In den Niederlanden wurde für die Kriegsgefangenen kein Ministerium
oder eine eigene Organisation aufgebaut denn die deutschen Soldaten
verwalteten sich weitestgehend selbst Sie waren ausschließlich mit der Beseitigung von Minen,
Munition und der Demontage von Befestigungsanlagen beschäftigt. Obwohl
die Einheiten hauptsächlich aus Pionieren bestand blieb die Arbeit
dennoch sehr gefährlich. Sie hatten es mit ca. 20 verschiedenen Minen-
und Zünderarten zu tun die teilweise schon sehr lange im Boden lagen.
Die Gefährlichkeit dieser Arbeit bewiest auch die verhältnismäßig
hohe Unfallrate. Bis zum 1. November 1945 hatte die Brigade 162 Tote,
185 Schwer- und 196 Leichtverletzte zu beklagen. Bis zum Oktober 1946,
als die letzten Einheiten wieder nach Deutschland zurückkehrten,
erhöhten sich die Zahlen noch. Über 2 Millionen Minen wurden geräumt
und das Hauptquartier der 6 Army Troops Engeneers, BAOR erklärte
anerkennend: "In all my dealings with Brigade Draeger I have
been impressed with it's efficiency and the co-operation which has been
displayed." (Übersetzung: Bei meiner gesamten Arbeit mit der
Brigade Draeger war ich beeindruckt von Ihrer Leistungsfähigkeit und
der guten Zusammenarbeit mit ihr.)
Unterbringung:
Die Kriegsgefangenen waren in Zelten, Kasernen, Bunkern oder Baracken
untergebracht. Eben alles was sich an Unterkunft anbot. Der Zustand war mancherorts sehr unzulänglich aber alles
in allem erträglich.
Verpflegung:
Die Soldaten verpflegten sich aus Wehrmachtsbeständen z.B. aus
Beständen des Verpflegungsamtes der 25. Armee in Gouda. Nachdem die
Vorräte erschöpft waren übernahmen Britische Dienststellen die
Verpflegung. Die Rationen waren höher als die der deutschen
Zivilbevölkerung zur gleichen Zeit. Die Situation verschlechterte sich als die Kriegsgefangenen in
niederländischen Gewahrsam übergingen.
Bekleidung:
Ausreichend Uniformen oder Arbeitskleidung war nicht vorhanden. Die
Situation wurde besonders schlecht, ebenso wie bei der Verpflegung, als die Kriegsgefangenen in
niederländischen Gewahrsam übergingen und die britische Armee nicht
mehr für die Lieferungen zuständig war.
Postverkehr:
Überraschenderweise funktionierte der Postverkehr schon Ende Mai 1945.
Die Situation verschlechterte sich, als die Kriegsgefangenen in
niederländischen Gewahrsam übergingen, denn die Niederländer
versuchten eine Zensur aufzubauen.
Gesundheitswesen:
Die medizinische Versorgung wird allgemein als gut bezeichnet. In
Bloemendaal bzw. Sterksel (je nach Einsatzort der Brigade) befand sich
ein Lazarett (Sanitätszug 2/331) unter der Leitung von Stabsarzt Dr.
Gaulhofer, einem aus Österreich stammenden Internisten. Zur Seite
standen ihm ein Internist, ein Zahnarzt und 30-40 Sanitäter. Schwer
Verletzte wurden teilweise nach Süchteln in Deutschland oder britische
Hospitäler in Belgien gebracht. Leichtere Fälle wurden in den Lagern
selbst behandelt denn in einigen befanden sich auch Ärzte so wie
Stabsarzt Dr. Allinger in Nistelrode und Unterarzt Dr. Lange in Blerick,
die regelmäßig die anderen Lager besuchten.
Freizeit:
Für eine sinnvolle Beschäftigung in der Freizeit wurde kaum gesorgt.
In manchen Lagern gab es nicht einmal Bücher. Auch Sport wurde kaum
getrieben. In Blerick wurde z.B. der Sportplatz von den Kriegsgefangenen
nicht benutzt weil die Gefahr von Übergriffen durch die
niederländische Zivilbevölkerung zu groß war.
Heimkehr:
"Pionier-Brigade-Draeger"
Diese Brigade wurde nach ihrem Kommandeur, Oberstleutnant Draeger,
bisheriger Pionierführer des LXXXVIII Armee-Korps, benannt. Für die
Aufstellung standen die Pionier-Verbände der 25. Armee zur Verfügung.
Es waren folgende Truppenteile:
Insgesamt hatte die Brigade eine Stärke von 150 Offizieren und 3.244
Unteroffizieren und Mannschaften. Sie waren verteilt auf Lager in
Blerick, Mook, Vlissingen, Insel Schouwen, Oss, Roermond, Bergen op
Zoom, Scheveningen, Hoek van Holland und Bloemandaal. Bis Ende Juni 1945
stellte das I. Kanadische Armee-Korps die Bewachung. Anfang Juli bis
Mitte August 1945 übernahmen britische Einheiten diese Aufgabe. Danach
wurden sie von der "Palesinian Group of the Netherlands"
abgelöst. Während es vorher kaum Probleme zwischen den
Kriegsgefangenen und ihren Bewachern gab, so ereigneten sich nun des
öfteren Zwischenfälle mit den jüdischen Einheiten. Ende September
1945 wurden die jüdischen Bewacher durch niederländische Einheiten
ersetzt.
Pionier-Regiment I unter Hauptmann Katschka
Ende 1945 war die Räumung der Minenfelder größtenteils abgeschlossen
und die gesamte Brigade Draeger wurde nicht mehr gebraucht. So wurde im
Dezember '45 und Januar '46 aus einem Teil der Männer ein neues
Regiment gebildet. Die meisten dieser Männer waren erst im Herbst 1945
aus englischen Lagern in Belgien zur Brigade gekommen genauso wie
Hauptmann Heinrich Katschka der nun das neue Regiment befehligte. Die
Einsatzorte waren fast identisch mit denen der "Brigade
Draeger". Anfang Februar 1946 waren diese: