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I n h a l t

  1. Aufgestellt   Ansprache
  2. Zuhause im Klapheckenhof   Chanson
  3. Moder KG   Blues-Ballade (Geständnis)
  4. Die Brücke von Varvarin   Bericht / Gedicht
  5. Du sollst nicht mörkeln   Leserbrief
  6. Ein hübsches Merkel   Chanson
  7. Wahlkrampf / Beim Frühstück   Agit-Prop
  8. Agenda '10   Agit-Spott
  9. Kriminelle Weise   Agit-Hop (Plaidoyer)
  10. ÜberMacht   Agit-Rap
  11. Politik   Aphorismus
  12. Bange   Agit-Rock
  13. Verrückt gemacht   Geflüster
  14. Klima-Enigma   Blues (Rätsel)
  15. Klimaprognose   Spruch
  16. Wohl wahr   Sprüche
  17. Integration   Vorlesung
  18. Yo quiero salir del mundo   Gedicht von José Martí
  19. Folge ich nur   Song
  20. Entscheidung   Lied
  21. Der Fluss   Lied
  22. Wünsche   Song
  23. Schokoladeneis mit Marzipan   Lied
  24. Gerücht   Gedicht
  25. Bütikofer-Blues   Blues
  26. Mit untertänigstem Verlaub   Chanson
  27. Teure-Gummibärchen-Märchen   "Kinder"lied
  28. NO NAZI, NO WAR!   Reggae
  29. Deutscher Stolz   Gedicht
  30. Die Unsichtbaren   Chanson
  31. Hiroshima, Nagasaki   Gedicht
  32. Sicherheit   Aphorismus
  33. Aufhören !   Gedicht
  34. Die freie Wirtschaft   Gedicht von K.Tucholsky
  35. Augen in der Großstadt   Gedicht von K.Tucholsky
  36. Mutter Erde   Song
  37. Die Schnecke zum Gärtner   Song
  38. Mal was schönes   Song http://leo.kowald.org


Creative Commons License © 1978-2008 Absängerei Leo Kowald, Gelsenkirchen. Dieser Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert. Diese Seite ist frei von GEMA- oder VG-Wort- "geschützten" Inhalten. Nur nichtkommerzielle Wiedergabe in humanistischem Kontext erwünscht!


Aufgestellt (Ansage am 31.11.2007)

Meine sehr geschätzten Kundinnen und Kunden,
ich hab' Sie mir heute zusammengefunden,
um Ihnen meine neueste programmatische Ausrichtung zu präsentieren.

Ich hab' mich hier heute neu aufgestellt, um in Ihrem Fokus
zu spielen und zu singen und ohne viel Hokuspokus
im lyrisch-musikalischen Bereich meine Kompetenz zu demonstrieren.

Mein Portfolio umfasst neben hauptsächlich französischen Chansons in deutscher
Sprache sowie linksorientierter Satire altbewährtes und umfassend modernisier-
tes Agitations- und Propagandaliedgut, kurz Agitprop genannt. Neben authentisch
eigenen Stücken bilden die Lieder von Georges Brassens insbesondere im zweiten    
Abschnitt des Abends den strategischen Haupt-Schwerpunkt.

Die Präsentation ist adressiert an ein anspruchsvolles, politisch vorgebildetes
Publikum mit Abitur und einer Mindest-Mathematik-Zensur von 2+. Nur unter
diesen Grundvoraussetzungen kann unter anderem die Vorlesung "Integration"
verstanden und eine nachhaltige Kundenzufriedenheit sichergestellt werden.

Wir haben diesen Abend verschiedensten Geschäftspartnern und Mitarbeitern
zu verdanken, zuallererst natürlich unserem Gastgeber "SJD - die Falken", der
"Medizinischen Fußpflege Gaertig GmbH und Co KG" sowie "http-www-cevennen-
ferienhaus-de" und nicht zuletzt auch der "Moder KG", mit denen im scharfen
Wettbewerb des Kulturmarktes dieser Stadt mit vorzüglichster Organisation,
Akzeptanz und Beratungskompetenz auf vielen Entwicklungsfeldern eine volks-
orientierte und garnichtsversprechende strategische Partnerschaft eingeleitet
werden konnte.

Ihnen wünsche ich für den Verlauf der Veranstaltung:
Vollste Zufriedenheit und angenehmste Unterhaltung!

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Zuhause im Klapheckenhof  (Deutsch von Leobald Loewe, Dez. 2008)
 
Zuhause im Klapheckenhof
hab' ich 'n ziemlich schlechten Ruf
Ich halt' den Mund und müh' mich sehr
aber ich gelt' als, weiß nicht, wer!
Ach, ich tu' doch niemandem 'was zu Leide
alldieweil ich auf meinem Holzweg bleibe
aber die Leute mögen nicht die
die and're Wege geh'n als sie
nein, die Leute mögen nicht die
die and're Wege geh'n als sie
über mich reden alle schlecht
außer die Stummen, natürlich nicht!

Beim Spiel der deutschen Mannschaft bleib'
ich schön im Bett bei meinem Weib
denn das Nationalgeschrei
geht mir am deutschen Arsch vorbei!
Ach ich bin doch nicht schon ein Volksverräter
nur weil ich nicht mitjuble beim Elfmeter
aber die Leute sind vergrätzt
wenn man nicht ihre Werte schätzt
nein, die Leute sind vergrätzt
wenn man nicht ihre Werte schätzt
mit Fingern zeigen sie auf mich
außer die Lahmen, natürlich nicht!

Und hör' ich 'n alten Bekannten, der
zieht über Asylanten her
misch' ich mich ein, bin nicht mehr still
weil ich den Mist nicht hören will!
Ach, ich tret' doch niemanden auf die Füße
nur weil ich den Ärmsten mich nicht verschließe
aber die Leute mögen es nicht
wenn man nicht ihre Sprache spricht
nein, die Leute mögen es nicht
wenn man nicht ihre Sprache spricht
sie alle stürzen sich auf mich
außer die Krüppel, natürlich nicht!

Ich muss kein Zukunftsforscher sein
um Euch mein Los zu prophezei'n:
Finden sie einen festen Strick
schlingen sie den um mein Genick!
Ach, ich mach' doch niemandem je Probleme
nur weil ich die Wege nach Rom nicht nehme
aber die Leute mögen nicht die
die and're Wege geh'n als sie
nein, die Leute mögen nicht die
die and're Wege geh'n als sie
alle schau'n zu wenn man mich hängt
außer die Blinden, wie man sich denkt!

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Moder KG (1978)

"Kommen, sehen und siegen" war meine Devise
als Organisator von "Ratio", was trifft mich die Krise
zur Moder KG, Ausfahrt Erfelbach-Süd fuhr ich eben
Termin mit Herrn Dressel, dem Leiter vom Rechnungswesen      

"Kowald von Ratio-Computer, Termin mit Herrn Dressel"
"Moment noch, Herr Kowald, ja nehmen Sie bitte den Sessel
Kaffe gefällig, Herr Dressel ist noch eine Weile
in einer Besprechung, ich hoffe Sie sind nicht in Eile"

"Komm, sieh und siege"
war meine Devise
"Ich schau nur nach vorne -
was trifft mich die Krise?"

In einem Büro, gelbe Wände, Gardinen, da saßen
ein Mann und vier Frauen, die scherzten und Törtchen aßen
versteckte Romane in Stößen von Zetteln und Heftern
dazwischen die ewigen Rechensklaven von gestern.

Die eine beschrieb Formulare, die macht wohl die Löhne
'ne andre besprach mit Kollegin die Leistung der Söhne
die jüngste im Raum warf verträumte Blicke nach draußen
zur Autobahn hin, wo Kolonnen gen Süden brausten

"Komm, sieh und siege"
war meine Devise
"Ich schau nur nach vorne -
was trifft mich die Krise?"

Die Struktogramme warn fertiggestellt in acht Tagen
geklärt waren bald auch die letzten, kleineren Fragen
in dreieinhalb Monaten wars dann auch programmiert
Computer getestet, geliefert und installiert

Ein halbes Jahr später Herr Dressel am Telefon
von wegen Termin am zwölften um neune schon
ich sollte an diesem und jenem Programm noch was drehn
"Gewiss doch, Herr Dressel, bis dann und auf Wiedersehn"

"Komm, sieh und siege"
war meine Devise
"Ich schau nur nach vorne -
was trifft mich die Krise?"

Am zwölften dann pünktlich zur Stell' in der Moder KG
ich komm ins Büro - eben jenes - und was ich da seh
graue Kästen und Bildschirme, Wände sind frisch gestrichen
Klimaanlage - mich hat so 'ne Ahnung beschlichen

Zwei Schreibtische waren geblieben in jenem Raum
die Kleine von damals, ich glaub, die erkannte mich kaum
da war noch ein Neuer, die übrigen waren vertrieben
ich kam, sah und stand da: Wo sind bloß die Andern geblieben?


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Die Brücke von Varvarin (2000-2007)

In der serbischen Kleinstadt Varvarin am Ufer der Morava herrscht
am 30. Mai 1999 sonntägliches Markttreiben. Der schon zehn Wochen
andauernde NATO-Krieg gegen Jugoslawien scheint weit weg,
Belgrad und der Kosovo sind jeweils 200 Kilometer entfernt.

Kurz nach 13 Uhr tauchen zwei F-16-Kampfflugzeuge der NATO
am Himmel auf und feuern mit lasergesteuerten 2000-Pfund-Bomben
auf die Brücke am Stadtrand, die direkt zum Marktplatz führt:
Drei Menschen werden getötet, fünf weitere schwer verletzt.
Dutzende Menschen laufen vom Markt zur Brücke, um zu helfen.
Bei einem zweiten Angriff kurz darauf werden sieben Menschen
getötet und zwölf erleiden schwere Verletzungen.

Der auf seinem Schleudersitz, könnte er die Schreie hören
könnte der auf seinem Schleudersitz die Schreie hören
würde er erschrocken umkehren und aufhören
Befehle auszuführen, Brücken zu zerstören
die uns gar nicht gehören und nicht zu uns führen?

Der auf dem Ministerstuhl, könnte er das Zittern spüren
könnte der auf dem Ministerstuhl das Zittern spüren
würde er sich erschüttert rühren und aufhören
Befehle zu beschließen, Länder zu beschießen
die sich nicht drohen ließen und nicht kaufen ließen?

Der auf Deiner Fernsehcouch, könnte er die Schmerzen fühlen
könnte der auf Deiner Fernsehcouch die Schmerzen fühlen
würde er dann endlich aufwachen und aufhören
die immer neu zu wählen, die Soldaten befehlen
Menschen zu vernichten um Macht zu errichten?

Die Brücke sei ein legitimes militärisches Ziel gewesen, sagte NATO-Sprecher
Jamie Shea nach dem Anschlag. Doch in Varvarin befanden sich keine
militä­rischen Einrichtungen. Die nächste Kaserne war 22 Kilometer entfernt.
Die 75 Jahre alte Brücke hatte nur eine Traglast von zwölf Tonnen
und wurde für Militärverkehr während des Krieges nicht genutzt.
Auch Militärexperten sprechen von einem Kriegsverbrechen gegen Zivilisten.

An Fernsehleidensbilder kannst Du Dich gewöhnen
Minister können sich in weiche Sessel lehnen
und auf Schleudersitzen kann man bei dem Triebwerksdröhnen -
nur noch funktionieren, nur so kann's passieren
dass Die beim Bombardieren da unten krepieren ...

Hinterbliebene und Opfer aus Varvarin haben das NATO-Mitglied
  Deutschland auf rund 3,5 Millionen Euro Entschädigung verklagt.
  Deutschland habe mit den anderen NATO-Staaten diesen Angriff
  gemeinschaftlich beschlossen und müsse dafür haften. Die Klage
  wurde 2003 vom Landgericht Bonn "im Namen des Volkes" abgewiesen.

... und Mörder triumphieren ...





Quellen:
www.frieden-bonn.de/schwerpunkte/varvarin.php, 2005
www.nato-tribunal-de


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5. Du sollst nicht mörkeln

WAZ-Leserbrief (vom 1.5.2003)

Es sei daran erinnert, dass Frau Merkel persönlich
für das Blutvergießen im Irak mitverantwortlich ist:
SIE hat in der über Krieg und Frieden entscheidenden
Phase im März zweitausenddrei das Ultimatum
der USA "mit allen Konsequenzen" unterstützt,
obwohl das Grundgesetz im Artikel sechsundzwanzig
Handlungen unter Strafe stellt, "die geeignet sind ...
die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten".

Der Irak-Krieg war nicht nur völkerrechtswidrig
(kein UNO-Mandat) und verfassungswidrig
(Angriffskrieg), keiner der offiziellen Kriegsgründe
war erfüllt: Der Irak hatte abgerüstet,
er hatte keine Massenvernichtungswaffen
und auch mit Al-Khaida nichts zu tun.
Der Krieg war ein blutiger Eroberungskrieg um Macht
und Öl mit viel zu vielen unschuldigen Opfern!

Zu den "Konsequenzen" der Frau Merkel sollte gehören
dass SIE sich sofort aus der Politik verabschiedet
und uns in Zukunft mit ihren Auftritten verschont!
Wie soll SIE denn jemals einen Amtseid leisten können,
"Schaden vom deutschen Volke abzuwenden",
"das Grundgesetz und die Gesetze der BRD zu achten"
und "Gerechtigkeit gegen Jedermann zu üben",
ohne sich zugleich zu "verschwören"?

SIE hat gezeigt, dass SIE jederzeit die Gewähr dafür bietet,
das Grundgesetz mit einer Rolle Klopapier zu verwechseln -
etwas, worauf man scheißen kann wenns drauf ankommt!


Die Schnecke (Nachtrag vom 13.7.2006)

Habt Ihr sie gewählt, die dem Lügner
in den Hintern hat kriechen gemüsst?
Jetzt habt Ihr als Kanzlerin eine,
die den Mörder von vörne beküsst!


Die Willige (Nachtrag vom 24.7.2006)

In Beirut krepieren Kinder wie Kröten,
kein Grund für SIE dem entgegenzutreten,
SIE stimmt den Chor der Willigen ein:
"Solange Hisbollah sich wehren tut
sind Splitterbomben auf Wohnviertel gut!
Kein Waffenstillstand für Libanon, nein,
wir Willigen billigen Phosphor-Granaten
auf Viertel der Moslems, das löscht ihre Wut!"

Angelas Marschflugkörper (Nachtrag vom 1.10.2007)

"Um die Politik anderer Nationen zu beeinflussen
 um den Interessen und Werten der eigenen Nation zu dienen
 müssen alle Mittel in Betracht gezogen werden
 von freundlichen Worten bis zu Marschflugkörpern"
(Angela Merkel auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2004)


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Ein hübsches Merkel
(Von Leobald Loewe, 15. April 2008)

Nie auf der Welt können Linkswähler sein
so blind wie ich Idiot mich hab' benommen
dabei fiel'n mir fast die Augen hinein
als ihrem Mieder ich zu nah gekommen
    
    Ein hübsches Merkel mit rosa Kuhhaut
    als schöne Blume geschminktes Biest,
    das dich regiert wie man keiner zutraut
    derweil du langsam zugrunde gehst!

Ich konnte an ihrer schlichten Gestalt
nie einen Flecken zarter Haut erblicken
nur fürs Regieren, da brauchen sie halt
kein Mädel, das schön nähen kann und stricken

    Ein hübsches Merkel...

Doch neulich hat sie ein Kleid ausgesucht
ließ ihre altbewährten Knöpfe fallen
als ich sie sah, hab' ich mich fast verschluckt
sie hatte mir noch nie so gut gefallen

    Ein hübsches Merkel...

Hat sie der Himmel mit Reizen bestückt!
Mich traf der Blitz, mein Herz fing an zu brennen
sie hat so viele, ich hab' nicht geblickt
nicht mehr gewusst, wohin mit meinen Sinnen...

    Ein hübsches Merkel...

Wegen dem Bush war ich sauer, die Wut
ist nun verpufftt, ich hab' Hartz ihr vergeben
auch finde ich  ih-re-Re-Formen so gut
kann meine Stimme k-keiner Andern geben!

    Ein hübsches Merkel...

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Wahlkrampf (Juli 2005)

Die "Reformen" sind "gescheitert"*
all' der schweren Opfer Qual
für die Katz' und nicht erheitert
muss das Volk erneut zur Wahl

Wieder einmal geht's ums Ganze
's liebe Geld, das Kapital
um Lohnnebenkostensenkung
und die Arbeitslosenzahl

Aus der Glotze schallt es "Kriiise!"
"Hoch die Armut!" titelt BILD
" 's drohen große Katastrophen
zahle Ablass, gib dein Geld!"

"Dein Erspartes ist heut' richtig
wichtig für die Konjunktur
Lohnerhöhung? Bist du irre?
Willst du Sozialismus pur?"

"Schulden? Feigling! Mach jetzt Umsatz
wer nicht kauft, hat nicht gelebt
Schluss mit lustig ist erst wenn man
in der Zinsenfalle klebt!"
__________

"Wer das Tempo hier nicht mitgeht
wird am Straßenrand entsorgt
denk daran, die Rente ist von
deinen Enkeln nur geborgt!"

"Den Versagern, Alten, Kranken
keinen müden Euro mehr
jeder sehe, wie er klarkommt
so ist Zukunft, bitte sehr!"

"Für den Frieden schicken wir dann
mit dem eingesparten Geld
unsre Bundeswehrsoldaten
in die große weite Welt!"

Ganz verdattert steht der arme
Mann der Arbeit aufgewacht
vor den Scherben der Bescherung
die ihm dieser Wahlkrampf macht

Und er ahnt: Auf seine Kosten
gehts mit Krieg, Profit, Verrat
um das alte Oben - Unten
und die ganze Macht im Staat!
Beim Frühstück (Juli 2008)

Sitz' beim Frühstück ich gemütlich
so vor meiner Tasse Tee
ist mein Blutdruck noch in Ordnung
bis ich in die Zeitung seh':

Wieder einmal geht's ums Ganze 
's liebe Geld, das Kapital 
um Lohnnebenkostensenkung 
und die Arbeitslosenzahl 

Auf der Tittel-Seite: "Krriiise!" 
Nummer zwo: "Rette die Welt! 
's drohen große Katastrophen 
zahle Ablass, gib dein Geld!" 

"Dein Erspartes ist jetzt richtig 
wichtig für die Konjunktur! 
Lohnerhöhung? Bist du irre 
willst du Sozialismus pur?" 

"Schulden? Feigling! Schaffe Umsatz 
wer nicht kauft hat nicht gelebt 
Schluss mit lustig ist erst wenn man 
in der Zinsenfalle klebt!" 
   _________________

"Wer das Tempo hier nicht mitgeht 
wird am Straßenrand entsorgt 
denk daran, die Rente ist von 
deinen Enkeln nur geborgt!" 

"Den Versagern, Alten, Kranken 
keinen müden Euro mehr 
jeder sehe, wie er klarkommt 
so ist Zukunft, bitte sehr!" 

"Für den Frieden schicken wir dann 
mit dem eingesparten Geld 
unsre Bundeswehrsoldaten 
in die große weite Welt!" 

Ganz verdattert les' ich weiter
mit 'nem Puls von huntertacht
und begreif nicht diesen Blödsinn
doch da kommt mir der Verdacht:

Mensch, na klar! Auf meine Kosten
geht's mit Krieg, Profit, Verrat 
um das alte Oben - Unten 
und die ganze Macht im Staat!
Juli 2005: Der eigentliche Zweck der neoliberalen „Reformen“, fette Profite für die "Global Player", wurde erreicht. Mit den durchaus einkalkulierten Folgen: Nachlassen der Binnennachfrage, Massenarmut und wachsende soziale Unsicherheit und Ungerechtigkeit. Die deutschen Konzerne platzen vor Konkurrenzfähigkeit und Exportüberschüssen (lesen Sie die Wirtschaftsseite!). Unsere Kassen sind leer, weil sie sie geplündert haben! Die Wirtschaftskrise findet nur bei den Arbeitern, Angestellten, Arbeitslosen, Rentnern, Kindern und Kranken statt. Womit dann schon der Vorwand für die nächste Runde im globalen Sozialdumping-Marathon geschaffen ist. Und man wird ihnen wieder glauben!

Nachtrag 2007: Inzwischen hat sich die Konjunktur von den "Reformen" erholt, dank der Auslandsnachfrage und weil sich die Kapitalflucht in die Billiglohnparadiese des ehemaligen Ostblocks (Siehe EU-Osterweiterung) totgelaufen hat. Nun heißt es, das sei ein Erfolg von "Hartz IV" gewesen! Welch zynischer Schwachsinn: Die armen Schlucker sollen die Konjunktur gerettet haben - bis zum nächsten Abschwung - und was dann?!

Nachtrag 2009: Jetzt rächt sich die schwache Binnennachfrage! Die Riesenprofite von gestern konnten nicht mehr gewinnbringend reinvestiert werden und wurden in riskanten Kreditgeschäften in den USA verzockt. Die im Inland nicht absetzbaren Produkte können auch in den USA und auch "auf Pump" nicht mehr losgeschlagen werden. Nun ist die Krise da, zunächst einmal bei den Banken und Reichen. Umso lauter ist das Jammern: Irrsinnige Mengen Geld der Steuerzahler werden "dringend" zur "Absicherung" der Profite von gestern "benötigt". Mit den durchaus einkalkulierten Folgen: Nachlassen der Binnennachfrage, Massenarmut und wachsende soziale Unsicherheit und Ungerechtigkeit... Und alles geht wieder von vorne los!

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Agenda '10 (November 2006)

Wisst Ihr noch: Agenda 2010, unser großes Opfer für die
künftigen Generationen, für den Erhalt des Kosmos?
Nun - wo ist das Geld geblieben? Ich weiß es:


Chantal, komm her und mach's dir gemütlich
wir tun uns ein wenig am Schampus gütlich
denn wir haben heute etwas zu feiern
komm näher zu mir, spiel mir an den Füßen

Mach's auch ein bisschen zwischen den Zeh'n
dann erzähl' ich dir 'was von AGENDA ZEHN
wie wir das verblödete Volk abgezogen
haben bis dass sich die Balken bogen

Ha Ha Ha Ha

Es gibt nicht nur Typen wie mich, die Gewinner
sondern leider auch immer noch viel zu viel Spinner
die andauernd nur die Umwelt beschützen
und uns ansonsten nicht allzu viel nützen

Wir hamm' uns gedacht, man bräuchte nur eben
den störrischen Eseln ihr'n Zucker zu geben
dann fressen sie artig aus unseren Händen
und scheißen Dukaten mit ihren Lenden

Ha Ha Ha Ha

Den'n hamm'wer gesagt, wir tun was für Kinder
für die Enkel, die Alten, die Kranken, die Inder
für die Nachhaltigkeit und für besseres Klima
ich glaube, das fanden die wirklich ganz prima

Da kamen uns manche Flutkatastrophen
in den ärmeren Ländern gerad' wie gerufen
wir haben uns heimlich ins Fäustchen gelacht
und den Leuten ein schlechtes Gewissen gemacht

Ha Ha Ha Ha

Die glauben jetzt all'n Ernstes Soli' zu üben
wenn sie die Penunzen uns 'rüber schieben
das Moos dieser kleinen Leute, heut' hamm'ers
auf Nummernkonten auf den Bahamas

Ludmilla, komm trink mit mir auf unser Wohl
auf Münte und Merkel, auf Hartz* und den Kohl
Lola, du Ferkel, nein, lass das jetzt sein
du saust mir ja alles mit Schampus ein!

Ha Ha Ha Ha

*) Peter Hartz wurde im Januar 2006 nach einem Kuhhandel mit den Richtern wegen Bestechung und "Untreue" zu zwei Jahren Gefängnis "auf Bewährung" verurteilt: Der Duz-Freund und Berater Gerhard Schröders war bis vor einigen Jahren Personalvorstand bei VW, als fast der ganze Konzernbetriebsrat u.a. mit Lust-Reisen nach Brasilien und Millionen-Geschenken bestochen wurde, um zu - gelinde gesagt - originellen Tarifabschlüssen zu kommen. Peter Hartz war als Leiter der so genannten Hartz-Kommision der wichtigste Akteur der AGENDA-2010 der rot-grünen Koaltion 1998-2005 unter Kanzler Schröder und persönlich verantwortlich für viele Grausamkeiten in den Teilgesetzen "Hartz I" bis "Hartz IV".

Sich die in den Nachkriegsjahren teilweise hart erkämpften sozialen Rechte im Handstreich nehmen zu lassen, war wohl das Dümmste, was man unseren nachkommenden Generationen antun konnte. Man hätte ihnen eher etwas Gutes getan, wenn man diese Rechte erhalten hätte, damit sie später nicht ganz mit leeren Händen da stehen. Denn keinen müden Cent, um den uns Rot-Grün-Schwarz-Gelb im Namen der Nachhaltigkeit mit der AGENDA 2010 betrogen hat, werden unsere Kindeskinder je zu sehen bekommen! Das Geld ist nachhaltig (=für immer) weg!

"Eine Person bedarf in diesem Zusammenhang besonderer Erwähnung: José Piñera und sein "International Center for Pension Reform". Jesé Piñera war Arbeitsminister unter Chiles Diktator Pinochet und hat in dieser Funktion den Arbeitnehmern dort 1980 die private Vorsorge aufgezwungen - mit all den damit verbundenen Nachteilen für die Mehrheit der Chilenen. Piñera ist seitdem als Lobbyist und Propagandist der Privatvorsorge und der internationalen Finanzindustrie tätig. Er rühmt sich der Beratung vieler Länder und Regierungen bei ihrem Weg zur Ablösung sozialer Sicherungssysteme und der Einführung privater Rentenversicherungen: In Südamerika und Osteuropa, in Großbritannien und Australien, in Kasachstan und auch bei uns in Deutschland hat er Spuren hinterlassen. Was er zum Beispiel in einem Artikel für das Wallstreet Journal Europe am 25. Juni 1998 über das angebliche Scheitern des Umlageverfahrens und die Vorteile des Kapitaldeckungsverfahrens geschrieben hat, findet sich nahezu wortgleich in den Äußerungen von Schwarz und Gelb, von Rot und Grün in Deutschlands Renten- und Demographiedebatte wieder. Wer sich durch die Seiten seiner hompage www.pensionreform.org klickt, der bekommt einen zugleich umfassenden wie bedrückenden Eindruck von der Dimension und dem weltumspannenden Charakter seiner Aktivitäten. Der Arbeitsminister Pinochets als Ghostwriter einer rot-grünen Koalition in Deutschland - das hätte ich mir noch vor zehn Jahren nicht einmal in einem sehr schlechten Traum vorstellen können. Doch die Parallelen gehen bis in die Terminologie: Auf seiner persönlichen Website www.josepinera.comwww.josepinera.com präsentierte Piñera im Mai 2004 die "Agenda Chile 2010"." (aus "Die Reform-Lüge" von Albrecht Müller, Droemer, 2004)

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Kriminelle Weise (September 2006)

Am 8. September 2006 empfahl der so genannte
„Rat der Wirtschaftsweisen“ in einem Gutachten,
das Arbeitslosengeld II um 30 Prozent zu senken.


Dieser so genannten Wirtschaftsweisen
Vorschlag ist nicht wirklich weise
sondern kriminell
und das kann ich auch beweisen:

Wovon sollen denn die Arbeitslosen
leben, wenn sie nur Almosen
statt das Recht auf Lohn erhalten
wenn DIE ihnen von dem Lebensmittel
das sie brauchen fast ein Drittel
tückisch wollen vorenthalten?

Sollen die, die keine Möglichkeiten
seh'n ihr Leben zu bestreiten
sich etwa das Leben nehmen?
Soll'n sie fehlendes bei Freunden borgen
betteln, schnorren, schwarz besorgen
und dabei zu Tod' sich schämen?

Sollen sie als Zwangsarbeiter jobben
für Ein-Euro Stunden kloppen
ausgenützt zum Löhnedrücken?
Oder soll'n sie ums Budget zu schonen
in vermufften Buden wohnen
oder unter Straßenbrücken?

Soll'n sie alles was sie noch besitzen    
bei den Pfandleihern versetzen
und am Straßenrand verkaufen?
Oder sollen sie sich isolieren
um nur hinzuvegetieren
und sich täglich zu besaufen?

Freilich gäb's zu dieser primitiven
Armenhatz Alternativen
wenn man sie nur denken wollte!
Wenn man in den Wirtschaftsweisen-Kreisen
Menschenrechten einen leisen
Funken Interesse zollte!

Wir sollten die gewissenlosen großen
Geister von den Sockeln stoßen
und für ihre Worte strafen!
Wenn SIE einfach nur die Klappe hielten
statt aufs Geld der Armen schielten
könnten die schon besser schlafen

Wovon sollen denn die Arbeitslosen ...

Will man Menschen in die Enge treiben
bis keine fairen Möglichkeiten übrig bleiben      

ist das wirklich kriminell !

Der "Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“, oder auch „Rat der Wirtschafts­weisen“ genannt, ist eine Kommission von 5 Wirtschaftsprofessoren, deren Mitglieder von der Bundesregierung ernannt werden. Ihm gehören an: Professor Dr. Dr. h.c. Bert Rürup (Vorsitzender), der auch Vorsitzender der "Kommission für die Nachhaltigkeit(!) in der Finanzierung der Sozialen Sicherungs­systeme" ist, Professor Dr. Peter Bofinger, Professor Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Franz, Professorin Dr. Beatrice Weder di Mauro und Professor Dr. Wolfgang Wiegard. In einem der Bundesregierung am 8. September 2006 vorgelegten Gutachten, welches von allen „Weisen“ mit Ausnahme von Peter Bofinger unterstützt wird, fordern sie, das ALG II um satte 30 Prozent zu senken und das Höchsteinkommen bei Minijobs von 400 auf 200 Euro zu halbieren. Neben den Einsparungen beim ALG II wird damit das Ziel verfolgt, erwerbslos gewordene in den Billiglohnsektor hineinzu­drängen. Den Hartz-IV-Empfängern soll ein Lebensunterhalt aus staatlichen Leistungen (trotz grundgesetzlich garantiertem Existenz­minimum) unmöglich gemacht werden. Offenbar wollen sie die Worte von Franz Müntefering** wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen nun in die Tat umsetzen. Die SPD lehnte diesen Vorstoß, zumindest verbal, „scharf“ ab.

**) Franz Müntefering ist offenbar verwirrt. In dem ZDF-Interview am 24.7.2005 sagte er: „Es gab einen ganz alten Spruchinder Sozialdemokratie: ‚Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen'. Das traut man sich heute gar nicht mehr zu sagen. Aber das war sozialdemokratisches Denken. Die haben gewusst: Jeder muss sich anstrengen, jeder muss seinen Teil dazu beitra­gen. Wir wollen dem Land sagen: Wir haben Vertrauen in Deutschland. Wir wissen, Deutschland ist stark. Aber wir müssen uns anstrengen, damit wir in einigen Jahren nicht mehr Exportweltmeister sind und andere Länder an uns vorbeigehen“.


"Die sogenannten Wirtschaftsweisen plädieren für soziales Elend", sagte Werner Rätz vom attac-Koordinierungskreis. "Profite gehen für sie vor Menschen; die Menschen sollen ihrer Ansicht nach für die Wirtschaft da sein statt umgekehrt."

In dem neuesten Gutachten fordern vier der fünf Mitglieder des Sachverständigenrates, das Arbeitslosengeld II um 30 Prozent zu senken. Von dieser und weiteren Maßnahmen erhofft sich die Mehrheit des Gremiums rund 350.000 neue Stellen für Gering­qualifizierte und Langzeitarbeitslose. Der fünfte Sachverständige, Peter Bofinger, hat sich von den Vorschlägen seiner Kollegen distanziert und ein Minderheitsgutachten angekündigt.

"Mit dem nun vorgelegten Mehrheits-Gutachten haben die gebetsmühlenartig geforderten Schikanen gegen Arbeitslose eine neue Qualität erreicht", sagte Werner Rätz. Bereits in seiner jetzigen Form liege der Regelsatz für das Arbeitslosengeld II (Regelsatz von 345 Euro im Monat plus 317 Euro für Miete und Heizung) deutlich unter der von der Europäischen Union für Deutschland definierten Armutsgrenze von 930 Euro netto monatlich. Nach einer Kürzung um 30 Prozent würde der Regelsatz des ALG II auf 241 Euro monatlich sinken. Werner Rätz: "Dieses Gutachten tritt offen für eine Verletzung der sozialen und wirtschaftlichen Menschenrechte ein. Offenbar sollen sie für Arbeitslose in Deutschland nicht gelten.

(Aus http://www.carelounge.de/sozialberufe/news/news_ansehen.php?meldungID=1568)

Britta Könemann: "Der verfassungsunmittelbare Anspruch auf das Existenzminimum". Zum Einfluss von Menschenwürde und Sozialstaatsprinzip auf die Sozialhilfe, Studien zum Sozialrecht, Band 2, Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2005, 210 Seiten, ISBN-13: 978-3-8300-2047-9, ISBN-10: 3-8300-2047-3, Preis: 75,- Euro (!)

Die Arbeit untersucht, ob Bedürftige mehr Sozialhilfe bzw. Arbeitslosengeld II ("Hartz IV") einklagen können, als die Regelsätze nach dem Sozialgesetzbuch vorsehen. Dies gelingt unter Berufungdirekt auf das Grundgesetz. Eine umfassende Analyse der Verfassung zeigt, dass Art. 1 Abs. 1 GG (Menschenwürde) und das Sozialstaats­prinzip den Bedürftigen Ansprüche auf die Mittel zur Persönlichkeitsentfaltung und Teilhabe am allgemeinen Wohlstand verschaffen. Grundsätzlich bleiben die verfassungsunmittelbaren Ansprüche zwar ohne praktischen Nutzen. Aufgrund ihrer Unbestimmtheit bedürfen sie der Konkretisierung, was Aufgabe des Gesetzgebers ist. Die Regelungen im Sozialgesetzbuch und die hierzu ergangenen Verordnungen bestimmen daher in der Regel auch den Umfang der Verfassungsansprüche.

Die aktuellen Regelsätze sind jedoch rechtswidrig. Das jüngst vom Verordnungsgeber bestimmte Verfahren zur Regelsatzermittlung wurde bei der Festsetzung der Regelsätze nicht eingehalten. Die so entstandene Regelungslücke aktiviert den verfassungsrechtlichen Anspruch auf das Existenzminimum. Die Gerichte können nunmehr unmittelbar unter Berufung auf das Grundgesetz Sozialhilfeleistungen festsetzen. Anhaltspunkt bei der gerichtlichen Bestimmung der Regelsätze müssen die rechtmäßigen Wertungen des Verordnungsgebers sein. Bei korrekter Umsetzung des Verfahrens müssen die Gerichte deutlich höhere Regelsätze (etwa 200 bis 300 Euro mehr) zusprechen, als die Regelsatzfestsetzungen durch die Länder vorsehen.

Das aus dem Grundgesetz einklagbare Existenzminimum von mindestens 537 Euro hat Relevanz nicht nur für die rund 5 Millionen Bedürftigen, sondern auch für das Steuer- und Unterhaltsrecht, die Pfändungsfreigrenzen und die Lohn- und Gehaltsstruktur der Bundesrepublik. Angesichts dieser juristischen und wirtschaftlichen Tragweite, der gesellschaftlichen Diskussion und der politischen Debatte über die Richtigkeit von "Hartz IV" wird diese Arbeit einige Resonanz hervorrufen.

(Aus einer Buchbesprechung des Verlages: http://www.verlagdrkovac.de/3-8300-2047-3.htm)

Zur "geschichtlichen Laufbahn des Kapitals" bemerkt Rosa Luxemburg, einen Satz von Karl Marx fortführend, dieses sei nicht nur "aus allen Poren blut- und schmutztriefend zur Welt" gekommen, sondern es setze sich derart auch "Schritt für Schritt in der Welt durch". Die bürgerlich-liberale Theorie habe nur die eine Seite des historischen und aktuellen Prozesses im Blick, den "friedlichen Wettbewerb" und Warenaustausch auf dem Markt, das gleiche Eigentumsrecht. Die andere Seite der Kapitalakkumulation sei die, wo "ganz unverhüllt und offen Gewalt, Betrug, Bedrückung und Plünderung zutagetreten", und es koste gedankliche Mühe, unter "diesem Wust der politischen Gewaltakte und Kraftproben", der kolonialen Zugriffe und Kriege "die strengen Gesetze des ökonomischen Prozesses aufzufinden". Die gewalttätige, kriminelle Seite der Kapitalismusgeschichte zeigt sich nach Rosa Luxemburg vor allem dort, wo die kapitalistische Wirtschaftsweise sich daran macht oder darauf aus ist, nichtkapitalistische Produktionsformen zu zerstören und damit die eigene Machtsphäre auszuweiten, aber auch dann, wenn rivalisierende Kapitalgruppen nationalstaatliche Politik dazu einsetzen, die Interessensphären weltweit neu zu verteilen. (aus http://www.linksnet.de/artikel.php?id=1580)

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ÜberMacht (Juli 2005)

Geheimdienste, Firmen, Banken, Partei'n,
Agenturen, Banden, Kapitalfonds, Kanzlei'n,
Behörden, Kirchen, Verlage, Dynastien,
Konzerne, Staaten, Verbände, Armeen
mit Beratern, Künstlern, Vertretern, Lobbyisten,
Soldaten, Killern, Philosophen, Juristen,
Professoren, Priestern, Politikern, Polizisten,
Spionen, Managern, Räubern, Journalisten
mit Gefängnissen, Medien, Arbeitsplätzen, Religion,
Universitäten, Bomben, Fabriken, Munition,
Ländereien, Netzen, Reaktoren, Medizin,
Raketen, Software, Satelliten, Strategien
mit Propaganda, Krieg, Betrug, Isolation,
Bedrohung, Tarnung, Verführung, Korruption,
erpressung, Folter, Verleumdung, Hohn,
Unterdrückung, Fälschung, Mord, Manipulation
mit Energie, Härte, Konsequenz, Brutalität,
Willenskraft, Geduld, Arroganz, Flexibilität,
Entschlossenheit, Wissen, Intelligenz, Autorität,
Verschlagenheit, Kühnheit, Geiz, Professionalität
gegen Dich, Dich, Dich und Dich, Dich, Dich, Dich und Dich,
Dich, Dich, Dich und Dich, Dich, Dich, Dich und Dich,
Dich, Dich, Dich und Dich, Dich, Dich, Dich und Dich,
Dich, Dich, Dich und Dich, Dich, Dich, Dich und auch MICH
mit Furcht, Sorgen, Großzügigkeit,
Zweifeln, Güte, Harmlosigkeit,
Schwächen, Halbwissen, Leichtgläubigkeit,
mit Naivität, Weichheit, Unbeständigkeit,
Verständnis, Moral, Bescheidenheit
Hoffnungen, Träume, Unsicherheit,
mit Gemeinschaftssinn, Verlässlichkeit,
Harmoniebedürfnis, Vergesslichkeit,
Phantasie, Humor, Verletzlichkeit,
mit Schwester-, Väter-, Mütterlichkeit,
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit,
Liebe, Freundschaft, Menschlichkeit
und Solidarität?

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Politik (August 2005)

Im Gefecht um Interessen
- was sonst wäre Politik? -
geht's um Hungern oder Fressen
und der Klügere gibt nach - Schlauere hat Glück:
Wer nicht weiß
was er will
bekommt weniger
als er verdient

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Bange (September 2006)


Wäre ihm nicht angst und bange
vor dem bösen Terrorist
würde er sich doch empören
wenn sie ihn im Haus abhören
nur weil er ein Roter ist

Wäre ihr nicht angst und bange
vor der Klimakatastrophe
würde sie nicht anstandsweise
zahlen diese Brennstoffpreise
wegen lauter Unkenrufe

Wäre Dir nicht angst und bange
vor dem Arbeitsplatzverlust
würdest Du Dir nicht verkneifen
auf den miesen Job zu pfeifen
den Du gerade machen musst

Wäre mir nicht angst und bange
vor dem Teufel nach dem Tod
würde ich MEIN Leben führen
und nicht auf den Ratzi hören
und sein Denk- und Spaßverbot

Solche, die uns bange machen
leben gut mit Sicherheit
machen Kohle, Kriege, Dramen
saufen Wein mit feinen Damen
in Florída wo's nie schneit

Macht uns einer angst und bange
prüft, was der im Schilde führt:
Oft sind es die grÖßten Elche
die nicht kosten von dem Kelche
den man uns zum Trunk serviert          
*) Josef Kardinal Ratzinger, dem heutigen Pabst Benedikt XVI, wurde im Januar 1989 von der Münchner Faschingsgesellschaft Narrhalla für "besondere Verdienste um den Humor" der Karl-Valentin-Orden verliehen. Armer Karl!

**) Und so wirds gemacht:
Beschwöre ein Problem, das Du dem System verdankst
( gegen das man folglich auch nichts tun kann, ohne das ganze System in Frage zu stellen )
und mach den Leuten damit  A n g s t:  Dann kannst Du ihnen nehmen, was immer Du verlangst!
( indem man von den Ursachen ablenkende, untaugliche "Lösungen" propagiert, die vornehmlich den eigenen Interessen dienen )
  Beispiele:   Zielführender wären beispielsweise:   Sorgen machen sollten wir uns statt dessen über

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Verrückt gemacht (Geflüster, März 2009)

Das folgende Traktat kann wegen des vorherrschenden
Meinungsklimas derzeit nur flüsternd vorgetragen werden!
Vor Jahren erfuhr'n wir, dass unsere Erde im Laufe der Zeit immer wärmer werde und kluge Forscher fanden heraus, die Ursache kommt auch aus Schornsteinen 'raus. Sie brachten's im Wetter um fünf vor halb acht und haben darum nicht viel Wind gemacht.

Sie wussten, das Klima ist eher apathisch, es ändert sich langsam und selten dramatisch, kaum messbar, nur schleichend, in hunderten Jahren hat Mensch und Tier Zeit, sich auf neue Gefahren noch einzustellen, es wär' doch zum Lachen, die Leute damit verrückt zu machen!

Doch dann eines Abends begann jene große Serie zur klimatischen Katastrophe, fast jedes siebente Wort war "dramatisch", Schauspieler schauten besorgt und sympathisch, nach der Tagesschau, viertel nach acht, da haben sie alle verrückt gemacht

Da krochen auf einmal und aus allen Löchern die Hinz und Kunz mit den richtigen Riechern um sich die Angst vor Naturkatastrophen zu Nutze zu machen, den göttlichen Strafen, genau auf die Weise, wie Sektenpropheten schon immer den Leuten die Köpfe verdrehten.

Dank hochkarätiger Meinungsführer und eifriger Klimamodellprogrammierer gelang es sogar der Atomfakultät mit einer neuen Identität als Umweltapostel trotz peinlicher Pannen die Medien vor ihren Karr'n zu spannen

Sie priesen sich selbst als das kleinere Übel, sie geißelten das CO2 als vom Düwel, Tschernobyl wurde kaum noch diskutiert, der Atomausstieg problematisiert, ja, den Ausstieg vom Ausstieg, das ist's, was sie wollen, sie halten uns für verrückt, die Tollen!

Die ausstiegsbedrohten Atomstromkonzerne - ein Konzept für ihr'n Abfall, das hätten sie gerne - gehör'n selbst nach bürgerlichsten Grundsätzen enteignet, verstaatlicht, entflochten, in Fetzen. Das weiß auch die Merkel und ihre Knaben woll'n sie uns darum zum Besten haben?

[ "Klima, Gerechtigkeit, Freiheit" für morgen,   das ist's, worum sich "DIE GRÜNEN" heut' sorgen!   Potz Biorapsdiesel, ich kann es nicht fassen,   wo haben die bloß ihre Umwelt gelassen?   Mir regt sich bei diesem Programm der Verdacht:   Die haben sich selber verrückt gemacht! ]

[ Ist jetzt das Wetter Schuld an den Plagen   der Menschheit, sind jetzt die uralten Fragen   zu Ausbeutung, Unwissenheit, Elend der Massen   zweitrangig, eigene Kriege vergessen   im Kosovo und in Afghanistan,   stellt man dies’ alles nun hinten an? ]

"Hallo!", so hör' ich's im Publikum sagen: "Sind Umwelt und Klima nicht wichtige Fragen?" Natürlich! Nur her mit der Sonnen- und Windkraft und alles, was spart und auch nachhaltig Sinn macht nur finde ich halt die Gestalten zum Kotzen die sich vor der Welt als ihr Retter aufputzen
und mit aller Gewalt die Konzerne beschützen die Mensch und Natur nur als Rohstoff benützen: "Weil die richtige Lösung von diesem Problem die soll'n wir vergessen, die soll'n wir vergessen weil die richtige Lösung von diesem Problem ist für einige, aber nur für sehr wenige, nicht angenehm." (Zitat aus 'Monopoly' von Franz Josef Degenhardt)


Wer eine umfassende Argument-Sammlung zum Komplex "Klimakatastrophe" sucht, dem empfehle ich die Lektüre des Buches "Hurra, wir retten die Welt!" von Dirk Maxeiner, einem marxistischer Umtriebe allerdings absolut unverdächtigen "Welt"-Kolumnisten.

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Klima-Enigma (von Leobald Loewe, April 2007)

Wie heißt das Lösungswort? Ersetze "das Wattendrama" durch "die ...".

Was stört den Bär - am Arktismeer - im Sommer sehr - das Klima-Wattendrama?
Was fegt im Sturm - den Regenwurm - vom Eifelturm - das Klima-Wattendrama?
Was macht den Preis - des Öls so heiß - schmilzt schon das Eis - vom Klima-Wattendrama?

Was macht Dir Angst - dass du brav tankst - bezahlst und dankst - das Klima-Wattendrama
Wer immer satt - zu essen hat - sorgt sich anstatt - um Klima-Wattendrama?
Und jeder ist - wer Spiegel liest - schon Spezialist - in Klima-Wattendrama?

Der alte Hut - Atom sei gut - vor Sündenflut - des Klima-Wattendrama?
Kommt's nicht auch vor - dass Reaktor - GAUt um die Ohr' - trotz Klima-Wattendrama?
War nicht der Müll - aus Tschernobyl - schon viel zu viel - 'n Riesen-Wattendrama?

Sei auf der Hut - Verschwendung tut - der Welt nicht gut - auch ohne Wattendrama!
Ist's nicht mit Fug - und Recht genug - mit dem Betrug - vom Klima-Wattendrama?
Dass Krieg und Not - und Hungertod - noch Menschen droht - das ist mein Wattendrama!

's wär schon nicht schlecht - auf lange Sicht - fürs täglich Licht - was Neues zu ersinnen
Nicht bang und taub - und ohne Raub - bau könnte glaub' - ich das ja auch gelingen
Wenn nicht vorher - in atomar - en Schlachten der - Ressourcen wegen wir
die letzte Kater-Strophe singen!

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Klimaprognose (September 2009)

Wenn erst die Wahl
gelaufen ist
ändert sich's Klima
oder's bleibt wie's ist!

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Wohl wahr (Oktober 2009)

Du glaubst wohl, Liebe
sei der Sinn des Lebens?

Ein falsches Wort, und Mühen
beider sind vergebens!
Wohl wahr

Das Geld diene dem
Menschen nur zum Wohle?

Es geht eh'r umgekehrt bei
jedem Furz um Kohle!
Wohl wahr

Der Reiche wär Wohl-
täter für die Armen?

Er wär nicht lange reicher,
hätt er viel Erbarmen!
Wohl wahr

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Integration (Oktober 2006)

(Leo setzt sich ein Kopftuch auf)

In der Mathematik ist die Integration die Umkehrung der Differenzierung und umgekehrt.

Man differenziert, in dem man aus dem Verlauf des Ganzen die Veränderungen herausarbeitet und man integriert, in dem man aus den Veränderungen den Verlauf des Ganzen rekonstruiert.

ergebnis der Differenzierung ist die Ableitung, das der Integration? Das Integral! Anschaulich bedeutet die Ableitung die Steigung einer Kurve an einer Stelle, das Integral die eingeschlossene Fläche unter einem ganzen Kurvenabschnitt.

Aber das ist nicht lustig.

Im wirklichen Leben bedeutet Integration?
Genauso die Umkehrung der Differenzierung!

Wo aber in der Mathematik die Unterschiede aufaddiert werden, werden im wirklichen Leben die Unterschiede eliminiert.

Zum Beispiel wird dann aus einer islamischen Türkin?

(Leo nimmt sich das Tuch wieder ab)
Ein lahmer Deutscher!

Und aus einem deutschen Kommunisten, Zigeuner oder Juden?
Auch ein lahmer Deutscher! Ergebnis: Der gute christliche deutsche Islahm mit H!

Nur der deutsche Nazi bleibt wie er ist und darf weiter "Ausländer raus" brüllen.

Würden in der Mathematik bei der Integration die Differenzen nicht hinzugezählt,
sondern beseitigt, dann wäre das Ergebnis?

Immer eine konstante Funktion: f(x)=K!

Das bedeutet: Keine Veränderung, Stagnation, und im Falle K=Z wie Zero?

Die so genannte Null- oder auch K-Z-Funktion!
Und die ist erstmal lahm! Und das ist auch nicht lustig.

Abwechslungsreicher wäre es, wenn im wirklichen Leben die Unterschiede so wie in der Mathematik

(Leo setzt sich das Kopftuch, eine Baskenmütze und einen Zylinder auf)
alle aufsummiert würden. Und das fänd ich auch viel lustiger!

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Yo quiero salir del mundo	(Josè Martì, Cuba, 1890)

Yo quiero salir del mundo
por la puerta natural
en un carro de hojas verdes
a morir me han de llevar.

No me pongan en lo oscuro
a morir como un traidor.
¡Yo soy bueno, y como bueno moriré
De cara al sol!


	Ich möchte die Welt verlassen
	durch die Pforte der Natur
	und ein Karr'n mit grünen Blätten
	trage mich zum Sterben vor.
	
	Sperrt mich nicht wie ein Verräter
	zum Sterben in die Nacht. 
	Ich bin gut, als Guten bettet mein Gesicht
	zum Sonnenlicht!


Moi, je veux sortir du monde
par la porte naturelle
sur un chariot à feuilles vertes
au mourir emportez-moi. 

Je n'veux pas être mis au noir
pour mourir comme un vilain.
Je suis bon, et mêmement je veux mourir:
Face au soleil!

	
	I want to leave the world
	passing by the nature's door
	on a chariot of green leaves
	they shall carry  me to die.
	
	Do not place me like a traitor
	to die into the dark.
	I am good, and like a good man, I will die:
	Face to the sun!
	
	(Nachdichtungen von Leo Kowald © Jan. 2009)

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Folge ich nur (2002-2008), Musik nach: John Mc. Laughlin "Follow your heart"
Auf den Fluss zu meinen Füßen
schau ich wie die Wellen fließen
      ziehen davon:
An den Horizont und weiter
      treiben sie hin

Dort im Flimmern seh' ich vieles
statt des einen festen Zieles
      wirbelnd bewegt:
Ohne Kompass, ohne Sterne
      fahre ich los

Und die Zeit ist kaum zu spüren
in der Stille kann ich hören
      wie es mich treibt:
Diesem Taktschlag meines Lebens     
      folge ich nur

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Entscheidung (Februar 1982)

Mein Kopf ist so leer
ich träume nicht mehr
viele Wochen schon sind so vergangen
in der Kehle ein Kloß
wie finde ich bloß
was bei Dir mich hält so gefangen

Spürst Du nicht wie ich
wie Furcht innerlich
die trauliche Nähe zerspaltet
wie kalt und gemein
ein Dämon aus Stein
die Tage so sinnlos verwaltet

Das Leben verrinnt
wenn wir tatenlos sind
und treiben im Strom des Normalen
und nur jenes wird gut
was gemeinsam man tut
das versprachen wir uns vor zehn Jahren

Wir gelobten so leicht
gebt auf, was erreicht
verbessert den Rumpf, die Motoren
haltet Werkzeug bereit
verliert keine Zeit
denn das Leben wird täglich geboren

Doch die Angst ist nun da
und allmählich wird klar
dass wir uns von uns selber entfernen
ich werd stumm und verlier-
e die Hoffnung und wir
überlassen die Zukunft den Sternen

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Der Fluss (2002-2006)
Musik: Johannes Brahms, Symphonie Nr.3

Schon seit dem fünften Jahr
nach dem Krieg bin ich da
steckte früh Schläge ein
war zu klein um stark zu sein

Lernte schnell wie im Spiel
kämpfte um Achtung viel
mir war Furcht wohl vertraut
fühlte selten warme Haut

Und ich träumte vom Fluss
der am Ende ins Meer fließen muss    

Ging hinauf bis zur Schweiz
und erfuhr Liebesreiz
eine Frau nahm mich hin
Kinder gaben neuen Sinn

Es war kein leichtes Spiel
und ich sah nicht das Ziel
und im Streit ging ich fort
dabei fiel kaum ein Wort

Wollte hin zu dem Fluss
der am Ende ins Meer fließen muss    

Als ich dann zu Dir kam
war noch viel Schmerz und Scham
nun ist mir nicht mehr kalt
und mit Dir werde ich alt

Und wir fahren den Fluss
der am Ende ins Meer fließen muss    


La rivière

Dès cinq ans après la
deuxième guerre, je suis là
j'ai reçu des coups torts
j'étais trop p'tit d'être fort

J'apprenais rapidement
et j'avais grand besoin
de respect, de chaleur 
et souvent j'avais peur 
 
    Je rêvais d'une rivière
    qui enfin doit couler dans la mer

Je montais sur la Suisse
pour trouver la tendresse
une femme m'attirait
mes enfants j'adorais

Il n'était pas facile
je n'ai plus vu ma cible
j'ai quitté affrontant
peu de mots en parlant

    J'ai langui de la mer
    où enfin doit couler la rivière
 
Quand chez toi j'arrivais 
encore douleur j'avais 
mais maintenant j'ai plus froid
je veux vieillir avec toi

    Allons sur la rivière
    qui enfin doit couler dans la mer

The river

Since the fifth year
after the war, I'm here
I took early bad strokes 
was too small to be strong

I learned quickly
and I had great need
of respect and warm skin
and often I was afraid

     and I dreamed of a river
     which finally must flow to sea
	 
Went up to Switzerland
and I found tenderness
a woman attracted me
Children gave new meaning
 
It was no easy game
and I didn't see the goal
and I left in dispute
there was hardly any word

     and I longed for the river
     which finally must flow to sea

when I came to your home 
there was still pain and shame 
now it's no longer cold
and with you I'll get old

     and we ride on the river
     which finally must flow to sea
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Wünsche (Januar 2006)



Hätt einen Wunsch ich frei, dann hätt ich gerne ein
wenig Zeit, um ich selbst und faul zu sein
nicht mehr zu tun, was mir nie wichtig war
und ruhn zu lassen, was geschah

Mich mit den alten wunden Macken zu versöhnen
und nicht verdrängen oder brillenrosa tönen
und meinen großen Kindern Dank zu sagen
gab ihnen früh und schwer zu tragen

Mit klarem Kopf, gesundem Leib und nicht ohne Geld
mit Lust auf Menschen, auf Natur, die halbe Welt
das Elend fühlend nicht versteinert auszuhalten     
mich nicht aus allem müde 'raus zu halten

Weiter zu suchen und den Mut nicht zu verlieren
um altes aufzugeben, neues zu probieren
und mit Dir so wie in den schönsten Jahren
den wilden Fluss hinab zu fahren

Mit Dir den Abend zu beschließen
mit Dir erleben, singen, träumen und genießen
ein wenig mehr von der verrückten Welt zu sehn
und dann, wenns geht, nicht nach Dir (zu geh'n)

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Schokoladeneis mit Marzipan (Februar 2007)

"Jeder Mensch braucht Ziele", hat man uns gelehrt
"Sei doch nicht so wie ein buntes Zirkuspferd
glücklich und zufrieden nur im Kreis herum zu traben
ohne einen Drang nach vorn zu haben"

Fläschchen, Nuckel, Schaukel, Barbies, Puppenhaus
Teddybär, Geburtstagskuchen, Mickymaus
Cyberspiele, Gameboy, Fahrrad, Lego, Eisenbahn
Schokoladeneis mit Marzipan

So fängt unser Leben hierzulande an
wir bemerken, dass man Ziele kaufen kann
um uns voller Stolz, wenn wir ein Ziel erworben haben
hemmungslos am Glücksgefühl zu laben

Skateboard, Moped, Freundin, Händi, Swatch-Uhr, Jeans
Schelllackplatten von Louis aus New-Orleans
Eigenheim mit Garten, Gattin die und Marzipan
einen Schokoladen-Eis-Traum zaubern kann

Ist das schöne Stück erst etwas angebraucht
sind die Glücksgefühle leider schnell verraucht
einen solchen Zustand können wir nur überleben
wenn wir ein noch höh'res Glück erstreben

Harley-Davidson mit geilem Blubberton
Dauerplatz als V.I.P. im Stadion
Schlösschen an der Loire für die Maitresse aus Paris
Palmen und ein Strand im Paradies

Rennen wir so zügellos von Ziel zu Ziel
hinterlassen wir am Ende ziemlich viel
Glücks-Sediment - die lieben Erben schmeißen dann
alles weg, damit man sich den Junk neu kaufen kann:

Fläschchen, Nuckel, Schaukel, Barbies, Puppenhaus
Teddybär, Geburtstagskuchen, Mickymaus
Cyberspiele, Gameboy, Fahrrad, Lego, Eisenbahn
Schokoladeneis mit Marzipan ...

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Gerücht (März 2007)
Hast Du das Gerücht gehört
dass es den Direktor stört
und es ihn zutiefst empört
was man auf den Fluren hört!            

Wie Kollegen sich auf allen
Fluren in die Arme fallen
oder auf die Ohren lallen
würde ihm doch sehr missfallen.            

Auf den Korridoren hör' er
unverschämte Ruhestörer
unsres-guten-Rufs-Zerstörer
und gemeine Gift-Verschwörer.            

Nunmehr sei veranzulassen
auf die Täter aufpassen
um sie schleunigst zu erfassen
und geräuschlos zu entlassen!        

Der Direktor sei mitnichten
willig den Konflikt zu schlichten
weil das nicht zu seinen Pflichten       
zähle, hieß es in Gerüchten.        

Kurz nach der Betriebsratshörung        
zu der Korridorverschwörung
habe eine Magenstörung
ihn befallen vor Empörung.

Offenbar nicht leicht erkrankt
sei er gleich, Gott seis gedankt        
kreidebleich nach Haus gewankt
und habe den Arzt verlangt.

Im Vertrau'n und ungefragt
wurde auf dem Flur gesagt
dass ihn eine Schwäche plagt
und er über Schwindel klagt.        

Aus der Personalabteilung
kam die kurze Hausmitteilung
's gäb nach einer Leber-Peilung        
keine Hoffnung mehr auf Heilung!

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Bütikofer - Blues   (April 2007)

Tagesschau, da bleibt der Ostermontag
für den alten Friedensfreund kein Schontag          
müssen doch die Fernsehmedienärsche
gnadenlos die Osterfriedensmärsche
niederzerren, fälschen, kleinberichten
meinungsBILDend für die breiten Schichten

G7     C79
G      G7
C7     C#°
G       E7
Am7  D7
D#7    D7

Sitz ich so gemütlich auf dem Sofa
seh ich den geschminkten Bütikofer
der wie früher auch sein Weggefährte
Fischers Josch in allem ein Experte
wenn er nicht grad Pazifisten frisst
hin und wieder auch für Frieden ist

Bütikofers Lippen formen schöne
wohl gesetzte Worte: Ja es könne
wer der Bundeswehr den Auslands-Ein-
satz verwehr nicht für den Frieden sein!
Den kriegt man bekanntlich nur mit Siegen
wenn die Feinde tot im Graben liegen!

Selbst ein Stoiber hätte sich nicht doofer
äußern können als Herr Bütikofer
beide einer Kriegs-Partei vorsitzend
jüngst im Bundestagesplenum schwitzend
um des Merkels Antrag durchzudrücken
die Tornados in den Krieg zu schicken

Bütikofer, lassen Sie sich sagen
lang schon halte ich in Friedensfragen
nichts von neoliberalen Grünen
die den Kriegsverdienern eifrig dienen
und nur noch die allerdümmsten Deutschen
können sie mit ihren schönen Worten täuschen!

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Mit untertänigstem Verlaub   (Oktober 2008)


Wenn Euch so viel daran liegt, dann redet halt von Politicke
obwohl das Thema macht mich schon ein wenig melancholicke
schwätzt die ganze Woche davon, das macht mir nichts aus
doch redet Ihr mir vom Frieden, kriecht mir die Angst in den Nacken
mit untertänigstem Verlaub!

Ihr besetzt mit Eurer Agenda die ganz großen Themen
da bleibt kein Platz für die kleinen Leute mit ihren Problemen
Ihr bestellt die Talkmaster und die fragen Euch aus
doch redet Ihr dann vom Frieden, kriecht mir die Angst in den Nacken
mit untertänigstem Verlaub!

Ihr redet so gern von dramatischen Katastrophengewalten
denn eingeschüchterte Wähler sind leicht bei der Stange zu halten 
schwätzt nur übers Wetter, da kennt sich jeder prächtig aus
doch redet Ihr mir vom Frieden, kriecht mir die Angst in den Nacken
mit untertänigstem Verlaub!

Ihr habt die Armen vertröstet und für die Reichen gehandelt
ihr habt für sie die Wirtschaft in ein Kasino verwandelt
zum Nutz' und Fromm' der Nachhaltigkeit, ich hätt's fast geglaubt
doch redet Ihr mir vom Frieden, kriecht mir die Angst in den Nacken
mit untertänigstem Verlaub!

Ihr schickt Soldaten und Waffen in die entlegensten Weiten
da haben die nichts zu schaffen außer gefährlich zu streiten
gebt's doch endlich zu, 's geht nur um Zaster, Macht und Raub
doch redet Ihr mir vom Frieden, kriecht mir die Angst in den Nacken
mit untertänigstem Verlaub!

Solange es Euch gefällt die eigenen Reden zu hören
stellt bitte das Mikro leise um nicht meine Träume zu stören
als stinknormaler Bürger will ich im Grund' nur meine Ruh'
doch redet Ihr mir vom Frieden, mach' ich mir ernsthafte Sorgen
krieg' in der Nacht kein Auge zu!


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Das Märchen von den teuren Gummibärchen     (Melodie ähnlich "Jingle Bells") (Hörprobe)
Hört das neu'ste Wallstreetmärchen:
"Investiert in Gummibärchen"!
Wo die Rohstoffbörsen kriseln 
und die Immobilien bröseln
fühlt das internationale
Spekulatius-Kapital sich
magisch zu den süßen Drogen
und Genüssen hingezogen
das bringt Maximalprofit
und alle zocken mit:

Klingelt's Geld, klingelt's Geld im Portfolio
macht es Spekulanten froh und auch den KARIBO
doch's verfällt schnell, das Geld brennt so leicht wie Stroh
in New York und Frankfurt, in Paris und Tokio

Gummibärchen werden knapp
und KARIBO verdient sich schlapp -
nur die Kinder, die sind sauer:
"Gummibärchen sind zu teuer!"
Thomas Gottschalk sponsert eine
große Benefizanzeige:
"GUT BETUCHTE PROMISPENDer
NÄHREN BÄRENHUNGerKINDer"
das erhöht den Quotenschnitt
und alle singen mit - hey:

Klingelt's Geld ...

Sachsenlandesbankenzocker
steigerten mal eben locker
mit geborgten Staatsmoneten
fünf Milliarden Bärentüten! 
|: Doch die Kinder hamm' vor Ort
    ein Loch in den Tresor gebohrt
    um die missbrauchten Gummibären
    der Bestimmung zuzuführen
    das macht alle Kinder froh -
    und erwachs'ne ebenso:

Klingelt's Geld ... :|



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NO NAZI, NO WAR !   (Oktober 2007) Melodie: "No woman no cry" von Bob Marley

Refrain und durchlaufender Background:
    NO NAZI NO WAR, NO NAZI NO WAR
    NO NAZI NO WAR, NO WAR ANY MORE !

Faschisten raus aus uns'rer kleinen Stadt - NO NAZI, NO WAR
wo's keinen Platz für braunen Kehrricht hat - NO WAR ANY MORE
Ihr Nazis habt kein Recht auf Meinung hier - NO NAZI, NO WAR
Faschisten 'raus aus unser'm Ruhr-Revier - NO WAR ANY MORE

Nie wieder Lügen, "Heil" und Marschmusik - NO NAZI, NO WAR
nie mehr Faschismus, Rassenwahn und Krieg - NO WAR ANY MORE
auch euer Fremdenhass, der kommt bei uns schlecht an - NO NAZI, NO WAR
verpisst euch, macht uns're Kumpel hier nicht an - NO WAR ANY MORE

Refrain:NO NAZI ...

Ihr schleicht euch ein bei Polizei und Heer - NO NAZI, NO WAR
und faselt viel von nationaler Ehr' - NO WAR ANY MORE
für unser Anseh'n doch das beste wär - NO NAZI, NO WAR
es gäb in Deutschland keine Nazis mehr - NO WAR ANY MORE

Ihr predigt Hass und Krieg in aller Welt - NO NAZI, NO WAR
wir woll'n ein Deutschland, das den Frieden hält - NO WAR ANY MORE
für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit - NO NAZI, NO WAR
ganz ohne deutsche Überheblichkeit - NO WAR ANY MORE

Refrain:NO NAZI ...


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Deutscher Stolz   (9. November 2009)
Ihr wart hier zwölf Jahre lang an der Macht,
was habt ihr da alles kaputt gemacht,
ihr kanntet in jedem Konflikt nur Gewalt
und machtet vor keinem Verbrechen halt.

Ihr habt unser Land als Bestie präsentiert
und unsere Sprache zum Gebrüll pervertiert.
Eure Stiefel - Symbole für tumbes Gepolter,
eure Fahnen für Terror, Krieg, Massenmord, Folter!
 
Die besten Deutschen habt ihr uns genommen
wer flieh'n konnte, ist oft nicht wiedergekommen
die anderen habt ihr zusammengetrieben
ins Gas und ins Feuer, wo sind sie geblieben?

Und ihr wollt nun stolz sein, Deutsche zu sein?
Es reicht grad zum Schämen, hört euch man so schrei'n!
Wann immer - GEACHTET! - ein deutsches Volk lebt,
dann erst, wenn es Nazis bei uns nicht mehr gibt,
		 - WENN ES EUCH NICHT MEHR GIBT!

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Die Unsichtbaren
(Dezember 2007)

Wir singen Euch von unscheinbaren
fremden Frauen in mittleren Jahren
mit Kopftuch und tiefschwarzem Haar
die mit immer freundlichen Mienen
feinen Herren und Herrinnen dienen
so wie das auch früher schon war

Nach Europa um Geld zu verdienen
um der drückenden Not zu entrinnen
hat sie sich ein Ticket gekauft
dort hin wo sie keiner erwartet
von La Paz oder Delhi gestartet
als Muslimin oder getauft

Von den Kindern zu Haus' fortgerissen
werden die sie bald kaum noch vermissen
trotz Briefen und telefonier'n
und dafür muss sie sich benutzen
lassen nicht nur zum Pflegen und Putzen
und wagt nicht einmal sich zu wehr'n

Wegen fehlender Ausweispapiere
in der Wohnung gehalten wie Tiere
versteckt, illegal, unsichtbar
und ist sie nicht mehr wie ein Besen
zu gebrauchen wird sie ausgewiesen
und das nach dem dreizehnten Jahr

Die Herrschaften, die sie besessen
haben, werden sie bald schon vergessen
als hätte sie nie existiert
und über die Grenze in Stunden
ist sie aus dem Bewusstsein verschwunden
wohin auch ihr Schicksal sie führt

Wir sangen Euch von wunderbaren
starken Frauen, von den Unsichtbaren
die nie in den Schlagzeilen steh'n
die zwischendurch in Augenblicken
ihre Tränen im Winkel verstecken
wenn sich die Gedanken verlier'n...

Les invisibles (traduction linéaire)

Nous chantons les femmes falotes
étrangères et d'âge moyen
aux cheveux noires sous un foulard
qui servent les maitresses et maitres
toujours avec un sourire aimable 
comme ça se faisait autrefois. 

Pour l'Europe pour gagner de l'argent, 
pour sortir de la mouise oppressante
elle s'est achetée un billet,
pour là, ou personne ne l'attend, 
décollée de La Paz ou bien Delhi,
qu'elle soit musulmane ou chrétienne. 

Arrachée de ses enfants à la maison
elle leur manquera plutôt à peine 
malgré des lettres et des appels 
et en revanche elle se laisse utiliser
pas seulement pour soigner et nettoyer 
et elle n'ose même pas résister. 

À cause des documents, qui manquent, 
détenue comme une bête domestique, 
cachée, illégale, invisible, 
et quand elle n'est plus employable
comme un vieux balai, elle est expulsée 
même au bout de la treizième année. 

Les seigneurs, qui la possèdent 
vont l'oublier bientôt, comme si 
elle n'avait jamais existé
dès qu'elle à passé la frontière 
elle a disparu de la mémoire
n'importe ou leur destin la mène.

Nous avons chanté de merveilleuses 
femmes fortes, les femmes invisibles
qu'on ne trouve jamais à la une
qui entretemps, en quelques instants 
cachent leurs larmes au coin d'oeil 
parfois quand leurs pensées s'égarent.
Quellen:
Bridget Anderson Doing the dirty work? (Assoziation A 2006, 272 dicht bedruckte Seiten, 14€)
Migrantinnen in der bezahlten Hausarbeit in Europa

Auszüge aus einer Zusammenfassung der Autorin bei Attac Schweiz:

Die Lebens- und Arbeitsbedingungen migrantischer Hausarbeiterinnen werden zu einem großen Teil bestimmt durch die Überschneidung der Beziehungen, welche die Arbeiterinnen einerseits zu ihren ArbeitgeberInnen und andererseits zum Staat haben. Staatsbürgerschaft und Einwanderungsstatus sind dabei entscheidende Faktoren. Die Macht des Staates wird oftmals benutzt, um die Abhängigkeit einer Arbeiterin von ihrer ArbeitgeberIn zu verstärken und Herr/Herrin-Knecht-Verhältnisse zu institutionalisieren, so dass die Arbeiterin ihrer ArbeitgeberIn 24 Stunden am Tag unterworfen ist. Staatsbürgerschaft und Einwanderungsstatus sind Bereiche, in denen es zumindest Organisierungsmöglichkeiten gibt, wenn man etwas ändern will; in ihnen sind spezifische Verbesserungen und verbindende organisierende Prinzipien enthalten. In einer Nebenrolle war ich in der Unterstützung solcher Kämpfe engagiert und weiss, dass sie nicht leicht zu führen sind. Aber man kann sie gewinnen, und schon der Kampf als solcher ist ein materieller Gewinn. Ich möchte Arbeiterinnen und Aktivistinnen auch zu bedenken geben, das live-in Hausarbeit die Arbeiterin trotz aller Vorteile, die sie zu bieten scheint, in eine Status- und Abhängigkeitsbeziehung einbindet, die durch Rassismus vermittelt ist. Wie man sich innerhalb dieser Beziehung für Rechte, Gerechtigkeit und Gleichheit organisieren will - wenn es denn überhaupt möglich ist - muss ernsthaft überlegt werden.

Der Einwanderungsstatus ist nicht der einzige Grund dafür, dass Migrantinnen in der Hausarbeit beschäftigt sind, und er ist auch nicht der einzige Faktor, der bei ihrem Missbrauch und ihrer Ausbeutung zum Tragen kommt. Die Behandlung migrantischer Hausarbeiterinnen und die "Nachfrage" nach ihnen ist in erster Linie ein Symptom für die fundamentalen Widersprüche und Spannungen innerhalb des Kapitalismus, der sowohl rassistisch als auch patriarchal ist. Die Trennung zwischen öffentlich und privat, schreckliche Armut und demonstrativer Reichtum, der auf der Geschichte eines ungezügelten und räuberischen Imperialismus gegründet ist - hier liegen die Wurzeln für die Probleme, mit denen Frauen konfrontiert werden, die als migrantische Hausarbeiterinnen arbeiten. Ich habe diese Arbeit mit der Feststellung begonnen, dass Hausarbeit in Privathaushalten neben der Prostitution die verbreiteste Arbeit neu angekommener Migrantinnen ist. Die Ausdehnung und Rassifizierung der Prostitution, der bezahlten Hausarbeit und des Phänomens der "mail-order"-Braut ist eine Funktion der Ausdehnung des globalen Kapitalismus. Dies ist entmutigend und ermutigend: entmutigend weil die Kräfte, mit denen man konfrontiert ist, so mächtig sind, und ermutigend, weil es Möglichkeiten zu Bündnissen mit anderen Gruppen bietet, die aus einem anderen Grund gegen denselben Feind kämpfen.

Die theoretischen Herausforderungen, die durch die Hausarbeiterinnen aufgeworfen werden, erfordern, dass wir die Reproduktionsarbeit wieder in den Mittelpunkt rücken und kritisch hinterfragen, wie und was wir reproduzieren, und dass wir nicht nur das Persönliche politisch, sondern auch umgekehrt das Politische persönlich machen. Es besteht ein Bedarf an empirisch fundierter Theorie, um solche Bündnisse zu fördern und zu verstehen, was die einen Frauen miteinander verbindet und die anderen auseinander treibt. Eine solche Theorie muss in den realen, erlebten Erfahrungen der Arbeiterinnen angesiedelt sein. Ich hoffe, dass ich zeigen konnte, dass Arbeiterinnen und ArbeitgeberInnen ein Gefühl, ein soziales Bewusstsein für die Widersprüche haben, die sie zu managen versuchen. Im Unterschied zu den Arbeiterinnen hatte ich die Gelegenheit, Menschen aus vielen Migrantencommunities zuzuhören, die über Hausarbeit in verschiedenen europäischen Städten erzählt haben: ich hatte die Gelegenheit, über Hausarbeit und bezahlte Hausarbeit in der ganzen Welt zu lesen: ich hatte Zeit nachzudenken und ich hatte Kollegen, mit denen ich mich unterhalten konnte. Diese Möglichkeiten sind es, die mir die Hoffnung geben, dass ich etwas anzubieten habe, Stoff zum Nachdenken über Organisationsformen. Es handelt sich weitgehend um eine Dechiffrierung dessen, was Arbeiterinnen und ihre ArbeitgeberInnen mir erzählt haben, weil es auf ihren Erfahrungen basiert. Wie Josee gesagt hat: "Wir, die Dritte Welt, würdigen sie nicht herab, es sind eher sie, die uns herabwürdigen."


Maria S. Rerrich Die ganze Welt zu Hause (Hamburger Edition 2006. 168 Seiten. ISBN 978-3-936096-67-5. 16€) Auszüge einer Rezension von Dr. Elke Schön, Sozialwissenschaftlerin:

Die Alltagsarbeit in privaten Haushalten findet gesellschaftlich unsichtbar und ohne sonderliche Anerkennung statt. Die Zuständigkeit für Alltagsarbeit wird nach wie vor den Frauen zugeschrieben. Diese Hartnäckigkeit im Geschlechterverhältnis erfordert von Frauen Mehrarbeit im Privaten. Berufliche und lebensweltliche Anforderungen in der alltäglichen Lebensführung vereinbaren zu müssen, stellt für sie individuell ein äußerst schwieriges Unterfangen dar. So gibt es eine große Nachfrage nach entlastenden Dienstleistungen. Wer es sich leisten kann, überlässt die häusliche Alltagsarbeit, und hier besonders das Putzen, weniger privilegierten Frauen, die aufgrund ökonomischer Notlagen derart den Unterhalt für sich und ihre Angehörigen verdienen müssen. Diese Praxen haben neue Muster sozialer Ungleichheit und Abhängigkeit zwischen Frauen entstehen lassen.

Nach Schätzungen beschäftigen in Deutschland mehr als 4 Millionen Privathaushalte regelmäßig oder gelegentlich eine Putz- oder Haushaltshilfe. Nur etwa 40.000 dieser häuslich Beschäftigten sind sozialversichert. Es wird angenommen, dass die unsichtbare große Mehrheit der häuslich Beschäftigten Frauen aus aller Welt sind, die als Transmigrantinnen und illegale Migrantinnen in deutschen Haushalten arbeiten.

Dieses Phänomen verweist auf einen engen Zusammenhang von Globalisierungsgeschehen, Geschlecht und sozialer Ungleichheit, der jedoch von Gesellschaft und Politik eher tabuisiert als diskutiert wird. Die Arbeitsbedingungen, Lebenslagen und Lebensführungen der betroffenen Gruppe von Frauen blieben so bislang im Dunkeln.
...
Deutsche Privathaushalte zeigen eine rege Nachfrage nach ausländischen Putzfrauen. Gefordert wird ein flexibler den Zeitstrukturen der Haushalte angepasster Einsatz, räumliche Nähe und Beständigkeit. Das harte Arbeiten in der Illegalität ist für die putzenden Frauen mit gravierenden Risiken verbunden: Ein einziger Putzjob reicht nicht zum Überleben, in der Regel wird in mehreren solcher oder anderer Jobs gleichzeitig gearbeitet. Von den Arbeitgeberinnen fühlen sich die Frauen häufig schlecht behandelt "im Sinne von Gedankenlosigkeit, eigener Bequemlichkeit und Rücksichtslosigkeit". In der Schattenwelt der Schwarzarbeit, die unter "quasifeudalen Bedingungen" statt findet, kommen Regelungen des Arbeitsrechts und der Gesetzgebung (z.B. Kündigungsschutz, Recht auf bezahlten Urlaub, Versicherungspflicht, Recht auf sexuelle Unversehrtheit) nicht zur Geltung und werden missachtet. Nach wenigen Jahren leiden die meisten Frauen bereits an gesundheitlichen Beschwerden, jedoch erhalten sie keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Sie erwerben auch keine Rentenansprüche.


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Hiroshima, Nagasaki (August 2008/August 2009)

Hiroshima, Nagasaki
große USA! Warum?
Warum eight/six und eight/nine forty-five?
All-Gewalten für ein neues
Capitol-Imperium?

Cool aus kaltem Kriegs-Kalkül
den Knopf gedrückt im Überflug 
zur stratosphärischen Bestattung
hunderttausend ahnungsloser Menschen
auf im grellen Leichentuch

Schwarz ragt die Plutoniumasche
ausgelöschter Seelen zwei-
er atomarer Terrorschläge
niemals eingestandener Verbrechen
unfassbarer Barbarei 

Ruhlos in den Wolkengräbern
woll'n sie nicht Geschichte sein
wollen sie die Lebenden
ermutigen sich von den hirnverbrannten
Horrorwaffen zu befrein

[ Droht denn nicht noch immer unver-
  hohlen die Bastion der Reichen
  allen Wesen mit Vernichtung
  sollte je ein armer Tor versuchen
  ihr die Rechnung zu begleichen ]

Hiroshima, Nagasaki
großer Obama! Was tun?
Nie mehr eight/six und eight/nine forty-five!
Und Zukunft allen Kindern, auch im
Capitol-Imperium.

"63 years ago, a nation learned a valuable lesson, the hard way. And that lesson was, DO NOT MESS WITH THE UNITED STATES OF AMERICA unless you are prepared to be BLOWN TO PIECES. Those TWO BOMBS that were dropped on Japan saved HUNDREDS OF THOUSANDS OF AMERICAN LIVES in the process, so I have no regrets, none what so ever. The Japanese are the ones who should be REGRETFUL for being so STUPID, not us. And TODAY, another group of people (al Qaeda) are learning the hard way that to GO UP AGAINST OUR COUNTRY will only result in MANY DEATHS on their side."
"Vor 63 Jahren hat eine Nation eine wertvolle Lektion gelernt, auf die harte Tour. Und diese Lektion war: LEG DICH NICHT MIT DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA AN, es sei denn, du bist bereit, in Stücke gerissen zu werden. Diese beiden auf Japan abgeworfene Bomben haben im weiteren Verlauf Hunderttausenden von AMERIKANERN das Leben gerettet [eine unsinnige und an amerikanischen Schulen gelehrte Legende, L.K.]. Deshalb bedauere ich nichts, überhaupt nichts. Die Japaner sind diejenigen, die bedauern sollten, so dumm gewesen zu sein, nicht wir. Und heute lernt eine andere Gruppe von Menschen (al-Qaida) auf die harte Tour, dass es gegen unser Land nur viele Tote auf ihrer Seite geben wird."
(Beitrag eines 50-jährigen "y2kokok" aus Oahu auf Hawaii aus einem Internet-Chat bei "YaHoo" am 6.8.2008.)


Empfehlenswerte Lektüre:
Peter Bürger: Hiroshima, der Krieg und die Christen, © 2005 fiftyfifty & Peter Bürger, Düsseldorf

Aber nie vergessen (ohne Verbrechen miteinander aufrechnen oder gar entschuldigen zu wollen):
Auschwitz + Maidanek + Treblinka + Buchenwald + Dachau ... = 20 * ( Hiroshima + Nagasaki )
40 Millionen von Deutschland verschuldete Kriegstote 1939-45 = 120 * ( Hiroshima + Nagasaki )


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Sicherheit    (März 2009)

Gleich ob Reiche ihre weißen
Fahnen oder bunte hissen
eines ist bis heute
bombensicher: Bluten müssen
meist allein die armen Leute

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Aufhören !  (2007-2009)

Der auf seinem Schleudersitz, könnte er die Schreie hören
könnte der auf seinem Schleudersitz die Schreie hören
würde er  erschrocken umkehren und aufhören
Befehle auszuführen, Brücken zu zerstören
die uns gar nicht gehören und nicht zu uns führen?

Der auf dem Ministerstuhl, könnte er das Zittern spüren
könnte der auf dem Ministerstuhl das Zittern spüren
würde er sich erschüttert rühren und aufhören
Befehle zu beschließen, Länder zu beschießen
die sich nicht drohen ließen und nicht kaufen ließen?

Der auf Deiner Fernsehcouch, könnte er die Schmerzen fühlen
könnte der auf Deiner Fernsehcouch die Schmerzen fühlen
würde er dann endlich aufwachen und aufhören
die immer neu zu wählen, die Soldaten befehlen
Menschen zu vernichten um Macht zu errichten?

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Die freie Wirtschaft   von Kurt Tucholsky alias Theobald Tiger
aus: "Die Weltbühne", 04.03.1930, Nr. 10, S. 351

Ihr sollt die verfluchten Tarife abbauen.
Ihr sollt auf euern Direktor vertrauen.
Ihr sollt die Schlichtungsausschüsse verlassen.
Ihr sollt alles Weitere dem Chef überlassen.
Kein Betriebsrat quatsche uns mehr herein,
wir wollen freie Wirtschaftler sein!
Fort die Gruppen – sei unser Panier!
Na, ihr nicht. Aber wir.

Ihr braucht keine Heime für eure Lungen,
keine Renten und keine Versicherungen.
Ihr solltet euch allesamt was schämen,
von dem armen Staat noch Geld zu nehmen!
Ihr sollt nicht mehr zusammenstehn –
wollt ihr wohl auseinandergehn!
Keine Kartelle in unserm Revier!
Ihr nicht. Aber wir.

Wir bilden bis in die weiteste Ferne
Trusts, Kartelle, Verbände, Konzerne.
Wir stehen neben den Hochofenflammen
in Interessengemeinschaften fest zusammen.
Wir diktieren die Preise und die Verträge –
kein Schutzgesetz sei uns im Wege.
Gut organisiert sitzen wir hier ...
Ihr nicht. Aber wir.

Was ihr macht, ist Marxismus. Nieder damit!
Wir erobern die Macht, Schritt für Schritt.
Niemand stört uns. In guter Ruh
sehn Regierungssozialisten zu.
Wir wollen euch einzeln. An die Gewehre!
Das ist die neuste Wirtschaftslehre.
Die Forderung ist noch nicht verkündet,
die ein deutscher Professor uns nicht begründet.

In Betrieben wirken für unsere Idee
die Offiziere der alten Armee,
die Stahlhelmleute, Hitlergarden ...
Ihr, in Kellern und in Mansarden,
merkt ihr nicht, was mit euch gespielt wird?
mit wessen Schweiß der Gewinn erzielt wird?

Komme, was da kommen mag.
Es kommt der Tag,
da ruft der Arbeitspionier:
"Ihr nicht. Aber Wir. Wir. Wir."


Den hier zum Ausdruck kommenden historischen Optimismus konnte sich der zum Protestantismus konvertierte Jude Kurt Tucholsky nicht lange bewahren. Er nahm sich am 21. Dezember 1935 in Schweden das Leben. Nur eine Woche zuvor hatte er Arnold Zweig nach Palästina geschrieben: "Ich habe mit diesem Land, dessen Sprache ich so wenig wie möglich spreche, nichts mehr zu schaffen. Möge es verrecken - möge es Russland erobern - ich bin damit fertig".


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Augen in der Großstadt

Text: Kurt Tucholsky alias Theobald Tiger 1930, Musik: Leo Kowald, Juni 2008





Wenn du zur Arbeit gehst am frühen Morgen
wenn du am Bahnhof stehst mit deinen Sorgen
dann zeigt die Stadt dir asphaltglatt
im Menschentrichter Millionen Gesichter

Zwei fremde Augen ein kurzer Blick
die Braue, Pupillen, die Lider, was war das?
Vielleicht dein Lebensglück
vorbei, verweht, nie wieder

Du gehst dein Leben lang auf tausend Straßen
du siehst auf deinem Gang, die dich vergaßen
ein Auge winkt, die Seele klingt
du hasts gefunden - nur für Sekunden

Zwei fremde Augen ein kurzer Blick
die Braue, Pupillen, die Lider, was war das?
Kein Mensch dreht die Zeit zurück
vorbei, verweht, nie wieder

Du musst auf deinem Gang durch Städte wandern
siehst einen Pulsschlag lang den fremden Andern
es kann ein Feind sein - es kann ein Freund sein
es kann im Kampfe dein Genosse sein
es sieht hinüber und zieht vorrüber

Zwei fremde Augen ein kurzer Blick
die Braue, Pupillen, die Lider, was war das?
Von der großen Menschheit ein Stück
vorbei, verweht, nie wieder
A7+   D7+   A7+   D7+

A7+   D7+   A7+   D7+
A7+   G°    Hm7   E7
Hm7   E7    Hm7   E7
A7+   G°    Hm7   E7  

Am    G7    C     Dm 
Dm6   E79-  Gm6   A7
Dm    G7    C7+   F7+ 
Dm6   E79-  A7+   D7+
A7+   D7+   A7+   D7+
A7+   D7+   A7+   D7+
A7+   G°    Hm7   E7
Hm7   E7    Hm7   E7
A7+   G°    Hm7   E7  

Am    G7    C     Dm 
Dm6   E79-  Gm6   A7
Dm    G7    C7+   F7+ 
Dm6   E79-  A7+   D7+
A7+   D7+   A7+   D7+
A7+   D7+   A7+   D7+
A7+   G°    Hm7   E7
Hm7   E7    Hm7   E7
Hm7   E7    Hm7   E7
A7+   G°    Hm7   E7  

Am    G7    C     Dm 
Dm6   E79-  Gm6   A7
Dm    G7    C7+   F7+ 
Dm6   E79-  A7+   

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Mutter Erde (Juli 2009)

Mit kühler Miene zieht der Mond um seine Erde
und schaut sie sich genau von allen Seiten an
seitdem er roh aus ihrem Leib geschlagen wurde
hat sich auf ihrer Haut erstaunliches getan

Mal sah er sie verwüstet oder fast versunken
und traf sie plötzlich ein Kometen-Vagabund
dann färbten Feuersbrünste ihre Hülle dunkel
und er hielt Wache bis sie alles überstand
  
In ihrem Koma war sie schöner noch geworden
mit grünen Wäldern, blauen Seen und Flüssen, klar
skurrilen Wesen in der Luft bis tief in Fjorden
der Tisch war reich gedeckt, genug für alle da 

Nach vielen Runden sah er auf den Kontinenten
sich feine Linien verzweigen und zuletzt
als wucherndes Geflecht sich über alles breiten
die Kugel eng umschlungen wie ein Spinnennetz

Und an den Knoten wuchsen Städte und Fabriken
die um sich griffen, und die Luft war schmutzig grau
und in der Dämm'rung sah er ihre Lampen blinken
und leise drang Musik und Lärm zu ihm hinauf

Er hörte ihre Waffen donnern und sah Blitze
und viele Länder waren voll des Bombenrauchs
er schien auf Felder abertausend weißer Kreuze
bedeckt mit Raureif · des grauen Morgenhauchs

Mit kühler Miene zieht der Mond um seine Erde
und schaut sie sich genau von allen Seiten an
noch lange nach der kurzen Menschheitsepisode
hat sich auf ihrer Kruste · nichts mehr getan

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Die Schnecke zum Gärtner (traurige Wahlanalyse, Oktober 2009)

Die Kreuze der Wähler in den Urnen sind alle gezählt:
Wer hat denn schon wieder die Schnecke zum Gärtner gewählt? 
Die schweigende Mehrheit hat ohne mich vorher zu fragen
mein zierliches Pflänzchen Hoffnung zum Kompost getragen

Ich finde, ein solches Verhalten ist nicht souverän
wie fahrlässig darf man als Wähler zur Wahlurne geh'n 
muss man den eig'nen Belangen zuwider stimmen
oder wie ein Stück Treibholz im Strome der Nichtwähler schwimmen?

	Egal, ob von Schröder und Fischer, von Merkel und Müntern
	nach Wahlgeschenken gibt's immer 'nen Tritt in den Hintern
	von Merkel und Steinmeier oder vom welligen Western
	den Schmerz, wenn er nachlässt, der Wähler, vor Wahlen vergisst er'n!
	
Man könnte als Wähler vor Wahlen sich mal informier'n
aus eigenen Quellen, statt nur in die Glotze zu stier'n
um sich dort mit Scheinargumenten verwirren zu lassen
die so gut in die Scheinwelt der Reichen und Schönen passen

Der Liberalismus steht da wie ein Clown ohne Socken
das ist doch kein Grund, sich 'ne Westerwelle zu locken!
Als hätten die Pleitenwellen dem Volk nicht genügt
hat es prompt den Apostel der Banken zum Vize gekriegt

	Egal, ob von Schröder und Fischer, von Merkel und Müntern
	nach Wahlgeschenken gibts immer 'nen Tritt in den Hintern
	von Merkel und Steinmeier oder vom welligen Western
	den Schmerz, wenn er nachlässt, der Wähler, vor Wahlen vergisst er'n!
	
Drum dürfen, wie üblich nach deutschen Reichstagswahlen
die niederen Klassen die Abkackprämien bezahlen
der Staat wird die Schurken an Krisengewinnen nicht hindern
und mit Opferritualen die Taschen der Wehrlosen plündern

Und Kopfgeldpauschalen und ew'ge Atomrestlaufzeiten!
Der Wähler vergaß, sich die Pläne der Merkel zu merken
die Wahlkampf-Dementis, die harschen sind eben verklungen
und schon wird ihm der neueste Tritt-in-den-Arsch-Walzer g'sungen:

	Egal, ob von Schröder und Fischer, von Merkel und Müntern
	nach Wahlgeschenken gibts immer 'nen Tritt in den Hintern
	von Merkel und Steinmeier oder vom welligen Western
	den Schmerz, wenn er nachlässt, der Wähler, vor Wahlen vergisst er'n!    
	
Fakultativ:                                                                           
  Und regt sich von unten mal schüchterne Opposition
  verschärft man die flächendeckende Observation
  natürlich nur rechtsstaatlich und alles amtlich bezeugt
  und gefoltert wird nie, ohne Not, wenn der Terrorist schweigt!

  Zum Schluss etwas Trost, ja das muss man dem Souverän lassen     
  hat er doch die braunen Banditen ins Abseits geschossen
  und glücklicherweise die eine Lektion nicht verlernt
  doch von Selbstbestimmung ist er noch ein Lichtjahr entfernt!





Dm / / / Am /
Dm / / / Am /
C    / / / Em /
Gm / / / D   /

D    / / / A  /
A7  / / / D  D7
G7  / A7 / H7  /
Em7  / A7 / D  A7

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Mal was schönes (Februar 2009)

Lala lalala lala lalalalah, lala lalala lalah

Kannst du, Leo, nicht auch mal was schönes singen
von beschwingten, heiteren und angenehmen Dingen
die nicht gallenartig das Gehör verätzen
und Adrenaline in Alarm versetzen

Hach, bei deinen Liedern muss man so viel denken
dass sich einem die Synapsen im Gehirn verrenken
musst du uns die letzten Illusionen rauben
die wir noch der Kanzel und der Glotze glauben

Lala lalala lala lalalalah, lala lalala lalah

Kannst du nicht ein bisschen uns're Psyche schonen
von der Wahrheit kriegt der Deutsche nämlich Depressionen
kannst du die Verhältnisse nicht etwas schönen
wirst du dich denn nie mit dem System versöhnen

Immer musst du über die Probleme reden
das erzeugt beim Publikum die schwersten Seelenschäden
die muss man mit Alkohol erst auskurieren
will man in der Nacht nicht wach zur Decke stieren

Lala lalala lala lalalalah, lala lalala lalah

Hast du, Leo, nicht auch ganz profane Sorgen
soll ich dir vielleicht 'ne heiße DVD besorgen
die weist deine Aggressionen in die Schranken
und bringt deine destruktive Sicht ins Wanken

Ist es nicht auch wichtig wie die Schalker spielen
und wie tief die Bayern-Müch'ner Millionäre fielen
willst du nicht ein Liedchen auf Jens Lehmann singen
wie die Lüdenscheider null-vier baden gingen

Lala lalala lala lalalalah, lala lalala lalah

Oder schreib' in Gottes Namen Liebeslieder
die hört der frustrierte Deutsche immer gerne wieder
Popverlage würden sich dann um dich raufen
und Millionen würden deine Platten kaufen

Muss man überhaupt zu Liedern Texte schreiben?
Man versteht doch bloß die Hälfte - lass es einfach bleiben!
Für den Markt, da langt es "lalalah" zu lallen
das würd' deinen Fans genauso gut gefallen!

Lala lalala lala lalalalah, lala lalala lala lalalah
Lala lalala lala lalalalah, lala lalala lalah ...

D   E7  A   F#7  Hm7  C#7 F#m E7

A7  /   D7  /
A7  /   D7  /
G    /   A7  /
D    /   E7  /

A7  /   D7  /
A7  /   D7  /
G7  /   C    /
A7  /   D    E7

» Die kanadische Anthropologin und Urheberrechtsexpertin Rosemary Coombe stellt fest, dass in den "Konsumgesellschaften die Mehrzahl der Bilder, Texte, Motive, Label, Logos, Warenzeichen, des Warendesigns, der Melodien und sogar Farben und Gerüche unter das Prinzip des geistigen Eigentums fallen oder darüber kontrolliert werden." Die Auswirkungen solcher monopolistischen Kontrollstrukturen sind katastrophal. Denn verbreitet wird lediglich die Kunst und Unterhaltung, über deren Rechte einige mächtige Konzerne verfügen. Sie konzentrieren sich darauf, einzelne "Stars" aufzubauen, in die sie hohe Summen investieren, und verdienen an den Nebenprodukten ihrer Vermarktung. Angesichts des hohen Investitionsrisikos setzen sie auf aggressives, weltweites Marketing, das kulturelle Alternativen aus dem Bewusstsein der Menschen verdrängt. Die Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten bleibt dabei auf der Strecke. « ( Aus: "Geistiges Eigentum ist Diebstahl" von Joost Smiers )


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