Der erste Akt der Geschichte der
Extraplatte war die Gründung eines
autonomen Plattenlabels von musikalischen Aktivisten aus dem Umfeld des
legendären Wiener Folk-Klubs „Atlantis“. Die Folkies und
Liedermacher der Anti-Atomkraft-Bewegung, der Hausbesetzer-Szene und der
grün-linken Protest-Generation waren frustriert über die mangelnden
Veröffentlichungschancen ihrer Aufnahmen bei den etablierten
Schallplattenfirmen und wollten, angespornt von Entwicklungen in anderen
europäischen Ländern, die Dinge selbst in die Hand nehmen. Ihr
Publikum hatten sie bei den vielen Veranstaltungen der Anti-AKW-Initiativen,
die in der erfolgreichen Zwentendorf-Volksabstimmung ihren Höhepunkt
fanden, und bei den Geschehnissen um die Besetzung des
„Arena“-Komplexes, die in der erfolgreichen Gründung eines
autonomen Kultur-Zentrums gipfelte. Zum Förderer des Projektes eines
Kollektivs von unabhängigen Musikproduzenten wurden Die Schmetterlinge,
die politisch-engagierte Gruppe um den Multiinstrumentalisten Erich Meixner,
die Sängerin „Trixi“ Neundlinger und den späteren
Ostbahn-Kurti, Willi Resetaris. Die Gruppe hatte sich seit Beginn der 70er
Jahre etabliert und verfügte über einen wichtiges Produktionsmittel
zur Realisierung des Projektes: Sie besaß in Bisamberg das
„Schmettersound“-Studio. Erste LP-Projekte entstanden: zum Beispiel
„Aufsässige österreichische Volkslieder“ der Gruppe
Dreschflegel, dem Vorläufer von Liederlich Spielleut, die später
ebenfalls bei Extraplatte veröffentlichten („Gezuwa“). Der
kritische Liedermacher Reinhart Sellner nahm hier „Halten verboten –
Kritische Lieder für Zeitgenossen“ auf und es entstanden
Live-Mitschnitte wie „Künstler gegen Zwentendorf“ aus dem
Jahre 1979. Weitere Künstler, die damals auf Extraplatte erschienen,
waren der Folkie Patrick Cinque, die Liedermacher Erich Demmer, Werner Prassl
und Rudi Burda, der Kabarettist Lukas Resetaris, deutschen TV-Zuschauern
auch als Kottan der legendären Kriminal-Parodie bekannt, sowie die
Politrockgruppe „Auflauf“ des heutigen Kabarett-Texters Fritz
Schindlecker.
(
Von Jörg Eiben aus
http://www.folker.de/200301/13extra.htm)