Ja, man kann. Seit 1995 wissen alle verantwortlichen Stellen, daß das Klärwerk Falkenberg im Jahr 2002 stillgelegt wird. Allzuviel ist seitdem noch nicht geschehen, was zunächst darauf hindeutet, daß man 'Trockenfallen' für eine erwägenswerte Variante hält.
Natürlich kann man das Wuhletal trocken fallen lassen. Vegetation und Tierwelt würden sich nach einiger Zeit den veränderten Lebensbedingungen angepaßt haben, d.h. ein Teil der heute vorhandenen Arten würde verschwinden (abwandern oder sterben), und einige andere Arten würden das veränderte Areal neu besiedeln. Es wäre ein Trockental.
Der große Vorteil dieser 'Lösung' wäre: es würde kein Geld kosten.
Aber es gibt auch Nachteile:
Der Klärwerksableiter würde normalerweise kaum noch Wasser führen und zeitweise ganz austrocknen. Nur nach stärkeren Regenfällen würden sich größere Fluten den geradlinig ausgebauten Vorfluter herunterwälzen und einen Teil des in der Zwischenzeit angesammelten Mülls in die Spree schwemmen.
Der Grundwasserstand in der Aue wäre stark erniedrigt, dadurch würden die Reste des noch vorhandenen Moorbodens sich weitgehend in Luft (genauer: CO2) auflösen, die gespeicherten Nährstoffe würden mit Regen nach und nach in die Spree geschwemmt werden. Das muß die Berliner nicht weiter stören, denn die Nährstoffe werden ja von der Spree in die Havel, Elbe, Nordsee geschwemmt. Den Nordsee-Anrainern bescheren diese Mengen zusätzlicher Nährstoffe trübes Wasser und empfindliche Tier- und Pflanzenarten würden aussterben, die meisten am Grund der Deutschen Bucht. Das merken wir hier aber kaum.
Bisher feuchte Teile der Aue würde zumindest über einige Jahre hinweg von großflächigen Brennessselfluren besiedelt werden können.
Die Variante 'Trockenfallen lassen' impliziert, daß wahrscheinlich auch in Zukunft heftig gespart wird, dann auch im Umfeld, in den Großsiedlungen. Die bisher dort eingesetzten immensen Mittel zur Wohnumfeldverbesserung wären für die Katz. Die weitere Verwahrlosung prädestiniert das (dann ehemalige) Wuhletal zum Hundeauslaufgebiet. Soweit sie nicht durch Müllhaufen, Brennesseln und Dornengestrüpp behindert werden, könnten die Hunde fröhlich die letzten Rehe, Fasane und Hasen jagen. Gehts dem Hund gut, freut sich der Mensch. Das wäre auch spaßig für die Jugendbanden, die die künftigen Plattenslums rechts und links des Trockentals beherrschen werden (ansonsten interessiert sich das Jungvolk nicht so sehr für die Ödnis). Die letzten vernünftigen Bewohner verlassen rechtzeitig die Slums (viele ziehen übrigens "ins Grüne". Warum wohl?).
Dazu folgender Auszug aus einem Leserbrief an "Die Hellersdorfer"vom 1.3.1999:
"Zum Beitrag 'Hunde anleinen' den Sie im Januar im 'Mieterjournal' veröffentlichten: Das ist doch alles Papiertigerkram. Wer klopft denn den Gesetzesübertretern aufs Portemonnaie? Ich kann vom Balkon meiner Wohnung in das Wuhletal blicken, und ich habe von den Unmengen dort ausgeführter Hunde noch keinen an der Leine gesehen. Im Sommer 1997 war noch ein Feldhasenpärchen dort angesiedelt. Die hätten Sie mal laufen sehen sollen - im wörtlichen Sinn von Hunden gehetzt. Im nächsten Sommer waren sie nicht mehr da. Was nützen Gesetze, wenn sich keiner dran hält und keiner ihre Befolgung kontrolliert?" Ingeborg Herrklotsch, Kyritzer Straße.
Im Gästebuch zur umstrittenen Foto-Ausstellung "Peripherie als Ort. Das Hellersdorf Projekt" war folgendes zu lesen:
" Wohne seit 16 Jahren in Hellersdorf (wollte zwischendurch immer wieder weg) und kann nur sagen: Genau das ist Hellersdorf! Wenngleich vielleicht die Natur des Wuhletals einiges ausgleichen könnte und in der Ausstellung fast völlig fehlt (war aber auch vielleicht gar nicht vorgesehen). Erst hier in der Ausstellung ist mir bewußt geworden, wie amerikanisch tatsächlich es an einigen Orten aussieht!"
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