11.094.000
deutsche Soldaten gerieten in Gefangenschaft und wurden in ausländischem
Gewahrsam gehalten. Rund 3,8 Millionen waren in amerikanischem
Gewahrsam, davon 363.036 in den USA. Die Situation der Gefangenen in
Amerika unterschied sich maßgeblich von denen aller anderen. Ein
entscheidender Unterschied waren die verhältnismäßig günstigen
Lebensbedingungen. Sie lebten in einem Land in dem keine Not herrschte
und außerdem waren die Vereinigten Staaten nicht unmittelbar vom Krieg
betroffen. Die Gefangenen lassen sich in zwei Gruppen einteilen: die
Soldaten des "Afrika-Korps" welche 1943 in Tunesien in
Gefangenschaft kamen und die Gefangenen von der Westfront nach der
Invasion 1944.
Die Lager:
Die Lager wurden fast ausschließlich in den südlichen Staaten
der USA errichtet. Die Gründe dafür sind einfach: Das milde Klima im
Süden verringerte die Kosten und die isolierte Lage sollte Sabotageakte
verhindern. Die Lager waren mit doppelten Stacheldrahtzäunen versehen.
Auf den Wachtürmen waren Scheinwerfer und Maschinengewehre montiert.
Folgende Gebäude befanden sich im Lager: Unterkünfte, Speisesaal,
Kantine, Waschraum und Räume für die Freizeit. Weiterhin befanden sich
außerhalb des Lagers die Verwaltungsgebäude, Krankenrevier und
Unterkünfte für das Bewachungspersonal.
Als Unterkunft dienten meist Baracken aus Holz wie sie in der
amerikanischen Armee verwendet wurden oder Zelte. In den Hauptlagern und
permanenten Nebenlagern bestand im Bezug auf die Unterbringung im
allgemeinen kein Anlass zur Klage. In den Nebenlagern auf begrenzte Zeit
und bei den Arbeitskommandos waren allerdings einige Unzulänglichkeiten
spürbar.
Die Verpflegung:
Die Verpflegung war bis Anfang 1945 für deutsche Maßstäbe recht üppig.
Auch die Kantinen waren bis zu dem Zeitpunkt gut ausgestattet aber
dort machten sich nachher auch die Beschränkungen bemerkbar.
Der
Postverkehr:
Der Postverkehr war enorm wichtig für einen Gefangenen denn Nachrichten
aus der Heimat sorgten in einem hohen Maße für ein seelisches
Gleichgewicht. Es war den Gefangenen gestattet an seine direkten
Angehörigen 1 Brief pro Woche zu schreiben. Der Postverkehr zwischen den
Gefangenen in verschiedenen Lagern war verboten. Die Briefe durften keine
militärischen Informationen oder Verweise auf Bücher enthalten und
außerdem unterlagen sie der Zensur. Nach der deutschen Kapitulation brach
der Postverkehr zusammen. Erst am 22. Oktober 1945 wurde von den
Besatzungsmächten der Postverkehr mit dem Ausland im begrenzten Maße
wieder zugelassen. Allerdings haben viele Soldaten ab Kriegsende
überhaupt keine Post mehr bekommen und die Sorge um die Angehörigen, vor
allem die in den zerbombten Städten und in den von den Russen besetzten
Gebieten lebten, machte sie mürbe.
Freizeit:
Für die Freizeit bestand ein Angebot aus Filmvorführungen, Theater,
Brett- und Kartenspiele, Bücher, Musik, Kunst und die Möglichkeit der
schulischen Weiterbildung. Die meistgenutzte Freizeitgestaltung war der
Sport. Es wurde Fuß-, Hand- und Faustball, Tischtennis und Turnen
angeboten. In den Arbeitslagern war das Angebot allerdings nicht so groß
und dort beschränkte man sich meist auf Fußball als einzige
Freizeitbeschäftigung.
Arbeit:
Um von Gefangenen eine möglichst große Arbeitsleistung zu erhalten wurde
die "no work, no eat' policy" eingeführt. Bei der Verweigerung
eines Befehls wurden dem Betreffenden die Rationen verkleinert und alle
Vergünstigungen entzogen bis er die an ihm gestellten Aufgaben erledigte.
Meist wurden die Gefangenen als Erntehelfer oder in den Dienst der
amerikanischen Armee gestellt.
Flucht:
Da die Gefangenen sich bewusst waren das sie die Heimat auch nach einer
geglückten Flucht aus dem Lager kaum erreichen könnten, hielten siech
die Versuche in dieser Hinsicht in Grenzen. Der Provost Marshal General
bemerkte dazu: "Bis zum 1. März 1945 gab es 1369 Fluchtversuche,
aber nur 12 Kriegsgefangene (6 Deutsche und 6 Italiener) waren an diesem
Tage noch in Freiheit. Die Bestrafung nach der Wiederergreifung bestand
aus 30 Tagen Arrest bei Wasser und Brot.
Aus den östlichen
Reichsgebieten wurden 12 Millionen Menschen vertrieben. Diese ethnische
Säuberung wurde von den Alliierten Bevölkerungstransfer genannt. Auch der Morgenthau-Plan war natürlich
in den
US-Gefangenenlagern nicht unbekannt. Eine ungewisse Zukunft stand
bevor. Für die Gefangenen wurde eine Farbscala eingeführt:
schwarz, grau, weiß. "Weiß" für Anti-Nazis, "grau" waren
Mitläufer und "schwarz" waren Nazis. Die Umerziehung (Re-education) vom
Nazi zum Demokraten war nicht immer einfach. Die Gefangenen waren in
Amerika als Arbeitskräfte interessant und nach einem harten Arbeitstag
nicht mehr in der Lage, die in englisch abgehaltenen Kurse zu verstehen
und zu verarbeiten.
Direkt nach den VE (Victory Europe) 
wurde die
Verpflegung wesentlich schlechter. Einige behaupten, dass nach dem Sieg in
Europa die
Amerikaner die deutschen Gefangenen nicht mehr so gut behandelten, weil sie
nicht mehr um ihre eigenen Männer in deutschem Gewahrsam fürchten
mussten. Andere behaupten, dass sich die Meinung vom deutschen
Soldaten änderte nachdem die Bilder aus den deutschen
Konzentrationslagern um die Welt gingen und sich darum dann die Behandlung der
Deutschen verschlechterte.
Jedenfalls wurden die Rationen verkleinert und die
Gefangenen bestohlen. Ehrenauszeichnungen
waren begehrte Souvenirs. Da man den Unteroffizieren die Papiere abgenommen
hatte konnten sie ihren Rang nicht nachweisen und wurden so entgegen der
Genfer Konvention ebenfalls zum Arbeitseinsatz herangezogen. (Die
amerikanische Regierung beziffert den Gewinn, den sie mit der Arbeit der
Deutschen erzielte, auf mehr als 180 Millionen Dollar). Das bestärkte nicht unbedingt
den
Glauben der Gefangenen in die Gerechtigkeit der freien Demokratie. Aber man verfolgte die
Re-education mit allen Medien die zur Verfügung standen denn das
US-Kriegsministerium sah in der Anwesenheit von rund 370,000 deutschen
Kriegsgefangenen in den USA eine "noch nie dagewesene Gelegenheit, unter
den Deutschen eine Keimzelle demokratischen Denkens und Respekts für
Amerika zu entwickeln." Über die Kurse berichtet ein Gefangener aus
dem Lager Rupert, Idaho: "Nach Kriegsende kamen jeden Sonntag
wirkliche und angebliche Professoren zu uns, um uns in Diskussionen
von der Glorie Amerikas und den zweifellos vorhandenen Wert der Demokratie
zu überzeugen." Ein Gefangener aus Drew Field, Florida: "Ich
erinnere mich, dass der amerikanische Lehrer einmal wütend weggegangen
ist, weil die Profilierten Nationalsozialisten des Lagers ihn in die Enge
getrieben hatten wegen der Rassenfrage in Amerika."