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Lesen Sie hier die gesamte Lebensgeschichte von Roman Stöcklein

Russische Gefangenschaft

Alles was sie gesehen haben, wurde uns abgenommen. Kompaß, Taschenmesser, Taschenlampe, Uhr, Füller, Zigarettenetui, Benzinfeuerzeug. Es war halb zehn Uhr. Wir mußten zusammen Hand in Hand laufen. Wir kamen runter zu der Ortschaft, die wir zuvor von oben gesehen haben. Da standen die T34 schon wieder startbereit. Die Panzerbesatzung jubelte schon von weitem als sie uns sahen. Als der eine Posten Meldung machte, blieb der andere bei uns stehen. In einem kleinen Häuschen kamen zwei jüdische Offiziere, die perfekt Deutsch sprachen. Sie sagten: “Guten Morgen Kameraden“ - wir wiederholten. Sie schauten uns kurz an und sagten zu mir: “Kommen Sie aus der Schule“. Mein Kamerad war ein paar Jahre älter. Als wir verhört wurden, haben sie auch gefragt, wo wir gekämpft haben, weil wir so verdreckte Uniformen anhaben. An einem Sumpfloch sind wir steckengeblieben und mußten zurück über die kleine Holzbrücke. Das war ein Gedränge bei den Soldaten. Als wir von den Offizieren verhört waren, saßen wir noch eine Zeitlang auf einer Bank. Die ganze Panzerbesatzung kamen und beguckten uns. Als sie sich aus ihren Taschen Zeitungspapier und Machorka ihre Zigaretten drehten und sie mit Dolch und Feuerstein einen Funken schlagen, um ihre Zigaretten anzuzünden, war für uns etwas seltenes. Als sie uns von ihrer Ware anbieten wollten holten wir unsere hunderte Packung mit noch Streichholzschachtel aus unserem Brotbeutel. Daß war Macketender-Ware. Solche Zuteilung gab es alle Monate einmal.

Die zwei Soldaten, die uns gefangen haben, haben im Brotbeutel nicht geschaut. Als wir uns eine ansteckten, mit Streichholz, da haben die Soldaten alle Stilaugen gemacht und haben zueinander gesagt “Barbarossa-Zigarett“. Wir haben dann die Packungen ausgeteilt, mit Streichhölzern, auch die meines Kameraden. Jetzt haben sie uns auf die Schulter geklopft und haben immer gesagt: “Gut Kamerad, gut Kamerad“. Als wir von den Offizieren verabschiedet wurden, haben sie uns gesagt, wir müssen alles wieder gut machen, was wir ver­nichtet haben, dann kommen wir wieder nach Hause. Ein Soldat hat durch die Offiziere die Aufgabe uns beim Batallionskommandeur unversehrt abzuliefern. Durch seine Unterschrift mußte er dies bestätigen. Wir zwei Gefangenen wurde mit je einem Strick an der Hand zusammengefesselt. Während wir durch die brennenden und qualmenden Ortschaften liefen, wurden wir von den Zivilisten und Kindern mit Ruten geschlagen und mit Steinen be­worfen. Der motorisierte Nachschub von Soldaten, auch Frauen, haben uns mit Fäusten ge­droht. Zivilisten haben Fässer auf den Straßen nach vorne gerollt. Als wir bis abends liefen, haben wir das Bataillon nicht erreicht. Wir wurden in der Nacht in einen Keller gesperrt, da war ein Wasser drinnen, daß war kalt. Wir konnten nur auf den oberen Stufen sitzen. Als wir am nächsten Tag, gegen Mittag, beim Bataillonskommandeur ankamen, mußten wir uns vorstellen. Er begrüßte uns mir einem “Guten Tag.“. Der Posten nahm seinen Zettel, legte ihn vor, den er von seinem Kompanieführer bekommen hatte. Durch ein kurzes Gespräch unterschrieb der Batailloner und durch einen Militärgruß verschwand er wieder zu seiner Einheit. Das war der 21.07.44. Hier waren die drei Soldaten, die früh am 20.07.44 nicht mehr zusammenfanden. Sie erzählten uns, daß sie am Ende der Ortschaft von russischen Soldaten geschnappt wurden. Sie wurden auch hier abgeliefert. Wir waren wieder fünf Mann und gingen bis abends. Hier war schon das erste Sammellager, ca. 400 Mann. Der Posten hatte uns durch erbeutete Lebensmittel an einer Stelle Gelegenheit gegeben uns mitzunehmen, was wir konnten. Brot, Butter, Käse, Marmelade, z. T. durch die Hitze schon ranzig und verdorben. Als wir in die Sammellager kamen, und die Kameraden sahen, daß wir mit Lebensmittel bepackt waren, bettelten sie und wir gaben auch. Am nächsten Tagen merkten wir, daß alles knapp ist und es wenig gab. Jetzt hielten wir uns zurück, jeden Tag kamen einige Gefangene dazu.

27.07.1944 Brody

Am 27.07.44 machten wir einen 3-Tage-Marsch nach Brody. Alle zwei Stunden eine kurze Pause. Beim Tag liefen wir nur auf Feldwegen, die Nacht war immer in einem Ort auf der Straße (Dorfplatz). Früh, mittags, abends ein Gläßchen Wasser, Trockenfisch, Trockenbrot. Am zweiten Tag bei senkender Hitze kamen wir an einem Bach - kurze Pause. Da waren sumpfige Wiesen, wir durften nicht stehen, mußten in der Pause sitzen, knien, liegen, damit die Posten Übersicht haben. Ein Posten nahm mir meine Stiefel ab und gab mir seine Schür­schuhe, waren mir zu klein, habe sie halt mitgetragen, war ja Sommer. Wir bitten die Posten an dem Bach Wasser zu holen, die Leute halten den Marsch bis abends nicht durch. Haben es nicht zugelassen, werden sonst krank. In der Sumpfwiese habe ich auch andere im Knien mit der Ferse ein Loch eingedrückt, da hat sich grünliches Wasser angesammelt. Habe es mit der Hand, als Schaufel, bis zum Mund gehoben und geschlürft. Es war nicht viel, aber die Zunge war wieder etwas feucht. Gott-sei-Dank bin ich nicht krank geworden, aber die Posten durften das nicht sehen. Wir wurden mit Wasser so kurz gehalten, daß durch Mattigkeit und Erschöpfung keiner ausreisen konnte, denn die Front war noch nicht allzuweit entfernt. Bei dieser Hitze am Tag wurden wir von unseren Leuten bei jeder Pause aufgeklärt. Nicht liegen, nur sitzen, knien, Hocke. Die das trotzdem machten sind beim Weiterlaufen kurz oder später umgefallen, schwarz vor Augen, liegengeblieben. Es wurden immer einige mitge­nommen, so gut es ging. Aber die doch liegen blieben wurden von dem einen Posten, der hundert bis hundertfünfzig Meter weiter hinten lief erschossen. Jeder Schuß den wir hörten, ein Toter. Bis jetzt waren wir ja noch nicht registriert und gezählt. Sie könnten ja auch an der Front schon gefallen sein oder vermißt. Der dritte Tag das gleiche. Die staubigen Feldwege. Die Nacht wurde wieder in einem Ort verbracht. Abends als wir in Brody ankamen, mußten wir vor dem Zaun stehen. Im Lager war ein großer Brunnen. Das Wasser aus einem dicken Rohr lief immerzu. Die Kameraden haben uns das Wasser durch den Zaun gereicht. Soviel wir wollten und vertragen konnten. Bei manchen war es doch zuviel und wurden dabei krank. Wer bei diesen Strapazen krankt wurde, der hatte keine Hoffnung, daß ihm geholfen wurde. Jeder hat nur für sich gesorgt, wie er am besten durchkommt. Am Abend (29.07.44) wurden wir im eingezäunten Lager nicht mehr aufgenommen und wurden im Keller nebenan, war nur ein paar Stufen tief, eingesperrt. Wir mußten Mann an Mann stehend, wie Heringe, keiner zum Umfallen, die Nacht verbringen. Es waren zwei kleine Fenster mit Gitter vorhanden. Die Wärme und der Sauerstoffmangel hat uns schwer geschadet. Diejenigen, die die Nacht nicht überstanden und zusammensackten wurde auf ihnen rumgetreten und früh wurden sie tot rausgetragen. Die Nacht war nicht lang, sonst wären es noch mehr Tote gewesen. Andere Kameraden waren in einer Scheune untergebracht. Die hatten eine bessere Nacht verbracht. Dadurch mußte auch nur ein Posten Wache halten. Am nächsten Tag wurden wir aufge­nommen und auch gezählt. Es war eine größere eingezäunte Wiese mit einigen großen Bäumen. Auf dem nassen Gras Tag und Nacht gelegen ohne Decken und Zeltplane. Brody war Ende eine Bahnstation. Beim Tag mußten wir Unrat auf den Gleisen auflesen. Hier in diesem Sammellager waren einige erbeutete Feldküchen vorhanden, die für uns Gefangene Suppe kochten.

03.08.44 - Hier wurden wir verladen in Viehwaggons Richtung Kiew. In jedem Waggon wurden 48 - 50 Mann gestoßen. Auf einem Abstellgleis vor Kiew bei senkender Hitze mußten wir ausharren. Viele waren nicht mehr fähig allein aufzustehen und wurde noch auf ihnen herumgetreten. Durchfall, angeschissen, angepinkelt. An der Tür war ein kleines Loch mit schrägen Brett nach außen, wo man sein Geschäft machen konnte. Aus jedem Waggon mußten ein paar Mann bei einem nahegelegenen Brunnen Wasser holen. Es gab immer Trockenbrot und Fisch. Durch die hohe Böschung machten wir eine Kette, um das Wasser vorsichtig zum Waggon hochzubringen, um keinen Tropfen zu verschütten. Kein zweites Mal ging nicht mehr. Einige Posten liefen immer auf dem Dach der Waggons hin und her. Durch die Hitze im Waggon waren wir so schlapp und matt, daß einige bis zur Wiese nicht mehr laufen konnten, und wurden mit Karren dorthin gebracht (Fußballplatz). 07.08.44. Hier wurden wir zu Hundertschaften-Mannschaften je eine erbeutete Feldküche eingeteilt. Der Platz war mit hohen Pappeln, Scheinwerfern und Lautsprechern versehen. In diesen 10 Tagen hatten wir tagsüber heißes Wetter. Einmal in der Nacht gab es ein schweres Ge­witter. Wir waren total durchnäßt. Durch die starke Abkühlung mußten wir frieren. Wir standen auf~ um uns gegenseitig zu wärmen. Durch die Unruhe der Lanzer dachten die Posten wir wollten ausreißen. Durch unsere Dolmetscher wegen der Unruhe haben sich die Posten wieder beruhigt. Durch die heißen Tage habe wir unsere nur Sommerbekleidung wieder trocknen können. In diesen Tagen haben wir einigermaßen zu Essen, Brei, Tee (Kasch), Beuteware bekommen, um den Marsch durch Kiew zu überstehen 16.08.44 - 

Am 16.08.44 früh um vier Uhr Propagandamarsch durch Kiew, und zwar in Zehnerreihen. Über Lautsprecher wurde durchgegeben, daß ca. 18.000 deutsche Kriegsgefangene dabei sind. Es befanden sich im Kiew herum mehrere Sammellager bzw. Sammelstellen, die sich sämtlich an dem Marsch beteiligten. Bis zum Grad Oberst mußten sie alle teilnehmen. Durch Posten und Reiter waren wir bewacht. Die Straße war durch Urin und Kot einer Rutschbahn gleichgestellt. Bei dem Marsch war jeder Soldat ca. 8 Stunden unterwegs. Am 17.08.44 wurden wir in die Arbeitslager um Kiew herum aufgeteilt. Wir gingen dem Fluß Dnjepr, wo er ziemlich breit war, aber nicht allzu tief, außer der Wasserstraße. Zuerst liefen wir knöcheltief im Wasser, als es tiefer wurde, waren Bohlen mit Brettern zusammengenagelt gewesen. Wir mußten langsam und vorsichtig laufen, trotzdem schwappte das Wasser rechts und links hoch über die starken Bohlen. Wo die Bohlen auf Pontons befestigt waren. Fahrzeuge konnten nicht drüberfahren. Als die Wassertiefe weniger wurde waren auch keine Bohlen mehr vorhanden. Wir liefen wieder knöcheltief im Wasser weiter. Bis wir wieder festen Boden hatten. Als wir im Lager Darniza 1 ankamen waren schon Ungarn und Rumänen hier. Alles zusammen ca. 600 Mann. Wir wurden zuerst registriert, Name, Anschrift, Dienstgrad und Waffengattung, haften auf Zeitungspapier oder Pappe geschrieben. Für später war es wichtig, wenn man immer seine gleiche Anschrift, Dienstgrad und Waffengattung angab. Kopfhaare geschnitten, die waren ja so dreckig und fettig, Untersuchungen unterziehen, im Gänsemarsch im freien am Stacheldrahtzaun entlang von einer Ärztin nach Arbeitstauglichkeit. Wir wurden in fünf Kategorien eingestuft. Durch das kneifen am Po und je nach Schlaffe der Haut, wie weit sie sie ziehen konnte, wurden wir eingestuft. Erste und zweite Gruppe mußten 8 Stunden arbeiten, die dritte 4 Stunden und die vierte waren Lagerarbeiter (Baracke saubermachen, Holz und Wasser für die Küche, Ofen heizen für die Küche), die fünfte Gruppe waren Kranke (Distrophie - Todeskanditaten) -solche hatten kaum noch Hoffnung. Außerhalb ging eine Straße vorbei, wo die Russen auf Arbeit gingen - in der Nähe war ein Panzerersatzteil - Fabrik und Lager. Da hatte ich später auch eine Zeitlang gearbeitet. Als die Russen vorbeigingen und uns nackt sähen, rufen sie uns zu nix kultura. In diesem Lager war ein großes Grab angelegt mit Hammer und Sichel. Die Lagerleitung hielt uns vor, Hitler hätte an dem großen Wald hier bei Darniza, wo wir arbeiteten, alle gefangenen russische Offiziere erschossen. Wir müssen das jetzt auch büßen und viel arbeiten im dem Wald. Jahrzehnte später wurde bekannt, daß Stalin polnische Offiziere hier erschossen hat, weil sie gegen Hitler zu wenig Widerstand geleistet haben. Zuerst arbeiteten wir, ca. 150 Mann, in dem großen Wald. Fast alle Bäume wurden in den Hochwald abgesägt, ausgeastet und durch angezeigte Maßen durch den Russen von uns abgeschnitten. Auf Haufen mit Knüppel zusammengetragen, immer für einen Lastzug -alles Handarbeit. Einmal kurz vor Feierabend kam noch ein Lastzug zum Aufladen. Die Posten hatten das verneint. Durch hin und her reden hatte der Fahrer ein Säckchen Machorka gegeben. Durch alle Eile wurde dann geladen. Als es um diese Jahreszeit im Wald schon finster, ist es den Posten nicht recht gewesen. Die wurden schwer bestraft, wenn ein Gefangener flüchtete, aber wo wollte man denn auch hin. Durch alle Eile, durch den Fahrer und Posten ging es schnell. Die schlechten Waldwege, die Wurzel bis zu 20 cm hoch, einmal links einmal rechts da liegt ein Nachläufer bei zu schnellem Fahren gleich um, und so war es auch. Von weitem sahen wir, daß Licht von Fahrzeug brennen. Als wir näher hin kamen, sahen wir, daß er den Nachläufer umgeworfen hat. Glück im Unglück, die Stämme mit den verspannten Seilen waren noch intakt. Der Fahrer hatte schon auf der anderen Seite zwei Seile befestigt. Alle die an den Seilen ziehen konnten, hatten angepackt. Andere waren ganz hinten an den Stämmen. Sogar die Posten halfen wieder mit, die hatten ja mehr Kraft wie wir. Der Fahrer meinte noch, die übrigen sollten bei einem Mann hinten an seinen Hosenboden anpacken und mitheben. Ein paar Mal Hauruck und der Nachläufer stand wieder auf den Rädern. Der Fahrer hat sich freundlich bedankt und sagte ‘Wenn ich wieder komme, bringe ich euch einen Beutel Machorka mit. Als er wieder kam, hatte er sein Wort gehalten, und noch ein paar Laib Brot dazu.

Durch das wenige und die dünne Wassersuppe, haben wir uns mit Eichel und auf Anraten und Tipps eines Posten (Mongole) weiße Blumenwurzel aus der Erde geholt. Durch die Blätter haben wir sie erkannt und gefunden, aber es waren wenige zu finden. Auch dürre Blätter haben wir kleingerieben und geraucht. Es war alles nicht das richtige, aber nur den Hunger nicht so zu spüren. Von 12 bis 13 Uhr war Mittag. Die Posten haben auch jeden Tag ihre Kartoffelsuppe gekocht und ein Stuck Brot dazu. Abwechselnd sind wir immer hinge­gangen und haben nach ihren Kartoffelschalen gebettelt. Der Mongole war der Beste, der hat sie uns immer gegeben. Die anderen haben mit ihren Stiefeln die Asche auf die Kar­toffelschalen gekratzt. Wir steckten sie in eine Blechbüchse, drückten sie oben zu und warfen sie ins Feuer, dürres Holz war ja genug da, und die Posten hatten es uns erlaubt. Unsere Suppe kam auch jeden Tag durch einen Zivilrussen. In zwei Rohöltonnen mit seinem Pony aus der Küche gefahren. Die haben noch in der Nähe von Darniza im Wald in Bunker ge­wohnt. Einige Zeit später merkten wir, daß die Suppe weniger war. Ein Gespräch im Lager (Küche), die zwei Tonnen sind von uns aus ganz voll wie immer. Daraufhin wurde der Russe beobachtet. Er führ jeden Tag an seiner Behausung vorbei und schöpfte ein Teil Suppe aus der Tonne für seine Familie und sein Schwein hat er auch noch mitgefüttert. Darauf wurde er abgelöst und die Tonnen waren wieder voll.

In meiner Brigade waren zwei Unteroffiziere - Anfang September. Einmal erzählten sie uns, sie sind beim Vormarsch hier schon dabei gewesen und kennen die Gegend gut. Durch ihre leichte Verwundung sind sie nach Deutschland gekommen. Die erste Zeit als Ausbilder, dann wieder zur alten Einheit. Sie hatten alle beide das EK 2 gehabt. Jetzt sind sie hier im Kessel mit uns in Gefangenschaft geraten. Sie sagten und dachten einmal, die deutschen Truppen hätten den Russen zurückgeschlagen und sind in der nächsten Ortschaft fast ein Vierteljahr später. Sie dachten wenn sie in der Nacht durch den Wald kommen, sind sie wieder bei deutschen Truppen, war ein großer Irrtum. Einmal mußten sie bewußt austreten und verschwanden hinter dem großen Reißighaufen. Dies wurde sofort dem Posten gemeldet. Die darauffolgende Suche der Posten war vergebens. Wir mußten daraufhin alle ins Lager zurück. Der Wald wurde von den Posten und Hunden umstellt, auch die Zivilisten wurden benachrichtigt. Sie kamen von dem Wald überhaupt nicht mehr hinaus. Wir haben wirklich nichts davon gewußt. Nach drei Tagen wurden sie schließlich doch gefaßt. Abends mußten sie aneinandergekettet vorauslaufen. Unsere Brigade hinterher. Beide waren sehr abgemagert und wurden bei diesem Marsch ins Lager öfters von den Posten geschlagen, daß sie hinfielen. Daheim im Lager wurden sie an einen Stacheldrahtpfosten gebunden, beim Gang zur Latrine mußten wir über den Hof und immer an ihnen vorbeilaufen. Alle Gefangenen hatten die Anweisung bekommen nicht mir ihnen zu reden, Brot oder Wasser zu geben. Ein Posten auf seinem Hochsitz hatte sie genau im Blickfeld. Bei Verstoß wurde sofort auf denjenigen geschossen der sich nicht daran hielt. In der Nacht waren sie hell angestrahlt. Nach 1 1/2 - 2 Tagen fielen sie um und hingen an dem Pfosten. Sie wurden erst weggeschafft, als Verwesungsgeruch eintrat. Das sollte eine Abschreckung für uns alle sein. Sie mußten es grausam mit dem Leben bezahlen. Auf diesen Fall hin wurden wir des öfteren vom Lageroffizier durch eine große Weltkarte in einem Zimmer der Frontverlauf uns geschildert. Einige von uns haben es nicht glauben wollen. Es war aber doch Wirklichkeit. Durch das Ausreißen der beiden Unteroffiziere bekamen wir auf Anordnung des russischen Lagerkommandanten drei Wochen nur halbe Kost. Das war so wenig, daß ich und andere aufgrund der dadurch erfolgten Abmagerung in Arbeitsgruppe drei kamen. Mit vier statt acht Stunden Arbeit täglich. Durch das schreckliche Hungergefühl hatten wir oft Weinkrämpfe. Monatlich wurde eine Entlassung der Kleider vorgenommen. In dieser Zeit hatten wir die Möglichkeit uns zu waschen. Auf meinem Handrücken war der Dreck wie die Schuppen auf den Fischen. Unsere Kleider waren nach der Entlausung so speckig und starr vor Dreck, daß sie so stehen blieben, wie man sie hinstellte. Sie wärmten dadurch auch nicht mehr, wir froren den ganzen Tag. Die eineinhalb Jahre, die ich in diesem Lager Daniza war, lagen wir auf bloßen Holzbohlen, ohne Strohsack, ohne Kissen und ohne Decken. Mit unseren Kleider schliefen und arbeiteten wir. Nur alle vier Wochen zum Zwecke der Entlausung konnten wir sie kurz ausziehen. Die Todeskanditaten mußten wir zu Entlausungsstätte schleppen und sie waschen, obwohl die nach 2 oder 3 Tagen doch starben. Einmal ist es mir passiert, da hat ein Rumäne mir meine Schuh im Schlaf von den Füßen gerissen hat. Als ich aus dem Regal raussprang und ihm nachging, hatte ich kein Glück. In der großen Schlafbaracke, mit dreistöckigen Gestellen und nur eine blau angestrichene Birne. Wenn man in den rumänischen oder ungarischen Territorium kam oder mußte hatte man keinen Anspruch auf irgend etwas, man wurde noch verprügelt. Die hatten ja nur von zerfetzten Autoreifen ihre Schuhsohlen selbst geflickt. Daher hatten sie auch den Namen Schlappenflicker. Früh als wir zur Arbeit mußten, ging ich mit meinem Brigadier zum Lagerkommandanten und sagten ihm den Vorfall. Als alle Arbeitsbrigaden angetreten waren habe ich sie bei einem Rumänen wieder erkannt. Er ist schwer bestraft worden und in Karze gekommen, mit Essensentzug. Als wir am 17.08.44 in das Lager Darniza kamen wurde jedem, der noch etwas an Metall hatte, abgenommen. Da wir zu dieser Zeit jede Brigade noch ganze Kastenbrote bekamen, hatten wir heimlich immer noch etwas zum Schneiden, Erkennungsmarke oder ein Stückchen Blech. Einmal hat der Lagerleiter gesehen, wie wir das Kastenbrot schneiden, da war er böß und zornig und sagte zu uns Deutschen: “Wir würden aus zehn Kochgeschirren einen Panzer machen. Wir wurden unverhofft des öfteren kontrolliert. Wenn jemand erwischt wird, dem ging es nicht gut. Mehr arbeiten und weniger essen. Er sagte: “Jesus hat auch das Brot gebrochen“. Hatten noch viel Angst von den Deutschen.

Anfang November 1944 mußten wir kurzfristig auf dem Häuserbau mithelfen. Es war ein Tag um Rekordarbeiten durch die Russen zu erkunden. Es war ein Arbeiter der am Tag 10.000 Backsteine vermauert, und durch seine Hände gingen. Der Mörtel wurde aufgetragen, alle Steine wurde ihm in die Hand gegeben, er legte sie nur auf den Mörtel auf, gerichtet und die Schnur gespannt machten seine Helfer. Wir hatten nur Mörtel beigeschafft. Ganz in der Nähe hobelten russische Frauen Weißkraut. Die äußeren, teils gefrorenen Blätter der Krautsköpfe, die sie auf den Abfall geworfen hatten, holten wir und aßen sie. Im Lager dann bekamen wir die heiße Abendsuppe, die ich austrank. Kurze Zeit bekam ich unerträglich Magenschmerzen und einen steinharten Bauch. Ich dachte mir platzt der Bauch. Die herbeigeholten Sanitäter massierten und wälzten mich. Nach mehreren Stunden erst trat eine leichte Besserung ein. Danach wurde ich arbeitsunfähig geschrieben. Während des Liegens auf der Krankenstation bekam ich weitere Krankheiten. Malaria, Krätze, Gelb­sucht, Fleckmohne am rechten Bein (Entzündung unter der Haut). In unserem Lager starben im Winter 1944/45 tägliche ein bis zwei Gefangene, an Unterernährung und an Wasser im Körper. Mein Fuß war vom Fußgelenk bis zum Knie feuerrot und hart geschwollen und starken Brennen. Unser Sani hat mich mit kaltem Wasser, etwas später mit Salbe verbunden. Nach längerer Zeit ließ die Spannung nach. Der Verband wurde mit der Zeit immer dunkler und braun. Des öfteren sagte ich zum Sani, er soll mir den Verband mal ab machen. “Ja, Du kommst noch dran‘. Einige Tage später merkte ich, daß es unter dem Verband das Jucken anfängt. Ich habe es ihm wieder gesagt, er gab mir zur Antwort, er hat keine Binden. Weitere Tage vergingen, ich merkte auf einmal das weiße Maden aus dem Verband schlüpfen, jetzt kam er endlich. Der erste Stoff außenrum ging weg, der Stoff innen war so zerfressen von den Maden, daß es lauter kleine Stoßfetzen waren. Mit einer Pinzette mußte er die Stoffreste aus der Wunde holen. Die Maden haben die Haut so zerfressen, daß das rohe Fleisch rausschaute. Durch das Sekret haben sich die Maden ernähren können. Die Narbe sieht man heute noch. Zur gleichen Zeit war ein Kamerad in meinem Regal gelegen. Auch mit vier Mann auf der oberen Etage. Er hatte Schwierigkeiten mit Wasser. Er war Konditormeister in seinem Betrieb aus Halle. Er erzählte immer von seinen Backkünsten. Er war ein stark untersetzter Mann. Er hatte auch nur die Tagesration bekommen wie wir auch. Sein Wasser im Körper nahm immer mehr zu. Er hat auch nur noch gejammert, bis das Herz stillstand. Früh haben wir gemerkt, daß er tot war. Als wir früh unsere Wassersuppe und ein Stückchen Brot bekamen, mußte der Sani immer sein Tablett hochheben und wir nahmen vier Portionen raus. Wir haben die eine Portion zu dritt geteilt. Später als der Sani die Büchse wieder holte, haben wir ihm gesagt, daß wieder einer tot ist. Er ist von Stunde zu Stunde immer dicker geworden. Normalerweise waren die Schwerkranken in der unteren Etage gelegen, aber das war ein nichtvorhergesehener Fall. Ja wie bringen wir ihn von hier oben runter. Alles Kranke und ohne Kraft. Der Sani hatte eine Idee. Er ging in die Küche, holte sich einen Strick. Wir machten eine Schlinge um den Hals, schoben ihn ein Stück von den Regal nach Außen, daß der Sani die Beine greifen konnte und ließen ihn langsam hinunter. Als der Sani das gemeldet hatte, und seine Kleider und Hemd auszog kam auch der Lageroffizier sah ihn und schimpfte auf russisch: “Da seht ihn an, daß rausgefressene Nazischwein“. Durch sein Wasser aufgebläht war er rund wie eine Kugel. Mit seinen Stiefel trat er ihn, daß er sich einmal umwälzte. Zum Sani sagte er: “Viel zu viel Essen bekommen, die Nichtstuer“. Dies war im Januar 1945. Weihnachten 1944 hatte der Sani einen Tannenzweig auf ein Tischchen mit Kerzchen gestellt. Kam er auch rein sah es, hat mit seinen Stiefel das Tischchen umgetreten und gerufen: ‘Nazi- Christ“. Er war sehr gefürchtet. Man ging ihn aus dem Weg wo es nur ging. Als ich in der Krankenstation meine Krankheit einigermaßen überstanden habe, wurde ich 1945 Anfang März entlassen. Zuerst war ich noch krankgeschrieben. Bei der nächsten Untersuchung wurde ich in Gruppe 3 mit vier Stunden am Tag zugeordnet. Neben dem Arbeitslager war eine kleine Brotbackstube fürs Lager. Hier war ein kleiner Platz wo wir Dachschindeln auf einem Holzbock schneiden mußten. Auch Nägel gerade klopfen. In der Brotstube war ein Kamerad der zuvor im Wald in meiner Brigade gearbeitet hatte. Er hatte Glück als Bäckermeister in diese Backstube zu kommen. Da ich nebenan gearbeitet habe, hatte er mich und andere immer etwas zugesteckt. Abfallbrot und auch Suppe. Waren ja nur vier Mann. Anfang Mai 1945 - Ende des Krieges - kam ein Güterzug auf der ein­gleisigen Schiene, die zum Panzerwerk führte mit 10 - 12 Waggons, beladen mit Beuteware. Unser Gefangenenlager war gegenüber der Hauptstraße. Wir wurden von unserem Arbeits­platz weggeholt und noch andere im Lager umherlaufende, die Waggons auszuladen. Alle Waggons waren voll mit Hausrat gestopft (Teller, Löffel, Gläser, Spielzeug, Tische, Stühle, Schränke, Sofa, Betten, große Uhren, Schmuck, Räder, Motorräder, Kleider und vieles mehr). Für jeden Waggon wurden ein paar Mann eingeteilt. Als die Türen alle aufgemacht wurden, sahen wir, daß ein paar Wagen voll lauter kleines Zeug ist. Die großen und nicht zerbrechlichen Sachen war bald leer. Als wir alle bei den kleinen Sachen halfen, sie auf den Boden legten, war selten was kaputt. Unverhofft kam ein Offizier und schreit, weil ein paar Waggons nicht fertig waren. Wir haben es Hand in Hand auf dem Lagerplatz gelegt um nichts kaputt zu machen. Er ging auf in den Waggon und hat mit seinen Stiefeln an der Tür liegendes zerbrechliches Geschirr hinausgeworfen. Was noch in den Ecken drinnen war, schrie er wieder auf russisch seine Fluchwörter. Alles raus, schnell, schnell, dawei, dawei, Robote" Wir sagten zu ihm: “Warum bringt ihr die Ware darüber, wenn es da so kaputt gemacht wird. Hättet es doch in Breslau gelassen“. Er schrie: “Ich brauche die leeren Waggons sofort“. Wenn wir das gewußt hätten wären die Waggons auch leer. Frauen gingen von der Arbeit heim, die haben nur den Kopf geschüttelt. Als die Waggons ausgeladen waren, haben wir am alten Platz wieder die Arbeit aufgenommen.

Ende Mai 1945 kamen wir Gruppe 3 mit ca. 30 Mann auf Kolchose um zu arbeiten. Es war östlich Kiew Richtung Scharkov. Zuerst arbeiteten wir mit je fünf Mann und Sense das Gras ab. Die übrigen haben gewendet und zusammengerecht, daß waren riesige Flächen. Die Ponys die wir hatten, sind auf der Wiese rumgelaufen. An den vorderen Füßen, an den Fesseln, waren sie zusammengebunden und sind nur gehüpft, um nicht wegzulaufen. Wenn wir sie brauchten kam der Strick weg. Als Unterkunft haben wir im Freien aus Heu ein Zelt gemacht. Am Abend haben wir immer ein kleines Feuer gemacht wegen Schnaken, Mücken und sonst. Ungeziefer. Das trockene Heu war auf kleinen Häufchen mit Seilen wurden sie mit den Pony auf einen großen Heuhaufen gezogen. Je ein Mann stellt sich hinten auf das Seil, und drückte mit der Hand auf das Heu. Der zweite Mann führte das Pony. Es wurde ein riesiggroßer Heuhaufen. Wir hatten auch sehr schönes und heißes Wetter. Wir haben gewußt, daß in Kiew deutsche Landmaschine stehen, aller Art. Wir haben den Kolchosevorsteher gefragt, ob wir so eine solche Mähmaschine holen dürfen. Durch viel Zureden hat der Russe von der Kolchose und von uns ein Brigadier mit einen kleinen Liefer­wagen einen Grasmäher gebracht. Wir haben drei Ponys remgespannt und haben in einer Stunde mehr geschnitten als wir mit 15 Mann den ganzen Tag, da haben die alten Männer und Frauen Augen gemacht. Später haben wir Tomaten, gelbe und rote Rüben geerntet. Frauen haben sie gepflückt. Wir haben die Kisten transportiert. September mußten wir Kartoffeln ernten. Der Posten hatte mit einen Zirkel die Fläche abgemessen, je nach Arbeits­kraft, um die Norm zu erfüllen. Wagen, Körbe, Säcke waren da, aber nur drei Zinkenspaten. Wir sagten zu ihm, wir brauchen mehr Haken. Er sagte, er hat nicht mehr. Wir fingen an mit 3 Mann mit dem Spaten rauszustechen und weitere 3 Männer lesen auf und dies immer abwechselnd bis Abends. Wir hatten die Hälfte Fläche geerntet, als was er uns abgezirkelt hat. Als er kam und sah es, sagte er: “Blocher-Robote“ (Schlechte Arbeit). Daraufhin haben wir nur 70 % erhalten, daß war uns egal, wir konnten uns ja genug organisieren. Wir sagten wieder, wir brauchten mehr Haken. Antwort, er hat keine. Es war aber auch an Geräte nichts da. Am zweiten Tag haben wir das rausgebracht, war wir am ersten Tag fertigbringen mußten. Am Abend sagte er, wenn wir morgen nicht besser arbeiten, müssen wir ins Lager und er holt sich andere. Am dritten Tag maß er das gleiche Stück wieder ab. Wir wußten durch die Frauen, daß sie auch Kartoffel ernten mußten. Mit denen wir beim Tomaten­pflücken zusammen waren. Am Vormittag, so um 11 Uhr sagte unser Brigadier, er geht mal durch den nahegelegenen durchsichtigen Wäldchen. Als er kam sagte er die Frauen hat er angetroffen und gesehen, wie man einfach und primitiv Kartoffel ernten kann. Wir mußten uns je zwei Reihen nehmen, daß Kraut rausziehen, die Kartoffel in den Korb werfen, die noch vom Loch rausschauten wurden noch mitgenommen, daß Loch etwas durch nachrutschen wieder zugeschleift. Wir gingen alle gar nicht in die Reihen rein. Die übrigen fingen oben nach unten an. Wir waren schon kurz nach 15 Uhr fertig. Das waren aber nicht viel mehr Kartoffeln, die wir in Säcke hatten, danach hat er gar nicht geschaut und interessiert. Es war aber wirklich schöner schwarzer sandiger Boden für Kartoffeln. Er hatte seine Freude und sagte, wir hätten doch Angst gehabt ins Lager zu kommen. Wir haben uns erkundigt, warum das so gemacht wird. Die Frauen sagten, wenn wir auf einen nichtabgeernteten Feld was holen und sieht es jemand und werden angezeigt, kommt der Familienvater nach Sibirien als Strafarbeiter, aber soweit käme es gar nicht, weil die Führenden und Natschaniks auch mit darunter stecken. Am nächsten Tag waren schon die Frauen und Kinder da zum rausbuddeln. Zuletzt haben wir noch einige Tage auf Sumpfwiesen gearbeitet. Da gab es Frösche und andere kleine Wassertiere. Barfüß haben wir Schilfrohr abgeschnitten, rausge­tragen auf Büschel zusammengebunden. Anfang Oktober als wir ins Lager zurückkamen mußten wir an verschiedenen Stelle arbeiten, wieder Waldkommando, Bau, Panzerersatz­teilfabrik, teilweise auch arbeitsunfähig durch kleine Unfälle.

Von Kiew wurden mehrere große Industriemaschinen hier in die Fabrik gebracht. Die Dreh­bänke mußten mit langen Schrauben in den Boden einzementiert werden, die Löcher waren nicht so groß, daß man die langen Schrauben in die Maschine stecken konnte. Es wurde mit zwei Eisenstangen die Drehbank etwas hochgehieft, daß ich die Schrauben mit der Hand von unten in das Loch der Maschine einführen konnte. Einmal ist es dann passiert, daß die Eisenstangen abrutschten und sackte ab. Ich mit meiner Hand und Schraube im Loch zum Einführen in die Maschine hatte dabei meine rechte Hand etwas gequetscht. Es war sogar eine kleine Operation nötig, daß die Wunde nicht zu schnell zuheilt In diesem Lager waren wir Deutsche immer die Unterdrückten. Einmal durch den Krieg, wir hätten die Ungarn und Rumänen mit rein gezogen. Sie haben immer die besten Arbeitsbedingungen gehabt. Wo was zu organisieren war. Bei den Untersuchungen harte die Ärztin festgestellt, daß die Ungarn und Rumänen besser aussehen und kräftiger sind als wir Deutsche. Durch ihre Umfrage im Lager wurde bekannt, daß in der Küche der Chef ein Ungar, und in den Arbeitsbrigaden ein Rumäne ist. Der machte auch die Einteilung, wo jede Brigade arbeiten mußte. Nur die Lagerleitung bestimmte, wieviel Mann auf jeder Baustelle oder Arbeitsplatz sein müssen. Wenn die Lagerleitung einzelne Handwerker und Spezialisten jeglicher Art suchte, hat der Rumäne seine oder die Ungarn gefragt. Wir Deutsche wurden erst gar nicht gefragt. Mit der Zeit haben die Russen festgestellt, daß das keine so guten Handwerker sind, wie sie sich ausweisen. Darauf hin haben die Natschanik von Lager die deutschen Brigadiere gefragt wenn sie Hand­werker suchten. Als sie merkten und sahen, daß sich die Deutschen als Meister zu ihrem Berufsstand meldeten, hatten die Ungarn und Rumänen keine Chance mehr. Ein deutscher Meister und Spezialist kann seine Arbeit und macht sie auch richtig. Zu dieser Zeit waren wir besser angesehen und die Hamsterei der Ungarn und Rumänen war vorbei. Die Ärztin hatte auch festgestellt, daß die Deutschen mehr krank sind und sterben. Außer der vier Monate Kolchosezeit war das Lager Daniza ein KZ-Ähnliches Verhältnis. Schläge, Schläge und noch­mals Schläge von dem rumänischen Brigadier, er hatte immer eine Gummirute in der Hand hauptsächlich bei der Essenszeit. Durch ihn mußte ich mal acht Tage in die Karze. Ich ging zu ihm und sagte bei der Essensausgabe hat ein Rumäne mir meine Portion Brot weggenommen. Dieser hat es verneint und zu ihm gesagt, ich hätte ihn sein Brot wegge­nommen. Trotzdem glaubte er seinen Landsmann mehr als wie mir. Ich hatte auch Kameraden, die das gesehen haben. Ich ging mit meinen Kameraden und Brigadier zum Lageroffizier und sagte ihm den Vorfall. Er ließ den rumänischen Brigadier und seinen Landsmann kommen, um diesen Fall zu klären. Es stellte sich heraus, daß beide gelogen haben. Jetzt mußte der Rumäne auch mit mir in die Karze gehen. In diesen paar Tagen mit ihm, ging es mir sehr gut. Wir mußten im Lager kleine Arbeiten verrichten. Bei den Mahlzeiten in dem Essraum saßen wir beide in einer Ecke und der rumänische Brigadier brachte uns die Suppe und das Brot. Es war das Doppelte wie normal. Er fragte auch noch: “Wollt ihr noch mehr?“. Wir lehnten das natürlich nicht ab und sagten ja. Hier hatte er seine guten Seiten gezeigt, auch weil ein Landsmann von ihm dabei war.

1946 - Im Februar kamen wir hier weg, nach Kiew ins Bunkerlager. Der Name, weil es lauter Bunker halb in der Erde waren. Von da aus wurden wieder neue Brigaden zusammengestellt. Alte und Kranke blieben hier, oder kamen heim. In den gut zwei Wochen haben wir auch jeden Tag arbeiten müssen. Aber immer an verschiedenen Stellen. Diese Zeit war es sehr kalt. Einmal früh gingen wir auch zu einer Baustelle. Sehr starker Gegenwind. Schneeflocken, große, massig, so wie es bei uns überhaupt nicht vorkommt. Der Schnee kam gar nicht auf dem Boden zu liegen. Nach einer halben Stunde haben wir den Bau erreicht. Der noch ohne Fenster und Türen war. Wir sollten da Außenarbeiten verrichten, daß war nicht möglich. Jetzt mußten wir den Schnee im Haus raustragen. Durch den starken Wind und Schneefall hatte sich dieser in dem Rohbau verfangen. Was wir mit den Tragen rausbrachten, wurde wieder reingeblasen. Den ganzen Tag hat es geschneit, nur der Wind ließ nach. Wir waren lauter Schnellmänner, daß wäre ein Fotobild wert gewesen. Uns hat es gefroren. Diese Tagesarbeit war umsonst, aber wir waren vom Lager weg. Wiedereinmal ein Beispiel. In den Bunker war es so muffig und warm, da hier schon Strohsäcke waren, konnten wir in der Nacht die Steppjacke und Hose ausziehen und etwas trocknen. 

Sägewerk - Lager 8: Hier waren wieder alle 3 Nationen beieinander. Das Sägewerk war wie eine Insel. Vom Fluß Dnjepr ging ein Wasserarm um das Sägewerk, wo die Holzflöße kamen. Hier wurden sie mit Seilen an Land gezogen, und je nach Durchmesser gestapelt. Auch eine eingleisige Bahn ging über den Fluß, wo mit Waggons Holz gebracht wurde. Es wurde immer nach Feierabend oder am Sonntag ausgeladen. Die jedesmal 8 - 10 Waggons wurden je 10 Mann eingesetzt. Wir Deutschen waren immer vollzählig dabei. Was noch fehlte, waren die Ungarn und Rumänen. So wie wir in Fünferreihen vom Lager ca. 100 Mann zu den Waggon kamen, wurden die ersten 10 den ersten Waggon zugeteilt, die nächsten 10 dem zweiten usw. Die Waggons waren unterschiedlich, manche mit Rungen, andere nicht. Es war öfters der Fall, daß bei den Kastenwaggon die dicksten Stämme unten lagen. Bei solchen brauchte man gleich eine halbe Stunde länger. Wer seinen Waggon leer harte, konnte ins Lager zurück. Wir hatten mal einen Waggon, da waren noch zwei große Stämme drinnen und brachten sie nicht hoch. Wir sagten zu den Posten: “Die lassen wir liegen“. Sie gingen selbst in den Waggon und sagten: “Das dürfen wir nicht, die Stämme sind alle gezählt.“ Sie packten jetzt selbst mit an und schimpften dazu. Bei den Tauglichkeitsuntersuchungen der Arztin wurde das gleiche festgestellt, wie bereits im Lager Daniza, daß die Deutschen schlechter ausschauen, als die Ungarn und Rumänen. Wir wurden von ihr gefragt und sagten: “Zusätz­liche Arbeit immer die Deutschen, beim Essensempfang nur das Wasser von oben aus dem Holzbottich.“ Bei den Suppenschalter meldete jeder Brigadier seine Gruppe an. Kommen ihre eigenen Leute, werden die Bottiche gleich gewechselt, wo schon das dünne Wasser abge­schöpft war. Man hörte es schon beim Reinplatschen in den Eßtopf. Ansonsten mußten wir alle paar Wochen in unserer Holzbaracke / Holzregal mit Harzspänen Wanzen vernichten. Einmal hatte ein Mann gefehlt im Lager. Die Posten und wir, keiner wußte etwas davon. Abend beim zählen war er noch da, früh nicht mehr. Die Posten waren empört. Alle Suche im Lager war vergebens. Hinter der Küche und unserer Schlafbaracke war ein kleiner Wasch­platz nebenan die Latrine, beides primitiv überdacht. An der Latrine war nur eine Stange be­festigt zum draufsetzen. Einige Gefangene kamen auf die Idee, ob er nicht rückwärts hier reingefallen ist. Mit einer Latte haben sie dann alles abgestoßen und tatsächlich haben sie einen Mann gefunden. Es war ein Rumäne. Das Loch war aber ganz voll. Die russischen Posten waren dadurch erleichtert. Im August 1946 durften wir eine Rot-Kreuz-Karte schreiben mit 25 Wörtern. Alle Gefangenen haben von zu Hause aber keine Post erhalten. In dem Sägewerk waren große und tiefe Granat- und Bombentrichter gewesen. Das Feld wurde auch noch nicht angebaut. Da sind massenweise Melde und Brennnessel gewachsen. Wir fragten die Lagerleitung, ob wir da Blätter abrupfen dürfen, für die Küche, für in die Suppe, damit diese etwas dicker und sämiger wurde. Durch die Einwilligung der Arztin durften wir jeden Tag ein Säckchen voll abgezupfte Blätter holen. Abwechselnd immer ein paar Mann. Sie mußten immer frisch sein. Nur das Salz ist bei den Russen immer knapp ge­wesen. In den Hallen wurden die Bretter gleich verarbeitet. Latten, Leisten alle Größen. Die Balken wurden gleich weggefahren zum Bauen. In den Hallen wurde in zwei Schichten gearbeitet. Da waren die Ungarn und Rumänen beschäftigt. Ich arbeitete in diesem Sägewerk als Bretterfahrer. Im November 1946 erlitt ich einen Unfall. Ich stand auf der Lore und mußte mit einem Knüppel auf jeder Drehscheibe abbremsen. Bei der einen Drehscheibe waren die Schienen nicht parallel aufeinander abgestimmt. Auf dieser Drehscheibe mußte ich jedesmal ganz anhalten. Durch den Schnee und den Frost waren die Schienen glatt. Außerdem wurden bei dieser Schicht 8-Meter lange Balken geschnitten. Die Lore dadurch überladen und hat gewippt. Die Räder standen wohl still, die Lore rutschte auf den glatten Schienen weiter und entgleiste. Ich geriet mit meinem linken Bein in den Rahmen der Lore, die Bretter fielen herunter, genau auf die Seite, auf der ich stand. Sie fielen auf mein linkes Bein und Hüfte, dadurch wurde ich eingeklemmt und konnte mich nicht allein befreien. Auch mein Mitarbeiter konnte mir nicht allein helfen und holte andere Kameraden zur Hilfe. Sie räumten fast alle Bretter weg, bis sie mich schließlich befreien konnten. Sie trugen mich ins Krankenlager, wo ich bis Mitte Februar 1947 lag. Es wurde festgestellt, daß ich einen starken Bluterguß vom Knie bis zur Hüfte, auch Prellungen und Quetschungen erlitten hatte. Ich bekam nur kalte Umschläge. Durch das lange Liegen bekam ich außerdem starken Schüttelfrost. Mitte Februar 1947 mußte ich anderen Kranken weichen, obwohl ich noch nicht auskuriert war. Mit zwei selbstgemachten Stecken als Krücken bewegte ich mich in der Baracke notdürftig weiter. Anfang März erfolgte wieder ein Überprüfung der Arbeitstauglichkeit. Neben dem Lager waren große Haufen Leisten gelagert. Die zu Pyramiden aufgestapelt werden mußten, zwecks trocknen. Ich selbst wurde von der russischen Ärztin zu noch keiner Arbeit eingeteilt. Trotzdem wurde ich und auch andere Gehbehinderte von dem Lagerkommandanten zu dieser Arbeit herangezogen. Ich hatte keine Schuhe sondern nur Fußlappen an den Füßen. Zudem lag noch Schnee. Da wir bei diesen Aufstapeln der Leisten nicht laufen mußten, sondern nur standen, erfror ich auch noch meinen linken Fuß und Zehen. Darunter leide ich auch heute noch. Die Rumänen haben aus alte Gummireifen Schlappen gefertigt. Die man mit Fußlappen tragen konnte. Viele von ihnen haben solche getragen. Im Frühjahr wurde ich dann in Arbeits­gruppe 3 eingestuft. Backsteine abklopfen, Sägemehl auf Seite räumen, Bretter aufräumen. Im Sommer mußte ich wieder voll arbeiten als Bretterfahrer. 

1947 - Ende September kamen wir wieder ins Bunkerlager nach Kiew, dachten wir kommen nach Hause. Hier wurde wieder ein Transport zusammengestellt. Junge und Arbeitsfähige kamen mit einem Güterzug nach Stalino, bei Odessa am Schwarzen Meer. Die Ungarn und Rumänen durften nach Hause. Jetzt waren wir nur noch Deutsche. Im Lager Darniza und Kiew Lager 8 waren wir immer zusammen. Wurden durch diese benachteiligt in der Arbeit und im Essen, wie schon des öftern erwähnt. Auf der Fahrt von Stalino haben wir auf einem Güterbahnhof längeren Aufenthalt und haben durch die kleinen Luken vom Waggon gesehen, wie die Russen Weizen im Freien mit Förderbändern haushoch lagerten. Durch unsere Befragung, was mit diesen großen Weizenhaufen in der Vorwinterzeit noch geschieht, wurde gesagt, der bleibt überm Winter so liegen ohne abzudecken. Bis zu 10 cm ist kaputt, daß andere in gut. Das Abdecken macht zu viel Arbeit und die vielen Planen haben auch gefehlt. Das ist Planwirtschaft und wir haben nichts zu Essen und auch die Russen nicht. Als wir in Stalino ankamen und in ein Lager gebracht wurden, haben wir schon Zwei-Mann-Bettgestell, mit Strohsack und Decke. Einmal am Tag, früh, bekamen wir auch ein Glas Tee. Als wir jedesmal von der Schicht ins Lager kamen, konnten wir duschen und waschen und harten auch eine zweite Garnitur anzuziehen. Die tägliche Suppe und das trockene Brot war immer noch das gleiche. Wer wollte konnte sich auch fotografieren lassen. Aber die paar Bilder die ich und andere hatten wurden uns bei der Heimkehr in Brest und Frankfurt/Oder wieder abgenommen. Manche hatten Glück, die was in ihrer Mütze/Pelzkappe eingenäht hatten. Hier wurden wir beides Mal untersucht wegen Gruppe SS. Ein paar wurden erkannt und mußten wieder zurück.

Bergwerk Stalino - Zuerst arbeitete ich in der Grube 70. Das war eine sehr gute und harte Kohle. Da hat man sich in den großen Brocken spiegeln können, wenn man seine Grubenlampe ausgedreht hatte. Sie wurde in Stahlwerke, Eisengießerei und zu besten Bedingungen verwendet. Die Höhe der Kohle war so niedrig, daß wir nur auf den Knien und ganz ge­bückt arbeiten konnten. Das war reine Handarbeit mit Pickel, Stemmeisen und Schaufel. Wir hatten ganze undurchlässige Wasseranzüge angehabt. Das Wasser kam laufend von der Decke gerieselt. Nach kurzer Zeit wurde die Förderung der Kohle eingestellt. Hat sich wegen der kleinen Menge nicht gelohnt. Waren auch sehr froh, daß war wirklich Sträflingsarbeit. Der Name 70, weil die Kohle nur 70 cm hoch war.

Grube 41 - Ich kam dann in den Schacht 41. Altes Loch - aber trocken. Da haben wir die Strecke verlängert. Das gesprengte Gestein wurde auf die Loren geschaufelt und drei bis vier Loren wurden mit einem Pony zum Sammelplatz gezogen. Hier wurden sie in größere Waggons gekippt und nach oben befördert. So ein Pony kam überhaupt nicht aus der Grube, bis es nicht mehr arbeitsfähig war. Es hat eine Grubenlampe am Hals hängen und ein Glöckchen, daß man hören konnte, daß gezogene Lore kommen. Zwischen den Schienen lief das Pony die Strecke ab. Die Strecke war immer die gleiche. Wir stellten uns hinten und zwischen auf den Loren und fuhren mit. In dieser Grube mußten wir bei jeder Schicht runter und rauf zu Fuß gehen.

Schacht 22 - Ende Januar kam ich in Schacht 22, daß war der größte in der Gegend. Eine Grube mit der Nr. 18, da war ich aber nicht. Im Schacht 22 haben wir in der fünften Sohle gearbeitet. Die sechste wurde auch schon angefangen. Alois Weigand aus Rimbach bei Volkach war beim Brigadier. Wir hatten ein Monat Nach- und ein Monat Tagschicht. Mittagsschicht war Umbau der Rutsche und Gesprengtes verbauen aus Holz und Gestein. Das haben die Russen selber gemacht. Der Schacht war nach russischen Verhältnissen ganz gut eingerichtet. Auf der Hauptstrecke war schon elektrisches Licht. Eine kleine E-Lok hatte die leeren Loren gebracht und die vollen bis zum Umladeplatz befördert. Hier sind die Ein-Tonner-Loren in Drei-Tonner-Waggons gekippt worden und nach oben befördert. Einmal bei Schichtanfang, auch noch bei der Nachtschicht war der Stollen von oben bis unten gefräst. Wir konnten laufend Kohle in die Rutsche schaufeln. Wir hatten den ganzen Stollen von unten bis oben frei gemacht. An den Loren hat es auch nicht gefehlt. Zwei russische Frauen waren unten an der Strecke und haben sie immer weitergeschoben wenn jede Lore voll war und zur gleichen Zeit nummeriert. Es war eine hohe Zahl von 203 Tonnen. Nach der Schicht, als wir oben ankamen, war schon bekannt geworden, daß Brigade Weigand in einer Schicht 203 Tonnen gefördert hatte. Die Waggons wurden oben ja auch aufgeschrieben. Daß hat es in diesem Schacht noch nicht gegeben, seit dieser besteht. An jeder schwarzen Tafel in anderen Gruben wurde das geschrieben. Auch bei uns im Lager mit den Prozenten. Trotzdem kam es Ärger bei den russischen Kumpels. Jetzt setzen sie die Norm von 8 Tonnen pro Mann und Schicht auf 8,5 Tonnen. Uns so war es auch. Haben wir ja nicht gewußt. Sowas kommt auch selten vor, weil entweder an der Fräsmaschine etwas kaputt geht, oder es fehlt an Loren, oder die Umbauschicht war nicht fertig. Die russischen Kumpel sagten mal zu uns: Wenn wir in unserem Lager einen Eingang nach unten hätten, wären wir da wo wir in der Grube z. Z. arbeiteten.“ Es waren ca. 2 km, was wir jeden Tag gelaufen sind. In den Schacht war auch schon Personenbeförderung gewesen. Durch herabfallendes Gestein im Bergwerk wurde meine rechte Hand schwer verletzt, so daß sie stark angeschwollen ist, bis zum Oberarm hinauf. Durch die gute Kohlenförderung wurde uns gesagt, daß wir jetzt auch Rubel verdient hätten. Einmal hatten wir mit 3 Mann Glück bei einem Offizier vom Lager. Sollten wir Kartoffel in seinem kleinen Garten legen. Er nahm uns mit und kaufte am Bazar nussgroße Kartoffeln, stachanweise und abgezählte kleine Becher schüttete die Marktfrau in sein Körbchen. Stachan ist so viel wie ein Viertelliter. Als wir an seinem Garten ankamen hackten wir den Boden locker, machten Löcher nach seinen Angaben und legten sie rein. Durften sie nicht zudecken bis er wieder kam um zu sehen, daß auch alle Löcher voll sind. Beim Zudecken blieb er so lange stehen, bis wir fertig waren. Als Anerkennung bekamen wir einen Schlag Suppe.

Anfang Juni haben wir gesehen, wie ein Bauer Mais auf seinen nichthergerichteten Feld streute. Zwischen zwei Holzbalken hat er grobes und feineres Reißiggestrüpp gepreßt und geschraubt. Ein zweiter Mann hat mit zwei Ponys das Feld abgeschleift, bis der Mais einiger­maßen gedeckt war. Wir haben zueinander gesagt, was wird das wohl werden. Der Mais ging auf und wuchs zusehend von Tag zu Tag und war bis Mitte August Mannshoch gewachsen. Das feuchte und warme Klima und der moorsandige Boden ist für den Mais ideal.

Im Sommer haben die Russen uns gefragt, ob wir nicht mal Fußball mit ihnen spielen wollten. An einem Sonntag war es dann soweit. Umliegende Lager waren auch dabei. Es waren auch viele Zuschauer beidseitig da. Auch deutsche Mädchen waren einige da. Sie haben uns erzählt, daß die Russen sie bei Breslau verschleppt hätten, weil sie führende organisierte BDM-Mädchen waren. Wurden von den Zwangsarbeitenden Russen gemeldet oder verraten. Das Spiel ist natürlich für die Russen ausgefallen. Bei unseren Spielern hat die Kraft und Ausdauer gefehlt.

Ab Sommer 1948 durften Meisterhandwerker die sich meldeten ohne Posten auf Arbeit gehen. Maurer, Schlosser, Elektriker, Monteure, Schreiner und Zimmerleute. Manche hatten das Gefühl der Russe läßt sich dann nicht mehr nach Hause. Solche Handwerker waren bei ihm willkommen. Sie durften sich sogar Mädchen suchen, wenn sie hier bleiben würden. Wir noch in Massen ging nur noch ein Posten mit. Mitte September wurde ich im Schacht durch herabfallendes Gestein auf meine rechte Hand getroffen, daß es stark blutete. Trotzdem habe ich bis Schichtende gearbeitet. Der Kohlenstaub hat sich in die blutende Wunde gelegt. Dadurch hatte es aufgehört zu bluten. Nächsten Tag waren meine Finger und Arm stark angeschwollen. Ich sagte es zu meinem Brigadier und mußte mich krank melden. Ich zeigte es dann dem Sani, auch der Lagerkommandant war gerade zugegen. Der schimpfte mich und sagte: “Ob ich da Zigarettenasche oder Zwiebelschalen drauf hätte, weil das so fürchterlich und stark an­geschwollen ist. Zufällig ging an den Tag, da noch mehr Kranke waren, ein Lastauto in die nächste Krankenstation, wo ich dann in die Krankenstation sagte ich es meinen Brigadier, wenn Rubel kommen soll er meines, was mir zusteht, mit abheben. Zuvor haben wir in jedem Lager bei 100 % und mehr nur mehr Brot bekommen. Da waren zwei deutsche Ärzte, die in Stalingrad in Gefangenschaft kamen. Durch ihren Beruf haben sie mir erzählt, hat sie der Russe notwendig gebraucht. Ich bin dann auch schnell behandelt worden, wegen annähender Blutvergiftung. Es war ein Kinderarzt und ein Internist. Als es bei mir wieder besser wurde, haben die, die laufen konnten, die Kranken in die Verbandsstube oder mit Tragen hin und zurück gebracht. Binden gewaschen, aufgehängt und zuzusammengerollt. Hier waren auch schon mehr Medikamente vorhanden. Zu jeder Mahlzeit habe ich für die zwei Ärzte mit ihrem Kochgeschirr das Essen von der Küche im anderen Haus geholt. Da fiel für mich immer was ab. Die bekamen auch mehr. Es kamen auch viel russische Offizierfrauen mit ihren Kindern zum Kinderarzt. Sie waren auch sehr gut angesehen. Die russische Arztin hat viel von ihnen gelernt. In den Häusern gab es zwar elektrisches Licht. Beim Anmachen mußte man zwei Kabel zusammenhacken, daß die Lichter brannten. Als mein Brigadier er mich mal besuchen kam, sagte er mir, ich habe den Zahlmeister wiederholt gesagt, daß ich auf der Krankenstation bin. Er will es mir bringen. Es sagte, wer nicht hier ist und nicht unterschreibt, bekommt auch nichts. Zu dieser Zeit wußte auch die Lagerleitung, daß wer ins Krankenhaus muß nicht mehr ins Arbeitslager zurückkommt. In jedem Lager ist Kost und Unterkunft mit 460 Rubel angerechnet worden. In allen vorhergehenden Lager wurde immer gesagt, mehr hätten wir auch nicht verdient. Nur wenn eine Brigade über 100 % hatte erhielten wir Zusatzbrot. Bei schlechter und schwerer Arbeit konnte man die Norm nicht erfüllen. Es hat sich wieder herumgesprochen, daß demnächst wieder ein Transportzug zusammengestellt wird. In mehreren Lagern wurde alle Kranken und Arbeitsunfähige untersucht, hauptsächlich wegen der Gruppe SS und Tätowierung Blutgruppe 0 am linken inneren Oberarm. Ich hatte als Kleinkind am linken Oberarm eine kleine Operation gehabt. Als ich auch an der Reihe war, mußte ich oberkörperfrei und Hände hoch, hinstellen. Die Arztin, Natschanik und die zwei deutschen Arzte waren zugegen. Es ging hauptsächlich um die Blutgruppe. Bei mir haben sie gleich die Narbe am äußeren linken Oberarm gesehen. Ich wurde gefragt, was das ist oder war. Ich sagte es ihnen, wie schon aufgeführt. Die russische und die deutschen Ärzte haben das bestätigt, daß das Mal eine Operation war. Aber der Politoffizier hatte dem widersprochen. Er sagte mein Alter und Größe, die sind alle bei der 85 gewesen. Ich hätte die Blutgruppe rausgebrannt. Aber die Ärzte haben das verneint. Er hatte es aber nach wie vor behauptet. Ein paar Tage später war es soweit. Als wir aufgerufen wurden, war mein Name auch dabei. Wir haben hintereinander Unter- und Oberbekleidung, Fußlappen, Holzschuhe und Pelzmütze in Empfang genommen. Als wir im Gänsemarsch durch den Raum gingen war der Natschanik auch wieder dagestanden und hat jeden angeschaut. Wie er mich sah, packte er mich am Arm und schreit: “Du nix nach Hause (du nix Domäu) du bleiben hier, mußt arbeiten, du SS.“ Alle Kameraden schrien: “Nix Robote, wir wollen nach Hause“. Haben genug gearbeitet und keinen Rubel bekommen. Das hat die Lagerleitung alles behalten. Als im Hof schon zwei Lkw standen (ca. 30 Mann) und holten uns ab zum Bahnhof stand er wieder da. In fünfer Reihen waren wir angetreten. Ich habe mich immer unter den Kameraden klein gemacht, aber wenn er mich noch rausgezogen hätte, wäre ich vielleicht noch ein ganzes Jahr länger drüben gewesen. Die Arbeitgeber und Betriebe haben schon an das Lager Rubel gezahlt,. aber wir haben nichts bekommen. Das hat die Lagerleitung alles behalten. Hatten im Frühjahr durch die Gefangenen schon Häuschen bauen lassen, wie wir erfahren haben. Durch eine Suppe, Zwiebel, Gurke oder Tomate, war der Lohn. In den vorhergehenden Lagern war dies genauso. Wenn einzelne Kameraden ins Lager kamen und etwas zu Essen hatten, haben wir gewußt, daß diese bei einem Lageroffizier gearbeitet haben. Als wir dann von der Krankenstation zum Sammelplatz am Bahnhof in der Nähe von Stalino ankamen, waren schon Kameraden und Heimkehrer da. In den nächsten Tagen, Anfang Oktober, haben wir uns mit den frischen Kameraden unterhalten, wo sie gearbeitet haben. Was die uns alle erzählt haben, sie sind alle Monat entlohnt worden. Es war nicht viel aber es ging. Ab 100 % Leistung hat es immer etwas gegeben. Man konnte sich Brot Sülze, Tomaten, Gurken, Zwiebel kaufen. In den verschiedenen Lagern gab es große Unterschiede in Prozente schreiben. Bei gleicher Arbeit bei uns 70 - 80 % andere Lager 100 - 120 % und mehr. Die Kameraden hatte alle Rubel gehabt. Ich traute mich gar nicht zu fragen, ob sie mir etwas abgeben würden. Von einem Kameraden bekam ich dann ein Stück Brot. Ich sagte zu ihnen, ich arbeite schon seit 4 Jahren in Raum Kiew und jetzt hier im Bergwerk und habe überhaupt keinen Rubel bekommen. Ich ging den Tag noch mal in die Küche und fragte, ob sie eine Suppe haben. Sie gaben mir welche, die war aber schon sauer, aber gegessen habe ich sie trotzdem. Am nächsten Tag wurden wir in Viehwagen verladen. Ohne Decken lagen wir dicht aneinander und haben gefroren. Durch die Zugluft beim Fahren. Wir haben alle Holzschuhe an. Wir führen bis Brestlidowsk. Da mußten wir alle raus und wurden nochmals gefilzt. Kleider und Schuhe ausziehen wegen der Tätowierung 88 am linken inneren Oberarm. Es ging weiter bis Frankfurt/Oder, hier nochmals die gleiche Kontrolle. Hier nahmen sie sogar Fotobilder und noch viele andere Sachen ab. Der Zug fuhr weiter bis zur Grenze Hof Die Amerikaner begrüßten die Russen mit Jubel und freundlichen Gesichtern. Am anderen Bahngleis standen schon die Personenwagen. Wir hatten große Freude, endlich mal einen warmen Sitzplatz zu haben. In Hof angekommen wurden wir von den Amerikanern und Deutschen Behörden herzlich empfangen. Wir bekamen gleich warme Mahlzeiten und wurden gut bewirtet. Jetzt wurden wir von den Ami‘s ausgefragt, was wir arbeiten mußten, die Behandlung, die Unterkunft und Verpflegung. Jeder hatte einzeln bei einem Offizier seinen Leidensweg schildern können. Er hatte es öfteren nur den Kopf geschüttelt. Was ich ihn alles erzählt habe. Nach drei Tagen haben wir unsere Heimatanschrift angeben müssen. Fahrschein und Marschverpflegung bekommen. Viele hatten schon Telegramme geschickt auch schon von Frankfurt/Oder. Mir war das noch gar nicht so bewußt ein Telegramm zu schicken. Seit 4 1/2 Jahren weiß ich nichts mehr von zu Hause und ob sie noch leben. Außerhalb des Zaunes waren viele Leute gestanden und haben gefragt aus war für eine Gegend wir kommen, Mittel - oder Südrussland. Was für eine Einheit, ob wir nicht den und jenen kennen, mit Namen und Dienstgrad, Einheit und Kampfgebiet und in Gefangenschaft welche kannten. Mein Fahrschein habe ich angegeben Würzburg/Kitzingen. Als ich in Würzburg ausstieg, einige fuhren weiter und andere wurden von ihren Angehörigen mit dem Auto abgeholt. Als die Leute auf mich zugingen, sahen sie gleich, daß das ein Gefangener aus Rußland ist. Schon mit meiner Steppjacke, Pelzmütze und Holzschuhe. Jeder fragt mich und wollte wissen, wo ich war, Mittel- oder Südabschnitt. Ein Mann sagte zu mir, komm wir gehen in die Bahngaststätte und trinken ein Bier. Ich sagte ich habe kein Geld. Du bekommst eines von mir. Er fragte mich, wo ich daheim bin. Ich sagte Erlach bei Ochsenfurt. Er sagte, da fahr ich auch hin. Ich sagte wiederum, ich habe meinen Fahrschein bis Kitzingen. Von hier kann ich über die Flack-Feldweg direkt nach Erlach kommen. So wie ich es bei meinem Urlaub aus Frankreich gemacht habe. Der Mann sagte zu mir, durch den Wald kannst du nicht mehr gehen, da sind die Amis in der Flack und der Wald ist gesperrt. Ich habe überlegt, wenn ich die Straße von Kitzingen über Kaltensondheim laufen muß, daß ist weiter als von Ochsenfurt nach Erlach. Auch die Abfahrtszeiten der Züge waren Uhrzeit ziemlich gleich und auch die Strecke. Also fahr ich mit dem Mann nach Ochsenfurt. Als wir über die Heidingsfelder Brücke führen, kam ein Kontrolleur. Ich zeigte ihm mein Fahrschein, er schaute ihn an und sagte im harten Ton, wo wollen sie hinfahren, ich sagte, nach Ochsenfurt, da steht doch Kitzingen. Ich sagte dann die Strecke nach Kitzingen bzw. Ochsenfurt ist doch ziemlich gleich lang. Der Mann, der mit mir fuhr sagte jetzt zu ihm, sehen sie nicht, daß der Mann aus russischer Gefangenschaft kommt, den muß doch die Bahn hinfahren, wo die letzte Bahnstation von ihm ist, auch wenn er keine Fahrkarte hätte. Daraufhin hat er sich entschuldigt und war für ihn sehr peinlich. Bevor wir in Ochsenfurt ankamen, sagte der Mann zu mir, wissen deine Eltern, daß du kommst. Ich sagte Nein. Haßt du kein Telegramm geschickt. Nein. Die wissen nichts vom mir und ich weiß nichts von ihnen. Ich habe wohl im August 1946 eine Rot-Kreuz-Karte geschrieben, weiß aber nicht ob sie sie bekommen haben. Das wird eine Überraschung. Ich lauf durch Ochsenfurt über die Brücke nach Erlach. Er sagte: Nein, daß darfst du nicht. Ich ruf nach Erlach die Post an. Es war 18.30 Uhr. Die Frau Angelika Frankenberger, am Telefon, der Mann sagte zu ihr, hier in Ochsenfurt am Bahnhof ist ein Mann namens Roman Stöcklein, sie sagte, was der ist doch vermißt. Ich nahm den Hörer und sagte meinen Namen. Sie sagte, ach ja ich kenn deine Stimme Roman. Ich sagte: Sag es meinen Eltern, daß ich in Ochsenfurt bin, und ich laß mich mit dem Taxi Vogel raus fahren. Ich mußte warten, weil das Taxi noch unterwegs war. Die Frau Vogel er müßte schon längst hier sein unter dessen kam mein Bruder mit seinem Motorrad und holte mich ab. Es war eine überaus große Freude, als ich unverhofft daheim ankam. Mit meinen Holzschuhen klapperte ich auf den Steinplatten in die Küche. Ich war von allen umarmt worden. Meine Steppjacke habe ich heute noch. Durch die lange schlechte und wenige Ernährung habe ich mich erst mit 24 Jahren rasieren müssen. In Hof als wir die Marschverpflegung bekamen wurde uns gesagt, wenn wir heim kommen können wir ein kleines Geschenkpäckchen, gestiftet von den Amis, bekommen. Zigaretten, Kekse, Schokolade, kleines Bürstchen, Faden, Nadel, Knöpfe. Letzteres habe ich bekommen. Die ersten drei Sachen stehen heute noch offen. Bei mehrmaliger Nachfrage bei den zuständigen Behörden war immer ohne Erfolg. Sie sagten ich sollte immer wieder mal nachfragen. Das haben die zuständigen Herrn behalten.

Meine Anschauung und Meinung ist:
Ein jeder russischer Kriegsgefangene müßte eine kleine Entschädigung erhalten, abgesehen, ob er verwundet oder einen Unfall hatte ab Kriegsende. Des öfteren sprach ich schon mit französischen, englischen und amerikanischen Gefangenen. Die hatten alle normal oder genügend zu Essen, konnten arbeiten oder auch nicht. Wenn ja, dann wurden sie dafür bezahlt. Dies wurde mir von mehreren ehemaligen Gefangenen erzählt (mein Bruder war in französischer, mein Schwager in englischer und mehrere Kameraden in amerikanischer Gefangenschaft). Ein amerikanischer Gefangener sagte mir, manchmal konnten wir gar nicht alles essen, den Rest warfen sie in die Abfalltonne, sonst wäre es möglich gewesen, daß die Zuteilung weniger wurde. Wir in Rußland hatten keine Kleider, Lumpen, Fußlappen, arbeiten, schlecht und wenig zu Essen 4 1/2 Jahre, Wassersuppe und Brot. Meine Jugendzeit war dahin von 14-24 Jahren.

Ich habe vom Versorgungsamt noch keine Kur erhalten, obwohl ich des öfteren mich gemeldet habe. Mir wurde immer gesagt, wenn ich keine Kriegsrente habe, bekomme ich keine Kur genehmigt. Das war schon Mitte der 60er Jahre.Bei der letzten Gerichtsverhandlung kam das wieder zur Aussprache. Ohne zu zögern, bekam ich gleich die Anwort, auch wenn ich keine Rente habe, hätte ich eine Kur bekommen. Anfang der 70er Jahre habe ich dann bei der Alterskasse eingereicht. Wurde sofort genehmigt. Bin immer wegen meinen Kriegsleiden behandelt worden. Ich war 7mal auf Kur. Bei der Aufnahmeuntersuchung habe ich immer die Kriegsleiden angegeben. Mir wurde dann gesagt, das müßte das Versorgungsamt tragen. Ich sagte, von denen bekomme ich keine.

 

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