Men´s Health (männlich), Cosmopolitan (weiblich) und Fit for fun (beides) sind die Propagandaorgane der menschlichen (na gut, der deutschen) Existenz des 3. Jahrtausends, so nachzulesen auch bei klugen Köpfen wie Beigbeder, Houllebecq und dem Quotenkönig Illies). Selbst meine Vermieterin, die mich beim Joggen erwischte, rief mir nach: Das machen Sie für den Waschbrett-bauch, gell??? Ja, ein Glück, wir sind endlich in der Zukunft angelangt, indem der radikalste Narzissmus gepredigt werden darf und auch noch als politisch korrekt vermarktet wird. Danke, liebe Aufklärung, dass Du diesen tollen Prozess angeschubst hast und wir jetzt alle ganz, ganz glücklich, da individuell, sportlich und sexy sind. (Den aufklärerischen Aspekt: Befreie dich mittels Vernunft von allen Vormündern hat man bei all dem Individualismus-Geschwätz wohlwollend "vergessen"). Ein Glück, auch das Fernsehen ist endlich gleichgeschaltet und feiert die brillanten Formate der neuen Zeit.

Um gleich zu Beginn eines klarzustellen: Nicht die Macher von Sendungen wie Big Diet, Big Brother, Inselduell, House of love, Girls-Camp usw. usw. oder deren Kandidaten bzw. die Sendungen selbst sind das Problem (Einschränkung der Privat- und Intimsphäre? Lächerliche Argumente von selbstgefälligen und auf Knopfdruck empörten Bürokraten), sie sind nur Symptome, die Pickel unserer Zeit, deren unterschwelliger Eiterfluss eine Dokumentation unserer Existenz ist. (Wenn man einem Männchen im All zeigen wollte, was der Mensch denn sei, lese man ihm nicht aus einem Werk der klassischen Literatur vor, die niemand wirklich interessiert, sondern zeige ihm eine Talk-Show oder eben eine der zahlreichen Reality-Shows).

Nicht das Format selbst ist das Interessante. Das Leben, wie es halt "real" mal so ist, wird in unserem Umgang mit Kandidaten und Formaten deutlich. Hierbei sei festgestellt, dass dabei nichts widerlicher ist als die professionellen Beden-kenträger. Sie kriechen aus ihren spießigen Wohnlöchern oder Professoren-Sprechstuben oder Ministerialbüros und beklagen laut den Untergang der abendländischen Kultur. Die äußerst armselige politische Korrektheit ist umso ärgerlicher, als diese Berufsblinden wenigstens hätten bemerken können, dass an Werten, Kultur und ähnlichen Firlefanz längst nichts mehr existiert, was man retten müsste bzw. könnte. Höchstens eben man vertritt die "Werte" der oben genannten, herrlich faschistoid-gleichmacherischen Körperpropaganda. Die ist ja, wie schon erwähnt, offiziell anerkannt (ist ja auch gut für die Gesundheit!). Da ist mir das lustige Wühlmäuschen Westerwelle noch lieber, der wenigstens Realitäten akzeptiert und diese dann gleich für ganz offensichtliche billigste Wahlwerbung im Big-Brother-House instrumentalisiert (luzide banal seine Frage: Interessiert Ihr euch denn auch für Politik?? Ja, liebes schwules FDP-Kasperle, hätte man die "Bewohner" da gern rufen hören).

Ja, Aldous H., deine Visionen werden langsam aber sicher in die Wirklichkeit hineingezeugt. Als letzte Hürde werden auch Unerträglichkeiten wie der schöne Schein eines unseres geliebten Diskurs-und Exkurs- Kanzlers genommen. Der Ethikrat (Unwort 2001? schon mal anmelden) wird wohl kaum die Vollendung einer dann endlich gen-verdummten, dafür aber absolut schönen Menschheit verhindern, oder?

Aber zurück zum Thema: Die Visionen des "Big Brother" sind ja offensichtlich out, Sextaner brüllen: "pääh, wie langweilig", wenn man sie auf dieses anfangs doch in Teenie-Kreisen als so fantastisch empfundene Reality- bzw. Real-People-Fernsehformat angesprochen hat (währenddessen hantieren sie mit ihrem Handy und fixieren mit ihrem digitalen Diktiergerät und der Digi-Videocam den Rocksaum ihrer gleichfalls in der vom Fernsehen diktierten Vorpubertät befindlichen Nachbarin, danach natürlich gleich ins Internet damit!).

Nein, neue Konzepte braucht es, um die Menschen wieder stärker zur Quotensteigerung zu zwingen (Dotwins? Wie lächerlich! Wie wärs mit einem 5-Jahres-Plan und monatlicher Normerhöhung? Der Fernseh-Arbeiter der Woche? Wollen doch die "guten Dinge" von "drüben" irgendwie erhalten, außer den Ampelmännchen, oder?) und der Werbung einen feinen Spielplatz zu bereiten.

Der Fernsehgott in persona ist Holländer: Mr. Endemol hat sich nicht lange bitten lassen und das (wie immer vorher an anscheinend wehrlosen Niederländern erfolgreich erprobte) neue Modell ins Fernsehen bugsiert: Big Diet. Die Sendung soll wohl der Antagonist zu "Girls-Camp" sein. Eigentlich ist es völlig belanglos, ob es jetzt um Dicke, (angeblich) geile Weiber, zukünftige Robinsons oder typische Vertreter der Generation Golf geht: Der Paradigmen-wechsel bezieht sich nur auf die Zutaten, nicht auf das eigentliche Rezept. Diesmal müssen zwölf Wohlstands-Fettleibige 106 Tage in einem Computer überwachten Container (der jetzt "Wellness-Farm" heißt, etwas verwirrend für ältere Zuschauer) überstehen. Hauptziel dabei ist es, so viel Speck wie möglich abzutrainieren. Dafür werden die Kandidaten durch ein sehr schickes und sportives Trainingsprogramm gejagt. Dauernölend und wie die apokalyptischen Reiter auf Vernichtung jedes Pfundes (Verstand) aus gebärden sich die zwei Fitness-Trainer (sagt man das so richtig, liebe Fit for fun?), die zwar kaum eine Silbe vernünftiges Deutsch beherrschen (oh, wie politisch unkorrekt, der eine ist doch ein Schwarzer! Oder sagt man Farbiger?), dafür aber mit den Kandidaten durch die freie Natur hampeln (Köln und Umgebung, manchmal natürlich auch in der Wellness-Farm). Besonders gut gefällt es mir dabei, dass auch hier keinem die eigene Entwürdigung missfällt, solange man nur medial richtig in Szene gesetzt wird.

Die Kandidaten unterscheiden sich eigentlich kaum von denen anderer Sendungen, sie sind halt einfach nur dick. Allerdings ist auch einer dabei (Daniel, glaube ich), der eigentlich gar kein Übergewicht hat, aber doch so schnieke dreinschauen kann, dass ein kleiner Fettansatz am Bauch wohl genügte, ihn durchs Casting zu schleusen. Der dicke Marco mit den roten Haaren hat bisher das einzige Highlight der Sendung gesetzt, als er versuchte, mit Domestos seine roten Haare zu bleichen (schade, dass es zu keinen Verätzungen kam, hätte die Wellness-Farm in Schwung gebracht) Dafür hat er sich dann seinen Kopf gleich danach kahl geschoren (Teaser für den nächsten Tag: "Noch mehr nackte Tatsachen, morgen, 20.15, RTLII": Wahnsinn, oder?). Marco, anscheinend kurz vor dem Wahnsinn, hat bereits nach einer Woche freiwillig die Wellness-Farm verlassen ("Ich schaff das nicht"! Ah ja, Marco, sehr interessant).

Von wegen nackter Tatsachen: die Damen sind weder hübscher noch hässlicher als die bei Big Brother (von Girls-Camp gar nicht zu reden, "Fratzenbaracke" eine der wenig gelungen Aperçus von S.Raab), einfach nur dicker. Eine von ihnen (kommt aus Essen, heißt Sabina) hat wohl schon in anderen dubiosen Körperkulturshows (ich nenne das einfach mal so) mitgewirkt, aber nie wirklich abgenommen (das ist wohl ihr Geheimnis, sie hofft wohl auf eine Gesangskarriere). Sabina ist übrigens die Zweite, die unter Heulen und Zähneklappern der anderen die Farm freiwillig verlassen hat ("Einfach nicht das Richtige für mich", sprachs, und futterte erst mal ein Schmalzbrot). Sehr schade, denn sie erzählte gerne von ihren peinlichsten Sex-Erlebnissen (als sie nach dem Sex die Unterhose ihres Opfers auf dem Kopf fand, haha!). Eine andere (Claudia, anscheinend Schwäbin) räsoniert über die Ursachen dafür, dass sie in Discos von Männern nicht angesprochen wird ("Ich seh´ halt immer so arrogant aus"! Armes dickes Mädchen). Wunderbar, wie man hier den psychologischen Effekt der Verdrängung der Realitäten in das Freudsche "Es" beobachten kann.

Da die Dicken nicht essen dürfen (gemein: man hat natürlich einen Kühlschrank mit allerlei Verführungen im Container aufgestellt, direkt dahinter die Kamera), müssen sie das anscheinend mit dauerndem Sex-Talk kompensieren. Wirklich interessant ist nur der Typ mit den hoch geschmierten Haaren. Auch er nicht einer der besonders Dicken, dafür doch gewitzter als viele andere seiner Real-people-Vorgänger. Die Art und Weise, wie er das Öffnen einer Bierflasche (VERBOTEN!!! Das hat doch Kalorien! Und Joule!) mit einem ironischen, mehrfach wiederholten Lächeln für die gierig glotzende Kamera zelebrierte, hatte zumindest den Ansatz von Selbstironie und Sarkasmus erkennen lassen. Ich glaube, das ist Oli. Völlig unsäglich dagegen der Albino Michael, rot-blondes Muttersöhnchen mit Hang zu (sehr) schlechten und unangebrachten Witzen, leider mit einer Vorliebe für falsches und penetrantes Gitarrespielen. Grausam witzig, wie er nach dem Auszug von Sabina versuchte, die deprimierten Kollegen mit einem unsäglichen, anscheinend selbst verfassten Diät-Witzich-witzich-Song aufzubauen (auch er spekuliert wohl auf die Charts!).

Nackte Tatsachen, wie RTL II verspricht, werden sowieso nie gezeigt, man will sie auch gar nicht sehen (trotz allem natürlich seien die wenigen Fettfetischisten durch diese Aussage nicht diskriminiert!).
Was will man denn sehen? Täglich eine Stunde in RTL II, wie wird diese gefüllt?
20 Min. Essen kochen (sehr witzig: der Diät-Koch (vorher tm3), der mit den Kandidaten kocht, ist selbst ein kleines Dickerchen!!), 20 Min mit den zwei hirnlosen Aerobic-Idioten schwitzen im Freien oder im Sportstudio. 10 Min Sex-talks bzw. die von den anderen Sendungen allseits bekannten Belanglosigkeiten (haste mal ´ne Kippe?).
Zu gewinnen gibt es natürlich auch etwas: am Ende der Show (Mitte September, man stelle sich das vor!) sollen die Zuschauer den beliebtesten Abnehmer und die beliebteste Abnehmerin wählen, sollte die Show noch existieren. Die Pfunde, die sie bis dahin verloren haben, werden in Gold aufgewogen. Einen Haken gibt es (angeblich): Die Kandidaten werden jede Woche einmal gewogen. Sie müssen jeweils ein gefordertes Quantum an Gewicht abgenommen haben. Ist dies nicht der Fall, gibt es die sog. "Gelbe Karte" (cool, kenn´ ich vom Fußball, und Bundesliga hat ja sowieso gerade Pause). Auch beim zweiten Fehlschlag setzt es eine "Gelbe Karte" (Häh, is beim Fußball aber anders). Auch beim dritten Mal gibt es eine "Gelbe Karte" (Was?). Hier darf nun der geschätzte Consumer Zuschauer entscheiden, ob der böse, böse Dicke weiter in der Wellness-Farm leben darf ("Will der Sauhund einfach nicht abnehmen!?").

So weit schön sinnlos! Leider hat man auf den psychologisch belastenden Aspekt des "Aus-Dem-Haus-Votens", wie wir ihn alle von Big Brother kennen und lieben, verzichtet. Damals wurde Hass, Neid und Missgunst der Kandidaten von Anfang an geschürt, und der Klein- und Nervenkrieg war es ja, der uns so scharf auf diese Sendung gemacht hat. Das fehlt leider bei Big Diet . Hier geht (und das ist nun aber auch wiederum das Tolle) alles äußerst politisch korrekt zu. Das ganze wird einem nach den Motti verkauft: "Dicke sind auch Menschen", "Mehr Toleranz für Fettleibige", "Dick und doch sexy" (komischerweise, denn das Ziel ist ja gerade Gewichtsreduktion!), und mit denen sind wir durch die überbordende Talk-Show-Kultur ausreichend vertraut. In diesem Sinne hat die Moderatorin der Sendung bei den ersten 4 gelben Karten auch gleich viermal ein Auge zugedrückt (ach je, Daniel, Du hast es nicht geschafft, aber wer konnte ahnen, dass Du so schnell Muskelmasse aufbaust? Ach je, Klaus, da kannst Du nichts dafür, das ist bei Dir die verlangsamte Entwässerung: in diesen Momenten erlangt die Sendung höchstes Niveau und atemberaubende Spannung). Nicht umsonst scheinen die Verantwortlichen Margarete vorzuwerfen, dass sie die Vorgaben der Show spontan und willkürlich verändert.

Tragisch, tragisch: trotz dieses betont "netten" Umgangs mit den dicken Kandidaten (bloß keinen Druck machen, psychologische und ärztliche und hirnlose-aeorbic-rumturnende Betreuung und Liebkosung) melden sich die Bedenkenträger zu Wort: Der Patientenschutz (Berlin) kritisiert, dass nicht genügend auf die Risiken des Abnehmens hingewiesen werde (Quatsch! Die Pilotsendung hat nichts anderes gemacht), man würde zu ungesundem Abnehmen verleitet (Institut für Ernährungsmedizin Aachen) und man mache sich einen Spaß aus den Dicken (ja, aber gerade darum geht es ja wohl!).
Alles Unsinn: Wer würde nicht einmal gerne 3 Monate raus aus dem Beruf, auf einer Wellness-Farm mit Swimmingpool jeden Tag umsorgt und versorgt werden, mit ärztlichem Beistand ein paar Pfunde los werden und ansonsten nichts tun? Die erzwungene Schnelldiät von Otto und Ottilie Normalverbraucher ist allemal ungesunder. Die haben zumeist sowieso keine Zeit für Abnehmen, da sie ja arbeiten müssen (Ein Glück gibt es die Bibel Fit for fun, die hilft uns über solche Glaubenskrisen hinweg).

Ein Wort sei noch dem eigentlichen Star der Sendung vergönnt, das Comeback (und kurz danach der Rücktritt) des Jahres, worauf Fernsehdeutschland nun schon so lange gewartet hat: Margarete Schreinemakers ist wieder da (und schon bald wieder weg)! Ja, wie Phönix aus der Asche, hier allerdings eher wie Lolita aus dem Sonnenstudio. Kleidung (Girlie-Look, der vor 5 Jahren angesagt war/tiefbraun/kleiner, wohl im Sonnenstudio geschrumpft).
Ganz hervorragend leitete sie die Pilotsendung, und man merkte gleich, dass ihr weinerlicher, an jeder Stelle um Humanität und Mitgefühl ringender Singsang genau richtig ist für Big Diet (komischerweise empfanden das die Damen und Herren von Endemol anders: ihr "monströses Ego" störe). Sie hat sich deutlich verändert: Sie ist recht mager geworden (wahrscheinlich vom Sender verordnete Magersucht?), ihre Haare sind überdeutlich blond gefärbt und ihre Haut schreit schon fast nach einem deftigen Melanom (aber nein, sagt da Fit for fun, die angenehme Bräune aus dem Sonnenstudio ist doch nicht schädlich, nein, ihre Haut altert dabei keine Sekunde, im Test die besten Selbstbräuner usw.). Jeden Abend fand sie sich in der Wellness-Farm ein, um mit ihren dicken Lieblingen zentrale Fragen des Menschseins zu diskutieren ("Wann hat das bei dir angefangen mit dem Dickerwerden"? Toll, diese Frage streift ins Existentialistische und erinnert uns an Freuds Psychoanalyse: entsprechende Antworten finden sich dann auch schnell: "das fing an, als meine Mutter gestorben ist (Schnitt: betroffener Blick Schreinemakers), und dann hab ich einfach zu viel gegessen!" Ach was!). Jeden Sonntag (oder wars Samstag wie bei Big Brother?) war dann geplant, sich im Studio zum Wiegen (man erinnere sich der Gelben Karten) und zum weiteren Reden und Diskutieren zu treffen. Besonders beliebt dann die Kommentare der Angehörigen des die Sendung begleitenden Ärzteteams.

Eine schöne Anekdote aus der Pilotsendung: Als die dicken weiblichen Kandidaten auf einer Couch Platz genommen hatten, sollte ein "Show-Act" die Tristesse etwas würzen. Da hat sich der Sender Sarah Connor ausgesucht ("Let´s get back to bed, boy" mit TQ), die dann mehr als aufreizend vor den Dicken rumgetanzt ist. Wer sie nicht kennt: sie ist optisch genau das Gegenteil von Schreinemakers, was Haar- und Hautfarbe und Körpergröße angeht (richtig blond, normal braun, groß), und bezüglich Körpermasse natürlich kein Kandidat für Big Diet. So tanzte diese Inkarnation des Jugend- und Körperwahnes vor den nach Schlankheit lechzenden Damen herum, sozusagen als kleiner Appetizer für Gewichtsverlust! (Ach, wie gemein, RTL II).

Die Show beendete oder füllte (das spielt weniger eine Rolle) Margarete meist mit Fitness-Tipps für den deutschen Durchschnittsdicken (auch die Aerobic-Typen durften dabei helfen, soweit sie gerade in der Lage waren, zu artikulieren), am Ende das Sahnehäubchen war natürlich die Moral: Achten Sie auf ihr Gewicht! Machen sie auch mit! Nehmt Rücksicht auf Dicke! Werden Sie das 1. BigDiet-Dorf Deutschlands! Wertschätzen Sie die Demokratie usw.usw.usw.

Trotzdem: Leider guckt niemand zu. Bei den interessanten Zielgruppen (die Pubertierenden von 5-30 Jahren) war der Marktanteil bei 5%. Die Preise für die Werbespots sind schon um 75% gefallen. RTL II beschränkt sich auf vier Ausstrahlungen in der Woche (statt sieben, schade). Die Sendung wird wohl vor Ablauf der 106 Tage vorzeitig beendet. Lustigerweise hat der Sender mit den an der Sendung Arbeitenden (Gesamtkosten der Show: 30 Mio. DM!!!) von Anfang an nur einen Vertrag bis zum 30.6.01 abgeschlossen. Die wussten wohl schon, wie sich das ganze anlassen würde?! Was wird dann mit denen gerade in einer kritischen Phase des Abnehmens befindlichen Kandidaten geschehen? Wäre das im Abnehmprozess medizinisch nicht unverantwortlich? Vielleicht betreut sie Margarete ja dann privat weiter (aufgezeichnet mit einer Digi-Cam, vielleicht?).

Denn Margarete hat als (gut gebräunte und durchtrainierte) erste Ratte das sinkende Schiff verlassen (auch wenn sie noch drei Wochen vorläufig weiter leiden muss). Ein Beleg dafür, dass ihr bis dahin geheucheltes Interesse an Sujet und Kandidaten absoluter Fake war. Wie schön, wenn sich das Fernsehen selbst entlarvt. Auch ihre Begründung gibt mehr von ihr preis, als sie beabsichtigt hat: angeblich habe sie sich unter dem Format eine Art Infosendung zum Thema Gewichtsverlust und Diät vorgestellt (eine Art Hans Meiser, nur mit dem ewig gleichen Thema an jedem Sendetag). Dies käme ihr nun zu kurz. Wenn dem so ist, muss sie an einer extremeren Form von Schizophrenie leiden, denn das bei der Sache auch Kameras und Kandidaten im Spiel sein und dabei im Mittelpunkt des Spektakels stehen sollten, war eigentlich jedem klar. Wären die Quoten wie gewünscht, hätte unsere Margarete das Konzept verherrlicht. Mit Sicherheit.

Aber in solchen Fällen gibt es ja die Personifizierung der deutschen Kunst- und Kultur-Intelligenzia: Verona Feldbusch als multimediale Heilsbringerin, die sich lediglich durch die Größe ihrer Brüste und ansonsten durch Vakuum als Kultstar etabliert hat. Auch Schöneberger, die gescheiterte Show-Moderatorinnen-Katastrophe von "Girls-Camp" sand angeblich zur Verfügung (Muss man seinen Koks-Konsum und seine Unfähigkeit so offen zur Schau stellen, Frau Schöneberger?). Letztendlich fiel die Entscheidung aber auf Jenny Elvers. Und wenn wir alle ehrlich sind, ist sie noch weit mehr als Feldbusch und Schöneberger die absolute Idealbesetzung für die Stelle.

Hoffnung wegen der geringen Einschaltquoten? Die Deutschen haben doch noch Geschmack bewiesen und sich gegen das Format entschieden? Nein, leider kann ich das nicht ganz glauben. Die Leute schalten nicht ab, weil sich in ihren Hirnen ein kognitiver Prozess vollzogen hat, sondern einfach deswegen, weil ihnen das Format schon jetzt langweilig geworden ist. Auch wenn die Insassen sich verändern: letztendlich ist alles die gleiche Sauce, die einen langweilt wie der BigMac nach einer gewissen Zeit (umso unheimlicher die Langweileresistenz bei Verona F.: BigTits scheinen zeitlos zu sein, also doch noch mal "Girls-Camp"?). Wenn man dann ein oder zwei Monate nicht mehr zu McDonalds gegangen ist, schmeckt es danach umso besser. Deswegen wird der TV-Konsument auf neue, aufregendere, aggressivere Konzepte wieder anspringen, wenn man damit in einem Jahr aufwartet. Sie werden kommen, so sicher wie die Pränatale Implantationsdiagnostik kommen wird. Dies ist aber leider kein Zeichen dafür, dass sich irgend jemand bewusst für oder gegen etwas entscheidet bzw. der Geschmack regiert (würde sonst Günter Jauch mit dem unsäglichen Spiel für dumme Möchtegernmillionäre alle Deutschen vor den Schirm locken: spätestens hier ist doch klar: die Oberfläche ist wichtig, der Gehalt dahinter hat nie ernsthaft interessiert).

Im Bereich Real-People-TV ist Deutschen und Holländern Indonesien, wie in so vielen Dingen, wieder einmal weit voraus. Soll die Quote steigen, sollte man mal nicht in Amsterdam, sondern auf Jolo nachfragen. Beweise gefällig?

Der Sensationserfolg "Jolo-Die Insel" wurde fortgesetzt. Er ist ausbaufähig:

Comander Robot, der Endemol Vorderasiens, führt erneut 40 Kandidaten aus verschiedenen zivilisierten Ländern durch die "Hölle" (seine ganz spezielle Art der Wellness-Farm) von Jolo!
Deutsche Kandidaten sind diesmal leider nicht dabei, obwohl der letztjährige
Überraschungssieger Mark Wallert mittlerweile in seiner Heimat zum Star geworden
ist.
Verschärfte Bedingungen diesmal: Die "Bewohner" des kleinen Geiselcamps bekommen
nur noch wässrige Reissuppe (auch wegen des Abnehmens, nur so wird es etwas mit dem Terroristen-gestählten Waschbrettbauch), jede Woche wird einer von ihnen exekutiert, bis am Ende die letzten 5 Kandidaten durch die Fernsehzuschauer in Libyen aus dem Camp nominiert werden!
Der letzte, der nicht durch Lösegeld freigekauft wird, darf ein weiteres Jahr
auf Jolo verbringen!!!
Die Sensation: in der Pilotsendung ("Die Entführung") auf RTL stellte Marc Wallert seine neue Single (Domo arigato, Mr. Roboto) vor.
Auch diesmal sind wieder Schwangere mit "an Bord", außerdem hat man einen
Aids-Infizierten in die Gruppe geschmuggelt. Die Zuschauer dürfen während der 6
Monate raten, um wen es sich bei diesem "Maulwurf" handelt und ober es schafft, einen Abbu-Sayaf-Rebellen unbemerkt mit dem Virus zu infizieren!
So macht man Quote, lieber Endemol!

Wie wärs bei uns denn mal mit dem "RAF-Camp", statt dem doch eher langweilig geratenen "Girls-Camp". Ist ja grade wieder voll in, das mit der RAF. Zwölf junge Nachwuchsterroristen lassen sich politisch indoktrinieren und in den Grundlagen des Guerilla-Kampfes ausbilden. Lustige Wochenaufgaben lockern die Sendung auf (Bombenbasteln für Anfänger, Erpresserbriefe kleben usw.). So ein Maschinengewehr ist außerdem ja auch ganz schön sexy, und männlich, v.a. in der Kombination mit einem verwegenen Dreitagebart und Waschbrettbauch (Empfehlung in Men´s Health). Als Moderator oder Stargast könnte man Joschka F. einladen, der zwischen zwei Werbepausen über seine militante Vergangenheit plaudert und Tipps für die Molli-Bastler geben kann.

Und dann, wenn mindestens zwei oder drei dieser Projekte gleichzeitig laufen, ist an ein gelungenes Crossover zu denken:
Die Fetten von Big Diet im Kampf mit den Radikalen von "RAF-Camp"?
Die Sieger werden einen Monat länger ausgestrahlt, ehrlich, ganz ohne Quote!

martin schnarr, 14. Juni 01

 

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Danke, liebe Auf-klärung, dass Du diesen tollen Prozess angeschubst hast und wir jetzt alle ganz, ganz glücklich, da individuell, sportlich und sexy sind.
"Will der Sauhund einfach nicht abneh-men!?"
Dotwins? Wie lächer-lich! Wie wärs mit einem 5-Jahres-Plan und monatlicher Normerhöhung? Der Fernseh-Arbeiter der Woche?
Es sind nur Symp-tome, die Pickel unserer Zeit, deren unterschwelliger Eiterfluss eine Dokumentation unserer Existenz ist.
"Einfach nicht das Richtige für mich", sprachs, und futterte erst mal ein Schmalz-brot.
Comander Robot, der Endemol Vorderasiens, führt erneut 40 Kan-didaten aus verschie-denen zivilisierten Ländern durch die "Hölle" (seine ganz spezielle Art der Wellness-Farm) von Jolo!
Margarete im Girlie-Look, der vor 5 Jahren angesagt war/tiefbraun/kleiner, wohl im Sonnenstudio geschrumpft.
Wie wärs denn mal mit dem "RAF-Camp", statt dem doch eher lang-weilig geratenen "Girls-Camp". Zwölf junge Nachwuchsterroristen lassen sich politisch indoktrinieren und in den Grundlagen des Guerilla-Kampfes ausbilden. Lustige Wochenaufgaben lockern die Sendung auf (Bombenbasteln für Anfänger, Erpresserbriefe kleben usw.)
Muss man seinen Koks-Konsum und seine Unfähigkeit so offen zur Schau stellen, Frau Schöneberger?