Frage: Leo, Du präsentierst am Freitag, den 30. November im
LaLoK Dein neues Programm
"Herbstlich unverfrorene Abgesänge aus Gelsenkirchen".
Was soll das bedeuten?
Leo K.: Es sind herbstliche Lieder, Lieder gegen die heraufziehende Kälte. Trotz (oder gar wegen?) angeblich
schon erfolgter Klimakatastrophe wird es immer kälter in diesem Land, besonders hier bei uns in Gelsenkirchen!
Ich singe teils neue, meist aber schon etwas ältere Ladenhüter aus dem Zwanzigsten Jahrhundert, die
- frisch abgetaut und umverpackt - wieder dringend gebraucht werden, weil es uns heute an preiswerter frischer
guter geistiger Nahrung mangelt. Gammelmusik aus Gelsenkirchen sozusagen! Ha ha …
Frage: Was willst Du damit erreichen? Willst Du das Image unserer Stadt beschädigen?
Leo K.: Was ich erreichen will? Dass mein Publikum und ich sich nachher etwas besser fühlen und wir es ein paar Monate länger aushalten in dieser Stadt mit 16 Prozent Arbeitslosen und der überall zu bemerkenden Verwahrlosung und Verarmung. Im Ernst: Das Image der Stadt kann man nur verbessern, wenn man die Lebensbedingungen hier verbessert, sie menschlicher macht. Und dazu gehört auch Kultur, eine humanistische, erschwingliche Kultur. Und dazu eignen sich die Lieder von Georges Brassens in ganz besonderer Weise.
Frage: Der war doch ein Franzose, den versteht hier doch keiner?
Leo K.: Das ist das Problem, Brassens' Lieder kann man nur verstehen, wenn man den Text versteht.
Und deswegen ist Georges Brassens bei uns eigentlich noch völlig unbekannt. Aber mein Freund Leobald Loewe
hat inhaltlich originalgetreue und vor allem singbare Nachdichtungen gemacht, die ich vortragen werde,
neben Übersetzungen von Franz Josef Degenhardt.
Frage: Aber Brassens war doch kein politischer Liedermacher, oder?
Leo K.: Im strengeren Sinne nicht, und politische Parteien waren ihm ein Graus. Aber er war ein wirklich
radikaler Humanist, würdiger Nachfolger Till Eulenspiegels und Fançois Villon's. Er hasste Faschisten, Rassisten,
Polizisten und Spießbürger, die "croquants", und liebte die einfachen Menschen. Er hat versucht, ein Resonator
für ihre alltäglichen Freuden und auch Nöte zu sein und hat viel dazu beigetragen, Frankreich unregierbarer
zu machen! Und genau das ist es, was wir dringend auch in Deutschland gebrauchen können und besonders hier
in Gelsenkirchen. Damit es endlich wärmer wird bei uns!
Frage: Also: Her mit dem Klimawandel?
Leo K.: Ja, sicher, wir brauchen ihn, einen Klimawandel, dringend!