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Unsere Kinder wachsen zweisprachig auf


Gedanken zur mehrsprachige Kindererziehung

Vorteile der zweisprachigen (mehrsprachigen) Erziehung

Kann die mehrsprachige Erziehung von Nachteil sein ?

Mehrsprachige Erziehung - Wie macht man das ?

So läuft es bei uns mit den beiden Sprachen:

Natalie (jetzt 11 Jahre alt)

Lukas (jetzt 6 Jahre alt)

Zitate aus dem Kleinkind - bis Vorschulalter

Gedanken zur mehrsprachige Kindererziehung

Mehrsprachige Kindererziehung ist an sich nichts Besonderes, denn die Mehrheit aller Kinder wächst mehrsprachig auf.

Doch ist mehrsprachige Erziehung in den westlichen Ländern nicht so verbreitet.
Dabei bringt sie doch viele Vorteile und es ist gar nicht so schwierig, wie es sich anhört. Gerade in Haushalten, wo ein Eltern- oder Großelternteil aus einem anderen Land stammt, ist es fast schade, wenn die Gelegenheit nicht genutzt wird.

Vorteile der zweisprachigen (mehrsprachigen) Erziehung


Nie lernt man eine Sprache so mühelos und natürlich wie im Kleinkindalter die eigene Muttersprache. Wenn ein Kind zwei "Muttersprachen" hat, kann es ganz natürlich beide lernen.

Manche Eltern entschließen sich zur zweisprachigen Erziehung weil sie für ihr Kind bessere Berufsaussichten im späteren Leben erhoffen.

Ein nicht zu unterschätzender anderer Grund für eine zweisprachige Erziehung ist, daß es den Kindern von Ausländern hilft, ihre Wurzeln zu begreifen und sich mit anderen Verwandten zu verständigen, (und sei es nur im Urlaub). Wenn man eine Sprache spricht, kann man die Kultur des jeweiligen Landes viel besser erschließen.

Kann die mehrsprachige Erziehung von Nachteil sein ?

Eigentlich gibt es bei der mehrsprachigen Erziehung keine Nachteile, wenn man von den Äußerungen neidischer Mitmenschen absieht. Mehrsprachige Erziehung ist etwas ganz Natürliches.

Der einzige "Nachteil" der mehrsprachigen Erziehung ist, daß man akzeptieren muß, daß das Kind eventuell etwas später spricht, als die Altersgenossen, und anfangs die Sprachen bunt vermischt. Zu diesem Zeitpunkt heißt es, geduldig sein und nicht aufgeben, den ein oder anderen gut gemeinten Ratschlag zu ignorieren. Diese Gedult zahlt sich aus und bald kommen sogar die Angeber unter den Eltern (soetwas soll es geben) auf ihre Kosten.

Mehrsprachige Erziehung - Wie macht man das ?

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Es gibt zwei unterschiedliche empfohlene Methoden der mehrsprachigen Erziehung:

  1. Personengebunden: Eine oder mehrere Personen sprechen mit dem Kind immer eine bestimmte Sprache.

  2. Die ganze Familie spricht immer an einem bestimmten Ort zB zu Hause oder aber zu einer bestimmten Zeit zB abends oder an einem bestimmten Wochentag eine bestimmte Sprache.

    Dabei nennt man die "Hauptsprache" bzw die erste Sprache L1, die zweite L2 etc. Gewöhnlich muß man sich um die Sprache(n) am meisten kümmern, in deren Land man zur Zeit nicht lebt.

    So läuft es bei uns mit den beiden Sprachen:

    1. Natalie


      Natalie wurde im September 1991 in Poole/England geboren.

      Ich, die deutsche Mutter, hatte vor Ort niemandem mit dem ich deutsch sprach und war es nach vier Jahren England fast mehr gewöhnt, englisch zu sprechen. Auch machte es mir Sorge, unhöflich zu erscheinen, wenn ich vor meinen englischen Freunden mit Natalie deutsch spräche. Würden die denken, ich rede über sie, wie in meiner Kindheit mein schwerhöriger Onkel, der nur von den Lippen lesen konnte, und manchmal beleidigt war, wenn er einen Witz nicht verstand ? Würde ich dauernd alles Besprochene übersetzen müssen?

      Wir beschafften uns Informationen über zweisprachige Erziehung und entschieden uns erst für die zeitgebundene Methode: Wir beide wollten samstags nur deutsch mit unserem Kind sprechen. Mein Mann Trevor konnte damals nur ein wenig deutsch, aber was sollte man so einem Baby schon Komplitziertes erzählen?

      Trotz der guten Vorsätze klappte es nicht so recht. Wir Eltern waren es einfach nicht gewöhnt, miteinander deutsch zu reden, besprachen wichtige bzw komplitziertere Angelegenheiten auch samstags auf englisch oder "rutschten" bald wieder ins Englische. Auch waren wir sowieso nicht sicher, inwiefern ein noch nicht sprechendes Baby von unseren Unterhaltungen profitieren konnte.

      Die allerersten Babyworte wie zB "mamam" sind sowieso fast international, oder wie "dada" schon fast Eigennamen, die man ja bekanntlich nicht übersetzt.

      Kurz vor Natalies erstem Geburtstag zogen wir nach Deutschland, ins Haus meiner Mutter, die Erzieherin war. Sie sprach viel mit Natalie und nach ein paar Tagen hatte das Kind schon einige deutsche Worte drauf.

      Wir wechselten gleichzeitig zur personengebundenen Methode. Trevor sollte von nun an immer mit dem Kind englisch sprechen. Meine Mutter und ich deutsch. Ausnahmen wollten wir gelegentlich machen, wenn wir Gäste hatten, die der englischen Sprache nicht mächtig waren. Auch wollten wir Natalie jeweils auf der Sprache antworten, in der sie uns ansprach, selbst wenn es die "falsche" Sprache war.

      Auch unterstützten wir Natalies Englischkennitnisse, da sie nur abends und an Wochenenden englisch sprach, indem wir englische Kindervideos, Kassetten und Bücher kauften. Dabei haben wir interressante oder lustige Geschichten den möglichst pädagogischen vorgezogen. Es genügte ja schon, wenn das Kind unbewußt seine Sprachkenntnisse vertiefte.

      Wir hatten schnellen Erfolg. Natalie lernte durchschnittlich schnell deutsch sprechen und sprach gleichzeitig (fast) altersgemäß Englisch. Sie konnte schon immer sehr gut zwischen den beiden Sprachen unterscheiden und vermischte sie nicht, wie das typische mehrsprachige Kind. Beim Abendessen erzählte sie mir und ihrer Oma etwas, drehte sich zu ihrem Vater um, und sagte dasselbe nochmal auf englisch. Manchmal wurden sogar Papas Antworten übersetzt.

      Als Natalie in den Kindergarten kam, ahnten die meisten Leute nicht, daß sie auch englisch sprach.

      Gelegentlich fragten Freunde und Verwandte: "Lernst du noch englisch ?". Ein Ausspruch, den ich nicht so gern hörte, denn lernen klingt nach harter Arbeit, nach erzwungenem Pauken, ehrzeigigen Eltern ...

      Probleme hatten wir, als Natalie ca 6 1/2 Jahre alt war. Sie fand es auf einmal lustig, oder schick, mit ihrem Papa deutsch zu sprechen. (Den Namen "Papa" hatte er übrigens schon vor der Kindergartenzeit bekommen. "Daddy" war wohl doch zu fremdartig)

      Anfangs antwortete Papa auf deutsch, wenn er deutsch angesprochen wurde. Als die Phase aber wochenlang andauerte, bat ich Trevor, auf englisch zu antworten, damit Natalie wenigstens noch englisch hört.

      Vier Monate später flogen wir, wie jedes Jahr, nach England. Natalie wußte, daß sie mit ihrer englischen Oma und mit ihrer Freundin englisch reden mußte, und siehe da, sie tat es. Anfangs klang ihr Englisch noch sehr "wackelig", aber ich freute mich über jeden Satz.

      Bald konnte ich meiner Leseratte auch ein paar englische Bücher zum Selberlesen kaufen. Jedoch merkte ich bald, daß sie ein englisches Buch zur Seite legte, wenn sie ein deutsches zur Auswahl hat. Hier ist Diplomatie gefragt ! Da gibt es doch so überteuerten Lesestoff von irgendwelchen Fernsehhelden, sowas muß man einfach gelesen haben, zur Not auch auf englisch.

      Als Natalie dann in der Grundschule mitbekam, daß die anderen englisch lernen müssen, und sie nicht, war sie, glaube ich, doch etwas stolz.

      Im Sommer 2002, bevor sie ins Gymnasium kam, wo der Englischunterricht Pflichtfach ist, las sie verstärkt englische Bücher. Die Bücher sind altersgemäß aber vorwiegend dünnere Taschenbücher.

      Bei der Anmeldung am Gymnasium wurde Natalies Zweisprachigkeit übrigens heruntergespielt. Erfahrungsgemäß würden die Klassenkammeraden solche Kinder bald einholen.(Auch wurde dort ihre britische Staatsangehörigkeit nicht in den offiziellen Akten festgehalten) Nun ist sie schon zwei Monate an der Schule und der Englischlehrer hat sie überhaupt nicht auf ihre guten Englischkenntnisse angesprochen.


    2. Lukas

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      Im November 1996 in Nürnberg/ Deutschland geboren, in eine Familie, in der zu der Zeit seines Sprechenlernens zunehmend deutsch gesprochen wird. Die deutsche Oma stirbt als er 11 Monate alt ist, die große Schwester redet nur deutsch mit ihm.

      Lukas ist ein "typischer" Junge, der motorisch begabt ist, früh läuft, gut klettert, ... aber spät spricht. Auch soll es ja für ein zweitgeborenes Kind sowieso leichter sein, sich mit Gesten und Grimassen durch die ersten Lebensjahre zu mogeln. Die Eltern verstehen ihn zu schnell, er muß sich nicht mehr anstrengen.

      Ich als Mutter war eigentlich geduldiger geworden. Man merkte ja aus seinem Verhalten, daß er durchaus nicht dumm war. Also würde er das Sprechen zu gegeberner Zeit in Angriff nehmen.

      Ganz anders sahen es Freunde und Verwandte "Laßt doch das Kind erst einmal deutsch lernen, englich kann er doch später immernoch lernen, spätestens in der Schule" bekamen wir zu hören, und das trotz Natalies guten Sprachkenntnissen, die auch auf deutsch über einen großen Wortschatz verfügt.

      Wir ließen uns nicht beirren. Trevor sprach weiterhin mit Lukas englisch. Als der dann endlich antwortete, war das zunächst nur auf deutsch, doch wußten wir, daß er englisch versteht.

      Plötzlich waren auch die ersten englischen Wörter da, zunächst vereinzelt, mitten im deutschen Sätzen, die dann mehr und mehr mit englischen Wörten "gespickt" werden, vor allem dann, wenn er mit Trevor redete.

      Durch die gemischten Sätze erhielt Lukas von der "Außenwelt" mehr Beachtung für seine Zweisprachigkeit, als seine Schwester, bei der das ja nie auffiel.

      Während Natalie stets um Übersetzung eines Wortes bat, daß sie in der jeweiligen Sprache nicht kannte, bevor sie es in einen Satz einbaute, arbeitete Lukas nach der Devise "Hauptsache, ich werde verstanden" und hängt mal schnell an ein englisches Wort eine deutsche Vor- oder Nachsilbe dran.

      Mit vier Jahren, sprach er durchschnittlich gut deutsch, bis auf die paar gelegentlichen englischen Wörter im Satz, auch sein Englisch hörte sich schon recht vielversprechend an.

      Nach einem England-Urlaub mit 4 3/4 Jahren endlich der Durchbruch: Lukas spricht englisch. Nur noch manchmal mischen sich deutsche Wörter in die Sätze.

      Während unseres England-Urlaubs sprach ich weiterhin deutsch mit Lukas, um ihn nicht zu verwirren. Doch erschien ihm das irgendwie verkehrt. Mama, Du mußt "thank you" sagen, ermahnte er mich öfters in England.

      Jetzt mit 6 Jahren spricht Lukas recht gutes Englisch, er versteht fast alles, sein Wortschatz ist aber kleiner als im deutschen.




    Gerade, weil Natalie so schnell beide Sprachen sprechen konnte, bin ich sicher, bei Lukas nichts "falsch" gemacht zu haben. Nicht jeder ist so sprachbegabt, wie seine Schwester. Ich möchte aber behaupten, daß jedes gesunde Kind mühelos zwei Sprachen lernen kann, wenn man ihm nur Zeit gibt.

    Zitate aus dem Kleinkind - bis Vorschulalter

    • "light-pear" = Glühbirne (Natalie)

    • "lantern train" = Laternenzug (Natalie)

    • "mit ohne" = without (beide)

    • "eins, zwei, drei, vier, fünf, seven - Mama, ich kann bis seven zählen !" (Lukas)

    • "Mama, ich mag aber keine potatoes !" (Lukas)
    
    
    

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    Nürnberg, März 2001 Karin Dykes mail: ktdykes@nexgo.de

        
    www.ktdykes.de.tt

    Letztes Update im November 2002