Bist Du links orientiert und möchtest cool sein, dann schreibst du den Spruch garantiert auch in deinen (Schul-, Uni-, was auch immer-) Ordner oder hebst die Faust und schreist "Yeah", wenn der Sänger einer Band es ruft. Und wenn man Dich fragt, wer Mumia sei, dann kannst Du vielleicht sagen, so ein Typ der unschuldig in der Todeszelle sitzt (Bzw. saß, die jetzige Situation ist schwamming und kaum durchschaubar).
Ok,
klar, Todesstrafe, fuck off, aber sollte man nicht dennoch sich über
die Person informieren, für deren Freilassung man plädiert?! Viel
zu viele vergessen dieses und ziehen mit denen mit, die sie respektieren.
Vielleicht schließe ich von mir hier auf andere und tue somit einigen
Unrecht, jedoch lernte ich auch solche Personen kennen, die so wie oben
beschrieben agierten.
Doch dieses Buch klärt einen über die Person Wesley Cook auf.
Man erfährt, wie aus Cook Mumia Abu- Jamal wird. Jedoch berichtet Bisson
nicht viel über den juristischen Fall, weswegen Mumia hinter Gittern
seine Tage verbringt und auf seinen Tod wartet, aber dafür um so mehr
über Mumia selbst. Und was mindestens genauso interessant ist, viel
über das schwarze Amerika der 60er und 70er Jahre. Auch lernt man einiges
Wissenswertes über die Black Panthers, deren Mitglied Mumia bis zum
Oktober 1970 war (und zwar nicht nur über Mumias Stellung und Aktionen
während seiner Panther Zeit, sondern auch viel über die Panthers
im Allgemeinen).
Weiterhin
wird die Guppierung Move, für deren Ziele sich Mumia in seinen letzten
Freiheitsjahren als Journalist einsetzte, in vielen Punkten betrachtet.
Vor allem versteht man die Brisanz und Gefahr, die Mumia, durch seine Stellung
("Stimme der Unterdrückten") für das weiße Amerika
bedeutete.
Inhaltlich wird das ganze sehr leicht erzählt. Es ist kein Runterleiern
von Geschehenem, sondern ein lockerer Stil, mit Dialogen und Umgangssprache
gespickt. Neben allerlei Wissenswertem über Mumias Werk und Arbeit
wird auch die Privatperson, der Ehemann und Vater beleuchtet.
Bissons Ziel war es, dass der Leser "Spaß" habe, wenn er das Buch liest, dies verlangte Mumia von ihm. Und durch eben diesen Stil, den er verwendet hat man nicht das Gefühl, ein Geschichtsbuch oder eine andere langweilige Biographie vor sich liegen zu haben, sondern beinahe schon einen Roman (bei dem dennoch die wichtigen Fakten kompetent vermittelt werden). Anderseits wird ihm gerade dieser Stil zum Verhängnis, so wirken die Sätze oft etwas unbeholfen und konstruiert (indem er versucht, Umgangssprache einzubringen). Dies könnte jedoch auch an der Übersetzung liegen. Der wahre Schuldige ist noch unbekannt.
Aber von diesem, einzigem Manko abgesehen lohnt sich der Kauf und das Lesen dieses Buches in jedem Falle.
Daniel Decker, 5. Oktober 2002
Die Lebensgeschichte
von Mumia Abu-Jamal
Paperback, 12,5 €
Atlantik Verlag
On a Move
Terry Bisson
