L I E G E F I X

Jive-Modifikation.

Mit dem Wunsch mein Alltagsrad einfacher, leichter und schneller zu machen, kam ich auf die Idee, das tolle Jive-Projekt (http://www.hertstein.de/jive-tieflieger/) für meine Ansprüche zu modifizieren. Dabei möchte ich auf eine Federung verzichten, um den Rahmen so simpel wie möglich zu gestalten. Den Komfort sollen 50er BigApple-Reifen und ein federnder Rahmen aus 40x30- Vierkantstahlrohr bringen. So machte ich mich dann mit Hilfe von Frank Herstein, der mir mit dem Bauplan und ein paar Teilen aushalf, an die Arbeit.


Zuerst erstellte ich eine simple CAD-Zeichnung mit der Rahmengeometrie, die sich vom normalen Jive etwas unterscheidet. Zum einen möchte ich eine etwas höhere Sitzhöhe von ca. 35cm haben, zum anderen wollte ich das Steuerkopfrohr senkrecht zum Rahmenrohr haben, was ich genauer herstellen kann.


Dann geht’s mit der auf Papier übertragenen Zeichnung an den Arbeitsplatz. Der ist bei mir sehr provisorisch im unfertigen Keller.


Die Winkel werden mit einer Schmiege auf des Rohr übertragen und dieses dann genau abgeflext. Für die Tretlagerhülse wird eine entsprechende Rundung gefeilt.


Dann ist der nächste Abschnitt dran und die Mitte des Steuerkopfrohres wird angezeichnet.





Nun bohre ich einen Lochkreis für das Steuerkopfrohr.


Das Innere des Lochkreises wird vorsichtig mit einem kleinen Meißel herausgeschlagen.


Jetzt ist die Halbrundfeile gefragt, die das ganze schön passend macht.


Passt! Auf zum nächsten Teil!


Und das nächste...


Und das nächste!


Ab gehts zum Heften mit dem Schweißgerät.


Na, der Rahmen nimmt ja langsam Gestalt an.


Jetzt mit Tretlagerhülse und Steuerkopfrohr.


Stunden später: Alles geschweißt und grob verschliffen.


Nun habe ich die Ausfallenden angerissen, angekörnt...


...und gebohrt.


Die Hinterradstreben werden dreieckig ausgeschnitten...


...und dann platt geklopft.


Dann kann der Hinterbau zum Schweissen fixiert werden.


Zusammengebraten mit Cantisockeln und Sitzbefestigung..


Die Aufnahme für die Umlenkrolle.


Und nun kommt das Besondere: Alle geschweißten Stellen werden mit GfK verstärkt, hier im Steuerkopfbereich. GfK, damit der Rahmen besser flexen kann.


Die Verstärkungen am Hinterbau.


Die Glasfasergewebestreifen wurden um die Knickstellen gewickelt und anschließend mit PVC-Klebeband verdichtet. Nach dem Aushärten grob glatt geschliffen.


Dann kann der fertige Rahmen mit Grundierung und Deckschicht lackiert werden.


Als nächstes ist die Gabel dran. Hier habe ich eine normale günstige 28"-Trekkingradgabel gekauft, die entsprechend umgebaut wird. Das garantiert eine gute Stabilität im Steuerkopfbereich und liefert gleich die Canti-Sockel mit. Die Ausfallenden sind asymmetrisch, um auf der Ritzelpaketseite genug Platz für den Kettenverlauf zu haben.



Um den dicken Flachstahl der Ausfallenden überhaupt biegen zu können, habe ich ihn an den Biegestellen auf ca. der halben Dicke mit einer dünnen Trennscheibe eingeschnitten und nach dem Biegen wieder zugeschweißt.


Ist alles drangeschweißt und gerade, wird das Ganze noch mit der Fächerscheibe verschliffen....


...und dann lackiert.


Großer Schritt: Das (fast) fertig aufgebaute Rad. Die dicken blanken Sitzstreben werden noch durch dünnere schwarze ersetzt.


Fast alle Komponenten habe ich von meinem Eigenbau-Kurzlieger verwenden können, der jetzt wegen Übergewicht ausgemustert wurde. Statt der geplanten BigApple-Bereifung habe ich mich nun aber für Vittorias Randonneur entschieden, der ist günstiger, robuster und mit 6 Bar aufgepumpt auch schneller.


Die Umlenkrolle stammt von meinem Zox (da läuft jetzt eine TerraCycle-Rolle). Die Leertrumumlenkrolle besteht aus einem Alu-Schaltwerksröllchen/-ritzel, das zur Kettenführung von zwei Alublechscheiben flankiert ist. Das Teil ist dann am "seidenen Faden" frei pendelnd aufgehängt.


Die Schaltzugverlegung habe ich noch auf eine direkte Ansteuerung des Schaltwerks von oben umgebaut, damit keine Schaltzugschlaufe entsteht, in der sich Wasser sammeln und evtl. im Winter gefrieren könnte.



Fahreigenschaften: Fast wie bei meinem Zox. Ist ja auch kein Wunder, da ich die wichtigsten Maße 1:1 übernommen habe. Besser: Man kann durch den längeren Radstand den Sitz flacher stellen. Komfort: Ähnlich dem heckgefederten Zox, das Gewicht für die Federung kann man sich echt sparen, wenn man hauptsächlich auf passablen Straßen unterwegs ist. Jetzt nach mehreren hundert Testkilometern auf dem Arbeitsweg habe ich im Dunkeln oder Regen schon viele üble Schlaglöcher mitgenommen, aber das hat mich nicht vom Sitz gehauen und der Rahmen hat auch gehalten ;-) Natürlich wird man stärker durchgeschüttelt als mit Vollfederung. Fertig!




Update: Nun das Rad mit der schlankeren schwarzen Sitzstrebe. Hat sich optisch gelohnt.



http://home.arcor.de/liegefix