Reise - Reise !!!!

Erzählt von Lothar Kutsche

 

 

 

Ich kann mich an eine Geschichte erinnern ,die ich damals überhaupt nicht lustig fand.

Es war Anfang der 80-ziger Jahre.Wir lagen am Kap Blanc vor Nouadhibou / Mauretanien.Ich fuhr damals auf den Supertrawler ROS 332 " Kurt Barthel " in der Produktion. Mein Meister war Wolfgang  "Seewolf" Schröder. Nach 80 Tagen Fischerei freuten wir uns auf den Heimflug. Dazu liefen wir das ungeliebte Mauretanien an.

Zuvor fanden alle Besatzungswechsel in Las Palmas auf Gran Canaria statt. Ja hier war es immer schön. Nun beschloss aber Rostock die BA`s zukünftig nach Nouadhibou zu verlegen.Wie gesagt, darüber waren wir nicht glücklich. Der Tag der Heimreise war also angebrochen.

Der Produktionsbereich wurde nun durch 24-stündiges "Farbewaschen" übergabefein geschruppt. Ja die Freude war groß, endlich zu Muttern nach Hause.

Wohin mit den alten "Kütklamotten" ? In den Müll oder über Bord ! Das Umweltbewustsein war noch nicht so ausgeprägt wie heute und jetzt hatten wir nur noch unsere Heimatklamotten auf dem Leib und warteten im Hafen von Nouadhibou auf unseren Flieger.

Der Flughafen, wenn man ihn so nennen darf, lag direkt am Wasser und die Landebahn war ziemlich kurz. Ein rumänisches Flugzeug soll hier schon einmal im Wasser gelandet sein. Auserdem war vom Flugzeug aus bei der Landung immer ein gestrandetes Wrack zu sehen. Wir schauten jetzt immer hinauf zum Himmel,der natürlich strahlend blau leuchtete und die Sonne brannte erbarmungslos.Für 17:00 Uhr sollte der BA erfolgen.

Inzwischen war es aber schon 18:00 Uhr. Nichts passierte am Himmel. Wir wurden unruhig.Nebenbei bemerkte ich,daß ich mir zum Überfluß einen Sonnenbrand eingefangen hatte. Mist, das auch noch ! 19:00 Uhr,wo bleibt unsere IL 18 ? Nichts passierte. Auch auf der Brücke hecktisches Treiben. Auf dem Arbeitsdeck standen schön aufgereiht unsere Seesäcke und Taschen,auch Knüpfteppiche prägten das Bild auf dem Arbeitsdeck. 20:00 Uhr nichts !

Ich erinnere mich noch ganz genau,als das Kommando kam : "Anker hoch !" Wie bitte,was ist geschehen?

Was ist mit unseren Flieger geschehen ? Nochmals das Kommando " Hiev up Anker " und " Alles in die Mannschaftsmesse...! " Unwissend und aufgeregt folgten wir der Weisung. Jetzt die Auflösung. In Mauretanien wird geputscht ! Der Flughafen ist gesperrt ! Unsere IL-18 kam bis Sevilla / Spanien und wurde wieder nach Berlin-Schönefeld zurückgeschickt.

Ich war wie meine Kameraden unglücklich darüber ! Ich glaube es war der 18.März. Die "Kuba" nahm Kurs zu den Fangplätzen. Die Jagd nach dem Holzbock ( Schildmakrele ) ging also weiter !!!

Jetzt entstand ein neues Problem. Kaum ein Prod.-Arbeiter besaß noch Arbeitskleidung und der Store war leer. Teilweise mußte etwas bessere Kleidung herhalten oder man arbeitete nur in Sporthose, was am gekühlten Bunker recht unangenehm war.

Natürlich fluchten wir alle unter Deck uber Mauretanien und hofften, das Rostock daraus "seine Lehren" gezogen hat. Und mein Sonnenbrand tat so weh. Außerdem war ich frischgebackener Vater und wollte heim !

Nach 9 Stunden " Hei geit - Hieve up Alles ! " Ergebnis : 250 Korb reine Ware "Alulatten" ( Degenfisch )!!! Stunden über Stunden standen wir nun an der Schlachtewanne- ganz mies gelaunt !!! .

Viel wurde nicht gesprochen und wenn,dann wurde geflucht.Einmal war die Wanne zu voll,dann das Messer zu stumpf und ein anderes Mal erzählte doch tatsächlich ein Kollege einen Witz,worüber aber keiner lachen konnte,oder wollte. Und mein Sonnenbrand...

14 Tage später... Es geht Heim über Las Palmas ! Las Canteras,Santa Catalina Park, El Corte Angles... Endlich. Knapp 100 Tage hatten wir nun auf den Buckel,doch endlich wurde wieder gelacht ! 

Ja, das war ein Ding damals. Heute schmunzelt man nur noch darüber. Ahoi sagt allen Seeleuten und Besuchern dieser tollen Web Lothar Kutsche von ROS 317,331,332,ATB 3 und ROS 337.