ev. NAUHEIM Im Nauheimer Spargelhof von Ernst Müller herrscht noch Ruhe. Der Landwirt setzt auf naturnahen Anbau und verzichtet deshalb auf Folientunnel. Anfang nächster Woche wird aber auch bei ihm die Spargelernte beginnen. "Uns fehlen zwei, drei Tage Sonne", fasst Ernst Müller die Situation zusammen. Denn während in der Nachbarschaft die meisten Spargelanbauer die spärlichen Sonnenstrahlen mit Folientunnel und zusätzlicher schwarzer Folie einfangen und somit die Wärme verstärken, setzt Müller ganz auf die Natur. Im Moment seien die Mitarbeiter noch mit dem Fräsen der Spargeläcker beschäftigt, erzählt Müller. Auf den ersten Äckern seien zwar schon die Spargelbalken aufgeschüttet, aber noch nicht auf allen. Ein einziges Zugeständnis macht Müller an die Wachstums-Beschleunigung per Folie: Auf dem wärmsten Acker hat er auf zwei Hektar so genannte Taufolie oder auch Kartoffelfolie ausgelegt. Diese werde dann bei der Ernte zerschnitten und später weggeworfen. Auch im Hof des Betriebes in Nauheim liegen Folienrollen herum. "Alles noch original verpackt", wie Müller beim Rundgang betont. Die Folien seien als reine Vorsichtsmaßnahme gekauft worden, falls es auch in den nächsten Wochen weiter regnen sollte.
Einen wirklichen Vorteil durch die Folie sieht Müller für seine Spargeläcker nicht. Der lockere Sandboden im "Seichböhl", wo die 45 Äcker mit insgesamt zwölf Hektar Anbaufläche liegen, lasse gut das Wasser ablaufen. Hier könne keine Staunässe entstehen. Beim Auslegen der Folie müsste aber viel auf den Äckern herumgefahren werden, was den Boden verdichte. Den Vorteil des früheren Erntebeginns bei den Kollegen hofft Müller dann durch eine gleichmäßigere Wachstumsphase und eine etwas längere Ernte auszugleichen. Denn eine Spargelpflanze könne nur eine bestimmte Anzahl von Trieben hervorbringen, erläutert er. Wer sich genauer über den Spargelanbau und die Ernte informieren will, der kann bei einer Führung über den "Spargellehrpfad" im "Seichböhl" teilnehmen. Vor rund zehn Jahren hat Müller die Schilder mit Erläuterungen aufgestellt und gibt bei seinen kostenlosen Führungen detaillierte Schilderungen zum Anbau.
Weil die Erntesaison noch nicht begonnen hat, sind auch die Erntehelfer noch nicht in Nauheim angekommen. "Die sitzen zuhause auf gepackten Koffern und rufen alle zwei Tage an, wann es denn nun los geht", schildert Müller. Müller vertraut auf 45 Erntehelfer aus der Slowakei, Kroatien und Polen. Deutsche Helfer sind im Verkauf tätig. Erntehelfer aus diesen Ländern zu bekommen werde aber zunehmend schwieriger. Der wirtschaftliche Aufschwung dort sorge dafür, dass in den Heimatländern Arbeitsplätze entstünden. Außerdem sorgten die nicht so strenge Einhaltung von EU-Richtlinien bei Deutschlands Nachbarn dafür, dass sich dort um Arbeit bemüht werde. Gepaart mit einer langsamen Bürokratie in Deutschland, das Arbeitsamt braucht rund vier Wochen, um neue Arbeitsverträge für Ersatzleute bei Absagen zu bearbeiten, machten die Ernte nicht einfacher, so Müller abschließend.
aus der Main-Spitze vom 18.04.08
Helfer sitzen auf gepackten Koffern
Beim Nauheimer Landwirt Ernst Müller soll die Spargelernte Anfang nächster Woche starten
Die Anwendung von Folie wie hier auf einem Spargelacker in Trebur ist nicht
ganz unumstritten.
Foto: Detlef Volk
Vom 18.04.2008