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Pointerrüde Nando

Ich bin ein italienischer Pointer und wurde von einem Züchter in Italien "entsorgt", weil ich zur Zucht nicht zu gebrauchen war. Vielleicht hatte ich nicht genug für die Jagd übrig oder es lag daran, dass ich nur einen Hoden hatte. Jedenfalls wurde ich "aussortiert" und in ein Tierheim in Mailand gebracht. Dort wurde ich allein in einen Zwinger gesteckt. Ich hatte mich schon aufgegeben und wollte nichts mehr fressen, als mich eine nette junge Frau sah, die für eine deutsche Hundeorganisation Hunde abholen wollte, die eine neue Familie in Deutschland gefunden haben. Sie stand weinend vor mir.

Obwohl sie eigentlich schon genug Hunde hatte, hat sie mich auch noch mitgenommen. Sie konnte nicht mit ansehen, wie schlecht es mir ging, ich war total abgemagert und mein Fell war auch nicht mehr schön.

Nun bin ich seit 12 Wochen in Deutschland bei einer netten Pflegefamilie, die mich wieder aufgepäppelt hat. Es geht mir dort sehr gut. Ich bin nicht mehr so ängstlich wie am Anfang, habe schon zugenommen und begreife jetzt erst, wie schön doch das Pointerleben sein kann.
Ich lerne jetzt viele neue Dinge, die ich vorher alle noch nicht kannte. Ich bekomme von meiner Pflegemutter viele Streicheleinheiten, sie geht mit mir spazieren und hilft mir, die schlimme Vergangenheit zu vergessen.

Leider kann ich nicht bei dieser netten Familie bleiben, denn die wollen auch noch anderen Hunden helfen, die in Tierheimen untergebracht sind. Sie suchen für mich ein neues Zuhause und haben deshalb schöne Fotos von mir gemacht und ins Internet gestellt.

Ich hatte Glück, denn es hat sich eine Familie gemeldet, die mich haben will. Deren Hund mußte vor Kurzem eingeschläfert werden, weil er krank war, und nun sind sie ganz unglücklich. Mein neues Frauchen hat sehr viel im Internet herumgestöbert, bis sie auf die Seiten von Hundepfoten in Not gekommen ist. Dort hat sie dann das Foto von mir gesehen, wo ich am Zaun sitze, und das hat ihr so gut gefallen.

Nun steht es fest, dass ich eine neue Familie habe. Mein neues Frauchen wollte schon ganz viel über mich wissen. Ich werde bald abgeholt, dann muss ich mich zwar von meiner lieben Pflegemutter trennen, aber ich bekomme dafür ein schönes neues Zuhause, mit einem großen Garten und mit ganz vielen Schmetterlingen, die ich dann fangen kann. Natürlich muss ich auch bei meinen neuen Besitzern viel lernen. Mein Frauchen will mit mir eine Hundeschule besuchen, denn ich muss ja auch noch alle Kommandos kennen lernen. Mein neues Herrchen wird mich mit zum Angeln nehmen, und ich muss dann lernen, dass ich nicht hinter den Vögeln herjage, wie es ja eigentlich die Pointer machen. Aber ich will ja kein Jagdhund sein, sondern ein ganz normaler Familienhund.

Jetzt bin ich noch in einer Pflegestelle in Bayern, und mein neues Zuhause ist ganz weit im Norden von Deutschland, in Niedersachsen. Da muss ich erst mal eine ganz lange Autofahrt überstehen, bis wir da sind. Aber das schaffe ich auch noch. Der Weg von Mailand hierher war auch weit, und da bin ich in eine Kiste gekommen und mit dem Auto hierher gebracht worden.

Ich weiß, dass mein neues Frauchen sich schon sehr auf mich freut. Sie hat auch schon einige Sachen für mich gekauft, die ich brauche, wenn ich da bin. Dann macht mein Frauchen erst einmal Urlaub und ich kann die ganze Zeit mit ihr zusammen verbringen. Ich freue mich auf mein Leben mit meiner neuen Familie. Dann kann ich mich endlich wohlfühlen, meine Streicheleinheiten abholen, bekomme immer genug zu Fressen, und ganz bestimmt werde ich genauso verwöhnt wie der Hund vor mir.

Wenn ich mich dort eingelebt habe, dann erzähle ich Euch mehr. Anfang Juni 2005

Jetzt bin ich schon seit einer Woche bei meinen neuen Leuten. Am Anfang war ich sehr schüchtern, denn es war ja alles fremd für mich. Aber nach ein paar Tagen wurde ich schon etwas zutraulicher, besonders zu meinem Frauchen, ihr bin ich überall hin nachgelaufen, egal wohin sie ging. Nachts habe ich neben ihrem Bett geschlafen, und ich war auch gar nicht mehr so traurig wie am ersten Tag. Von Tag zu Tag wurde mir alles ein bißchen vertrauter, Frauchen zeigt mir die Gegend, wir fahren jeden Tag mit dem Rad, ich habe "Oma und Opa" kennengelernt und meine anderen "Verwandten" ich kann im Garten herumtoben, Vögel beobachten oder mich einfach nur in die Sonne legen. Mit Herrchen war ich schon ein paar Mal an dem See, wo er immer angelt. Mein neues Zuhause gefällt mir gut.

September 2005 Seit 3 Monaten bin ich nun im Emsland bei meinen Leuten. Ich habe mich sehr gut eingelebt, kenne jetzt fast das ganze "Dorf" und die Umgebung. Herrchen hat mir ein schönes Geschirr gekauft, dass ich immer anhabe, wenn Frauchen und ich mit dem Rad fahren. So habe ich auch schnell die Gegend kennengelernt, denn Frauchen fährt immer andere Wege.

Ich bin auch nicht mehr so ängstlich wie am Anfang, ich belle sogar schon, wenn jemand am Gartentor steht. Allerdings würde ich jeden reinlassen, so mutig bin ich nun doch noch nicht. Mein Lieblingsspiel ist das Ballwerfen. Der Rasen liegt voll mit Tennisbälle, Gummibälle und ganz vielen Plüschtieren. Manche Plüschtiere will ich vergraben, und wenn Frauchen das merkt, nimmt sie es mir vorher weg. Aber ein paar Mal habe ich es schon geschafft, und ich bin ganz stolz mit dem schmutzigen Bärchen angekommen, nachdem ich es wiedergefunden hatte. Dann muss Frauchen das immer waschen, verstehe ich gar nicht.
Wir sind auch immer verschiedener Ansicht, wie unser Garten aussehen soll. Ich finde, die Blumen müssen nicht alle gerade nach oben stehen. Mir gefällt es viel besser, wenn sie platt auf dem Boden liegen. Ich habe auch schon einige Male ein Beet umgegraben, aber meinen Leute gefällt das nicht so gut. Sie schimpfen dann mit mir und machen alles wieder so, wie es vorher war. Na ja, ich habe ja noch viel Zeit.

Mit Begeisterung gehe ich mit meinen Leuten zum See oder zur Ems. Ein paar Mal habe ich mich schon davon gemacht, weil ich so tolle Gerüche aufgenommen habe. Einmal haben mich meine Leute ziemlich lange gesucht (meinten sie jedenfalls) aber in Wirklichkeit war das gar nicht so lange. Ich bin nur den Weg vorgelaufen, den wir immer gegangen sind, allerdings durch das dichte Gebüsch. Dann habe ich mich aber sehr gewundert, denn meine Leute waren nirgendwo mehr zu sehen. Ich bin dann erstmal den Weg auf und ab gelaufen, irgendwann mussten sie ja kommen, und zuletzt habe ich mich einfach mitten auf den Weg gesetzt und gewartet. Und siehe da, sie kamen auch, Frauchen war ziemlich aufgelöst und fast am Weinen. Ich habe ihr versprochen, dass ich in Zukunft nicht mehr weglaufe. Hab ich auch noch nicht wieder gemacht.
Frauchen sagt immer, ich bin für sie wie ein Sechser im Lotto, und das finde ich sind meine Leute auch für mich. Soviel Glück wie ich hatte, wünsche ich noch ganz vielen anderen Hunden, die auch in den erbärmlichen Tierheimen in Italien oder Spanien sitzen, verdreckt, teilweise voller Wunden und abgemagert bis auf die Knochen. Hoffentlich kommen noch ganz viele Leute auf die Homepage von Hundepfoten in Not und sehen dort einen Hund, dem sie ein neues Zuhause geben wollen.

Euer Nando (in meinem früheren Leben Funky)

 

 

 




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