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Der goldene Mittelweg

Die Körperhaltung vorwärts schräg
gebügelt und gekampelt
bleib auf dem goldnen Mittelweg
der ist schön ausgetrampelt

Dein Urteil sei stets abgeklärt
und vornehm unparteiisch
wer sich von Petersilie nährt
ist weder Fisch noch Fleiisch

Auch deine Meinung will man hör'n
drum äußre sie bisweilen
recht ungeniert und laut
sofern - die Oberen sie teilen!

Im Leben weht ein scharfer Wind
um den musst du dich wenden
die in der gleichen Lage sind
sind deine Konkurrenten

Auf diese simplen Regeln achte
bis zur letzten Stund
dass jeder sagt: "Wie weit ders brachte!
Starb an Rückgratschwund"

                              (von Rudi Burda, Wien 1980)


Der erste Akt der Geschichte der Extraplatte war die Gründung eines autonomen Plattenlabels von musikalischen Aktivisten aus dem Umfeld des legendären Wiener Folk-Klubs „Atlantis“. Die Folkies und Liedermacher der Anti-Atomkraft-Bewegung, der Hausbesetzer-Szene und der grün-linken Protest-Generation waren frustriert über die mangelnden Veröffentlichungschancen ihrer Aufnahmen bei den etablierten Schallplattenfirmen und wollten, angespornt von Entwicklungen in anderen europäischen Ländern, die Dinge selbst in die Hand nehmen. Ihr Publikum hatten sie bei den vielen Veranstaltungen der Anti-AKW-Initiativen, die in der erfolgreichen Zwentendorf-Volksabstimmung ihren Höhepunkt fanden, und bei den Geschehnissen um die Besetzung des „Arena“-Komplexes, die in der erfolgreichen Gründung eines autonomen Kultur-Zentrums gipfelte. Zum Förderer des Projektes eines Kollektivs von unabhängigen Musikproduzenten wurden Die Schmetterlinge, die politisch-engagierte Gruppe um den Multiinstrumentalisten Erich Meixner, die Sängerin „Trixi“ Neundlinger und den späteren Ostbahn-Kurti, Willi Resetaris. Die Gruppe hatte sich seit Beginn der 70er Jahre etabliert und verfügte über einen wichtiges Produktionsmittel zur Realisierung des Projektes: Sie besaß in Bisamberg das „Schmettersound“-Studio. Erste LP-Projekte entstanden: zum Beispiel „Aufsässige österreichische Volkslieder“ der Gruppe Dreschflegel, dem Vorläufer von Liederlich Spielleut, die später ebenfalls bei Extraplatte veröffentlichten („Gezuwa“). Der kritische Liedermacher Reinhart Sellner nahm hier „Halten verboten – Kritische Lieder für Zeitgenossen“ auf und es entstanden Live-Mitschnitte wie „Künstler gegen Zwentendorf“ aus dem Jahre 1979. Weitere Künstler, die damals auf Extraplatte erschienen, waren der Folkie Patrick Cinque, die Liedermacher Erich Demmer, Werner Prassl und Rudi Burda, der Kabarettist Lukas Resetaris, deutschen TV-Zuschauern auch als Kottan der legendären Kriminal-Parodie bekannt, sowie die Politrockgruppe „Auflauf“ des heutigen Kabarett-Texters Fritz Schindlecker.
(Von Jörg Eiben aus http://www.folker.de/200301/13extra.htm)