Fun Lovin' Criminals live
"smoooth..."

"smoooth..."
Die Atmosphäre eines jener unendlich heißen Sommertage in New York, an denen die Luft so schwer ist, dass man sie geradezu spüren kann, und die Hitze unfähig macht zu allem außer einer Verschmelzung von Wahrneh-mung und Empfindung, in der man am liebsten ewig hängenbliebe.
Schon mal in New York gewesen?
Die Fun Lovin' Criminals kommen aus New York, einer Stadt, deren Fas-zination in der Mischung aus perfekter Fassade und profunder Mensch-lichkeit liegt, und diese Mischung findet sich auch in ihren Auftritten wie-der.
Musikalisch sind die Criminals beeindruckend, beherrschen ihre Instrumen-te mit scheinbar müheloser Entspanntheit, und gehen mit offensichtlicher Spielfreude ans Werk. Auf große Effekte oder eine extravagante Light-show verzichten sie; ihrer musikalischen Virtuosität setzen sie die Offen-heit ihrer Charaktere und die Authentizität ihrer Herkunft entgegen. Für Bullshit ist kein Platz, hier geht's um Musik.
Mit ihren Anzügen, weit aufgeknöpften Hemden und protzigen Schmuck-stücken sehen die drei zwar auf den ersten Blick so aus, als hätten sie sich aus einem billigen Film hierher verirrt; Hueys aalglatter Charme er-weist sich jedoch alsbald als Nebensächlichkeit, hinter der ein wirkliches Bedürfnis steht, das Publikum nicht nur zu unterhalten, sondern auch emotional zu erreichen. Er sucht den Kontakt zu den Zuschauern, schäkert und macht Scherze; er erläutert aber auch den Hintergrund der Songs, und man spürt, dass es ihm hier um die Vermittlung eines Lebens-gefühls geht, das sowohl Liebe und Sinnesfreude als auch Trauer und Ver-zweiflung, kurz: die Zwiespältigkeit seiner Heimatstadt beinhaltet.
Auf der Setliste herrscht demzufolge Abwechslung: Material von allen Alben, mal laut und krachend, mal leise und nachdenklich; und das Pub-likum - von 15 bis 50 scheint jede Altersstufe vertreten - macht der musi-kalischen Vielfalt alle Ehre - zu "King Of New York", "Scooby Snacks" oder "Korean Bodega" bricht wildes Gehüpfe aus, langsameren Nummern wie "Half A Block" wird andächtig gelauscht, und Fasts punktgenaue Trompe-teneinlagen oder Hueys Slidegitarre bei "Little Song" werden mit respekt-voller Aufmerksamkeit und spontanem Beifall gewürdigt.
Die große Stärke der Fun Lovin' Criminals liegt jedoch in der Atmosphäre, die sie erzeugen; die Atmosphäre eines jener unendlich heißen Sommer-tage in New York, an denen die Luft so schwer ist, daß man sie geradezu spüren kann, und die Hitze unfähig macht zu allem außer einer Verschmel-zung von Wahrnehmung und Empfindung, in der man am liebsten ewig hängenbliebe.
Es gelingt ihnen tatsächlich, den unvergleichlichen Groove, den man von ihren Studioaufnahmen kennt, auf die Bühne und in die Halle hinaus zu transportieren, das Publikum damit einzuhüllen und darin einzubeziehen, und bei aller klanglichen Perfektion das Gefühl zu erzeugen, da spielten nur ein paar Jungs von nebenan für ihre Kumpels. Nach anderthalb Stun-den ist der Zauber leider vorbei, aber ein bisschen was von dieser Atmos-phäre aufzubewahren, gelingt vielleicht doch - um sie wieder hervorzu-holen an einem heißen Sommerabend, mit einer FLC-Platte, einem Drink oder zwei, und einigen guten Freunden.
anna.blue
Fun Lovin' Criminals, Stuttgart LKA, 24.04.2001