Gemein ist so was!

Hat er nicht verdient der Herr Sommer! Da kann man es verstehen, dass er die Miliz losschickt und selbst als Tele-Taliban all jene am Genick zu packen sucht, die dabei sind, Anlegers letztes Hemd zu retten und für den Verkauf der T-Aktie missionieren gehen.

Im Auftrag des T-Gottestaates Sind sie seitdem unterwegs, Herr Sommer, und Sie schauen grimmig drein und scheinen fest entschlossen dabei. Nichts mehr von der J.J. Darboven-Jovialität ("Aus Freude am Leben: Idee-Kaffee") des frühen Beginnens oder der Zielstrebigkeit eines Herrn Kaisers ("Hach, der Herr Sommer von der Deutschen Telekom!") in Zeiten des IPOs.

Wie schön die Zeit, als Manfred Krug und Charles Brauer noch lässig über die dritte Tranche plaudern durften und sich Brauer anschließend für XXL sogar den Schnurres abrasieren ließ. Krug hat inzwischen gekündigt, da er Sippenhaft fürchtet und ist übergelaufen zu den Häretikern. Was soll er auch machen, der arme Mann! Ein Heer blindwütiger Kleinanleger macht ihm die Hölle heiß und fordert Genugtuung für Wertverlust, Hausverlust und Frau-ist-seitdem-auch-weg-Frust. Was kann er dafür, dass der Durchschnittsdeutsche eben nicht zwischen Form und Inhalt ("MogelCom") unterscheiden und sich bloß runde Gesichter merken kann?

Holen Sie eben den Horst Schimanski mit ins Boot, Herr Sommer. Ist auch Tatort und viel effektiver als der Bänkelsänger. Horst ist ein rechter Haudrauf und kann zwar wohl niemanden animieren, auch nur irgend etwas zu kaufen ("Mein e.on, dein e.on"), aber mit stoppelbärtigem Erscheinen sehr wohl davon abhalten, etwas zu verkaufen.

Man stelle sich den Werbespot folgendermaßen vor: ein Kleinkunde steht zitternd und weinend am Schalter seiner örtlichen Sparkasse, da spricht er das böse Wort auch schon aus: "Verkaufen Sie den Scheiß. Was krieg ich'n noch dafür?" Aber da stürzt schon Schimanski in die Filiale, rempelt an der Tür noch schnell den ConSors-Bullen um und drischt dem vaterlandslosen Gesellen einmal kräftig in die Magengegend. Da Eberhard Feik leider tot ist, zuckelt Robert T- Online hinterher und zischelt ein paar Sottisen ans Ohr des Zuschauers ("TTTT-DDDDDSSSLLLLLL, Highspeed! Anschlussdauer ca. 18 Monate, He He He!").

Haben Sie vollkommen recht, Herr Sommer, wo gehobelt wird, da fallen Späne und mit Manfred Krugs Wohlfühlpalaver kommt man in diesen Zeiten nicht weiter.

"Heute haben wir einen Aktienkurs von 92 Euro pro Aktie, das heißt bei 3 Mrd Aktien die es gibt etwa 270 Mrd Euro oder 540 Mrd DM, die ist das Unternehmen wert. Darum machen wir uns weniger Sorgen. Wir konzentrieren uns darauf, tolle Produkte zu tollen Preisen so anzubieten, dass der Kunde Spaß daran hat. Einen Geschmack davon habt ihr ja gerade mitbekommen bei den Ankündigungen der Themen, was das Online betrifft. Es gibt noch ein paar andere Dinge, die habe ich heute vergessen zu sagen."

R.S. bei der Ankündigung der Initiative: "Schulen ans Netz", 22.2. 2000


Nein, Sie können da nix für. Dass "das Online" nicht so hinhaut und deine Leute 18 Monate brauchen, um mir ne DSL-Leitung freizuschalten und 6 Monate lang dabei doppelte ISDN-Gebühren berechnen, ne, ne, da können Sie echt nichts für.
Schließlich geben Sie Ihr Bestes und machen genau das, was ein richtiger Manager auch tun sollte.

"Ich habe mehr Respekt vor Managern, die eine Krise vermeiden, als vor noch so guten Krisenmanagern."

Ron Sommer vor dem ersten Börsengang.

Sie reisen die deutschen und internationalen Banken ab und zwingen sie, bloß keine Aktien mehr zu verkaufen. Haben Sie auch Recht. Ist schließlich einfach unfair so was! Da strengt man sich an, kauft weltweit ein Imperium zusammen, bietet Spitzenprodukte an und Happy Digits für treue Kunden ("in jedem siebten Ei, ist jetzt ein Happy Digit mit dabei") und dann ziehen einem alle plötzlich eine Nase und sagen "Ätsch!"

"Einen Tanker dieser Größenordnung muss man behutsam steuern, immerhin kann die Telekom auf eine 500jährige Tradition zurückblicken", haben Sie mal gesagt. Aha! Also auch schon 1618 mit dabei gewesen, wie? Und mit langer Leitung dafür gesorgt, dass aus einer kleinen, christlichen Meinungsverschiedenheit ein 30jähriges Kommunikationsproblem erwachsen konnte?

Aber zurück nach 2001. 70 Euro sei die T-Aktie wert, wenn man mal fair wäre, haben Sie gestern der Welt am Sonntag erklärt. Nun ja, da kommt dann auch ein Bewunderer wie ich allmählich ins Grübeln. Haben Sie die letzten 5 Jahre doch nicht so unbeschadet überstanden, wie es uns Ihr Äußeres nahe legt? Erinnert doch schwer an den alten Bonaparte, als er wieder von St. Helena heimkam und auch der späte (?) Richard M. Nixon schwingt beifällig mit. Betrachtet man die 17 Euro, die Ihr Tanker gerade durchbrochen hat, fühlt man sich erinnert an Grand Fenwick und the mouse on the moon.

Aber wozu sich fürchten? Die T-Aktie ist ja was Langfristiges und nix für Zocker. Der Investor hat schließlich noch keinerlei Geld verloren, sondern darf über satte 2,50 Euro Kursgewinn staunen. Das in Zeiten der Rezession, Sie verkannter Genius! Sie Michelangelo der Telekommunikation, da Vinci des Parketts!

Womit haben Sie die Schmähung nur verdient? Wer von Anfang an dabei war, darf sich schließlich freuen und sagen: "Hab ich doch immer gewusst!", und das sind schließlich fast noch alle. Wer ist schließlich so dämlich und verkauft mit knapp 800% steuerfreiem Gewinn?

...und kein Wort mehr über EM.TV ;)

 

kirstaetter, 20. August 2001


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"It's a cruel hot Sommer"

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Da gab er sich gerade so viel Mühe und warb ganzseitig für seine Telekom, er hat gewütet, gejammert und putzig um Mitleid gebettelt und dann kommt die Deutsche Bank daher und haut ihre 44 Millionen Anteile raus.

"Es kommt nicht darauf an, dass wir auf unsere Technik stolz sind, sondern das Produkt muss begeistern. Wenn das nicht ankommt, dann ist das unsere Schuld, und nicht die der Kunden."

"So gut wie wir ist sonst niemand aufgestellt." Oktober 2000

"Wir müssen kunden-orientierter werden"

"Ich habe mehr Respekt vor Managern, die eine Krise vermeiden, als vor noch so guten Krisen-managern."

Ron Sommer vor dem ersten Börsengang.

"Wir freuen uns auf den Wettbewerb".