fritz letsch theater-pädagoge
zukunftswerkstatt-moderator

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Version 6 von Juni 2002 mit Zukunftsvertrag
Erstfassung war vom 4.12.1996

Seminar zum Erlernen der Moderation einer Zukunftswerkstatt 23. - 26.10.1998
beim Österreichischen Informationsdienst für Entwicklungspolitik, über die SÜDWIND-agentur

Entwürfe zu neuer Arbeit aus unserer Sicht

Die Methode der Zukunftswerkstatt nach Robert Jungk widerspricht beinahe diametral dem herkömmlichen Verständnis von (meist fremdbestimmter) Arbeit und greift die alte Form des handwerklichen "Selbst-tätig sein" für die Bildungsarbeit auf.

Der gesellschaftliche Arbeitsbegriff ist in seiner Krise zwischen Gelderwerb in einer Anstellung, Freiberuflichkeit und Unternehmertum nach den erfolgreichen Rationalisierungen für zukünftige Entwürfe zu ungenau geworden: Wie regeln wir das Auskommen in einer offenen Gesellschaft im Verhältnis zu Versorgung und Dienstleistungen, den Zugang zu Sicherheit, Luxus und Glück? Welche Formen gemeinschaftlicher Arbeit wie Genossenschaften können wir leben?

Unsere eigenen Wünsche im Verhältnis zur Gesellschaft: Das demokratisch zu regeln ist genau die Aufgabe, der sich Robert Jungk mit dieser Methode gestellt hat. In der Weiterarbeit werden die Teilnehmenden selbst Variationen dazu entwickeln.

Mit ihrem Drei-Phasen-Modell wird die Spannung (Dialektik) zwischen Kritik und Utopie fruchtbar gemacht und in eine (hoffentlich) gemeinsame Strategie umgesetzt. In meinem Konzept stelle ich als Einstieg eine gemeinsame Formulierung des Themas voran und eine Reflexion an den Schluß, die das Erlebte wiederholbar machen soll.

In der vorgegeben Methode werden die Inhalte durch die Teilnehmenden bestimmt:

1. Einheit: Vorstellungen und Thema
1.1. Vorstellungen: Personen, Namen, Rollen, Funktion

Die Teilnehmenden der Seminarreihe, Veranstalter und Referent, klären der Bedingungen

1.2. Einstieg und Definition der gemeinsamen Arbeit

Zeitrahmen: 4 (3) Tage: Freitag abend bis Montag mittag,
Stufen der Intensität bei nur teilweiser Teilnahme,
Aussenbedingungen des Seminars und Freizeitgestaltung

1.3. Ziele der Veranstaltung, Angebote und Wünsche der Beteiligten,

Erleben einer Werkstatt zum Thema Arbeit,
gemeinsame Auswertung der auftretenden Fehler und Problematiken
Reflexion der Methodiken und Planung einer eigenen Werkstatt-Moderation


2. Einheit: Zukunftswerkstatt als Methodenreihe
2.1. Varianten und Einsatzmöglichkeiten: Intensiver erst in der abschließenden Reflexion

Am Beispiel der Werkstatt zum Thema "Arbeit" gingen wir gleich in die Vollen, klärten schon am ersten abend die Punkte, die den Einzelnen daran wichtig und zu verändern waren.

2.2. Konzeptionstechnik und Vorbesprechungen, Zielgruppenbezogen

Grobe Übersicht der Vorbereitung, der Schritte,
zu wenig Klarheit zwischen inhaltlicher Werkstatt und Lernbeispiel

2.3. die Vereinbarungen zu Thema und Beteiligung

hatten auch den früher Abreisenden Chancen eingeräumt,
ich hoffe, die Dauerhaften haben den Zugewinn des letzten rasanten Reflexionstages
für sich realisieren können.

die Dokumentationsmöglichkeiten haben wir zu wenig geklärt


3. Einheit: Analyse- Methoden
3.1. Spinnweb- und Fronten-Analyse: "objektiv und an der Oberfläche"

Hier hatten wir nur die Mind-Maps angefertigt,
die die Themen der Teilnehmenden aufschlüsselten.

3.2. personale Bezüge: Lebenswelt und Herkunftsgeschichte
3.3. gruppendynamischer Bezug: Gemeinsamkeiten und Abgrenzungen

hierunter fallen vor allem die Austauschrunden, die manchmal beinahe in Diskussionen hneinglitten,
und die Zuspitzung zu einem Satz, der in der Runde die verschiedenen Motivationen sichtbar macht.

3.4. und am Schluß: Die positive Wende als Vorgeschmack der Utopie

diese Phase ist durch die Nachfragen sehr präsent gewesen: Sind es die Inhalte bei euch auch noch?


4. Einheit: Vom Traum zur Utopie
4.1. persönliche Träume und Gesellschaftsbilder

Phantasiegeschichte 1
Phantasie 2: Die Pensionierung

4.2. Kriterien im jeweiligen Gruppenbezug, Gestaltung
4.3. Utopien brauchen oft mehrere Anläufe: Auf dem Weg zum gemeinsamen Traum
4.4. Im Plenum: gemeinsame Bewertungen und Entscheidungen

hier war ich etwas überrascht:
Die Äusserungen blieben sehr im idealistischen Bereich,
ließen sich nur schwer in Richtung umsetzbarer Projekte definieren.


5. Einheit: Strategien und Verwirklichung
5.1. Entscheidung und Reduzierung der eigenen und gemeinsamen Ziele
5.2. Zeitplan- Techniken und Planungsmethoden aus verschiedenen Berufssparten

Die Teilnehmenden gingen mit ihren Berufsfähigkeiten an die Arbeit, was zum Teil sehr spannenden Austausch ergab.
Hätten wir mehr Zeit für verschiedene andere Techniken des Projektmanagement nehmen sollen?

5.3. Sicherung der Ergebnisse und ihrer Umsetzung,
5.4. Der Traum von der permanenten Zukunftswerkstatt und die Ängste davor


6. Einheit: Reflexion als Neu-Anfang
6.1. Bewußtmachen der erlebten Arbeitsformen als Lernvorgang (Entzauberung)

Durch die einzelnen Abreisen hat dieser Teil etwas an Aufmerksamkeit verloren:
Trotzdem war der Nationalfeiertags-Montag (mit Hymne!) für mich noch einmal
eine sehr schöne Variante in kleinerer Gruppe:
Die Verschiedenheit der Wahrnehmungen hatte etwas mehr Raum,
die Vorstellung der eigenen Anwendung der Methoden konnte sich intensiver entwickeln.

6.2. Der Dialog und der Lebenswelt- Ansatz bei Paulo Freire
6.3. Die Zukunftswerkstatt- Moderation als Geburtsvorgang


7. Einheit: Gestaltungsformen für Veranstaltungen
7.1. Anlaß und Erwartung, bekannte Vor-Formen prägen unsere Möglichkeiten
7.2. Raum und Gestaltung, Wertschätzung und Austauschformen
7.3. Programmverlauf und Umgang mit Veränderung und Störung

Die verschiedenen Geschwindigkeiten der Teilnehmenden und die Situation,
daß jemand noch in der letzten Phase hängengeblieben ist
oder den Einstieg in eine Utopie-Vorstelllung nicht schafft ...


8. Einheit: Moderationstechniken und persönlicher Stil, Abschiede
8.1. Ich bin meine Person: Bewußtsein bis zum persönlichen Clown
8.2. Auftritt und Berufsrolle: Von der Kleidung bis zum Werkzeug, Sicherheiten
8.3. Zusammenfassung und Verabschiedung: Wie ich mich in Erinnerung behalte

Jetzt wäre natürlich die Zusammenstellung der Inhalte unserer Arbeits-Werkstatt noch spannend,
aber dazu habe ich leider überhaupt keine Aufzeichnungen.
Ich bin neugierig, wie wichtig diese Inhalte bei euren nächsten Treffen bleiben und ob sie in eure
Medienarbeit einfliessen ...

bei annette.schlemm"at"t-online.de findet ihr eine menge überlegungen zum thema arbeit


9. Mein eigenes Thema: Zukunftsvertrag

Problem:
Die vielen Ermässigungen, die notwendig sind, um auch Erwerbslosen und Studierenden den Zugang zu Seminaren (Zukunftswerkstätten, Theaterwerkstätten zum Forum-Theater, Gestalt-Ausbildung ... ) und nicht mehr durch Zuschussgebende gedeckt sind, ruinieren uns die Kalkulationen, weil nicht genügend Verdienende Zeit für gediegene Fortbildungen nehmen.

Durch die Ermässigung geht oft auch die Wertschätzung, die zeitliche Verpflichtung und die Zuverlässigkeit verloren (was wenig kostet ...), was den voll Zahlenden die Qualität der Fortbildung mindert.

Je größer und ausführlicher eine Ausbildung und Fortbildungsreihe wird, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit einer späteren Konkurrenz, wenn die Konditionen einer zuverlässigen Zusammenarbeit nicht von unserer Seite geklärt sind.

Im Lauf der Neoliberalisierung wird dies noch weiter zunehmen: Die einen sind drin, verdienen gut und haben keine Zeit mehr, die anderen sind draussen, haben Zeit, aber kein Geld übrig. Alle bisherigen Umverteilungs - Träume sind nicht durchgesetzt, schiefgegangen oder, wie Tauschringe bisher, nicht tragfähig genug.

positive Wendung:
Es sollte die Ermässigungssumme in einen Fond oder Verein fliessen, für Ausgleich für zur Verfügung stehen, statt auf unsere (ReferentInnen-) Kosten privatisiert werden.

Utopien:
Die Teilnehmenden sind so erfolgreich und dankbar, daß sie in den Fond einzahlen,
die Gesellschaft finanziert unseren Ausgleichsfonds,
Bildungsgutscheine werden von Firmen an mögliche Teilnehmende ausgegeben,
Der KollegInnen verband wird zur tragfähigen Bildungsgenossenschaft mit gesellschaftlicher Anerkennung

Lösungsansatz:
Vertrag ausarbeiten, der den Teilnehmenden den Wert der Aus- und Fortbildung deutlich signalisiert, aber nur eine Anzahlung wirklich verbindich regelt.
Die Rest-Zahlung kann (wie das BAFÖG-Darlehen, (deutsches Bundesausbildungsförderungsgesetz) gezahlt werden, wenn genügend Einkommen erreicht wird.
Wechsel als Schuld-Verschreibungen können durch Gegenleistungen verrechnet werden.

Kritiken:
zu idealistisch, wer hat schon irgendwann genug Einkommen?
unrealistisch, daß die Leute nochmal daran denken (wollen)
es zahlen nur wieder die Leute, die Skrupel vor Schulden haben
....

Strategie:
Diskussion des Vorschlags mit möglichst vielen KollegInnen,
Verbesserung der Vertragstexte,
Verbesserung der Idee durch andere Kooperationsformen und - Abkommen
Aufbau eines gemeinsamen Fond oder Angliederung an eine bestehende Gesellschaft (z.B. die Paulo-Freire-Ges.e.V.)
(Die Zahlungen könnten, falls als Spenden und Beiträge, auch steuermindernd anerkannt werden.)

Erster Versuch:
Im Vertrauen auf den Wert unserer gemeinsamen Arbeit und der erfolgreichen Umsetzung dieser Weiterbildung in der eigenen Berufstätigkeit der Teilnehmenden gewähren wir .....
einen vorläufigen Abschlag auf die Seminar - / Ausbildungskosten von DM ....
als Darlehen auf unbestimmte Zeit,
das bei Erfolg an die Referenten zurückzuzahlen ist
das in den nächsten Jahren an die Paulo-Freire-Gesellschaft als Spende zu überweisen ist.


Einen ganz lieben Gruß
und herzlichen Dank für die schönen Bergbauernhof-Tage,

fritz


Literaturempfehlungen
Robert Jungk, N. Müllert: Zukunftswerkstätten Heyne-Taschenbuch 73
Beate Kuhnt und Norbert Müllert: Moderationsfibel, Ökotopia- Verlag
Robert Jungk: Modelle für eine lebenswerte Zukunft, Luchterhand Frankfurt 1990
bolo´bolo, Autor: p.m., endgültige Ausgabe, PARANOIA CITY; Zürich


fritz letsch, freiberuflicher theater-pädagoge und zukunftswerkstatt-moderator,

entwicklung von selbstbestimmten und motivierenden lernprozessen in der bildungsarbeit
nach den modellen paulo freire’s und augusto boal’s,

moderation, konzeption und anleitung von aus- und fortbildungen mit den methoden der zukunftswerkstatt
und verwandter werkstatt-arbeit im bildungs- und sozialbereich,

anwendung der methoden der befreienden pädagogik, des theater der unterdrückten und des legislativen theater im europäischen raum, aus- & fortbildungen, im entwicklungsdienst theater - methoden in der Paulo-Freire-Gesellschaft e.V, im austausch mit süd- und mittelamerikanischen gruppen der bildungs-entwicklung von der friedensarbeit (gewaltfreie aktion) über politische bildung auf dem weg zur gestalt-arbeit in politischen zusammenhängen

... und einen lieben gruß,

meine hauptseite: http://tel.de/08972308046