oder nicht. Die häufigsten
Krankheiten waren Kräfteverfall, Unterernährung, Furunkulose,
Lungenentzündung, Ekzeme und Diarrhö.
Freizeit:
Der größte Teil der Kriegsgefangenen lebte in kleinen Arbeitskommandos
und nicht in den Dépôts. Darum konnte eine gemeinsame
Freizeitgestaltung wie in Großbritannien oder den USA nicht entstehen.
Disziplinarwesen:
In Frankreich war die Zahl der Fluchtversuche besonders hoch. Nach
offiziellen Angaben versuchten 171.029 Kriegsgefangene zu fliehen wovon
89.522 wieder gefasst wurden. In Spanien hat man Auffanglager
eingerichtet und sie dann nach Deutschland gebracht. Flüchteten sie in
die Schweiz wurden sie von der Schweizer Regierung wieder an Frankreich
ausgeliefert and ebenso wenn sie in der französischen Besatzungszone
Deutschlands ergriffen wurden. In Frankreich wurden sie dann mit 30
Tagen Arrest bestraft und der Kopf kahlgeschoren. Außerdem brachte
ihnen die Flucht noch eine Verhandlung wegen Diebstahls ein die nicht
selten damit endete, dass der Kriegsgefangene für den Rest seiner
Gefangenschaft kein Geld mehr erhielt. Vereinzelt kam es sogar zu
Misshandlungen oder sie wurden aus der Repatriierungsliste gestrichen.
Auch die verbleibenden Gefangenen hatten unter einer Flucht zu leiden
denn sie wurden kollektiv bestraft.
Repatriierung:
Die Repatriierung der Kriegsgefangenen richtete sich nach den
Forderungen der französischen Wirtschaft und den zur Verfügung
stehenden Transportmitteln.
1945 25.172 Kriegsgefangene
1946
149.945 "
1947
199.215 "
1948
254.056 "
Die Repatriierung wurde über die Lager in Bretzenheim (engl. und
nördl. frz. Besatzungszone), Tuttlingen (amerik. und südl. frz.
Besatzungszone) und Sarralbe/Bebra-Gerstungen (russ. Besatzungszone)
abgewickelt. Bis zum 13 Dezember 1948 waren alle deutschen
Kriegsgefangenen wieder in die Heimat entlassen. Ausgenommen waren
Kriegsverbrecher, Soldaten der SS und der Organisationen die im
Nürnberger Prozess für verbrecherisch erklärt worden waren. Obwohl
die Genfer Konvention in Artikel 6 ausdrücklich betont, dass den
Kriegsgefangenen persönliches Eigentum nicht abgenommen werden darf,
wurde dem generell zuwider gehandelt.