From: Hermann Bernard Ramcke,
General i/c Parachute Troops,
last Commander of the fortress of Brest,
P.O.W. No.18878 Camp Clinton (Miss.)To:- Mr. Byron Price,
The Capitol,
Washington, D.C.
Dear Sir,
In tiefer Trauer über den bevorstehenden Zusammenbruch meines Vaterlandes und seiner aussichtslosen Zukunft, und den Tränen meiner unglückseligen Landsleute, fühle ich den Drang Ihnen an diesem Weihnachtstag zu schreiben, erschöpft in der Leere und Hoffnungslosigkeit eines Gefangenenlagers.
Ich weiß das dieses verboten ist aber die Konsequenzen einer solchen Aktion wird gering sein im Vergleich zu dem Leid welches mich und mein Vaterland erwartet.
Der Grund für diesen Brief ist Ihr teilweise veröffentlichter Bericht über eine Reise durch Deutschland als Abgeordneter im Auftrage von Präsident Truman.
Tief geschockt über die schrecklichen Zustände in Deutschland haben Sie gefordert das der Morgenthau-Plan, welcher von Senator Eastland (Miss.) in einer Rede am 4 Dezember 1945 als Sadistischer Plan bezeichnet wird, vollständig außer Kraft gesetzt wird.
Folglich hören wir das erste mal in einer hasserfüllten Welt, die Rache nimmt an einer am Boden zerschlagenen Nation, eine Stimme gegen die Gegenwärtige Politik welche auf die Plünderung und vollständige Zerstörung Deutschlands zielt; eine Stimme die darauf aufmerksam macht das die Gefahr die die christliche Kultur der westlichen Welt bedrohte mit dem Morgenthau-Plan nur vervollständigt wird.
Unnötig die Bemerkung, dass dieser grausame Umgang mit einer vollständig wehrlosen Nation - nach Beendigung der Kämpfe neuen, tief verwurzelten Hass hervorrufen wird welcher die Seelen einer Nation von 80 Millionen Menschen so sehr vergiften wird das sie unausweichlich in die Arme des Kommunismus und Nihilismus läuft. Ich brauche also nicht hervorzuheben das das säen von neuem Hass nicht den Frieden bringen wird den sich alle Nationen dieser Welt ersehnen.
Sie, Mr Price, kennen diese Probleme und hinsichtlich Ihres hohen Amtes kennen Sie die Gefahr besser als andere.
In seiner Rede im Senat am 4 Dezember 1945 sagte Senator Eastland: "Deutschland und Westeropa muss mit allen Mitteln in der Gemeinschaft der demokratischen, friedensliebenden christlichen Menschen gehalten werden welche die freie Marktwirtschaft folgen." Es ist die Forderung der US-Regierung das, als Vorraussetzung für einen dauerhaften Frieden in Europa, die gesamte deutsche Nation umerzogen und verwandelt werden muss zu demokratischen Prinzipien.
Aber ist die Lektion die dem deutschen Volk erteilt wird, nachdem die Kämpfe beendet sind, geeignet um die Herzen der Menschen für diese Idee zu gewinnen?
Schon einmal im Jahre 1919 hatten wir die Weimarer Republik welche sich auf demokratischen Prinzipien und freien Wahlen stützte gemäß Präsident Wilson's Wunsch.
Warum, fragen sich die Deutschen, hat das besonders begrüßenswerte Weimar-Deutschland nicht jegliche Hilfe und Beistand der westlichen Demokratien erhalten? Warum atmeten sie nicht die Lebensenergie die die Republik benötigte um diese Form von Regierung in Deutschland überleben zu lassen?
Statt dessen war das demokratische Deutschland 13 Jahre von den alliierten Mächten wirtschaftlich Stranguliert, so das wegen der wachsenden Armut und Arbeitslosigkeit nur noch zwei Auswege möglich waren: "Entweder Kommunismus oder Nationalsozialismus!"
War es nicht die verantwortungslose Verweigerung jeglicher Hilfe oder Beistand der westlichen Demokratien an das Weimar-Deutschland welches die Saat und der Grund war für die Aufgabe des Weimarer Systems, durch die deutsche Nation 1933 ersetzt wurde und dann im zweiten Weltkrieg endete?
"Ein verbranntes Kind scheut das Feuer" und die gegenwärtigen Methoden der Plünderungen, des Hungers und der Armut, deswegen werden die Deuteschen nicht von den Vorteilen einer Demokratie überzeugt!
Aber diese kurzsichtige Politik, welche von Ihnen verurteilt wird, wird nicht nur im besetztem Deutschland angewandt. Ebenso hier, in Ihrem freien Land, verantwortlich für 440,000 Kriegsgefangene, wird eine völlig falsche psychologische Behandlung angewandt.
Ich wage zu behaupten das ich die Gefühle der Kriegsgefangenen deshalb kenne zumal ich selbst einer bin und während meiner 40-jährigen Dienstzeit vom barfüßigen Maat der Kaiserlichen Marine bis zum General und kommandierenden Leiter des 3. Fallschirmjägerregiments der Wehrmacht, ich vertraut wurde mit dem Dienste in allen Rängen und Tausende von Soldaten aller Branchen und Berufe und jeglichem Alters und Standes ausgebildet habe, und sie führte, im Krieg als auch im Frieden.
Darum empfinde ich es als meine Pflicht Ihre freundliche Aufmerksamkeit auf folgende Fakten zu lenken:
Im Einverständnis mit der Notwendigkeit einer Umerziehung der deutschen Nation insoweit es ihre politische Sichtweise betrifft und das vertraut machen mit der Bedeutung und Prinzipien der Demokratie und ihrem Segen, Kurse abgehalten werden mit dem Thema der Amerikanischen Verfassung und demokratischen Prinzipien für Kriegsgefangene. Diese Kurse werden aufmerksam von den deutschen Soldaten verfolgt da sie wissbegierig sind.
Im Gegensatz zu diesen Kursen stehen jedoch die tatsächlichen Fakten der wesentlich eindrucksvolleren Gegenwart. Diese Fakten sind im folgenden:
(1) Die schrecklichen Bedingungen in Deutschland - nachdem die Kampfhandlungen endeten - solche wie der Tod von einer großen Anzahl der Schwachen, Kinder und Säuglinge, wie in der Tagespresse berichtet wird, und Plünderungen, Vergewaltigungen und Massendeportationen aus Gebiete (z.B. Ostpreußen, Schlesien, dem Sudetenland) wo Deutsche schon seit den letzten tausend Jahren leben. Zusätzlich noch die Übernahme der Staatsgewalt, die es billigt das privates Eigentum geplündert wird wie etwa eine Spinnfabrik, oder das Pferd eines Landarbeiters, ein Kunstwerk das schon seit Generationen weitervererbt wird, oder die Ausstattung eines Damenfriseursalons (heimgeschickt von einem GI als Souvenir).
(2) Die widerlichen Reportagen in der Presse, komplettiert mit Fotografien von der Erschießung General Drostler's welcher, einem Befehl des Führers folgend und entsprechend der üblichen internationalen Sitte Freischärler zu töten, den Befehl gab 14 amerikanische Soldaten zu erschießen die als Saboteure in ziviler Kleidung hinter feindlichen Linien agierten.
Weiterhin berichtet die Presse von einem amerikanischen Soldaten italienischem Ursprungs namens Bertucci welcher - nach Beendigung der Kämpfe - mit einem Maschinengewehr in eine Baracke einbrach, gefüllt mit schlafenden deutschen Kriegsgefangenen und 8 Mann direkt umbrachte, 6 tödlich verletzte und weitere 8 Mann schwer verwundete.
Der oben genannte Soldat war, wie die Zeitung berichtet, nie an der Front gewesen außer als Mitglied einer Bodeneinheit auf einem Flugplatz in England. Er erklärte zynisch das er als erklärter Feind der Nazis diese Tat freudig wiederholen würde. Die zynische Aussage wird von der Presse als eine Art Rechtfertigung für seine Tat gewertet. Nichts ist über eine Verhandlung bezüglich des Vorfalls bekannt. Nach den letzten Meldungen ist er sogar auf freiem Fuß.
"Wo ist die demokratische Gerechtigkeit die sie uns lehren?" fragen die deutschen Kriegsgefangenen während sie die beiden oberen Fälle vergleichen.
(4) Der Abbruch jeglicher Korrespondenz zwischen den Kriegsgefangenen und ihren Familien - nachdem die Kämpfe eingestellt wurden - und die Vorenthaltung längst eingetroffener Post aus Deutschland. Die oben genannten Maßnahmen, welche gegen die Genfer Konvention verstoßen, sind Maßnahmen um die Soldaten zu foltern, die schreckliche Ungewissheit über das Schicksal der Familie ist der größte Schmerz in dem unglückseligem Leben eines Kriegsgefangenen. Die Erklärung, dass die Post wegen den zerstörten Transportwegen nicht ankommt, hat keinen Halt mehr nachdem der Krieg nun schon gut 8 Monate beendet ist. Unzählige Soldaten (Kriegsgefangene seit dem Sommer 1944) haben noch niemals eine Nachricht erhalten, auch nicht aus Gebieten die nicht unter Kriegseinfluss stehen.
(5) Nach dem Zusammenbruch Deutschlands wurden die Kriegsgefangenen offiziell informiert das sie auch weiterhin als solches betrachtet und dementsprechend behandelt würden. Jedoch ein paar Tage später, Anfang Mai 1945, wurden folgende schonungslose Maßnahmen bekannt gegeben:
(a) Eine Verringerung der Nahrungsmittelrationen während den Monaten Mai - Oktober 1945 führten dazu, dass die Mehrzahl der Gefangenen 50-80 Kg verlor and kaum noch auf ihren Beinen stehen kann während sie am Mississippi-Projekt hart arbeiten müssen. Die Generäle fortgeschrittenen Alters sind lediglich noch Skelette. Der Nachschub mit dem bisschen Fleisch besteht nur aus Abfall. Die farbigen Fahrer die uns den Nachschub bringen sagen, dass es eine Schande wäre das solcher Fleischabfall den Kriegsgefangenen im reichen Amerika angeboten wird. Nur bevor Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes Anfang November ihren Besuch ankündigten haben sich die Verhältnisse etwas gebessert.
(b) Kompletter Entzug von Tabak und Zigaretten von Mai bis Juni und dann die Verringerung der Tabakrationen bis Dezember auf 60 Gramm die Woche.
(c) Entzug von jeglichem Luxus und Gegenständen des täglichen Gebrauchs sowie der Erfrischungen, welche in den heißen Sommermonaten die die Gefangenen nicht gewohnt sind, besonders fehlen.
(d) Verbot jeglichen Sports und Spiele für einen Zeitraum von 4 Wochen.
Daraus ergibt sich die folgende Frage:
Sind all diese Maßnahmen ein sinnvolles Mittel um von den 440,000 Kriegsgefangenen Befürworter der demokratischen Prinzipien zu machen, die Verfechter die sie sein sollen wenn sie zurück kehren nach Deutschland aus dem freien Amerika, dem Land in dem die Demokratie geboren wurde?
Das Gegenteil ist erreicht worden.
Lassen Sie sich nicht irreführen durch die Tatsache, das die meisten Kriegsgefangenen die bereits oben genannten Kurse bezüglich der Amerikanischen Verfassung und Geschichte belegt haben und dafür ihre Zeugnisse erhielten.
Die meisten haben die Kurse belegt weil sie wissbegierig sind oder nur zum Zeitvertreib und weil sie Angst haben das sie länger im Lager bleiben müssen wenn sie nicht daran teilnehmen. Auf der anderen Seite sind die Wenigen, die sich für ihr Land schämen, jeglichen Stolz ablegen, und Schmach bis auf die Knochen empfinden, "ihre Segel immer in den Wind hängen werden" voll der Zusicherung der Ehrfurcht und des Respekts, sind, wie die Vergangenheit zeigt, die schwächeren und unzuverlässigen Charakter wessen Hilfe oder Kollaboration nicht den machthabenden Autoritäten oder das der Menschen auf Dauer dient.
Und so weit wie es mich betrifft, bezüglich der Amerikanischen Kriegsgefangenen in der Festung von Brest, treu meinem Eid dem ich verbunden bin, die letzten (ebenso wie ihr General Wainwright es in Corregidor machte), anständig behandelt wurden. Die sich bei Nebel zu unseren Linien zurückziehenden Sanitäter wurden zurückbefohlen, begleitet von einem Offizier. Verwundete Amerikaner wurden ebenso versorgt wie unsere eigenen Soldaten, und das Eigentum der Toten gab ein Offizier zurück. Gemäß dem Befehl sie nicht im Feuer ihrer eigenen Landsleute zurückzulassen, transportierten wir unsere 400 Kriegsgefangenen von der Festung, während der Kampf um uns herum tobte, unter äußerst schweren Bedingungen und obendrein unter Missachtung unser eigenen Sicherheit, zu unserem Krankenhaus in dem Ort Le Fret und übergaben sie dem Roten Kreuz. Es war General Middleton, U.S. Commander der Truppen von Brest, der mir persönlich ausdrückliche Dankte.
Ich bin davon überzeugt das ebenso alle anderen deutschen Kommandeure in der selben Weise handelten und das die amerikanischen Kriegsgefangenen nach den Regeln der Genfer Konvention behandelt wurden insoweit das unter den Umständen möglich war. Nachdem jedoch alle Transportmittel während der Kampfhandlungen zerstört wurden kann es nachweislich unmöglich geworden sein zu helfen ebenso wie es unmöglich war um Deutsche zu helfen.
Ich beschreibe unsere Haltung nicht, welche die einzige ist die ich gutheißen kann, weil ich ‘pro domo' sprechen möchte sondern nur meine Überraschung zum Ausdruck bringen möchte in welcher Weise deutsche Soldaten, welche nichts als ihre Pflicht taten, nach dem Waffenstillstand im freien Amerika behandelt werden.
In dem Bericht den Sie veröffentlichten forderten Sie ihre Landsleute auf die Politik der Unterdrückung in Deutschland basierend auf dem Morgenthau-Plan zu ändern so das die westliche Zivilisation vor weiteren Zerstörungen bewahrt wird.
In tiefer Trauer und den Wunsch hegend mit meinen bescheidenen Möglichkeiten zu Kooperieren und Verständnis unter die Menschen aller Nationen zu bringen, fühle ich mich an diesem Weihnachtstag berufen Sie über die Gefühle der Kriegsgefangenen zu informieren, die, als Ergebnis kurzsichtiger Maßnahmen, in eine Stimmung gebracht werden und eine Haltung einnehmen die eine Gefahr für jegliche Zusammenarbeit in der Aufgabe der Wiederherstellung und Erhaltung des Friedens in der westlichen und christlichen Welt darstellen.
Ich wünsche das oben genanntes Ihnen als Anregung dienen könnte was in diesem Land getan werden sollte um ein Ende an der "Auge um Auge, Zahn um Zahn" Politik zu machen, um den Christen den Segen und den Nationen eine friedensreiche Zukunft zu bringen, so vortrefflich ausgedrückt in der alten Weihnachtsbotschaft: "Friede auf Erden und Glückseligkeit den Menschen."
Hochachtungsvoll,
Ramcke
General i/c Parachute Troops