Die Reichstagskuppel wird zum Spiegelball. Keine Atempause. Hit auf Hit. Die aus dem Münsterland bzw. Köln nach Berlin geflüchteten Türen-Boys Maurice Summen, Gunther Osburg und Ramin Bijan liefern den Soundtrack für die Disco-Tour durch die große Stadt. Nehmt den Dackel von der Leine und den Beutel aus dem Tee, bei diesem Zitatpop-Überfall werden keine Gefangenen gemacht. Als habe es nie einen Schorsch Kamerun oder Jochen Distelmeyer gegeben, singt/shoutet Maurice Summen adrenalingepusht Texte zwischen Dada, Agitpop, Beat-Lyrik und Herzschmerz (bitte zwischen Sterne, Ween und Helge Schneider einordnen).

Und wie sie SCHWINGT, diese Platte! Andere bewegen sich, die Türen nennen es Groove. Die haben nicht weniger Funk als International Pony, aber sie ersetzen deren Hang zur Lounge durch Punk-Attitüde. Auf der Bühne unter dem Motto „Fehler is King“ mit dem Trash-Hammer unterwegs, funktionieren die Türen auf Platte dank der slicken Produktion als homogene Pop-Band.

Ob Agit-Rock-Knaller („Das Ende der Woche“, „Auto kaputt“), New Wave („Das Mysterium schlägt zurück“, „Ich touch me“), R&B („Türenstern“), andreasdorauesker Schlager („Mädchen meiner Träume) oder Eddie Van Halen-Gitarrensolo („Öde an die Freude“) - die Türen rotzen den wuchtigsten Genrebastard heraus, der je auf Dütschland herabgeblickt hat. Wie alle tollen Pop-Platten klingt „Das (Herz) war Nihilismus“ gleichzeitig modern und zeitlos. Und nach einigen fußlahmen Produkten ehemaliger Größen ist das der nötige Arschtritt zur richtigen Zeit, das Surfbrett für die neue Welle der Kraft.

 

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Die Türen

„Das (Herz) war Nihilismus”

Hell(ge) In Hell:
Die Türen – „Das (Herz) war Nihilismus” (Staatsakt/Kook)

Endlich. Ein feuchter Traum wird wahr. Hier ist sie: die lang ersehnte deutschsprachige Punk-Platte mit Soul, Elektro-Platte mit Witz, Pop-Platte mit Rock.

"... der nötige Arschtritt zur richtigen Zeit, das Surfbrett für die neue Welle der Kraft."