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Die Geschichte des Kriegsgefangenwesens
Die Kriegsgefangenschaft gibt es so lange wie den Krieg und war im Laufe der Geschichte Wandlungen unterlegen. Immer waren es in Feindeshand gefallene Krieger, Militärpersonen oder die Bevölkerung die als Kriegsbeute den totalen Verlust von Freiheit und die Ausnutzung der Arbeitskraft zu ertragen hatten. 

Im Altertum konnte die besiegte Bevölkerung in die Sklaverei überführt werden und konnten wie ein Sache verkauft oder verschenkt werden. Durch Tötung wurde der Kriegsgegner ausgeschaltet und nur die Arbeit in Sklaverei bewahrte ihn davor.

Im Mittelalter führten Adelige die Kriege. Für sie hatten Kriegsgefangene einen wirtschaftlichen Wert indem sie Lösegeld für dessen Freiheit verlangten. Von einem gefangenen Fürsten wurden politische Zugeständnisse erzwungen und gegen das ritterliche Ehrenwort nicht mehr in die Kampfhandlungen einzugreifen wurde dieser freigelassen.

Das setzte sich im 17. und 18. Jahrhundert fort wo Lösegeld und Gefangenenaustausch Gegenstand von Verträgen waren und es kam ideell und rechtlich zur Trennung zwischen Kämpfern und Zivilisten.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde sich um die Lage der Kriegsgefangenen während der Gefangenschaft bemüht.

Durch die allgemeine Wehrpflicht im 19. Jahrhundert und die dadurch entstehenden großen Heere wurde auch die Kriegsgefangenschaft erstmals in dem regional begrenzten deutsch-französischen Krieg von 1870/71 mit insgesamt 400.000 Gefangenen zu einer Massenerscheinung. Um den Gefangenen einen Rechtsstatus zu geben verfasste man 1907 die Haager Landkriegsordnung, in der nach alten Traditionen die Freilassung auf Ehrenwort und das Recht des Gewahrsamstaates, die Gefangenen als Arbeitskräfte zu verwenden, geregelt wurde.

Während des ersten Weltkrieges mit 8.400.000 Gefangenen kam es zu so vielen Verstößen, dass die unzureichende Haager Landkriegsordnung durch die Genfer Kriegsgefangen-Konvention, vom 27. Juli 1929, ergänzt wurde.

Trotzdem war das Schicksal der ca. 35 Millionen Kriegsgefangenen im 2. Weltkrieg schwerer als der im ersten, da er ideologisch und total geführt wurde. Uralte Erscheinungen kamen wieder hervor: der Kriegsgefangene war Beute und Arbeitssklave auf unbestimmte Zeit, er diente zu Repressalien, er wurde wie eine Sache von eine Gewahrsamsmacht an die andere übergeben.

Das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen im 2. Weltkrieg ist in der Weltgeschichte einmalig. Mehr als 11 Millionen Menschen waren rund um den Erdball und ausländischem Gewahrsam verteilt. Diese gigantischen Ausmaße des 2. Weltkrieges, das verschwinden rechtlicher Elemente, das Gefühl völliger Unsicherheit, das Bewusstsein des totalen Ausgeliefertseins, die zumeist lange und nicht absehbare Dauer führten zu einer unerträglichen Steigerung in der Belastung der Kriegsgefangenen. Die strategischen Formen der Einkesselungs- und Vernichtungsschlachten und der völlige Zusammenbruch Deutschlands führten zu den bis dahin unbekannten Ausmaßen in der Organisation des Kriegsgefangenenwesens.

 

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