Ein Film, auf den man sich freuen durfte. George Clooney und Brad Pitt, die beiden 'most sexiest men alive', soweit man "Frau im Spiegel" vertrauen will, Julia Roberts dazu, der gleichfalls gewisser Sex-Appeal nicht abgesprochen werden darf und Andy Garcia und Matt Damon und Elliott Gould und ... und ... und über allem thronend Steven Soderbergh - ein sympathischer und intelligenter Regisseur.
Der ehemalige Independent-Filmer ("Sex, Lies and Videotape") hatte in den letzten Jahren mit "Out of Sight" und "Traffic" gezeigt, dass innerhalb des Hollywood-Systems durchaus Raum gewonnen werden konnte für Filme, die einen sophisticated plot anstrebten, ohne dabei jedoch die künstlerische Authentizität des Regisseurs zu verraten und sich in SFX-Mätzchen zu verlieren. Soderbergh, einer, der zu lange out war, bewies gerade mit "Traffic" nachhaltig, dass auf die Ressourcen der Studios zugegriffen werden durfte, ohne dass filmische Visionen auf dem Altar des Mainstream geopfert werden mussten.
Dieb Danny Ocean (George Clooney) wird unter Bewährungsauflagen aus dem Gefängnis entlassen. Ohne viel Zeit zu verschwenden tut er sich mit dem Pokerspieler Dusty Ryan (Brad Pitt)zusammen und geht stante pede daran, drei Las Vegas-Casinos um die Summe von 150 Millionen Dollar zu erleichtern.
Soderbergh lässt Clooney und Pitt mit der Kamera spielen und zieht den Zuschauer mit perfektem Timing in den Film hinein. Die Rekrutierung der Helfer verfährt zwar nach klassischem Muster, macht aber gerade über die Wiedererkennung viel Freude. Ein artistischer Gummimensch, der obligatorische schusselige HiTec-Freak, ein RemoteControl-Aficionado und viele mehr. Das macht Spaß, Laune und weckt die Freude auf das, was noch kommen mag. Allein das Gespräch von Ocean und Ryan mit Reuben Tishkoff (Elliott Gould - brillant!) führt den Glam auf neue Höhen. Der sprachliche Witz kursiert und alle sind unglaublich cool. Soderbergh lässt seine Stars spielen und tritt als Regisseur zurück. Stattdessen montiert er scheinbar dokumentarische Szenen aus den 60ern, 70ern und 80ern unter, zitiert spielerisch unter anderem Miami Vice und tut das ganz leicht, ohne den Fluss der Handlung zu stören und ohne die heute möglichen technischen Möglichkeiten plakativ einzusetzen. Seine Schnittfolge ist delikat, die Ausstattung umwerfend, das Licht verleiht gleißenden 60s-Charme. Großartig!
Danny Oceans Plan, die Casinos auszurauben, hat jedoch nur vordergründig mit den 150 Millionen zu schaffen, die dort im gemeinsamen Safe lagern. Im Mittelpunkt seines Interesses steht der vermeintlich letzte Kampf um seine Frau Tess (Julia Roberts), die seit seiner Verhaftung mit dem Besitzer der drei ausgesuchten Casinos, Terry Benedict (Andy Garcia), zusammenlebt.
Wer die Fortsetzung des eleganten Witzes erwartet, den das erste Drittel des Films versprach, wird enttäuscht und von Whiskey auf Pepsi heruntergesetzt. Roberts und Clooney besitzen kaum Szenen miteinander und Garcia, welcher den Finsterling zu geben hat, erhält keine wirkliche Gelegenheit, seine Rolle über gewohnte klischeehafte Ansätze hinaus zu entwickeln.
Die Schauspieler treten insgesamt zurück zugunsten der Durchführung des Masterplans. Denn während Lennox Lewis und Klitschko einen Vereinigungskampf kämpfen brechen die 11 ein, zünden gar einen EMP und führen den wohl in die Filmgeschichte als 'most complicated' eingehenden Bruch durch.
Das ist schön anzusehen und spannend.
Aber benötigt es dafür Clooney? Braucht man dafür Pitt und Roberts? Ihre Namen mögen Fans in die Kinosessel treiben und aus "Ocean's Eleven" einen Dukatenesel machen. Aber möchte man die Stars dann nicht auch sehen?
Elliott Gould tritt bis auf einige Stichworte nicht mehr in Erscheinung und Garcia reagiert nur. Das Ensemble wird an die Leine genommen und erhält nicht für einen Moment die Chance, gegen den Rat Pack-Mythos des Originals anzuspielen. Das zu Beginn angedeutete Duell um Geld und Frau mit Besitzer und Liebhaber bleibt aus und wird auf das Technische eines raffinierten und hervorragend (!) inszenierten Überfalls reduziert. Schaue man sich "Out of Sight" noch einmal an und überlege, was aus "Ocean's Eleven" hätte werden können. Dominierte dort, verwoben mit einem Thriller-Subplot, die Entwicklung menschlicher Beziehungen vor der Kamera, scheinen jene in "Ocean's Eleven" bereits abgeschlossen und können auf Knopfdruck reanimiert werden.
Soderberghs Charaktere geraten in den Hintergrund, wirken wie unbenutzte Requisiten und funktionieren lediglich über den Bezug auf Archetypen - es wird rekurriert auf das, was in den letzten 40 Jahren Filmgeschichte den Gattungen "Lovestory" und "Thriller á la Topkapi" eingefügt wurde - auf die eigentliche Darstellung wird verzichtet. Das ist schade, da hier Soderbergh, Clooney, Roberts und Garcia am Set waren und nicht die Farrellys und Ben Stiller. Sie hätten einen Klassiker zu schaffen vermocht, der klassisch werden würde über die Charaktere und nicht des "Grab and Run"-Vehikels wegen, auf das er sich schließlich herabstutzt.
So bleibt zu fragen, weshalb ein intelligenter Mensch wie Soderbergh sich einen Klassiker zur Brust nimmt, ihm jedoch nichts Neues abzugewinnen in der Lage ist. Der Glam und die Coolness des Rat Packs kann nicht kopiert werden. Das wusste der Regisseur. Doch warum Clooney, Pitt und Gould nicht die Chance dazu geben, ihre eigene Coolness zu entwickeln? Das Set stimmte, der Schauplatz spielt mit und Drehbücher überarbeiten, das vermag Soderbergh schließlich wie kein anderer. War der Respekt zu groß vor dem Monument und das Vertrauen in die Fähigkeiten des Ensembles so gering, dass man sich flüchten musste in fein stilisierte Action? Jene ist zwar wohl temperiert und angenehm zu beschauen - rückt jedoch den Mythos aus dem Bild und die Schauspieler sowieso.
So bleibt ein unterhaltsamer und bemerkenswerter Film, der glitzert und die Kinogeschichte um einige unvergessliche Szenen bereichert - dem es jedoch nicht gelingt, jene miteinander zu verbinden und ein Ganzes daraus zu fertigen, was seine Wurzeln allein in der Darstellung der Schauspieler haben kann - und nicht im Abfilmen einer Einbruchs-Olympiade.
kirstaetter,
5.01.02.
Steven Soderbergh
Ocean's Eleven

"He came, he grabbed - they conquered"
Sinatra, Dean Martin und Angie Dickinson spielten vor 40 Jahren ihre Rollen. Sollte das Ehrfurcht einflößen?Nicht Steven Soderbergh, George Clooney und Ms. Roberts ...

Ryan: "Why do this?"
Ocean: "Why not do it?"