Überrascht hat es nicht, ja. Schon früh sandte das in die Jahre gekommene Fohlen eindeutige Signale aus nach dem heißen Kontinent.
"Wie der Afrikaner lebt, so spielt er auch Fußball."
Womit er natürlich Recht hat.
"Man muss die Natur lieben, den Ursprung und die Urigkeit."
Hat er wohl bei Steiner oder Rosegger gelesen oder bei Krombacher gesehen. Aber stimmen tut das ja, ja. Und so werden wir auf der nächsten ZDF-sponsert-Steinbrecher-Reise nach Kuwait einen Berti Vogts antreffen, der begeistert von der Bereitschaft des Arabers sprechen wird, sich zu schinden und eigentlich am liebsten barfuß spiele, weil der Ball aus Leder sei, das Leder von der Kuh stamme, die Kuh das Gras liebe, das Gras den Fuß und sowieso die Natur und der viele Sand hier, ja, ja, es ist eben nicht einfach das Leben besonders hier unten, aber man gibt sich Mühe und der deutsche Wohlstandfußball solle sich Scheibe, Surfweltmeister, Catenaccio, es gibt keine kleine Nationen mehr und der Chinese holt auf.
Immerhin den Hut ziehen muss man schon vor Ihnen. Nicht zwei Jahre haben Sich sich dieses Mal in Korschenbroich verschanzt, sondern nur knapp zwei Monate, bevor der Henkelmann rief und es einen wieder zur Maloche auf Arbeit zog.
Korschenbroich - 30.000 Einwohner. Die Stadt liegt auf 6 Grad 31 Min. östlicher Länge/51 Grad 11 Min. nördlicher Breite, höchster Punkt ist der Liedberg mit 74,4m über NN, die tiefste Stelle befindet sich auf dem Auskiesungsgelände im Bereich Pferdsbroich mit 37,4 m über NN. Die alljährlich im September stattfindende internationale Orgelwoche nimmt einen besonderen Stellenwert ein. Sportlicher Höhepunkt ist der City-Lauf, ebenfalls mit internationalen Teilnehmern. Überregionale Bedeutung hat auch das zu Pfingsten stattfindende Schützenfest "Unges Pengste".
Klar, dass es da einen in die Ferne zieht. Leverkusen war ne erste Idee gewesen, aber dann doch zu kalt, regnerisch und auch zu ungesund mit all den gefährlichen Tabletten, schau man sich nur mal den Calmund an.
Oder haben Sie nachgedacht?
"Ich habe (in den zwei Jahren zeitweiligen Ruhestands) meine Stärken verbessert", haben Sie mal gesagt und sind dann Rudi Völler auf den Trainerstuhl nachgefolgt. Dieses Mal haben Sie nur kurz gedacht und die Stärken nicht weiter ausgebaut. Kuwait hat ne reelle Chance, denke ich, ja die haben Sie auch, ja.
Der Otto Rehhagel hat es aber da mal wieder viel cleverer gemacht als Sie. Schwingt sich just zu dem Zeitpunkt auf die Akropolis, da in Hellas angesichts der Olympischen Spiele der Zapfhahn gerade ans Staatssäckel angesetzt wird und knapp vor Euro noch mal ein paar Drachmen nachgedruckt werden dürfen. Sich in mediterraner Sonne zu aalen, nicht länger mit Goethe und Rubens promenieren zu müssen, sondern Sokrates, Platon und Aristoteles zum ARD-Kommentar bitten zu dürfen, weiß das "Kind der Bundesliga" wohl zu schätzen.
Aber Sie, Herr Vogts! Kaum ist die Fußballmacht Kuwait einmal ausgeschieden aus dem Qualifikationscircuit, da lassen Sie sich einen Vertrag aufschwatzen, der nur ein Jahr reicht und trotz Ölbooms nur 1 Million p.a. einbringt. Nach Ihrer grausigen Abschiedstour bei Bayer hatte ich noch gedacht, Sie hätten dazu gelernt, als ne fette Abfindung für den Verzicht auf drei weitere Jahre Grausamkeit raussprang, weil beharrlich, dreist und einfach apathisch am Stuhl geklebt, ja.
Aber dann das! Oder doch?
Was können sie in einem Jahr schon leisten, da die WM 2002 gelaufen ist und Ihre Mannschaft sich nicht mehr qualifizieren kann? 12 Monate runterreißen so ganz ohne Wettbewerbsdruck, das passt doch nicht zum alten ManU-Praktikanten. Oder haben Sie Camus gelesen? Nein, lassen wir das. Sie wollen bestimmt neue Spielsysteme entwickeln, ja, an der Taktik schulen und die Technik der Kuwaitis verbessern.
"Das Spielfeld war zu lang für Doppelpässe."
Oder doch an der Theorie arbeiten?
"Wir werden alle Gewissheiten bis zuletzt ausschöpfen, ja."
Und wieder beim Stein der Weisen angelangen.
"Der Star ist die Mannschaft."
Eine Million. Respekt, ja.
2002 sind die Jungs dann bestimmt topfit. Aber da fahren Sie ja schon wieder nach Hause. Recht haben Sie da, Herr Vogts! Da geht's nämlich los mit dem Wettbewerb, ja, und der nächsten Qualifikation und dem Druck und den Niederlagen, die plötzlich relevant werden. Kann man auch bei entlassen werden. Macht zwar nix, sieht aber blöd aus und alle lachen dann wieder und nehmen einen nicht ernst. Also schon mal vorgebaut. Tolles Konzept. Und 2002 übernehmen Sie dann in der Sommerpause die Jugendabteilung des VfL Bochum und kündigen, bevor die Punkterunde beginnt. Ist irgendwie wegweisend. Könnte man als "RiskSharing" bezeichnen.
Punkterunde
war ja noch Ihr Ding, ja. "Der Tabellenerste kann jederzeit den
Spitzenreiter schlagen", haben Sie mal gesagt, sind Gottseidank
Nationaltrainer geworden und haben sich als spät berufener Eric Ode
mit dem jungen Bonhoff als Fritz Wepper zur Seite darauf beschränkt,
nicht alle 18 Vereine nacheinander zu ruinieren, sondern wiedervereinigt
die teutonischen Tugenden zu reaktivieren und Treterei und stumpfsinniges
Gekloppe als "Taktik" umzudeuten. Paradigmenwechsel nennt man
das in der Wissenschaft. Bei Ihnen war ich mir da nie so sicher. Obwohl,
ein Paradigma sind Sie schon gewesen, ja.
Wir hören also voneinander, weil das TV von jemandem wie Ihnen einfach nicht wird lassen können. Schauen Sie sich Didi Hallervorden an. Nicht mehr lustig seit 1977, und immer noch unter Vertrag. Wir werden also voneinander nicht lassen, uns bis auf weiteres aber mit der frohen Botschaft von Andreas "Weltmeister!" Brehme begnügen müssen - Ihr Vermächtnis stets im Sinn.
"Wir müssen uns zusammensitzen, ja."
Klar.
"Der Empfang war grandios. Ein tolles Gefühl, wie die Leute applaudiert haben. Ich kann jetzt schon sagen, es war die richtige Entscheidung nach Leverkusen zu kommen. Es ist hier alles intakt. Ich bin glücklich, hier zu sein. Wir werden viel Spaß haben."
Hoffen wir, dass jetzt endlich einmal klappt. Spaß in Kuwait. Schön wäre es, wenn die Kuwaitis auch ein wenig davon abbekämen. Toll auch, wenn ihr nicht gleich gegen Saddam spielen müsstet, weil sonst wieder die Hubschrauber kommen und Sie annektiert werden. Keine Sorge! War ein Witz. Außerdem können Sie ja gut schlichten.
"Hass gehört nicht ins Stadion, solche Gefühle soll man gemeinsam mit seiner Frau daheim im Wohnzimmer ausleben."
Vielleicht findet ihr ein paar Pyramiden oder stoßt auf Öl. Würde es euch ja wünschen.
"Wer den Kopf in den Sand steckt, kommt darin um."
Ist aber ziemlich unwahrscheinlich. In Kuwait gibt es nämlich nur viel Sand, also passen Sie bloß auf sich auf, Herr Vogts, ja.
kirstaetter,
12.08.01.
Berti Vogts
"Ich gratuliere die Kuwait, ja."

"Ich gratuliere die Kuwait, ja."
Na, bitte! Hat er uns mal alle wieder an der Nase herumgeführt, der spitzbübisch dreinblickende Korschenbroicher, und nach vier harten Wochen des Bangens, in denen man sich Sorgen machen musste um berufliche wie geistige Zukunft der ehemaligen Nationalmannschaftsnemesis, hat Vogts Berti doch noch seinen Deal bekommen.