Reiseberichte

"La cucaracha"

von Kapt.Volker Mitschke

Volkers Erlebnisse

 

 

 

... über die gemeine Küchenschabe, die Kakerlake, hier spanisch „la cucaracha“, wird sogar ein  Lied gesungen. Bei Youtube findet man tolle Versionen.

Am besten gefällt mir bei Wikipedia die Erklärung für La Cucaracha.

Am lustigsten, für die Kakerlake, bei ‚Stupedia‘ gefunden: Kakerlaken knacken schön, wenn man drauftritt. Deshalb werden sie auch mitunter Knackerlaken genannt.

Ein naher Verwandter der Kakerlake ist die Schabernake

Also, mir waren sie damals äußerst unsympathisch. Auf das Damals machte mich Frank (Pudel) auf unserem gemeinsamen Seemannstreffen der „Elvi“ aufmerksam. „Weißt Du noch, 100 lebende Kakerlaken ...?“

Ja, natürlich erinnere ich mich noch daran. Oft genug habe ich diese Geschichte im Bekanntenkreis erzählt. Wohl gemerkt, Geschichte, besser wahrheitsgetreue Erzählung, kein Seemannsgarn. Pionierehrenwort. Meine Zeugen sind die Jungs der „Elvira Eisenschneider“ anfangs der achtziger Jahre bei Mauretanien.

Meist habe ich diese Erzählung in Szczecin in der Werft begonnen. Wir, die Besatzung, waren von Rostock in der Stoznaja Remontowa auf unserem Schiff so gegen 23.00 Uhr angekommen. Der Wachkapitän erwartete mich schon in der, mit Schreibtischleuchte leicht schummrigen, Kammer. Nach der Übergabe dann noch einen Smalltalk, wie so üblich. Bei einem Blick an die Kammerdecke bemerkte ich viele kleine braune Flecken, oh nee, ne, das waren doch nicht alles diese niedlichen kleinen braunen Dinger mit Namen Kakerlake. Der Wachkapitän bestätigte es mit einem hinterhältigem Lächeln, wie ich meinte. Er fuhr ja auch am nächsten Tag nach Hause.

Also dann und nun gut, Licht an, damit sie sich erst mal verziehen. Der Kakerlaken-Kenner weiß nun, verziehen heißt unsichtbar machen. Und, Licht an, heißt natürlich auch nachts in der Koje. Sonst - also ich will mich nicht weiter auslassen..., sie (waren) sind ja überall, im Brot in der Messe, beim Kinogucken an der Wand. Wenn sie erst aus dem Kühlschrank oder dem Maschinenraum kommen!

Die Russen sollen mal einen Atombombentest auf einer Insel gemacht haben. Viele unterschiedliche Tiere waren zu Testzwecken ausgesetzt. Die Kakerlaken blieben am Leben. Man ist quasi hilflos.

‚Lexikon der Schädlinge‘: Schaben, oft auch als Kakerlaken bezeichnet (oft fälschlich als Kakalake geschrieben), sind recht urtümliche Insekten, deren Grundbauplan sich seit mehr als 350 Millionen Jahren kaum noch verändert hat. Weltweit sind ca. 3.500 Schabenarten bekannt, wobei die Verbreitung hauptsächlich auf tropische und subtropische Gebiete beschränkt ist.

Na ja, nicht so wirklich ist der Mensch, sprich Hochseefischer, hilflos, wie der Leser bald weiß.

Erste Gegenmaßnahme: Schiff bei Ankunft in Rostock ausgasen. Kakerlaken (scheinbar) weg. Schiff auf See, Viecher wieder da, denn das Gas hatte die Brut nicht vernichtet.

Zweite Gegenmaßnahme: Im Reiseverlauf bei Mauretanien einlaufen Las Palmas. Denn da gibt es ein Wundermittel von Bayer. Boah, eh, aus dem Westen.

„Das Spezialspray von Bayer zeichnet sich durch eine schnelle Anfangswirkung, einen guten Austreibungseffekt, sowie eine lange Wirkungsdauer aus. Es enthält die Wirkstoffe sowieso und sowieso. Alle Substanzen schädigen das Nervensystem der Insekten.“

Na, das ist es doch. Ist das schön, in der Koje ohne Licht zu schlafen, Brot nicht misstrauisch zu beäugen. Wenn es einen Gott für einen Kakerlakenleidgeprüften Seemann gibt, dann jetzt und hier.

Acht Tage später. Da, das ist doch nicht etwa, Rrriiichtig. Man hörte nicht wieder zu gebende Flüche auf dem Schiff.

Irgendwas musste geschehen. Entweder man war so abgebrüht und verbrüderte sich mit dem Zeug, ergo negieren, oder...

Mir kam die grandiose dritte und damit bis dahin wirkungsvollste Gegenmaßnahme. In einer kleinen Bierrunde gab ich zu verstehen, dass jeder, der mir in einer Plastetüte 100 (in Worten: einhundert) lebende Kakerlaken auf die Brücke bringt, bekommt ein Ticket für eine Flasche.

Vierzehn Tage später. Keine Kakerlake mehr, aber die Brut lauerte in den Eiern. Mit Pinzetten wurden Matrosen im Proviantaufzugsschacht gesehen.

Doch, mir wurde nun langsam unheimlich. Nicht, dass nun die gesamte Besatzung nicht mehr zum Dienst erschien, nein, so diszipliniert waren die Jungs, aber der Schnapsvorrat nahm nach meiner Meinung zu drastisch ab. Gegenmaßnahme: zweihundert lebende Kakerlaken in der Tüte. Spray von Bayer hinein, zuknoten und außenbords.

Irgendwann war die „Elvi“ eine unbeschreiblich schöne lange Zeit Kakerlakenfrei .

Sehe ich da ungläubige Gesichter? Wie schon gesagt, ich habe Zeugen!!

Auf einer Neunzigtagereise  kommt unweigerlich die Frage: „Können wir nicht mal Filme tauschen?“ Und in der Filmkiste vom anderen Schiff grinste uns dann...., der Leser wird die Antwort wissen. Man könnte vor Wut in’n Schrank springen.

Gleichwohl, in der Wärme bei Afrika ein Schiff von Kakerlaken frei zu bekommen ist so gut wie unmöglich. Doch schon, man muss steril bleiben, d.h. man darf nirgendwo einlaufen, man darf keine Filme tauschen, man darf kein Proviant übernehmen, etc, pp.