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Die Abenteuer des deutschen Veterans Oberschütze Siebenbrot
aufgezeichnet von Martin Schenkel

Das Ende war unvermeidlich. Die Alliierten  waren zahlenmäßig 5 oder 6 zu 1  überlegen und mit geringen verbliebenen schweren Waffen ergaben wir uns am 8. Mai in Tunesien. Wir marschierten über einem Hügel zu einigen britischen Tanks. Sie gaben uns Zigaretten und wir gaben ihnen Schokolade; sie waren sehr freundlich. Wir wurden in ein behelfsmäßiges POW-Camp in der nähe von Bone gesandt. In den Lagern bekamen wir nicht sonderlich viel zu essen und so versuchten wir ein Ei oder etwas Kuskus von den Einheimischen zu bekommen. Ein Schiff brachte uns dann in den Oran. Bis dahin hatten viele Männer Läuse, so daß wir desinfiziert wurden. Denselben Tag wurden wir auf einen paar amerikanische Schiffe geladen die uns in die USA brachten. Wir kamen in New York am 30. Mai 1943 an . Während der Reise hatten viele wieder Läuse bekommen so das wir dann noch einmal desinfiziert wurden.

Am 3. Juni kamen wir per Zug im POW Lager in Hunstville, Texas an. Das Lager war in 3 Bereiche unterteilt und jeder Bereich enthielt 1200 Männer. Neben dem Lager war ein Sportplatz gebaut worden. Uns wurde genug Nahrung gegeben, und es gab wenige Beschwerden. Zuerst gab es keine wirkliche Arbeit für uns so das wir kleine Aufgaben im Lager wie Rasen mähen usw. zu erledigen hatten und sich einige für die Lagerfeuerbrigade freiwillig zur Verfügung stellten. Es wurde uns erlaubt einige Fremdsprachen zu lernen  (Englisch, Französisch und Spanisch), zu lesen und zu schreiben und viele verschiedene Kurse, wie etwa Mathematik, die von den Häftlingen organisiert wurden, zu belegen. Es gab auch eine von den Gefangenen publizierte Zeitung die monatlich erschien. Es gab eine Kapelle, ein Orchester, ein Theater und einmal im Monat gab es eine große Vorstellung mit der Band. In diesem Lager aßen wir zum ersten mal Mais und da es in Deutschland für die Fütterung der Küken verwendet wurde kam ein Gefangener auf folgendes Gedicht:

Mais fördert in allen Ländern
Bei Hühnern die Legerei.
Bei uns braucht's nicht zu versuchen,
Wir legen ja doch kein Ei.
Corn furthers in all countries
With chickens the laying of eggs.
Don't bother to try that with us,
We never will lay an egg.

Schließlich kamen sie auf die Idee, daß wir etwas arbeiten könnten. So wurden wir in den Baumwollfeldern eingesetzt um zu arbeiten. Wegen unserer Sturheit entschieden wir zusammenzuhalten und an einem Tag nur bis zu einem gewissen Maß Baumwolle zu pflücken. Als POW durften wir nicht in der Industrie arbeiten. Wir waren es gewohnt an Pfingsten zwei Tage frei zu bekommen und so beschlossen wir,  am ersten jener zwei Tage nicht zu arbeiten. Daraufhin schlossen die Amerikaner große Teile des Lagers, die Küche ebenfalls. Am zweiten Tag haben wir beschlossen wieder an die Arbeit zu gehen. Danach brauchte ein lokaler Reisbauernhof Hilfe für die Ernte. Einige von uns wurden dort an die Arbeit gesandt. Jeden Morgen kam der Landwirt  um uns abzuholen und uns am Ende des Tages wieder nach Hause zu bringen. Ich hatte ziemlich viel Englisch gelernt so das ich der Dolmetscher für unsere Gruppe von zehn Männern war. Dieser besondere Landwirt war wirklich nett. Das essen im Lager war nicht immer das beste und die Frau des Landwirts gab sich Mühe uns jeden Tag ein anderes Reisgericht zu servieren. Wir genossen das wirklich.

Anfang 1944 wurde ich in ein anderes Lager, nach Huntsville/Alabama geschickt. Hier sah ich ein wenig Ungerechtigkeit. Die Amerikaner versuchten Offiziere ohne Papiere zur  Arbeit zu zwingen. Die Genfer Konvention untersagte es Offiziere arbeiten zu lassen. Die Offiziere weigerten sich zu arbeiten und bekamen daraufhin wenig zu essen so das wir ihnen Nahrung über dem Zaun warfen. Dann wurde einige von uns nach einem kurzen Aufenthalt in Georgia nach Florida südlich von Miami geschickt. Zuerst arbeitete ich an einem großen Armeedepot. Es gab dort eine große Reparaturwerkstatt wo alte LKW's der Armee repariert wurden um dann nach Rußland geschickt zu werden. POW's durften nicht in der Industrie arbeiten und somit reinigten wir dort die Gebäude, schnitten Gras usw. Ab und zu luden wir Lastwagen auf Waggons. Danach ich zog weiter zu einem Instandhaltungsladen am Flughafen in Miami und begann im Farbladen zu arbeiten, was vor dem Krieg auch mein Beruf gewesen war. An diesem Lager traf ich einige Leute, die irgendwie ein Radio zusammengebastelt hatten und wir konnten Nachrichten aus Havanna (einer der Leute sprach Spanisch) wie auch die lokalen Sender hören. Zu dieser Zeit war Kuba den Deutschen freundlich gesonnen. Die deutschen Nachrichten aus Havanna haben sich sehr von den Nachrichten der amerikanischen Sender unterschieden. Ich denke, daß die amerikanischen Nachrichten der Wahrheit viel näher kamen. Ich blieb in Miami bis zum Ende des Kriegs.

Im April 1946 wurden wir New York zurückgeschickt und wir stiegen in ein Schiff nach Antwerpen ein. Jetzt unter britischer Kontrolle endeten wir dann in einem Lager südlich von Brüssel. In diesem Lager war die Nahrung extrem schlecht und viele POW's starben. Jene  jedoch, die aus den USA kamen, waren gut ernährt worden so das wir in der Lage waren  zu überleben. Die Lager wurden recht genau in einem Buch von James Bacque - Der geplante Tod - beschrieben. Es gab einen hohen Stacheldrahtzaun. Man hatte Glück wenn man in der Lage war ein Zelt zu bekommen, es gab wenige Decken und die Nahrung war unglaublich. Wir waren nur 6 Wochen dort, aber Sie konnten sehen, daß die Leute viel Gewicht verloren hatten. Dann wurden wir aus irgendeinem Grund, statt nach Hause, nach England ausgeliefert. Dort wurden wir von einem englischen Major oder Obersten begrüßt, der wirklich beeindruckend war. Er sagte gerade heraus: "... Sie sollen hier helfen, das Land wiederaufzubauen, als Vergeltung dafür, weil Sie so viel davon zerstörten, ..." Wenigstens war dieser Mann fair, er sagte uns gerade heraus was los war. Wir verbrachten ein Jahr in England. Zuerst arbeiteten wir auf einem Bauernhof, dann gruben wir Gräben für Wasser, Gasleitungen, Abwasserkanäle für neue Häuser und waren auch noch eine Weile in einer Ziegelei. Es war dann 1947 und wir waren kurz davor wieder nach Hause zu kommen. Wir mußten aber zuerst entnazifiziert sein. Es gab drei Klassen: Nazi, Mitläufer und Antinazi. Die Antinazis wurden zuerst nach Hause geschickt. Ich war ein Mitläufer. Als letztes hat man die vermuteten Nazis gehen lassen. Sie wurden  vielleicht als Nazis betrachtet weil sie sich bei den Verhören schlecht benommen haben. Ich kam zu Hause mit einer alten britischen Armeeuniform an, mit Aufnähern darauf die zeigten, daß ich ein POW war.

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