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In der letzten Zeit habe ich mir viel Zeit genommen auf den Internetseiten der Hochseefischer zu stöbern. Immer wieder lese ich von Seemannsromantik und von der "schönsten Zeit in meinem Leben". Wie heißt es hier dann immer so schön? Die schlechte Zeit vergisst man, die gute Zeit bleibt ! Trotzdem möchte ich heute von meiner ersten Reise erzählen, die für mich die brutalste und härteste Zeit meines Lebens wurde. Im Schneewinter 1979 erfüllte sich ein Riesentraum für mich. Nach mehreren erfolglosen Bewerbungen hielt ich in Rostock-Marienehe endlich den so begehrten Heuerschein in der Hand. Hurra!! Auf dem Heuerschein stand: ROS 317"Junge Garde". Ich ging zur Pier und sah das unglaublich große Schiff. "Wau...!" Ich stieg die Gangway hinauf. Sofort wurde mir eine Kammer zugewiesen. Mein Kammerkollege war ein alter Seefuchs, namens Timm oder Tamm. Schade, das ich nur eine Reise mit ihm fuhr, er war ein toller Kamerad. Am 10. Januar gegen 13.00 Uhr hieß es "Leinen los". Ziel war die norwegische Küste, entlang bis Höhe Narvik. Bis zum Kattegat ging alles gut. Ich wurde mit einigen anderen neuen Kollegen zur Reinigung der Laderäume eingeteilt . Nachts, im Skagerrak, wurden fast alle neuen Landratten heftig seekrank. Im Laderaum teilten sich 10 Mann eine Pütz, um ihren Magen ordentlich umzukrempeln. Ich flüchtete schwer taumelnd an Deck. Vollmond, wolkenloser Himmel und eine gewaltige Dünung. Frische Luft - Herrlich ! Meine Seekrankheit bekam ich langsam in den Griff. Dann begann die Fischerei! Ja, das machte (noch) Spaß. Rotbarsch, weißer und schwarzer Heilbutt , Katfisch, Seeteufel, was will man mehr. Doch plötzlich tauchte die norwegische Küstenwache auf. Vorbei war`s. Für mich unverständlich, aber binnen 24 Stunden hatten wir Norwegen zu verlassen. Neues Ziel: die Labradorküste von Kanada. Die Überfahrt dorthin über den Atlantik war erstaunlich ruhig. Am 08.Februar 1979 erreichten wir die eisige Küste. Jetzt wurde alles anders. Sofort ging’s los. Fisch, Fisch, Fisch, von den Zubringertrawlern ohne Pause, gnadenlos! Kabeljau und schwarzer Heilbutt, manchmal so groß wie wir selbst. Der Fisch war eiskalt. Die Hände schwollen an und die Finger sahen später aus wie Kartoffeln. Vom Salzwasser waren die Innenseiten der Arme die Haut fast weg geätzt, so dass die Schmerzen unerträglich wurden. Neben mir kontrollierte der Produktionsleiter Hirschmann meine Arbeit nach Schnelligkeit mit der Stoppuhr, bei Androhung von bis zu 20% Lohnabzug bei Nichteinhaltung der Bordnorm für die Fischverarbeitung. Trotz höllischen Schmerzen in den Händen von der Kälte, schaffte ich diese Norm. Am 10.03.79 die erste Fischpause. Alles schlief in den Kojen vor Erschöpfung. Ich nicht, denn ich war eingeteilt zur Lukenwache. Meine Müdigkeit wollte ich an Deck bei eisigem Wind bekämpfen. Die "Junge Garde" fuhr durch ein Eisfeld, so weit das Auge reichte Eis, Eis, Eis...! Die teilweise riesigen Eisschollen krachten an die Außenhaut des Schiffes, was sich unter Deck äußerst bedrohlich anhörte. Der Produktionsleiter und mein Produktionsmeister Dröse hatten dann doch Mitleid mit mir und schickten mich schlafen. Diese Reise auf dem Transport- und Verarbeitungsschiff ROS 317 "Junge Garde" hatte nun wirklich nichts mit Romantik der Seefahrt zu tun. Nach 127 Tagen auf See war meine erste Reise Geschichte. Mit zerschundenen Armen und Händen liefen wir an einem Sonntag in Rostock ein. An der Mole in Warnemünde standen viele Familienangehörige und winkten uns beim Einlaufen zu. Die meisten Neulinge kündigten nach ihrer ersten Reise wieder. Offensichtlich war ihnen diese Art von Romantik nicht so recht bekommen, oder sie hatten sich was anderes unter „Fischerei und viel Geld“ vorgestellt. Herr Hirschmann und Herr Dröse fragten mich, ob ich auch kündigen wolle. Meine Antwort kurz und knapp: NEIN. Viele Freundschaften wurden während dieser Reise geschlossen. Dietmar "Zwicke" Barth aus Zwickau und Günter "Schwede" Schwedesky aus Angermünde sollte ich auf meiner 2. Reise wiedersehen. Mit ROS 331 "Ludwig Turek" ging es dann nach Afrika, in die Walvis Bay nach Namibia. Meine Eltern, die sehr, sehr gegen meine Seefahrt waren und den Schneewinter als böses Omen werteten, waren aber jetzt richtig stolz auf mich. Nur 18 Tage Freizeit, dann hob die IL 62 in Berlin-Schönefeld, Richtung Luanda/Angola ab um dort auf unser Schiff zu kommen . Das ist aber eine bessere Geschichte, denn wir machten dort richtig Geld. Viele Grüße an alle die dabei waren von PA Lothar Kutsche |