stadtjugendamt ... noch immer baustelle! (April 2000)
freiheit, die ich meine ...
interkulturelle partizipative
Theaterarbeit mit Migranten
von Studierendender fachhochschule
münchen, fachbereich 11 sozialwesen
mit Münchner Kindern
und Jugendlichen
sowie deren Eltern und
Familien
in öffentlichen Aufführungen
konnte eine Gruppe Studierender der Fachhochschule München, FB 11 Sozialwesen mit Unterstützung des INKOMM mit Flüchtlings- und Migrantenkindern und -Jugendlichen eigene Szenen erarbeiten, die im Rahmen der Stadtteilwochen desKulturreferat der LH München in Neuhausen im backstage öffentlich vorgestellt wurden. Die Veranstaltung hatte in allen Ebenen Pioniercharakter, neben einigen schwierigen Erfahrungen in problematischen Gruppen ergaben sich allerdings viele gute Chancen, die zum Gelingen führten.
Für eine Weiterarbeit auf höherer Ebene sind neben pädagogischer Anleitung und wissenschaftlicher Begleitung, die die fachhochschule münchenbieten kann, langfristige Einbindungen in die verschiedenen Einrichtungen der Flüchtlingsarbeit der Stadt München vorzusehen.
In der Stadt München leben viele Menschen nebeneinander her, die nur in zugespitzten Situationen miteinander Kontakt bekommen. Diese Situationen sind für Kinder und Jugendliche besonders schwer zu bewältigen, wenn keine Grunderfahrungen von positiv gestimmtem Zusammenleben und erfolgreicher Konfliktbewältigung vorhanden sind.
Zugewanderte Kinder und Jugendliche erleben in ihren Begegnungen selten gelungene Klärungssituationen und haben nur die wenigen Varianten des Verhaltens in Problemen gelernt, die in ihrem direkten Kultur-Umkreis erlebbar sind.
In den Schulen hat sich mit der schwerfälligen Reaktion der Verwaltungs-Struktur eine Umgangsform entwickelt, die aufgeschlossenen Lehrenden einen ständigen Spagat zwischen Verständnis und Vorschrift aufzwingt, neue Kommunikationsformen bleiben hinter den Stoffplänen vergraben.
In Kinder- und Jugendtreffpunkten wird dann ausgetragen, was an angestauter Energie und verunsichertem Verhalten schnell zu Revierverteidigung und Machtkämpfen führt: Die Suche nach Sicherheit und Verständnis endet in gewalttätigen Auseinandersetzungen.
Die Elterngeneration der Migranten hat mit der eigenen kulturellen Anpassung und der Angst um den Anstand der Kinder zu kämpfen: Zwischen Ehre und Wahrheit, Moden, Drogen und Jungfräulichkeit liegen Welten der Auseinandersetzung, die nirgends in für sie verständlicher Form geführt werden.
Migration und interkulturelle Arbeit umfasst dabei die ganze Breite der Schicksale: Noch mit den Gefühlen der Flucht und Verfolgung, von Krieg und unsicherer Bleibe, von nervlichen Belastungen der Unterkünfte bis zu Anpassungs- und Kulturfragen der Folgegenerationen unserer "Gastarbeiter".
Die Studierenden haben in ihrem bisherigen Alltag fast keine Erfahrungen des interkulturellen Lebens, da nur wenige gut angepasste Jugendliche fremder Abstammung in unseren Schulen in die Oberstufen und in das Studium der Sozialberufe kommen, und unsere Lebensfelder im Alltag stark abgegrenzt sind.
Die Verwaltungen und Einrichtungen bemühen sich um neue Lösungen, doch sind ehrenamtliche Hilfen nur tatsächliche Entlastung, wenn sie fachlich fundiert in der Kommunikation begleitet werden können und nicht nach kurzer Zeit wegen Überlastung und ausgebrannt das Feld verlassen.
Wenn Zukunftsthemen nicht optimistisch stimmen, wird unsere Gesellschaft sehr schnell durch den Konkurrenzdruck an den Rand von Unruhe und Unsicherheit geraten, der Unduldsamkeit auslöst, dagegen können Modelle gelungener Partizipation und Teilhabe in den Stadtteilen die Integrationsfähigkeit der bayrischen Kultur in der jeweils eigenen Weise wiederspiegeln.
Projektpartner
fachhochschule münchen, fachbereich 11 sozialwesen, Semester 7/8 und 1/2
Schon im Grundstudium haben Studierende die Möglichkeit, die Methoden des Teatro Oprimido nach Augusto Boal, nun wieder Rio de Janeiro, kennenzulernen und im eigenen Umkreis zu erproben.
Nach dem Jahrespraktikum entwickeln sie selbst Konzepte für theaterpädagogische Methoden mit Kindern und Jugendlichen in Münchner Einrichtungen und Treffpunkten.
Statuen- und Bilder-Theater gibt den Kindern und Jugendlichen im Nu die Möglichkeit, eigene (vor allem belastende) Lebenssituationen darzustellen und Motive im Verhalten Einzelner zu verstehen.
Forum-Theater zeigt die Veränderbarkeit einer Situation durch die Augen und Motive der Anderen.
Legislatives Theater wäre die konsequente Weiterführung der gewünschten Veränderung im Dialog mit der gesamten Gesellschaft.
Das INKOMM Projektzentrum
entwickelt neue Methoden der interkulturellen Arbeit für die Zielgruppen der Jugendarbeit und mit MultiplikatorInnen in Schwerpunktveranstaltungen der Schulen. Die Möglichkeiten liegen hier vor allem in der Unterstützung der Koordination und wichtiger Kontakte in die Einrichtungen sowie fachlicher Beratung, vor allem zu einzelnen Problematiken kultureller Verständigung.
Die Einrichtungen für Kinder und Jugendliche in der Arbeit mit Migranten
leiden fast durchgehend an den Krankheiten der Sozialarbeit hierzulande: Mittelknappheit, Überforderung, Bürokratie versus Helfersyndrom, Standardbetreuung und später an ausgebrannten MitarbeiterInnen. Eine angemessene Präsentation ihrer Arbeit kann hier wertvolle Hilfe sein.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Stadtverband München
kann als Projektpartner vor allem die eigene Infrastruktur einbringen: Artikel in der Zeitschrift, der Adressverteiler und Organisation des Veranstaltungsraums sind darüber möglich.
Das Institut für Jugendarbeit Gauting des Bayr. Jugendring
hat im Mai 2000 Augusto Boal zu Gast, in einer Kooperation kann er die Anwendung seiner Methoden kommentieren und Ausblicke der internationalen entwicklungen einbringen.
Der entwicklungsdienst theater - methoden in der Paulo-Freire-Gesellschaft
ist als Kreis fachlicher KollegInnen vor allem die Fortbildungs- und Qualitäts-Ebene im internationalen Austausch wie im Kontakt zwischen Bundesverband Theater-Pädagogik BUT, und ermöglicht Studierenden den Zugang zu Materialien neuer Entwicklungen in diesen kommunikativen Bereichen.
Grundlagen
Forum-Theater mit jungen MigrantInnen
In einem Modellprojekt erstellten wir bereits ein Video "Theater, wie im richtigen Leben" über die Arbeit in einer multinationalen Hauptschulklasse mit dem INKOMM. In den Bereichen der offenen Jugendarbeit sind die Strukturen der Häuser für intensive Arbeit mit diesen Methoden noch nicht geschaffen. In der verbandlichen Jugendarbeit fehlen die Zugänge zu Migranten. Mit beispielhaftem Erleben kann in diesen Feldern Motivation für eigene Projekte geschaffen werden.
Zwischen GEW und Jugend-Sozialarbeit ...
Ein Forum-Theater-Abend im Gewerkschaftshaus: Die Studierenden haben mit den Gruppen Szenen aus deren Alltag erarbeitet, Eltern und Geschwister begleiten diese. Nach kurzer Einführung für das Publikum werden die Szenen vorgestellt, ein Joker lädt die Zusehenden zur Veränderung der Szene ein. Nach der Erprobung verschiedener Lösungsversuche kommen die heissen Diskussionen in Gang: Welche Veränderungen können wir uns für die Gesellschaft vorstellen?
Ablauf und Zeitplan
Winter-Semester 99
Vorbereitung der Studierenden in den Methoden und erste Begegnungen mit Gruppen von Kindern und Jugendlichen, Planung der Erarbeitungszeit mit den Einrichtungen
Die Kinder und Jugendlichen in Einrichtungen
anleiten
Kinderhäuser und Schüler-Horte,
Stadtteilzentren und Gemeinschaftsunterkünfte
am mi 22.3. treffen sich die
träger des projekt2: "freiheit, die ich meine"
um 17 uhr im INKOMM, rupprechtstr. 25-27, 4. Stock mit sema und fritz
am fr 24.3. ist das erste treffen der studierenden in der projektgruppe in der fh turnhalle
13-17 uhr mit fritz und tilo: methoden und aufbau
am sa 25.3. ist projekttag
im INKOMM 10-18 uhr, bitte brotzeit mitbringen:
einführung in interkulturelle kommunikation, eure wünsche und
fragen
am so 26.3. ist brunch im dritte-welt-cafe zum eine-welt-haus für interessierte
wer schon in der 13. woche starten will, kann ...
ansonsten gibts für nachzügler einen zweiten schub in der 14. Woche (zusammen mit dem zweiten semester):
fr 7. 4. 13-18 uhr in der fh -turnhalle, sa 8.4. 10-18 uhr im INKOMM, so 9.4. 10-17 uhr im INKOMM
die 15. woche können die restlichen starten, 4-5 termine wären gut, mehr nur bei lust,
16. + 17.woche sind schon osterferien (mit der einrichtung klären)
18.+19. woche wäre noch eure szenen-erarbeitung,
20. woche generalprobe in eurer einrichtung
Weitere Partner und die Stadtverwaltung dauerhaft einbeziehen
Flüchtlingsrat und Flüchtlingsamt, Kulturreferat und Referat für Gesundheit und Umwelt (Agenda 21)
Sommer-Semester 2000
Erarbeitung der Szenen unter Anleitung und Begleitung, Austausch zwischen den Gruppen, Proben für eigene kleine öffentliche Präsentationen in den Einrichtungen, Diskussionen und Überarbeitungen
Zentrale Aufführung Mai 2000
Proben für eine grössere Aufführung: Die anderen Gruppen kennenlernen, Raum und Akustik, Umgang mit Lampenfieber, eventuell notwendige Übersetzungen und Verständnis-Sicherung
am FR 19. mai nachmittags
generalprobe
auf
der bühne (haus der jugendarbeit)
und 21. mai 16.30 aufführung
mit bürgermeister? und augusto boal? im Rahmen der Partizipationstagung
Weitere Vorstellungen im eigenen Stadtteil und Umkreis
In Regie der Einrichtungen mit Unterstützung der Studierenden und professioneller Moderation.
Abschliessendes Sommerfest im Haus der Jugendarbeit
7. oder 8. Juli 2000, Rupprechtstr. 25-27
Mitarbeitende Einrichtungen
shqiponija,
IAF, Projektladen, ...
Koordination, Mitarbeit, Beratung und Begleitung
Sema Muehlig-Versen,
Marianne Sailer,
INKOMM
Fritz Letsch
Prof. Dr. Tilo Kloeck
Simone
Haure Ali Ali (Theaterwissenschaftler)
Claudia Zinser (Deutsches Jugendinstitut, Partizipationsforschung)
Ergebnissicherung und Verbreiterung
Video und Schnitt, Veröffentlichung, Materialien für Fachkreise, Ausblick zur kulturellen Verbreiterung
Für die Erarbeitung einer Dokumentation
in Form von Video / CD / Broschüre / Arbeitsheft (wie bisher z.B. in den Gautinger Protokollen oder in der Zeitschrift für befreinde Pädagogik) wird im Rahmen der Veranstaltung Material angesammelt. Über die Art der Veröffentlichung kann dann entschieden werden.
Literatur:
Augusto Boal: Theater der Unterdrückten,
Übungen und Spiele für Schauspieler und Nicht-Schauspieler, Suhrkamp
Neue Folge Frankfurt / Main
Fritz Letsch: Theater macht Politik,
Die Methoden des Theater der Unterdrückten in der Bildungsarbeit,
Gautinger Protokolle im Institut für Jugendarbeit des BJR, Germeringerstr.
30, 82131 Gauting, (DM 15+ Porto) mailto:institutgauting@t-online.de
weitere Hinweise: kommentierte Literatur
auf den Seiten fachhoch.htm und meine
Veröffentlichungen unter vf.htm
homepage fritz letsch stiftungen der stadtsparkasse münchen GEW stadtverband münchen fhm deutsches Jugend-Institut awo
stadt .. noch immer baustelle!
Stand April 2000 ©Fritz Letsch, entwicklungsdienst theater– methoden, Kirchweg 6a, D-81379 München, Tel+Fax 089-72308046, mailto:f.letsch@link-m.de