Einführung

Gliederung

1 Einführung

Das Thema der vorliegenden Arbeit lautet „Bau, Erprobung und Einsatz der Lochkamera im Sachunterricht der Grundschule“

Eigentlich ist dieses Thema in unserer von Elektronik geprägten Zeit eher unzeitgemäß. Die Technik der Lochkamerafotografie erscheint veraltet und umständlich. Längst gibt es Kameras, die den Benutzer entlasten: Sie helfen beim Filmeinlegen (Klappe zu und der Motor zieht den Film so weit, dass kein Bild verschwendet wird), berechnen Entfernung zum Motiv, Blende und Öffnungszeit und klappen ihren Blitz hoch, wenn es ihnen zu dunkel wird. Der Benutzer hat manchmal noch die freie Wahl zwischen Mehrfach- und Einfachbelichtung, zwischen Portrait-, Landschafts- und Nahaufnahmen und zwischen den verschiedenen Fotogeschäften, denen er seine Erzeugnisse zum Entwickeln überlässt. Nichts muss der ‚Fotograf’ mehr über die Fotografie wissen – und er kann trotzdem tolle Bilder machen.

Warum also sollte man die Lochkamera zur Sache des Sachunterrichts machen, obwohl sie in der Lebenswelt der Kinder keinen Platz mehr hat?

Der Grund dafür ist einfach: Die Lochkamera gibt ihrem Benutzer die Gestaltungsmöglichkeiten der Fotografie zurück, die ihm die moderne Technik aus den Händen gerissen hat. Sie ist simpel aufgebaut und leicht zu bauen. Sie fordert auf zum Gestalten, Verändern, Ausprobieren, Beobachten, Entdecken und Verstehen – alles Aktivitäten, die der moderne Sachunterricht bei den Kindern antreiben und unterstützen soll (Richtlinien und Lerhpläne SU, S.22ff). Die Lochkamera ist dabei das Instrument, das diese Verhaltensweisen stimuliert – ein Mittler zwischen der Arbeit und dem Kind.

Sie ermöglicht zielorientiertes Arbeiten mit Zielen, die den eigenen persönlichen Kriterien entsprechen: Niemand wird sich Ruhe gönnen, bis er Ergebnisse geschaffen hat, mit denen er zufrieden ist.

Sie ermöglicht handlungsorientiertes Lernen: Man kann den Kamera bauenden Schülern im Vorfeld viele Details über Lochkamerafotografie erklären – man kann es aber auch genauso gut lassen und darf sich sicher sein, dass dennoch gute Fotos entstehen werden. Fehler und Ungenauigkeiten beim Bau und beim Benutzen der Kamera verhindern das fotografische Ergebnis nicht – sie verändern es lediglich!

Und schließlich ermöglicht sie offene Arbeitsformen: Selbstgesteuert Lernende benötigen das Ziel (siehe oben), die Zeit und das Material – sonst nichts.

Diese Staatsarbeit habe ich aus zwei Gründen geschrieben: Der profanere zuerst: Ich möchte mit dieser Arbeit mein erstes Staatsexamen erlangen, um ein guter Lehrer werden zu können.

Der zweite Grund ist nicht weniger wichtig: Ich habe die Lochkamera in einem Workshop der Freinet-Pädagogen kennen gelernt. Ich konnte an mir selbst beobachten, welche Motivation die Lochkamera in mir auslöste; wie sie mich antrieb zum Gestalten, Verändern, Ausprobieren, Beobachten, Entdecken – und letztendlich auch zum Verstehen. Nun möchte ich wissen, ob die Lochkamera in derselben Weise auf Kinder im Grundschulalter wirken kann. Sprich: Ist es mit Hilfe der Lochkamera möglich, Kindern Freude am wissenschaftlichen Arbeiten zu vermitteln und sie zum eigenverantwortlichen Lernen zu bringen?

Dies ist eine zentrale Frage der Arbeit. Um sie zu beantworten habe ich mit Hilfe eines Kommilitonen, einer Grundschullehrerin, einer Referendarin und dreiundzwanzig Grundschulkindern, denen ich an dieser Stelle für ihre Arbeit herzlich danken möchte, eine Unterrichtseinheit durchgeführt.

Siegen, im Juni 2000

 

1.1 Gliederung dieser Arbeit

Die vorliegende Arbeit beschreibt die Planung, Durchführung und Reflexion meiner Unterrichtseinheit zum Thema „Lochkamera“.

 Im zweiten Kapitel analysiere ich zunächst die Sache selbst; die Lochkamera, ihre Geschichte, ihre physikalischen Prinzipien sowie ihre Herstellung werden von mir erläutert.

In Kapitel  3 erfolgt die didaktisch-methodische Analyse des Lerngegenstands Lochkamera. Welchen Beitrag kann die Lochkamera im Sachunterricht leisten, welche Ziele kann man mit ihr verfolgen und – wie können diese Ziele begründet werden. Auch auf die Schule und die Lerngruppe werde ich in diesem Kapitel eingehen.

 Das vierte Kapitel beinhaltet die konkrete Planung, Durchführung und Reflexion meiner Unterrichtsreihe.

 Im Kapitel 5 möchte ich ein Resümee über die Unterrichtseinheit ziehen und die im Vorwort genannte Frage beantworten, die meine Arbeit an dieser Arbeit wie ein roter Faden begleitete.

 

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